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Im Fokus Chinas Autokonzern BYD Handelskrieg zwischen Indien und China nimmt Fahrt auf

Indien China Handelskrieg

Der Handelskrieg zwischen Indien und China nimmt Fahrt auf, nachdem Indien den Bau einer Fabrik des chinesischen Elektro-Autoherstellers BYD untersagt hat. Nun untersucht die indische Steuerbehörde, ob BYD zu wenige Steuern bezahlt hat. Neben BYD stehen auch andere chinesische Automarken im Fokus der Aufseher. Auf anderen Gebieten zeichnet sich ebenfalls ein kommender Handelskrieg der beiden bevölkerungsreichsten Staaten ab.

Handelskrieg Indien-China: Indien untersagt 1 Milliarde US-Dollar Investition von BYD und GWM

BYD und Great Wall Motors (GWM) wollten jeweils im Rahmen eines Joint-Ventures mit einem privaten indischen Unternehmen eine Fabrik für Elektroautos im Wert von einer Milliarde US-Dollar aufbauen. Die indischen Behörden untersagten diese Investitionen aus Sicherheitsgründen. In der indischen Regierung wachsen Bedenken darüber, dass viele Joint Ventures, die von Unternehmen aus China „arrangiert“ wurden, „stark durch den ausländischen Partner gewichtet und kontrolliert werden“, während das indische Unternehmen mehr oder weniger nur zum Schein involviert ist.

Auch ein dritter chinesischer Konzern, der VW-Partner Shanghai Automotive Industry Corporation (SAIC) mit seiner Marke MG/Roewe, hat Schwierigkeiten, die Erlaubnis für weitere Investitionen für eine Expansion in Indien zu erlangen. Des Weiteren laufen Ermittlungen, ob MG/Roewe eventuell gegen indische Steuergesetze verstoßen hätte. Hier befindet sich MG/Roewe in guter Gesellschaft, denn auch BYD steht mittlerweile unter dem Verdacht, 730 Millionen Rupien (ca. 8.5 Millionen Euro) zu wenig Steuern bezahlt zu haben. BYD hat diesen Betrag zwar mittlerweile beglichen, die Untersuchungen laufen aber weiter.

Untersuchungen auch gegen chinesische Handyhersteller

Im Juli unterrichtete das indische Finanzministerium das Parlament, dass chinesische Handyhersteller wie Xiaomi, Vivo und Oppo dem indischen Staat mindestens 80 Milliarden Rupien (ca. 980 Millionen Euro) an Steuern schulden, wovon die Steuereintreiber bisher nur 18% beschaffen konnten. Letztes Jahr blockierte zudem ein Gericht fast 53 Milliarden Rupien (ca. 642 Millionen Euro) von Xiaomi, die als Lizenzgebühren ins Ausland transferiert werden sollten.

Nach Samsung dominieren die vier chinesischen Handyanbieter den Markt in Indien. Dagegen will Foxconn, der Dienstleister u.a. für Apple-Handys, zusammen mit dem amerikanischen Chiphersteller Applied Materials zwei Fabriken mit einer Gesamtinvestition von 600 Millionen US-Dollar (ca. 550 Millionen Euro) in Indien errichten. Dort sollen zum einen Handys, aber auch Chips und andere Zubehörteile hergestellt werden.

Indien verschärft Regeln für die Einfuhr von Computern – Stoßrichtung China?

In einem überraschenden Schritt hat Indien die Regeln für die Einfuhr von Computern, Laptops und Tablets verschärft. Ab sofort müssen Importeure eine Lizenz beantragen, um diese nach Indien einzuführen und dort zu verkaufen. Zwar betrifft diese Einschränkung auch Samsung und Apple (wenn auch Apple in Indien selbst produziert), aber die Hauptstossrichtung dürfte sich gegen chinesische Hersteller richten, die die Mehrzahl der Computer in Indien verkaufen.

China wittert politische Gründe – oder ist es eine Einladung an Tesla?

China wittert hinter all dem – wohl nicht zu Unrecht – politische Gründe. Die „Global Times“ schrieb in Bezug auf die Untersuchung gegen BYD, dies wäre „eine weitere Ergänzung zu dieser Flut von Maßnahmen der indischen Regierung gegen chinesische Unternehmen“ und „zu einer Kettenreaktion führen und das Gesamtvertrauen chinesischer Unternehmen in Investitionen in Indien beeinträchtigen.“ Neben den Verboten von Investitionen und strafrechtlichen Untersuchungen übt New Delhi Druck auf chinesische Unternehmen in Indien aus, dass das Top-Management mit Indern besetzt werden solle.

Die chinesischen Kommentare könnten auch Zitate westlicher Medien und Kommentatoren zu den chinesischen Praktiken der letzten Jahrzehnte sein. Indien wendet im Wesentlichen Methoden an, die China im Umgang mit westlichen Investoren vorexerziert hat.

Die Regierung Modi versucht unter dem Motto „Make in India“ die Produktion in Indien anzukurbeln. Allerdings sanken im ersten Halbjahr 2023 die Direktinvestitionen um 21,67% gegenüber dem letzten Jahr.

Der Fall „BYD“ hat aber noch eine weitere Dimension: Tesla, der direkte Konkurrent zu BYD, ist in Indien bisher weder als Händler noch als Hersteller vertreten. Teslas Chef, Elon Musk, verhandelt offenbar zur Zeit mit der indischen Regierung über eine mögliche Fabrik in Indien, seit sich Musk mit Indiens Premierminister Narendra Modi im Juni in New York getroffen hatte. Die Absage an BYD könnte Musk die Entscheidung erleichtern, eine weitere „Giga Factory“ in Indien aufzubauen.

Steigende Rivalität zwischen Indien und China

Die Beziehungen zwischen Indien und China verschlechtern sich seit den Scharmützeln zwischen der chinesischen Volksbefreiungsarmee und indischen Truppen an der Demarkationslinie (LAC) zwischen den beiden Ländern im Himalaya. Zudem hofft Indien, von dem Handelskrieg zwischen China und den USA zu profitieren. Indien sieht sich derzeit in einer stärkeren Position mit aktuell hohem Wirtschaftswachstum und potenziellen Vorteilen aus der demographischen Entwicklung, während China aktuell wirtschaftlich eine Schwächephase durchläuft und möglicherweise eine demographische Hypothek abtragen muss.

In den letzten Monaten wendet sich Indien zunehmend von China und den von China dominierten Bündnissen BRICS und Shanghai Cooperation Organisation (SCO) ab. Den letzten Gipfel der SCO unter Vorsitz Indiens hielt Narendra Modi virtuell ab, da Modi die Zeit nicht für ein persönliches Treffen mit Xi Jinping gekommen sah. Auch bei der Frage der Erweiterung der BRICS-Partnerschaft und einer gemeinsamen Währung ging Indien zuletzt auf Distanz. Letztere scheint zumindest aktuell vom Tisch zu sein. Selbst der Kreml sieht eine gemeinsame Währung „kaum realisierbar.“ Stattdessen ist wohl ein Warenkorb an Währungen – ähnlich den Sonderziehungsrechten des Internationalen Währungsfonds (IWF) – im Gespräch.

Modi selbst erwog zunächst, nicht persönlich an dem Gipfel der BRICS-Staaten in Südafrika teilzunehmen. Nach einer Meldung der „Times of India“ sagte ein indischer Regierungsbeamter, „dass es in Neu-Delhi zunehmendes Unbehagen darüber gibt, Teil von Gruppierungen wie BRICS und SCO zu sein, die von China dominiert werden, besonders da sich Indien den Vereinigten Staaten und anderen westlichen Mächten näher fühlt.“

Nach einem Telefonat mit dem südafrikanischen Amtskollegen twitterte Modi dann, dass er sich auf die Teilnahme an dem BRICS-Summit freuen würde.

Ein Gipfel, der eigentlich ein Signal der Stärke und des Zusammenhalts gegen die USA zeigen sollte, betont im Augenblick jedoch eher die Differenzen zwischen den ungleichen Partnern.



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