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Immobilien: 1,2 Billionen Euro neue Kredite in 2018 – noch kein Problem, aber…

Claudio Kummerfeld

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Die Deutschen machen immer mehr neue Schulden für den Kauf von Immobilien, also Häuser und Eigentumswohnungen. Im Jahr 2018 waren es insgesamt (inklusive Selbstständige) 1,2 Billionen Euro neue Schulden, wie laut aktuellen Berichten die Bundesregierung den Grünen auf Anfrage mitgeteilt hat. Ohne Selbständige waren es im letzten Jahr 995 Milliarden Euro neue Schulden für den Kauf von Immobilien. Das Volumen dieser Kredite stieg in zehn Jahren um gut 1/4.

Diese Schuldensause ist gut nachvollziehbar. Immobilien als Geldanlage fürs Alter werden immer wichtiger beziehungsweise interessanter. Durch die abgeschafften Zinsen für Spareinlagen drängen auch private Anleger in Aktien und Immobilien als Geldanlage. Und der Hauptgrund, so darf man es mit klarem Verstand vermuten: Der Deutsche ist baufreudiger denn je, weil die Banken dank der EZB den Kreditzins für Baufinanzierungen fast auf Null gesenkt haben. Die Zinsersparnisse für die Häuslebauer sind enorm. Wenn nicht jetzt bauen, wann dann? So werden es sich viele Menschen denken, und das zu recht. Denn die Zinsersparnis auf 20 oder 30 Jahre Laufzeit ist gigantisch. Geworben wird aktuell schon mit Finanzierungskosten von 0,37%.

Kein free lunch beim Immobilien-Boom

Aber wie alles im Leben gibt es auch beim Hausbau keinen „fee lunch“, also kein problemfreies Glück. Selbst wenn der Zins auf 0 sinkt. Die hohe Schuldenbelastung der Häuslebauer bleibt nun mal, und das für Jahrzehnte. Und sie haben in der Regel ihre Grundstücke oder Immobilien zu verdammt hohen Preisen erworben. Und bei Neubauten kommt hinzu, dass die Baukosten dank immer höherer Handwerkerrechnungen auch steigen. Denn die Handwerker sind voll ausgelastet, und verlangen immer höhere Stundensätze – der freie Markt eben! Also hat der Häuslebauer dank Immobilien-Hausse derzeit immens hohe Kaufkosten, auch bei quasi kaum noch vorhandener Zinslast.

Gestern veröffentlichte Daten zeigen bereits einen deutlichen Rückgang beim Bauboom in Deutschland. Auch die Rezession in der Industrie ist inzwischen mehr als sichtbar. Seit Monaten sind die Auftragseingänge sowie auch die tatsächliche Industrieproduktion schon deutlich rückläufig. Zahlreiche große Konzerne bauen gut bezahlte Arbeitsplätze ab. Für den einzelnen Bürger kann das bedeuten: Findet man nach seiner Entlassung nicht rasch einen neuen gut bezahlten Job, hat man dank Hausbau einen riesigen Schuldenberg an der Backe, und kann aber die monatliche Rate nicht mehr schultern. Zwangsversteigerung, Überschuldung etc könnten für viele Betroffene die Folgen sein.

Sicherlich wird die Lage nicht so dramatisch werden wie bei der großen Finanzkrise 2008 in den USA. Denn Immobiliendarlehen bei den Amerikanern werden so locker gesehen wie eine Dispo-Erhöhung auf dem Girokonto in Deutschland. Hierzulande kommen sehr viel weniger Menschen an einen Immobilien-Kredit als in den USA, von daher werden auch die Ausfallraten in einer deftigen Wirtschaftskrise in Deutschland wohl kaum so hoch ausfallen wie damals bei den Amerikanern. Aber es kann zu Verwerfungen kommen. Wie gesagt. Die Schuldenlast steigt deutlich an, denn die niedrigen Zinsen sind verführerisch. Und die Wirtschaftskrise ist gerade voll im Start begriffen, wodurch gut bezahlte Jobs verloren gehen werden, hinter denen sicherlich oft auch Häuslebauer mit frisch aufgenommenen Darlehen stehen.

Immobilien Hausbau Beispielfoto
Beispielfoto für Hausbau. Foto: pixabay / ID 2211438

11 Kommentare

11 Comments

  1. Avatar

    tm

    6. September 2019 10:50 at 10:50

    „Das Volumen dieser Kredite stieg in zehn Jahren um gut 1/4.“

    Also 25% in 10 Jahren = 2,25% p.a. als Schuldensause zu bezeichnen, entbehrt nicht einer gewissen Komik. Tatsächlich ist die Schuldenquote der Privathaushalte angesichts dieses mickrigen Anstiegs in den vergangenen Jahren deutlich gefallen: https://tradingeconomics.com/germany/households-debt-to-income (und liegt zudem ähnlich hoch/niedrig wie in den USA).

  2. Avatar

    Marin

    6. September 2019 11:13 at 11:13

    Auf diesen „Trick“ fallen so viele rein „Die Zinsersparnisse für die Häuslebauer sind enorm. „. Aber daran sieht man, dass die meisten nicht rechnen können.

    Kaufen sich eine Immobilie auf Kredit und fast ohne Zinsen, vergessen aber dabei, dass die Zinsersparnis durch die enormen Anschaffungskosten mehr als aufgefressen werden. Beispiel: Immobilie X kostete 2014 200.000,- € bei Zinssatz von 4 %. Immobilie X kostet heute 2019 300.000,- € bei Zinssatz 2%.

    Das nenne ich mal eine super Geschäft. Aber typisch Deutsch, locke ihn mit 100 € und zocke hintenrum 1000 € ab.

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    Zimmermann

    6. September 2019 11:32 at 11:32

    Die Ausfallraten in Deutschalnd sind marginal. Ohne eine Eigenanteil von 25-30% bekommen Sie in der Regel bei uns gar keine Finanzierung. Nur bei sehr solventen Kunden, kann schon mal eine 100% Finanzierung sein. Das sind Ausnahmen und ohne Risiko für Ausfall.

    Aus diesem Grund kann ich die Mär einer Immobilienblase in unserem Land wirklich nicht mehr hören. Die gab es auch noch nie.

    Das ist der erhebliche Unterschied als in den USA. Da wird auch finanziert, auch wenn die Kreditkarte hoffnungslos überzogen ist.

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    BrettonWood

    6. September 2019 11:37 at 11:37

    Viel hässlicher wird es dann wenn eine Deflationäre Spirale Einsetzt welche den Wert der Liegenschaften senkt die Verschuldung aber hoch bleibt, meistens haben Verträge Nachschussklauseln für den Fall das die Finanzierung den Wert übersteigt, das können viele nicht womit viele in der Zwangsversteigerung landen, was die Preise noch mehr unter Druck beingt und noch mehr Immobilienpreise in den Abgrund zieht….daher ist Deflation auch so ein riesen Problem Hauptsächlich für den Schuldner….wenn eine solche käme wie zB Markus Krall denkt dann haben wir dann eine Sause

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    Chris

    7. September 2019 10:21 at 10:21

    Wenn die einzelne Bank ihr eigenes Überleben als Hauptziel setzt, könnte sich die Zwangsversteigerungsquote kurzfristig rasch erhöhen. Es wird jedoch erkannt werden, dass sie mit ihrer Handlung ihre eigene Bankbilanz verschlechtern. Sie müssten den Wert aller ihrer Immobilien korrigieren.
    Des Weiteren kann die Kapazität im Abwicklungsbereich nur langsam aufgestockt werden, Gutachter, Gerichte, Notare, …, dies wird den Prozess bremsen. Sobald man nicht zu den 20% risikoreichsten Finanzierenden gehört, wird man den Buchverlust gut überstehen.

    Einzig bei einem Verkauf seiner Immobilie und Umschichtung in andere Vermögensklassen könnte zum Realisieren der Buchverluste führen.

    Eine Restbeleihung von 60 % ist relativ sicher, da viele zu 80 % beleihen. Während Aktien in Millisekunden neu bewertet werden, dauert dies bei Immobilien Jahre, der Kauf/Verkauf Monate bis Jahre. Die Preise müssen einzeln errechnet werden, da die Objekte nicht standardisiert sind.
    Auch eine räumliche Vergeichbarkeit ist nicht gegeben.

    Das Risiko des Verlustes besteht in durch Versicherungspolicen nicht abdeckbaren Ereignissen, wie (Bürger)Krieg, große Naturkatastrophen oder staatliche Eingriffe, wie die Mietpreisbremse.

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      Johannes

      7. September 2019 13:47 at 13:47

      @Chris, ich denke, dass Sie aus persönlicher Enttäuschung als Betroffener die Mietpreisbremse bzw. in Ihrem Fall von Bestandsmietern eigentlich den Mietendeckel und damit die seit fast 20 Jahren geltende Kappungsgrenze etwas überbewerten. Das zeigt auch schon die Tatsache, dass Sie diese in einem Atemzug mit (Bürger)Krieg und großen Naturkatastrophen nennen. Im Falle der Mietpreisbremse, also einer Neuvermietung, könnten Sie zudem ja bis zu 10% über das Niveau der ortsüblichen Vergleichsmiete laut Mietspiegel gehen.

      Eine Entspannung der Immoblase, weniger Neubautätigkeit und damit einhergehende Preissenkungen bei Baukosten und Handwerksarbeiten, verbunden mit einer eher weiteren Verschärfung der Knappheit an Mietwohnungen, würde Ihnen als Vermieter nur Vorteile bringen. Schönheitsreparaturen und Instandhaltungsarbeiten würden schneller und kostengünstiger durchgeführt werden, die Mietpreise können auf dem horrenden derzeitigen Niveau verbleiben.

      Das derzeitige Problem liegt in hohem Maße auch an dem gestiegenen Pro-Kopf-Wohnraumbedarf in qm und dem stark gestiegenen Bedarf an Eigenheimen und Eigentumswohnungen. Eine typische Großbaustelle bei uns sieht etwa folgendermaßen aus: Abgetragener Mutterboden mit hunderten Metern an Bauzaun rundherum. Auf dem Bauzaun prangen riesige Banner mit etwa folgendem Inhalt: Hier entstehen 250 neue 4-, 3- und 2-Zimmer Eigentumswohnungen von 160 bis 65 qm Wohnfläche. Verkauft: 249 Wohnungen. Frei: 1 Wohnung.

      Bereits vor Baubeginn haben sich die Bauträger also das Geld von den zukünftigen Eigentümern bereits besorgt. Das Risiko der Bauträger geht gegen Null, die Ausfallrisiken durch die Eigentümer sind aufgrund der relativ „geringen“ Kosten einzelner Wohneinheiten überschaubar.

      • Avatar

        Chris

        8. September 2019 12:44 at 12:44

        @Johannes

        Ich hoffe nicht, dass die Käufer so dumm sind, Vorauszahlungen zu leisten.

        Bauträger treten immer in Vorleistung. Zunächst müssen sie Grundstückskauf, Baugenehmigung, Abriss, Vermessung, Architekt, Statiker, Notar, Grundbuchamt, Versicherung, Werbung, Kundenbetreuung finanzieren. Das Grundstück wird zwar beliehen, aber zu einen geringeren Wert, dem Beleihungswert. Dann erhalten sie, je nach Objekt, eine kleine Reservierungsgebühr vom zukünftigen Käufer und der Aushub beginnt.

        Die Zahlung an den Bauträger erfolgt immer nach Abschluss eines Baufortschritts, so wird es auch bei der Bank finanziert.

  6. Avatar

    Chris

    7. September 2019 14:39 at 14:39

    Warum staatliche Eingriffe so gefährlich sind? Sie wirken ohne lange Vorlaufzeiten auf den Großteil der Immobilien und zwar über das Ertragswertverfahren.

    Die Wertermittlungsverordnung (WertV) regelte in Deutschland allgemeine Grundsätze für die Ermittlung von Verkehrswerten bei Immobilien. Die WertV regelte damit die Auslegung der Verkehrswertdefinition in § 194 BauGB. Die Gutachterausschüsse müssen die WertV verbindlich anwenden.
    Die in der WertV geregelten Wertermittlungsverfahren nennt man auch normierte Verfahren:

    Vergleichswertverfahren nach § 13 bis 14 WertV
    Ertragswertverfahren nach § 15 bis 20 WertV
    Sachwertverfahren nach § 21 bis 25 WertV.

    Hier geht der Reinertrag aus den zukünftigen Mieten und Bewirtschaftungskosten unmittelbar und mittelbar, über den Liegenschaftszins ein, wenn der Reinertrag durch Mietpreisbremse, Mietpreisdeckel, Bestellerprinzip oder nicht mehr anrechenbare Nebenkosten, Stichwort Grundsteuer, sinkt. Die Entwicklung der Bodenpreise lasse ich in der Betrachtung außen vor.

    Stärker betroffen sind Gebäude mit langer Nutzungsdauer, also Neubau und kernsanierte Gebäude, durch den höheren Vervielfältiger.

    Man kann am Beispiel, siehe Link, die Miete auf 4 € absenken, wie in Berlin geplant und die Bewirtschaftungskosten um 1000 EUR anheben, Bestellerprinzip oder um 3000 EUR, erhöhte Grundsteuer nicht mehr auf den Mieter umlegbar und die neuen Ertragswerte ermitteln.

    https://www.immobilienscout24.de/immobilienbewertung/ratgeber/wissen/verfahren/ertragswertverfahren.html

  7. Avatar

    Johannes

    7. September 2019 22:19 at 22:19

    @Chris, vermutlich habe ich Sie völlig missverstanden. Bisher war ich der Meinung, Sie seien ein privater Vermieter eines „eigentlich zur Eigennutzung“ erstandenen Häuschens in einer gefragten Gegend am Rande Frankfurts, mit einer äußerst sozialen Einstellung gegenüber den Bestandsmietern.
    https://finanzmarktwelt.de/genehmigte-wohnungen-zeigen-bauboom-laesst-gesamtkonjunktur-im-stich-136791/

    Ihre Kenntnis und Darlegung von Ertragswertverfahren, Wertermittlungsverordnngen usw. erinnert dagegen eher an kommerzielle Spekulationsinteressen. Worum genau geht es Ihnen in dem Beitrag zu staatlichen Eingriffen? Ein vor mehreren Jahren erworbenes Haus an der Peripherie zu Frankfurt in Bestlage (Kat. 4 von 4) sollte doch eine Perle für jeden Anleger mit Ihrem Wissen sein.

    • Avatar

      Chris

      8. September 2019 11:56 at 11:56

      @Johannes

      Ja, wir haben das Haus vor über 20 Jahren zur Eigennutzung erworben.
      Da die Eigennutzung dann problematisch war, haben wir mit einem Bauträger gebaut und ich habe den Rohbau zusammen mit meiner Familie fertiggestellt.

      Da wir freiberuflich tätige Eltern waren, hatten wir uns um drei große Vermögens-/Schuldenblöcke zu kümmern.

      Jeder dieser Blöcke hatte einen höheren Haftsbetrag, als ein deutscher Durchschnittsbürger in seinen ganzen Leben an Steuern und Abgaben zahlt, quasi beim Scheitern nur eines der drei Zieles stand Pfändung bis zum Tod, das Wohlverhalten betrug damals nach Gäubigereinigung 30 Jahre.

      Es wäre wohl fahrlässig sich nicht in die einzelnen Themen einzuarbeiten und sich fortwährend weiterzubilden.
      Dazu ist man sogar gesetzlich verpflichtet, ich muss also das Grundwissen eines Verwalters mir erarbeiten, sonst kann ich nicht beurteilen, ob er sich gut um das Objekt kümmert und verantwortlich bleibe ich auch. Gibt es Probleme wird abends der Vermieter angerufen. Natürlich muss ich die Versicherungs- und Beleihungswerte der Objekte kennen. Der Ermittlung des Beleihungswertes änderte sich vom Sach- auf das Ertragswertverfahren. Außerdem erarbeitete ich mir ein Grundwissen im Erbbaurecht, da wir unser Grundstück nur von der Kirche pachten konnten.

      Man kann Verantwortung nicht auslagern, andererseits wächst man daran und bleibt nicht infantil.

      Ein wichtiges Beispiel, Sie können die Verantwortung für Ihre Gesundheit nicht auf den Arzt übertragen und benötigen ein Grundwissen, wie vermögen Sie sonst richtige Entscheidungen zu treffen?

      Es gibt also Themengebiete in die ich mich einarbeiten musste, für heutige Lebensverhältnisse zahlreiche. Ich bin so aufgewachsen.
      Wenn ich dauerhaft mit einem Thema zu tun habe, notwendiger Weise oder weil es mich interessiert, arbeitete ich mich ein.

      Und da die Gesetze, Verordnungen und die Rechtsprechung sprunghaft geworden sind, ist meine Antwort Risikominimierung, Minimalismus und Abwarten.

      Ja, ich würde die Beschlüsse der Regierungen mit Bombeneinschlägen vergleichen und sie fordern Menschenleben, weniger direkt als indirekt, Millionen von Menschenjahren für die großen Fehlentscheidungen und bisher keine Korrektur.

      Steuern und Abgaben stören die Menschen nicht, wenn sie sinnvoll verwendet werden. Es fehlt die Definition Ziels und die Erreichung, sowie Optionen, die Überlegung der Auswirkungen. Beispielhaft der Satz: „Wir schaffen das.“

      Normale Bürger definieren ein Ziel: Eine abgezahlte selbstgenutzte Immobilie bis zum Renteneintritt, einen neuen PkW der Klasse X in Y Jahren zum Preis Z, den Traumurlaub, die Rücklage für Reparaturen, als Arzt in einer eigenen Praxis in Deutschland zu arbeiten, die Bäckerei der Eltern weiterzuführen und seine Erreichung. Dann beginnt die zielgerichtete Umsetzung, die Überprüfung, die Anpassung des Weges, das Ziel bleibt bestehen.

      Der Gemeinschaft gibt dieses Verhalten Verlässlichkeit, Beständigkeit und Fortschritt. Es nimmt die Sprunghaftigkeit heraus.
      Zum Beispiel vertrauen Sie als Patient darauf im Krankenhaus gut behandelt zu werden. Es haben nicht alle Deutsch sprechenden Ärzte von einem auf den anderen Tag gekündigt, ja dies ist möglich, und arbeiten in der Schweiz, USA und Canada.

      Die Sprunghaftigkeit und Unüberlegtheit unseres staatlichen Überbaus hat etwas von schwarzen Schwänen für die Betroffenen.
      Natürlich gibt es auch eine kleine Gruppe von Profiteuren, ich möchte aber nicht mit dem erzeugten Leid anderer Geld verdienen.

      Warum kommt Afrika wirtschaftlich nicht voran? Der Hauptgrund ist die fehlende Rechtssicherheit und die Eigentumswahrung. Wenn eine Afrikanerin sich auf Kredit eine Nähmaschine anschafft und beginnt Kleidung zu verkaufen, fühlt sich der Nächste bemächtigt Schutzgeld zu erpressen oder gleich den Laden zu plündern. Es ist eine Gesellschaft mit kurzfristiger Zielerreichung, Machtmissbrauch, hoher Gewaltaffinität, Gewalttoleranz und fehlendem Eigentumsrecht.

      Ich sehe, dass Deutschland sich in diese Richtung verändert.

      • Avatar

        Nico

        8. September 2019 12:48 at 12:48

        @Chris. Super Kommentar. Wenn Eigentumsrechte beschnitten werden, wie auch von links/grün präferiert, geht es abwärts. Gutes Beispiel Afrika. Deshalb darf es keine Minuszinsen geben, ohne heftige langfristige Folgen. Der negative Realzins hingegen ist öfters Realität, als es der Sparer annimmt.

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Zinsen und Banken – „Verwahrentgeld“ auf dem Vormarsch

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Wer glaubt, sich der finanziellen Repression so leicht entziehen zu können, irrt vermutlich: Immer mehr Banken verlangen negative Zinsen für Bankeinlagen, auch „Verwahrentgelt“ genannt. Hat man auch seine Reservegeldhaltung zurückgeschraubt, wird man von der Anhebung der Gebühren betroffen.

Negative Zinsen: Immer mehr Banken..

Still und leise erhöht sich die Zahl der Kreditinstitute, die von ihren Kunden Strafzinsen oder so genanntes Verwahrentgelt für ihre Einlagen verlangen. War bisher eine Summe von 100.000 Euro davon nicht betroffen, so ist das nicht mehr allzu oft der Fall. Allerdings dürfen die Banken nicht so einfach negative Zinsen erheben, sondern sie brauchen zunächst die Einwilligung ihrer Kunden. Ja wohin ausweichen, wenn es immer mehr Banken gibt, die aufgrund der Zinsssituation auf diese Einnahmequelle zurückgreifen?

Das Verbraucherportal Biallo (ebenso Verivox) hat 1300 Banken untersucht und festgestellt, dass 214 Kreditinstitute in bestimmten Fällen Verwahrentgelt verlangen – 20 mehr als vor Monatsfrist, seit Jahresanfang haben sich 150 Geldinstitute zu diesem Schritt entschieden.

Gab es zunächst überall den Freibetrag von 100.000 Euro, so wird dieser schrittweise abgesenkt, auf 50.000, 10.000 oder sogar auf 0 Euro, auch von Volksbanken. Bisher beläuft sich der Minuszins auf 0,5 Prozent, aber es gibt bereits eine Sparkasse, die bei minus 0,75 Prozent angekommen ist.

Die Ursache für das Verhalten der Banken ist schon ein paar Jahre alt.

Bereits im Jahre 2014 hat die Europäische Zentralbank begonnen Negativzinsen von den Geschäftsbanken zu verlangen und diesen Zinssatz für kurzfristige Einlagen im vergangenen Jahr auf minus 0,5 Prozent gesenkt. Aus den letzten Äußerungen seitens der Notenbanker ist nicht zu erwarten, dass die Zinsen angehoben, sondern die Geldpolitik eher noch gelockert wird. Damit dürfte der Trend zum Verwahrentgelt noch zunehmen.

Jetzt auch Direktbanken

Bisher lehnten sich manche Bankkunden locker zurück, angesichts der neuen Konkurrenz für die alten Geldinstitute – filiallose Direktbanken. Doch ausgerechnet die Handybank N26 verkündete jüngst, Strafzinsen für das Girokonto einführen zu wollen. Zunächst erst ab 50.000 Euro, aber dieses Vorhaben steht im krassen Widerspruch zu dem vor Jahresfrist geäußerten Versprechen auf Negativzinsen zu verzichten. Wird dies eine Welle auslösen, bei der Konkurrenz wie ING, DKB, Consorsbank, Flatex u.a., die als Ausweichsort gesehen wurden, um den Gebühren von Genossenschaftsbanken und Sparkassen zu entgehen? Ein bisschen Verwahrentgelt, was soll’s?

Eine ganze Menge, sollte sich dieser Trend durchsetzen. Schließlich liegen derzeit gigantische 2,489 Billionen Euro auf Giro- oder Tagesgeldkonten. Für diese Summe nur 0,5 Prozent einbehalten – und schon wäre man bei einer zweistelligen Milliardensumme.

Wie lautet seit Langem eine Empfehlung der Vermögensberater für die Reservegeldhaltung der Konsumenten? Man solle auf dem Girokonto eine Notreserve halten, die etwa drei Monatsgehälter beträgt. Und zwar nicht nur für ein paar Wochen, sondern länger und für etwaige größere Anschaffungen.

Die Neigung des Deutschen zur großen Geldhaltung mit ihrem obersten Befürworter, Bundesfinanzminister Olaf Scholz, hat zu einem gewaltigen Depotvolumen geführt.

Die oben genannte Verfügungsmasse liegt im Wert höher als alle deutschen Aktien zusammen und sogar doppelt so hoch wie die Bewertung des deutschen Leitindex, Dax. Damit sieht man auch, dass ein Crash am deutschen Aktienmarkt wesentlich weniger Vermögensschäden hervorrufen würde, als bei den Amerikanern, wo allein die über 28 Billionen Dollar des S&P 500 einen weit höheren Wert repräsentieren, als das gesamte Bruttoinlandsprodukt der USA.

Fazit

Die finanzielle Repression schlägt hierzulande weiter zu. Nach und nach werden die Freibeträge für die Geldkonten abgesenkt.

Da die Europäische Zentralbank ihre Geldpolitik eher noch lockert – bei der Sitzung im Dezember? – aber bestimmt nicht die Zinsen erhöht, dürfte die Zahl der Banken, die negative Zinsen weiterreichen, noch größer werden.

Keine Zinsen mehr am Anleihemarkt, Strafzinsen auf dem Geldkonto, wozu führt das? Nicht schon wieder das Akronym „TINA“..

Immer mehr Banken verlangen negative Zinsen auf Einlagen

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Gold, Dollar, Öl, Aktienmärkte: Was passiert nach der US-Wahl?

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Das Thema, wie sich die bevorstehenden US-Präsidentschaftswahlen auf den Gold auswirken werden, wird viel diskutiert und ist mit Unsicherheit behaftet. Wenn die Ergebnisse zu einem stärkeren Dollar führen, bedeutet dies einen niedrigeren Preis für Gold, und ein schwächerer Dollar bedeutet (in der Regel) einen höheren Goldpreis. Das Wahljahr verursacht mit Sicherheit viel Volatilität, und die Anleger erwägen derzeit drei mögliche Szenarien für den Goldpreis nach dem Wahltag.

In einem dieser Szenarien muss der US-Wahltag für einen Anstieg des bei Gold dazu führen, dass Biden Präsident wird, da viele glauben, dass der Dollar dann fallen wird (aufgrund des größeren Stimulus). Und im Gegenteil, bei einem sinkenden Goldpreis wird der Wahltag mit der Wiederwahl von Trump enden müssen, was zu einem stärkeren Dollar führen sollte. Die Ergebnisse der Wahlen im Jahr 2020 könnten jedoch genau den gegenteiligen Effekt haben – und das ist es, was die Marktsituation noch spannender macht.

Der Ölpreis ist vom Wahlergebnis genauso abhängig wie so ziemlich alle anderen Rohstoffe. Und laut Goldman Sachs müssten die US-Wahlen Biden als neuen POTUS hervorbringen, damit wir einen Anstieg des Ölpreises erwarten können (weil dann die Produktions-Kosten für Öl steigen würden). Aber selbst wenn das Gegenteil der Fall sein sollte, drückte der Investmentbankgigant sein Vertrauen in einen steigenden Ölpreis aus – Wahlergebnisse beiseite.

Und wie wird sich die US-Wahl auf den Aktienmarkt auswirken? David Jones, chief market strategist bei capital.com, blickt auf den S&P 500, auf Gold, den Dollar (Euro-Dollar) und schließlich auf den Ölpreis – und analysiert, welche Auswirkungen ein Sieg von Biden oder von Trump haben würde:

 

 

 

 

Was passiert nach der US-Wahl mit Gold?

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Brexit: Wem schadet er mehr, der EU oder den Briten?

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Angesichts des Anschwellens der Coronazahlen und der großen Spannung vor den US-Wahlen, sind die Verhandlung um den Brexit der Briten ein wenig in den Hintergrund gerückt. In dieser Woche läuft wieder einmal ein Ultimatum aus. Kommt es noch zu einer Einigung vor dem endgültigen Datum, dem 31. Dezember? Und gibt es schon Fakten zu den Frühschäden des Austritts der Briten?

Brexit: Was für Folgen hätte ein No-Deal?

Darüber wird schon seit dem Referendum über den Brexit von 2016 gemutmaßt. Fakt ist bereits, dass bis zum Ende des letzten Jahres Ende 2019 die Investitionen bereits um mehr als 15 Prozent hinter dem Durchschnitt der Vorjahre zurückgeblieben sind. Doch sollte es bis zum 31. Dezember keinerlei Vereinbarung geben, wird dies in jedem Fall wirtschaftliche Auswirkungen auf beiden Seiten haben. Wie waren die bisherigen Wirtschaftsbeziehungen?

Der Export von Gütern und Dienstleistungen der Briten in die EU betrug bislang etwa 14 Prozent der Wirtschaftsleistung des Landes, im Falle der EU in Richtung GB betrug der Anteil nur ganze drei Prozent.

Von Seiten deutscher Unternehmen hat man die lange Zeit seit dem Referendum nicht untätig verstreichen lassen. So ist der Export von Deutschland auf die Insel von 2016 bis vor Kurzem von 7,5 auf 5,6 Prozent gefallen. Gerade in letzter Zeit haben die hiesigen Unternehmen registriert, mit welcher Verbissenheit Boris Johnson den harten, kompromisslosen Brexit vorantreibt. Es ist wie zumeist an der Börse: Was man lange hat kommen sehen, wird versucht zu antizipieren, um den schweren Folgen entgegenzuwirken. Schocks entstehen immer durch das Unerwartete aus heiterem Himmel oder gar durch den berühmten „Schwarzen Schwan“. Klar wird ein harter Brexit beide Seite treffen, mancher Ökonom rechnet für Großbritannien mit einem Rückgang des Trendwachstums um 1,5 Prozent.

Aber wird es keinerlei Vereinbarungen auf dem so bedeutsamen Finanzsektor oder im Güter- und Reiseverkehr geben oder gar beim Handel mit Medikamenten? Zu Zeiten von Corona, wo dem schwedisch-britischen Pharmakonzern AstraZeneca mit seiner Impfstoffentwicklung eine entscheidende Rolle zukommen könnte? Die Pandemie jedenfalls kommt für Großbritannien mit seinem Austrittsvorhaben praktisch zur Unzeit.

Die aktuelle Coronakrise

Was die Covid -19-Infektionen betrifft, hat Großbritannien bereits eine schwere Zeit hinter sich. Nachdem man es zunächst mit einer Herdenimmunisierung versuchte, rückte Boris Johnson entsetzt davon ab, als ihm Wissenschaftler die mögliche Zahl an Todesopfern nahegelegt hatte. Trotz der Wende steht die Nation mit 894.000 Infektionen und fast 45.000 Corona-Toten (an oder mit Corona), der höchsten Zahl an Opfern in Europa derzeit in den Statistiken. Dies findet auch in den Wirtschaftszahlen der zweitgrößten Ökonomie Europas seinen Widerhall.

In den Monaten April bis Juni brach die Wirtschaft Großbritanniens um -20,4 Prozent gegenüber dem Vorquartal ein. Das war der schlimmste Absturz seit Beginn der britischen Quartalsstatistik im Jahr 1955. Das Land war damit das Schlusslicht Europas, noch vor Spanien, welches den Negativrekord mit einem Einbruch um 18,5 Prozent erleiden musste. Durch die Coronakrise wird Großbritannien wirtschaftlich auf den Stand von 2003 zurückgeworfen.

Das einst so stolze britische Pfund

Das Pfund Sterling, einst der Stolz der Briten und die älteste noch bestehende Währung, hat längerfristig schon eine Entwicklung erlebt, die durch den Brexit noch deutlich beschleunigt werden könnte. Bis in die Hälfte des letzten Jahrhunderts hinein, war das Pfund die globale Leitwährung, die Hälfte der weltweiten Währungsreserven bestand aus der britischen Währung und die Bank of England hatte weltweit sehr großen Einfluss. Dann begann der Abstieg, Mitte der 1970-er-Jahre hatte die britische Währung nur noch einen Anteil von vier Prozent an den globalen Währungsreserven, dabei ist es bis heute geblieben.

Und der Außenwert des GDP?

Das britische Pfund kostete vergangene Woche nur noch 1,10 Euro. Vor gut vier Jahren und dem überraschenden Brexit-Referendum im Juni 2016 musste man noch über 1,30 Euro dafür bezahlen. Auch eine Folge des ewigen Hickhacks um den Sonderweg der britischen Regierung.

Fazit

Aus den bisherigen Fakten ist zu schlussfolgern, dass der ungeregelte Brexit den Briten mehr schaden sollte, als der EU. Aber haben sich die Unternehmen in der langen Zeit der Austrittsverhandlungen nicht schon auf das Austrittsszenario vorbereitet, die Börsen das Ergebnis eingearbeitet? Wann hat denn je ein absehbares Ergebnis Investoren wirklich beim Eintritt noch geschockt – Einzelfälle ausgeschlossen? Aber will Boris Johnson wirklich auf Biegen und Brechen den No-Deal-Austritt Großbritanniens durchziehen, auch wenn sich die Pandemie in der zweiten Welle noch verstärken sollte? Wo Zusammenarbeit in Europa gefragt ist, weiland sich Chinas Aufschwung weiter fortsetzt und auch den USA mit ihrer „America-First-Politik“ ein geschwächtes Europa gar nicht so ungelegen käme?

Es sind für gewöhnlich immer die externen Schocks, die Gewitter aus heiterem Himmel, die für Ungemach sorgen. Aber das Pokern des Boris Johnson – wem hängt das mittlerweile nicht schon zum Halse heraus?

Wem wird der Brexit mehr schaden?

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