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Immobilien: 1,2 Billionen Euro neue Kredite in 2018 – noch kein Problem, aber…

Claudio Kummerfeld

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am

Die Deutschen machen immer mehr neue Schulden für den Kauf von Immobilien, also Häuser und Eigentumswohnungen. Im Jahr 2018 waren es insgesamt (inklusive Selbstständige) 1,2 Billionen Euro neue Schulden, wie laut aktuellen Berichten die Bundesregierung den Grünen auf Anfrage mitgeteilt hat. Ohne Selbständige waren es im letzten Jahr 995 Milliarden Euro neue Schulden für den Kauf von Immobilien. Das Volumen dieser Kredite stieg in zehn Jahren um gut 1/4.

Diese Schuldensause ist gut nachvollziehbar. Immobilien als Geldanlage fürs Alter werden immer wichtiger beziehungsweise interessanter. Durch die abgeschafften Zinsen für Spareinlagen drängen auch private Anleger in Aktien und Immobilien als Geldanlage. Und der Hauptgrund, so darf man es mit klarem Verstand vermuten: Der Deutsche ist baufreudiger denn je, weil die Banken dank der EZB den Kreditzins für Baufinanzierungen fast auf Null gesenkt haben. Die Zinsersparnisse für die Häuslebauer sind enorm. Wenn nicht jetzt bauen, wann dann? So werden es sich viele Menschen denken, und das zu recht. Denn die Zinsersparnis auf 20 oder 30 Jahre Laufzeit ist gigantisch. Geworben wird aktuell schon mit Finanzierungskosten von 0,37%.

Kein free lunch beim Immobilien-Boom

Aber wie alles im Leben gibt es auch beim Hausbau keinen „fee lunch“, also kein problemfreies Glück. Selbst wenn der Zins auf 0 sinkt. Die hohe Schuldenbelastung der Häuslebauer bleibt nun mal, und das für Jahrzehnte. Und sie haben in der Regel ihre Grundstücke oder Immobilien zu verdammt hohen Preisen erworben. Und bei Neubauten kommt hinzu, dass die Baukosten dank immer höherer Handwerkerrechnungen auch steigen. Denn die Handwerker sind voll ausgelastet, und verlangen immer höhere Stundensätze – der freie Markt eben! Also hat der Häuslebauer dank Immobilien-Hausse derzeit immens hohe Kaufkosten, auch bei quasi kaum noch vorhandener Zinslast.

Gestern veröffentlichte Daten zeigen bereits einen deutlichen Rückgang beim Bauboom in Deutschland. Auch die Rezession in der Industrie ist inzwischen mehr als sichtbar. Seit Monaten sind die Auftragseingänge sowie auch die tatsächliche Industrieproduktion schon deutlich rückläufig. Zahlreiche große Konzerne bauen gut bezahlte Arbeitsplätze ab. Für den einzelnen Bürger kann das bedeuten: Findet man nach seiner Entlassung nicht rasch einen neuen gut bezahlten Job, hat man dank Hausbau einen riesigen Schuldenberg an der Backe, und kann aber die monatliche Rate nicht mehr schultern. Zwangsversteigerung, Überschuldung etc könnten für viele Betroffene die Folgen sein.

Sicherlich wird die Lage nicht so dramatisch werden wie bei der großen Finanzkrise 2008 in den USA. Denn Immobiliendarlehen bei den Amerikanern werden so locker gesehen wie eine Dispo-Erhöhung auf dem Girokonto in Deutschland. Hierzulande kommen sehr viel weniger Menschen an einen Immobilien-Kredit als in den USA, von daher werden auch die Ausfallraten in einer deftigen Wirtschaftskrise in Deutschland wohl kaum so hoch ausfallen wie damals bei den Amerikanern. Aber es kann zu Verwerfungen kommen. Wie gesagt. Die Schuldenlast steigt deutlich an, denn die niedrigen Zinsen sind verführerisch. Und die Wirtschaftskrise ist gerade voll im Start begriffen, wodurch gut bezahlte Jobs verloren gehen werden, hinter denen sicherlich oft auch Häuslebauer mit frisch aufgenommenen Darlehen stehen.

Immobilien Hausbau Beispielfoto
Beispielfoto für Hausbau. Foto: pixabay / ID 2211438

11 Kommentare

11 Comments

  1. Avatar

    tm

    6. September 2019 10:50 at 10:50

    „Das Volumen dieser Kredite stieg in zehn Jahren um gut 1/4.“

    Also 25% in 10 Jahren = 2,25% p.a. als Schuldensause zu bezeichnen, entbehrt nicht einer gewissen Komik. Tatsächlich ist die Schuldenquote der Privathaushalte angesichts dieses mickrigen Anstiegs in den vergangenen Jahren deutlich gefallen: https://tradingeconomics.com/germany/households-debt-to-income (und liegt zudem ähnlich hoch/niedrig wie in den USA).

  2. Avatar

    Marin

    6. September 2019 11:13 at 11:13

    Auf diesen „Trick“ fallen so viele rein „Die Zinsersparnisse für die Häuslebauer sind enorm. „. Aber daran sieht man, dass die meisten nicht rechnen können.

    Kaufen sich eine Immobilie auf Kredit und fast ohne Zinsen, vergessen aber dabei, dass die Zinsersparnis durch die enormen Anschaffungskosten mehr als aufgefressen werden. Beispiel: Immobilie X kostete 2014 200.000,- € bei Zinssatz von 4 %. Immobilie X kostet heute 2019 300.000,- € bei Zinssatz 2%.

    Das nenne ich mal eine super Geschäft. Aber typisch Deutsch, locke ihn mit 100 € und zocke hintenrum 1000 € ab.

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    Zimmermann

    6. September 2019 11:32 at 11:32

    Die Ausfallraten in Deutschalnd sind marginal. Ohne eine Eigenanteil von 25-30% bekommen Sie in der Regel bei uns gar keine Finanzierung. Nur bei sehr solventen Kunden, kann schon mal eine 100% Finanzierung sein. Das sind Ausnahmen und ohne Risiko für Ausfall.

    Aus diesem Grund kann ich die Mär einer Immobilienblase in unserem Land wirklich nicht mehr hören. Die gab es auch noch nie.

    Das ist der erhebliche Unterschied als in den USA. Da wird auch finanziert, auch wenn die Kreditkarte hoffnungslos überzogen ist.

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    BrettonWood

    6. September 2019 11:37 at 11:37

    Viel hässlicher wird es dann wenn eine Deflationäre Spirale Einsetzt welche den Wert der Liegenschaften senkt die Verschuldung aber hoch bleibt, meistens haben Verträge Nachschussklauseln für den Fall das die Finanzierung den Wert übersteigt, das können viele nicht womit viele in der Zwangsversteigerung landen, was die Preise noch mehr unter Druck beingt und noch mehr Immobilienpreise in den Abgrund zieht….daher ist Deflation auch so ein riesen Problem Hauptsächlich für den Schuldner….wenn eine solche käme wie zB Markus Krall denkt dann haben wir dann eine Sause

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    Chris

    7. September 2019 10:21 at 10:21

    Wenn die einzelne Bank ihr eigenes Überleben als Hauptziel setzt, könnte sich die Zwangsversteigerungsquote kurzfristig rasch erhöhen. Es wird jedoch erkannt werden, dass sie mit ihrer Handlung ihre eigene Bankbilanz verschlechtern. Sie müssten den Wert aller ihrer Immobilien korrigieren.
    Des Weiteren kann die Kapazität im Abwicklungsbereich nur langsam aufgestockt werden, Gutachter, Gerichte, Notare, …, dies wird den Prozess bremsen. Sobald man nicht zu den 20% risikoreichsten Finanzierenden gehört, wird man den Buchverlust gut überstehen.

    Einzig bei einem Verkauf seiner Immobilie und Umschichtung in andere Vermögensklassen könnte zum Realisieren der Buchverluste führen.

    Eine Restbeleihung von 60 % ist relativ sicher, da viele zu 80 % beleihen. Während Aktien in Millisekunden neu bewertet werden, dauert dies bei Immobilien Jahre, der Kauf/Verkauf Monate bis Jahre. Die Preise müssen einzeln errechnet werden, da die Objekte nicht standardisiert sind.
    Auch eine räumliche Vergeichbarkeit ist nicht gegeben.

    Das Risiko des Verlustes besteht in durch Versicherungspolicen nicht abdeckbaren Ereignissen, wie (Bürger)Krieg, große Naturkatastrophen oder staatliche Eingriffe, wie die Mietpreisbremse.

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      Johannes

      7. September 2019 13:47 at 13:47

      @Chris, ich denke, dass Sie aus persönlicher Enttäuschung als Betroffener die Mietpreisbremse bzw. in Ihrem Fall von Bestandsmietern eigentlich den Mietendeckel und damit die seit fast 20 Jahren geltende Kappungsgrenze etwas überbewerten. Das zeigt auch schon die Tatsache, dass Sie diese in einem Atemzug mit (Bürger)Krieg und großen Naturkatastrophen nennen. Im Falle der Mietpreisbremse, also einer Neuvermietung, könnten Sie zudem ja bis zu 10% über das Niveau der ortsüblichen Vergleichsmiete laut Mietspiegel gehen.

      Eine Entspannung der Immoblase, weniger Neubautätigkeit und damit einhergehende Preissenkungen bei Baukosten und Handwerksarbeiten, verbunden mit einer eher weiteren Verschärfung der Knappheit an Mietwohnungen, würde Ihnen als Vermieter nur Vorteile bringen. Schönheitsreparaturen und Instandhaltungsarbeiten würden schneller und kostengünstiger durchgeführt werden, die Mietpreise können auf dem horrenden derzeitigen Niveau verbleiben.

      Das derzeitige Problem liegt in hohem Maße auch an dem gestiegenen Pro-Kopf-Wohnraumbedarf in qm und dem stark gestiegenen Bedarf an Eigenheimen und Eigentumswohnungen. Eine typische Großbaustelle bei uns sieht etwa folgendermaßen aus: Abgetragener Mutterboden mit hunderten Metern an Bauzaun rundherum. Auf dem Bauzaun prangen riesige Banner mit etwa folgendem Inhalt: Hier entstehen 250 neue 4-, 3- und 2-Zimmer Eigentumswohnungen von 160 bis 65 qm Wohnfläche. Verkauft: 249 Wohnungen. Frei: 1 Wohnung.

      Bereits vor Baubeginn haben sich die Bauträger also das Geld von den zukünftigen Eigentümern bereits besorgt. Das Risiko der Bauträger geht gegen Null, die Ausfallrisiken durch die Eigentümer sind aufgrund der relativ „geringen“ Kosten einzelner Wohneinheiten überschaubar.

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        Chris

        8. September 2019 12:44 at 12:44

        @Johannes

        Ich hoffe nicht, dass die Käufer so dumm sind, Vorauszahlungen zu leisten.

        Bauträger treten immer in Vorleistung. Zunächst müssen sie Grundstückskauf, Baugenehmigung, Abriss, Vermessung, Architekt, Statiker, Notar, Grundbuchamt, Versicherung, Werbung, Kundenbetreuung finanzieren. Das Grundstück wird zwar beliehen, aber zu einen geringeren Wert, dem Beleihungswert. Dann erhalten sie, je nach Objekt, eine kleine Reservierungsgebühr vom zukünftigen Käufer und der Aushub beginnt.

        Die Zahlung an den Bauträger erfolgt immer nach Abschluss eines Baufortschritts, so wird es auch bei der Bank finanziert.

  6. Avatar

    Chris

    7. September 2019 14:39 at 14:39

    Warum staatliche Eingriffe so gefährlich sind? Sie wirken ohne lange Vorlaufzeiten auf den Großteil der Immobilien und zwar über das Ertragswertverfahren.

    Die Wertermittlungsverordnung (WertV) regelte in Deutschland allgemeine Grundsätze für die Ermittlung von Verkehrswerten bei Immobilien. Die WertV regelte damit die Auslegung der Verkehrswertdefinition in § 194 BauGB. Die Gutachterausschüsse müssen die WertV verbindlich anwenden.
    Die in der WertV geregelten Wertermittlungsverfahren nennt man auch normierte Verfahren:

    Vergleichswertverfahren nach § 13 bis 14 WertV
    Ertragswertverfahren nach § 15 bis 20 WertV
    Sachwertverfahren nach § 21 bis 25 WertV.

    Hier geht der Reinertrag aus den zukünftigen Mieten und Bewirtschaftungskosten unmittelbar und mittelbar, über den Liegenschaftszins ein, wenn der Reinertrag durch Mietpreisbremse, Mietpreisdeckel, Bestellerprinzip oder nicht mehr anrechenbare Nebenkosten, Stichwort Grundsteuer, sinkt. Die Entwicklung der Bodenpreise lasse ich in der Betrachtung außen vor.

    Stärker betroffen sind Gebäude mit langer Nutzungsdauer, also Neubau und kernsanierte Gebäude, durch den höheren Vervielfältiger.

    Man kann am Beispiel, siehe Link, die Miete auf 4 € absenken, wie in Berlin geplant und die Bewirtschaftungskosten um 1000 EUR anheben, Bestellerprinzip oder um 3000 EUR, erhöhte Grundsteuer nicht mehr auf den Mieter umlegbar und die neuen Ertragswerte ermitteln.

    https://www.immobilienscout24.de/immobilienbewertung/ratgeber/wissen/verfahren/ertragswertverfahren.html

  7. Avatar

    Johannes

    7. September 2019 22:19 at 22:19

    @Chris, vermutlich habe ich Sie völlig missverstanden. Bisher war ich der Meinung, Sie seien ein privater Vermieter eines „eigentlich zur Eigennutzung“ erstandenen Häuschens in einer gefragten Gegend am Rande Frankfurts, mit einer äußerst sozialen Einstellung gegenüber den Bestandsmietern.
    https://finanzmarktwelt.de/genehmigte-wohnungen-zeigen-bauboom-laesst-gesamtkonjunktur-im-stich-136791/

    Ihre Kenntnis und Darlegung von Ertragswertverfahren, Wertermittlungsverordnngen usw. erinnert dagegen eher an kommerzielle Spekulationsinteressen. Worum genau geht es Ihnen in dem Beitrag zu staatlichen Eingriffen? Ein vor mehreren Jahren erworbenes Haus an der Peripherie zu Frankfurt in Bestlage (Kat. 4 von 4) sollte doch eine Perle für jeden Anleger mit Ihrem Wissen sein.

    • Avatar

      Chris

      8. September 2019 11:56 at 11:56

      @Johannes

      Ja, wir haben das Haus vor über 20 Jahren zur Eigennutzung erworben.
      Da die Eigennutzung dann problematisch war, haben wir mit einem Bauträger gebaut und ich habe den Rohbau zusammen mit meiner Familie fertiggestellt.

      Da wir freiberuflich tätige Eltern waren, hatten wir uns um drei große Vermögens-/Schuldenblöcke zu kümmern.

      Jeder dieser Blöcke hatte einen höheren Haftsbetrag, als ein deutscher Durchschnittsbürger in seinen ganzen Leben an Steuern und Abgaben zahlt, quasi beim Scheitern nur eines der drei Zieles stand Pfändung bis zum Tod, das Wohlverhalten betrug damals nach Gäubigereinigung 30 Jahre.

      Es wäre wohl fahrlässig sich nicht in die einzelnen Themen einzuarbeiten und sich fortwährend weiterzubilden.
      Dazu ist man sogar gesetzlich verpflichtet, ich muss also das Grundwissen eines Verwalters mir erarbeiten, sonst kann ich nicht beurteilen, ob er sich gut um das Objekt kümmert und verantwortlich bleibe ich auch. Gibt es Probleme wird abends der Vermieter angerufen. Natürlich muss ich die Versicherungs- und Beleihungswerte der Objekte kennen. Der Ermittlung des Beleihungswertes änderte sich vom Sach- auf das Ertragswertverfahren. Außerdem erarbeitete ich mir ein Grundwissen im Erbbaurecht, da wir unser Grundstück nur von der Kirche pachten konnten.

      Man kann Verantwortung nicht auslagern, andererseits wächst man daran und bleibt nicht infantil.

      Ein wichtiges Beispiel, Sie können die Verantwortung für Ihre Gesundheit nicht auf den Arzt übertragen und benötigen ein Grundwissen, wie vermögen Sie sonst richtige Entscheidungen zu treffen?

      Es gibt also Themengebiete in die ich mich einarbeiten musste, für heutige Lebensverhältnisse zahlreiche. Ich bin so aufgewachsen.
      Wenn ich dauerhaft mit einem Thema zu tun habe, notwendiger Weise oder weil es mich interessiert, arbeitete ich mich ein.

      Und da die Gesetze, Verordnungen und die Rechtsprechung sprunghaft geworden sind, ist meine Antwort Risikominimierung, Minimalismus und Abwarten.

      Ja, ich würde die Beschlüsse der Regierungen mit Bombeneinschlägen vergleichen und sie fordern Menschenleben, weniger direkt als indirekt, Millionen von Menschenjahren für die großen Fehlentscheidungen und bisher keine Korrektur.

      Steuern und Abgaben stören die Menschen nicht, wenn sie sinnvoll verwendet werden. Es fehlt die Definition Ziels und die Erreichung, sowie Optionen, die Überlegung der Auswirkungen. Beispielhaft der Satz: „Wir schaffen das.“

      Normale Bürger definieren ein Ziel: Eine abgezahlte selbstgenutzte Immobilie bis zum Renteneintritt, einen neuen PkW der Klasse X in Y Jahren zum Preis Z, den Traumurlaub, die Rücklage für Reparaturen, als Arzt in einer eigenen Praxis in Deutschland zu arbeiten, die Bäckerei der Eltern weiterzuführen und seine Erreichung. Dann beginnt die zielgerichtete Umsetzung, die Überprüfung, die Anpassung des Weges, das Ziel bleibt bestehen.

      Der Gemeinschaft gibt dieses Verhalten Verlässlichkeit, Beständigkeit und Fortschritt. Es nimmt die Sprunghaftigkeit heraus.
      Zum Beispiel vertrauen Sie als Patient darauf im Krankenhaus gut behandelt zu werden. Es haben nicht alle Deutsch sprechenden Ärzte von einem auf den anderen Tag gekündigt, ja dies ist möglich, und arbeiten in der Schweiz, USA und Canada.

      Die Sprunghaftigkeit und Unüberlegtheit unseres staatlichen Überbaus hat etwas von schwarzen Schwänen für die Betroffenen.
      Natürlich gibt es auch eine kleine Gruppe von Profiteuren, ich möchte aber nicht mit dem erzeugten Leid anderer Geld verdienen.

      Warum kommt Afrika wirtschaftlich nicht voran? Der Hauptgrund ist die fehlende Rechtssicherheit und die Eigentumswahrung. Wenn eine Afrikanerin sich auf Kredit eine Nähmaschine anschafft und beginnt Kleidung zu verkaufen, fühlt sich der Nächste bemächtigt Schutzgeld zu erpressen oder gleich den Laden zu plündern. Es ist eine Gesellschaft mit kurzfristiger Zielerreichung, Machtmissbrauch, hoher Gewaltaffinität, Gewalttoleranz und fehlendem Eigentumsrecht.

      Ich sehe, dass Deutschland sich in diese Richtung verändert.

      • Avatar

        Nico

        8. September 2019 12:48 at 12:48

        @Chris. Super Kommentar. Wenn Eigentumsrechte beschnitten werden, wie auch von links/grün präferiert, geht es abwärts. Gutes Beispiel Afrika. Deshalb darf es keine Minuszinsen geben, ohne heftige langfristige Folgen. Der negative Realzins hingegen ist öfters Realität, als es der Sparer annimmt.

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Aktienmärkte: Die Jungen entdecken die Aktie – und zocken

Ist die Hinwendung vor allem der jüngeren Generation zum Anlagevehikel Aktie ein Trend – oder eher ein Warnzeichen für die Aktienmärkte?

Wolfgang Müller

Veröffentlicht

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Die Aktienmärkte haussieren, und das bleibt nicht ohne Folgen. Das Corona-Jahr 2020 mit Covid-19 hat viele Veränderungen ins Alltagsleben der Menschen gebracht. Zwangsläufig mit vielen Aktivitäten, die mit „Home“ beginnen. Auch hatte mancher Zwangsaufenthalt in den vier eigenen Wänden dafür gesorgt, dass viele und vor allem junge Privatanleger den Weg an die Aktienmärkte fanden. Angelockt durch zahlreiche Erfolgsmeldungen über die sozialen Medien, vermutlich initiiert durch die RobinHooder aus den USA. Ein Trend, der von Dauer ist?

Aktienmärkte: Corona und der Anstieg der Zahl der Aktionäre

Die Internetblase im Jahr 2000 und der folgende Jahrhunderteinbruch des Dax (- 72 Prozent) haben lange Jahre Spuren hinterlassen. Während es nach den Daten des Deutschen Aktieninstituts im Jahre 2001 noch 12,85 Millionen Aktionäre in Deutschland gab, pendelte der Wert seit Jahren nur noch an der 10-Millionen-Marke. 2019 war die Zahl der Anleger noch einmal zurückgegangen, 9,7 Millionen direkte Aktionäre in Deutschland.

Jetzt kam die Coronakrise, die einen Boom beim Aktienhandel durch die Privatanleger ausgelöst hat. „Retail Bros“, oder Handelsbrüder, hat die englische „Financial Times“ die neuen Anleger genannt. Seit Längerem gibt es eine „Crypto Bros“, das Pendant mit Kryptowährungen.

Der Trend, der aus den USA herüberschwappt

Der Name ist in der Finanzberichterstattung in aller Munde: Robinhood, ein ehemaliges Start-up aus Kalifornien, welches in den vergangenen Monaten einen Boom verstärkt hat. Der Broker hat bereits über 13 Millionen Kunden, von denen drei Millionen allein seit Anfang des Jahres bis Herbst dazu kamen. Bemerkenswert: Die Hälfte der neuen Kunden sind Aktienneulinge. Star der Szene ist David Portnoy, Inhaber des Sport-Blogs Barstool Sports, der mit seinen superoptimistischen Börsentweets (Aktien und Aktienmärkte würden immer steigen etc.) eine ganze Community antreibt. Hinzu kommt die Entwicklung zum nahezu kostenlosen Börsenhandel, durch E-Trade und Schwab weiter vorangetrieben. So haben manche Arbeitslose ihre 600 Dollar-Wochen-Schecks zum Zocken eingesetzt.

Der Anstieg der Online-Depots in Deutschland

Eine Studie von Comdirekt, Consorsbank und ING zeigte eine deutliche Zunahme der Zahl der Aktionäre unter 25 Jahren. Viele junge handeln auch auf Plattformen wie dem Handybroker Trade Republic. Kaufgebühren von einem Euro pro Trade oder gebührenfreie Sparpläne haben schon zu sechsstelligen Kundenzahlen geführt.

Auch die klassischen Onlinebroker profitieren davon. Konkret wurde die Comdirect, die mit 232.000 neuen Kunden innerhalb der ersten neun Monate vom größten Depot-Wachstum seit 20 Jahren spricht.

Der Vormarsch der Jungen

Wie bereits erwähnt, sind es vor allem die ganz jungen deren Interesse für die Aktienmärkte gewachsen ist, wie die Studie aufzeigt. Nach 26 Prozent, der unter 25-jährigen, die im vergangenen Jahr die Aktienanlage nutzen, sind es derzeit bereits 39 Prozent. Die Steigerung gegenüber 2017 beträgt sogar 22 Prozent. Aber auch bis zur Generation Ü 50 hat sich die Zahl der Aktionäre gesteigert. Was die Börsenplätze sicherlich erfreut, dürfte nicht unbedingt für die herkömmlichen Geschäftsbanken gelten. Denn der Drang zu Online- und Discountbrokern ist unübersehbar.

Ein schnelles Hin und Her

Noch etwas zeichnet die neue Generation Börsianer aus. Die Haltedauer von Aktien ist so kurz wie nie. In den USA lag diese im Sommer diesen Jahres gerade noch bei circa fünfeinhalb Monaten, im letzten Jahr hatte sie noch achteinhalb Monate betragen. Ein Trend, der schon seit Jahrzehnten zu beobachten ist. Aus Daten der New Yorker Börse zeigt sich, dass man vor dem Jahrhundertwechsel Aktien noch durchschnittlich 14 Monate im Depot vor einer Umschichtung beließ. Die Ausnahme:

Nach der Finanzkrise von 2008 wurde das bisherige Haltetief von sechs Monaten erreicht. Krisen beschleunigen anscheinend das Handeln von Wertpapieren.

Wie könnte es anders sein: Auch in Europa ist die gleiche Aktientendenz zu beobachten. Hier ging den Erhebungen zufolge die Haltedauer von Aktien von sieben Monaten zum Jahresende 2019 sogar auf weniger als fünf Monate zurück.

Kein Vergleich mit dem Verhalten des Langfristinvestors Warren Buffett, der seinen Titeln bisher im Schnitt 11 Jahre die Treue hält, auch folgt ein Teil der jungen Generation nicht dem Rat der ungarischen Börsenlegende Kostolany: „Aktien kaufen und dann schlafenlegen.“

Allerdings gibt es heutzutage auch den großen Trend zu langfristigen Sparplänen, monatliche Einzahlungen kleinerer Investmentsummen für die Altersvorsorge. Beides wurde möglich durch eine ganz andere Gebührenstruktur. Zocken zum Nulltarif, nicht nur bei Aktien und Optionen, selbst bei Staatsanleihen oder Junk-Bonds hat sich die Umlaufgeschwindigkeit der Papiere deutlich erhöht.

Wird das eine erhöhte Rendite bringen? Vielleicht kurzfristig im besonderen Jahr 2020. Ältere Börsenexperten sind davon überzeugt, dass die Masse der Anleger durch das Hin und Her auf keine durchschnittliche Rendite von acht Prozent pro Jahr kommen wird. Das Ergebnis sollte Volatilität sein, also ein größeres Auf und Ab in den Märkten mit Vielen, die teuer kaufen und dann billig wieder aussteigen.

Fazit

Ist es ein Trend in Deutschland, die Hinwendung vor allem der jüngeren Generation zum Anlagevehikel Aktie, oder eher ein Warnzeichen für die Aktienmärkte mit dem Vergleich zur Internetblase des Jahres 2000? Damals gab es es Tausende von neuen und noch unerfahrenen Daytradern, die glaubten mit dem raschen Handel reich werden zu können. Das Ergebnis ist bekannt. Es gibt aber einen großen Unterschied zur Gegenwart. Damals warf eine 10-jährige Bundesanleihe fast noch das ganzen Jahr über Renditen von über fünf Prozent ab, selbst Lebensversicherungen waren noch attraktiv. Anders die Gegenwart. Wie soll langfristig ein Kapitalstock aufgebaut werden in dem jetzigen Zinsumfeld? Bei einem vermutlich noch länger anhaltenden Zustand der finanziellen Repression. Selbst wenn die Zinsen über die 0-Prozent-Marke stiegen, wäre dies wahrscheinlich einer gestiegenen Teuerungsrate geschuldet.

Es ist also mehr als notwendig, sich mit dem Kapitalmarkt zu beschäftigen, nicht so sehr mit Hebelprodukten auf Tesla oder FANGMAN-Aktien, sondern eher mit langweiligen Sparplänen. Nach dem wundersamen Jahr 2020 mit den vielen Home-Aktivitäten (Home Office, Home Schooling, Home Shopping, Home Banking) sollte es beim aggressiven Home Trading der RobinHoodies zunächst einmal einen schmerzhaften Ausleseprozess geben.

Die Jungen entdecken die Aktienmärkte

 

 

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Richard David Precht: Künstliche Intelligenz und unsere Zukunft!

Markus Fugmann

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„Wir gehen in die zweite ganz große industrielle Revolution hinein!“, sagt der Philosoph Richard David Precht. Damit stehen wir vor einscheidenden Veränderungen nicht nur der Wirtschaft, sondern auch der Gesellschaft. Die erste industrielle Revolution beendete die Herrschaft des Adels und der Kirche – die derzeit ablaufende zweite Revolution durch künstliche Intelligenz verändert vor allem die Arbeitswelt und damit die Produktionsverhältnisse grundlegend. Nun versuchen uns Ökonomen stets zu versichern: kein Problem, es fallen zwar viele Jobs weg, aber es würden eben auch viele neuartige Jobs geschaffen werden. Das ist eine schöne Perspektive, sie hat aber leider einen kleinen Makel: sie stimmt nicht, sagt Richard David Precht zur sogenannten „Kompensations-Theorie“.

Die Menscheit jedenfalls ist durch diesen Wandel überfordert, der Boden, auf dem wir stehen, wackelt erheblich – und so entsteht zunächst einmal die Sehnsucht danach, die gute alte Welt mit ihren Werten wiederzubeleben. Ausdruck dieses Versuchs sind etwa Trumpin den USA oder die AfD in Deutschland. Aber einer der einschneidenden Änderungen im politischen Bereich wird sein, dass die Parteien, die mit der ersten industriellen Revolution entstanden und aufgestiegen waren, unter gehen werden.

Richard David Precht über schwache KI und starke KI

Richard David Precht unterscheidet zwischen schwacher und starker künstlicher Intelligenz – und führt Beispiele an, worin sich diese beiden unterscheiden. Was bedeutet das aber für uns praktisch? Wird vor allem durch „starke“ KI, also einer KI, die tiefgehende Lernprozesse leisten kann, etwa der Niedriglohn-Sektor wegfallen? Eher nicht – denn je mehr Menschen in bestimmten Bereichen verdienen, umso interessanter wird der Einsatz einer starken KI zur Kosten-Ersparnis, während sich der Einsatz im Niedriglohnsektor gar nicht lohnen würde.

Was bleibt, was wird untergehen – und welche Bereiche werden sich durchsetzen? Es werde derjenige technische Fortschritt kommen, der gesellschaftlich akzeptiert wird, dazu ein Bedürfnis befriedigt und sich gleichzeitig zu einem erfolgreichen Geschäftsmodell machen läßt, sagt Richard David Precht. Folgender Vortrag des Philosophen ist ein „must see“!

Hier klicken, um den Inhalt von YouTube anzuzeigen

Der Philosoph Richard David Precht über Künstliche Intelligenz

Richard David Precht

Von Foto: © JCS‘, CC BY 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=62733272

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Arbeitsmarkt positiv gestimmt? Mehr neue Jobs bei IT als Entlassungen in der Gastronomie?

Claudio Kummerfeld

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Laptop mit Aufklebern

Kann das wirklich sein? Ist es das vorgezogene Weihnachtswunder am deutschen Arbeitsmarkt, mitten im zweiten Lockdown? Wenn man ein Wirtschaftsforschungsinstitut für verlässlich und seriös hält, dann doch in erster Linie das ifo-Institut! Und man möchte den Forschern bei ifo wirklich nichts Böses unterstellen. Aber ist es wirklich realistisch, dass die Stimmung am deutschen Arbeitsmarkt derzeit sogar besser wird, weil die IT-Dienstleister mehr neue Stellen schaffen wollen, als gleichzeitig in Restaurants, Bars, Hotels, Reisebüros etc verloren gehen?

Kann man sich das vorstellen? Gibt es überhaupt zehntausende oder hunderttausende neue IT-Experten in Deutschland, die auch so viele neue Stellen besetzen können? Ist die Nachfrage nach solchen Dienstleistungen wirklich so stark gestiegen in den letzten Wochen? Klar, dank Corona verlagert sich sehr viel des Geschäftslebens ins Internet. Aber wirklich, nochmal mit gesundem Menschenverstand nachgedacht: Können diese neuen Jobs hunderttausende Jobs ersetzen, die bei Gastro und Co verloren gehen? Es fällt wirklich schwer das zu glauben.

Aber das ifo-Institut hat sich das nicht ausgedacht. Nein, man macht für sein Beschäftigungsbarometer Umfragen bei ca 9.500 Unternehmen. Sie werden gebeten ihre Beschäftigtenplanungen für die nächsten drei Monate mitzuteilen. Also, kann das wirklich sein? Die IT fängt den Arbeitsmarkt auf in dieser Krise? Hier die Aussagen vom ifo-Institut im Wortlaut:

Etwas mehr deutsche Unternehmen als im Oktober denken über Neueinstellungen nach. Das ifo Beschäftigungsbarometer ist im November auf 96,7 Punkte gestiegen, von 96,4 Punkten im Oktober. Die zweite Welle hat vorerst keine größeren negativen Auswirkungen auf den deutschen Arbeitsmarkt. Die Entwicklung ist jedoch über die Branchen hinweg sehr heterogen.

In der Industrie ist das ifo-Barometer leicht gestiegen. Jedoch ist die Zahl der Unternehmen mit Entlassungsplänen weiterhin größer als die jener, die mit steigenden Mitarbeiterzahlen rechnen. Die Dienstleister planen eher Mitarbeiter einzustellen. Getragen wird die Entwicklung vor allem von den IT-Dienstleistern. In der Reisebranche und dem Gastgewerbe dagegen sind Entlassungen nicht zu vermeiden. Im Handel hat das Barometer leicht nachgegeben. Dort planen die Firmen derzeit mit konstanten Mitarbeiterzahlen. Die Bauindustrie sucht weiter neue Mitarbeiter, um ihre aktuellen Aufträge abarbeiten zu können.

Hier die vier Einzelsektoren mit einzelnem Chart:

Grafiken zeigen Beschäftigungsbarometer für den deutschen Arbeitsmarkt

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