Folgen Sie uns

Allgemein

Immobilien: Laut Bundesbank lässt Preisboom nach – wirklich? Schauen Sie auf diese Grafik

Claudio Kummerfeld

Veröffentlicht

am

Nachlassender Preisboom bei Immobilien? Beispielfoto für Hausbau

Die Bundesbank hat vor wenigen Minuten ihren aktuellen Monatsbericht veröffentlicht. Neben den üblichen Aussagen zur Konjunktur ist in diesem Bericht ein gesonderter Text zum Thema Immobilien interessant. Die Bundesbank erwähnt die weiterhin steigenden Preise für Immobilien. Aber der Preisanstieg verliere an Schwung. Dazu darf man fragen: Ach wirklich? Laut Bundesbank sind die Preise für Wohnimmobilien in 127 deutschen Städten im Jahr 2019 um 6 Prozent gegenüber dem Vorjahr gestiegen. Der Zuwachs habe sich im Vergleich zum Jahr 2018 spürbar verringert. Damals seien die Wohnimmobilien in den betrachteten Städten noch um 8,5 Prozent teurer geworden.

Ist das wirklich schon eine nachlassende Preisdynamik?

In der folgenden Grafik sieht man von der Bundesbank aufbereitet die Preissteigerungen bei Immobilien aus drei verschiedenen Quellen, für den Zeitraum von 2008 bis 2019. Frage: Schaut man diese Trendlinien an, erkennt man dann wirklich ein Abflauen der Wachstumsraten? Und sind 6% statt 8,5% wirklich ein spürbares Abbremsen beim Wachstum? Man muss nämlich bedenken: Je höher die Preise für Immobilien in Euro tatsächlich sind, desto schwieriger wird es für den Markt das prozentuale Wachstum zum Vorjahr aufrecht zu erhalten. Selbst wenn das prozentuale Wachstum ein klein weniger abflaut, bleibt die tatsächliche Preissteigerung in Euro weiterhin enorm hoch!

Verschiedene Preisindizes für Immobilien

Blase und Manie bei Preisen für Immobilien?

Ein Problem, welches wir schon mehrmals angesprochen hatten (zuletzt vor einer Woche): Während die Preise für Immobilien immer weiter steigen, stagnieren die Wohnungsmieten. Das ist das tatsächliche Zeichen einer Preisblase. Denn die neuen Käufer können wegen den teuren Anschaffungskosten nach Kreditrate wohl gar keinen Gewinn mehr erzielen, oder machen sogar Verluste, weil sie bei den Mietern keine höheren Mieten mehr durchsetzen können (das ist natürlich gut für die Mieter). Ist jetzt der Punkt erreicht, wo Landflucht und gigantische Bauprogramme in den großen Städten den Vermietern höhere Mietpreise erschweren? Wir sprachen im Januar von einer Manie bei den Preisen (hier dazu der Artikel).

Übrigens: Während das Statistische Bundesamt für das Gesamtjahr 2019 im Schnitt auf 6 Prozent Wachstum bei den Preisen für Immobilien kommt, so lassen Daten wie zum Beispiel der Europace Hauspreisindex erkennen, dass die jüngsten Preissteigerungen prozentual sehr stark sind. So lag die Steigerungsrate für Dezember 2019 im Jahresvergleich sogar bei über 10%. Hier noch auszugsweise einige Originalaussagen der Bundesbank aus ihrem heutigen Bericht:

Der breit angelegte, kräftige Preisauftrieb bei Wohnimmobilien in Deutschland setzte sich im vergangenen Jahr in etwas abgeschwächter Form fort. Dabei gaben vor allem die Preissteigerungsraten in den deutschen Städten spürbar nach, wobei auch die
Zuwachsrate für Deutschland insgesamt niedriger ausfiel. Dazu trug bei, dass sich die Wohnraumnachfrage etwas beruhigte,
während die Ausweitung des Wohnraumangebots im Berichtsjahr vermutlich nicht an Tempo verlor. Gesamtwirtschaftlich standen
die Preise für Wohnimmobilien weiterhin im Großen und Ganzen im Einklang mit den angebots- und nachfrageseitigen Bestimmungsfaktoren. In den Städten lagen die Preise für Wohnimmobilien indes nach wie vor deutlich über dem Niveau, das durch die längerfristigen wirtschaftlichen und soziodemografi schen Einfl ussfaktoren gerechtfertigt erscheint.

Die abgeschwächte Preisentwicklung bei Wohnimmobilien in den Städten spiegelt auch den zurückgegangenen Anpassungsdruck bei den Mieten wider. Berechnungen auf Basis von Angaben der bulwiengesa AG zufolge lag der Anstieg der Neuvertragsmieten in den Städten im Jahr 2019 mit 2¾ % unter der bereits vergleichsweise niedrigen Zuwachsrate im Vorjahr. In den sieben Großstädten stiegen die Mieten in Neuverträgen mit 2½% ebenfalls wesentlich moderater als zuvor. Damit erhöhten sich die Mieten in den Städten mit der niedrigsten Rate seit dem Jahr 2010. In Deutschland insgesamt kam es hingegen bei Neuverträgen laut vdp zu Mietanpassungen in ähnlicher Höhe wie im Jahr zuvor.

Das zusätzliche Wohnraumangebot dürfte im Jahr 2019 zumindest so hoch wie im Vorjahr gewesen sein, als knapp 290 000 Einheiten fertiggestellt worden waren. Damit lag die Zahl der Fertigstellungen weiterhin auf ihrem höchsten Stand seit Beginn des
aktuellen Immobilienbooms. Die Zahl der Baugenehmigungen pendelte sich im abgelaufenen Jahr zudem mit näherungsweise 350 000 Einheiten auf überdurchschnittlichem Niveau ein. Dies spiegelte sich auch in der überaus hohen Kapazitätsauslastung im Bausektor wider.

Hier klicken und kommentieren

Hinterlassen Sie eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

ACHTUNG: Wenn Sie den Kommentar abschicken stimmen Sie der Speicherung Ihrer Daten zur Verwendung der Kommentarfunktion zu.
Weitere Information finden Sie in unserer Zur Datenschutzerklärung

Allgemein

DIW-Konjunkturbarometer aktuell: Aussichten verdüstern sich

Claudio Kummerfeld

Veröffentlicht

am

Das DIW-Konjunkturbarometer wird vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung einmal im Monat veröffentlicht. Heute hat man das Barometer für Oktober präsentiert mit der Headline-Aussage „Rückschlag mit Ansage“. Die zweite Corona-Infektionswelle sei in Deutschland angekommen und drohe den wirtschaftlichen Aufschwung abzuwürgen. Nachdem die Wirtschaft im abgelaufenen dritten Quartal dem Konjunkturbarometer zufolge noch deutlich um etwa sechs Prozent gewachsen sein dürfte, würden sich die weiteren Aussichten erheblich verdüstern. Das DIW-Konjunkturbarometer fällt für das Schlussquartal dieses Jahres von 122 Punkten auf 105 Punkte. Das DIW im Wortlaut:

Der Aufschwung wird sehr wahrscheinlich deutlich ausgebremst werden“, sagt DIW-Konjunkturchef Claus Michelsen. „Es drohen wieder schärfere Einschränkungen des gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Lebens – das Pandemiegeschehen nimmt Verbraucherinnen, Verbrauchern und Unternehmen die Zuversicht. Und das in einer Zeit, in der viele Unternehmen noch mit den Folgen des Lockdowns vom Frühjahr kämpfen und kaum noch finanzielle Reserven haben“, so Michelsen. Stand jetzt werde die Wirtschaftsleistung in Deutschland zum Jahresende noch leicht steigen, der kräftige Aufholprozess aus dem Sommer dürfte sich aber nicht fortsetzen.

Das DIW-Konjunkturbarometer lässt den Rückschlag bereits erahnen, obwohl sich die zweite Infektionswelle in vielen aktuellen Zahlen noch so gut wie gar nicht widerspiegeln kann. Lediglich die jüngst veröffentlichten Unternehmensumfragen weisen auf die zunehmende Sorge vor einem erneuten Lockdown hin. „Das Wirtschaftsgeschehen wird wohl stellenweise wieder lahmgelegt werden – wenn auch nicht in dem Maße wie im Frühjahr,“ warnt Michelsen. Das Risiko, dass die Produktion – abhängig vom konkreten Infektionsverlauf – wieder deutlich zurückgefahren wird, sei in den vergangenen Wochen deutlich gestiegen.

DIW-Konjunkturbarometer als Grafik

weiterlesen

Allgemein

Kettenreaktion: Corona stärkt US-Dollar – türkische Lira, Ölpreis und Goldpreis leiden

Claudio Kummerfeld

Veröffentlicht

am

Kurse

Man kann es Kaskadeneffekt nennen, oder auch eine Kettenreaktion. Die zweite Corona-Welle rollt, die Restriktionen nehmen europaweit zu, und heute wird Deutschland wohl neue verschärfende Maßnahmen ankündigen. Das schwächt die Wirtschaft. Seit Freitag fallen die Aktienmärkte. Der Dax hat seit letzte Woche Freitag Mittag bis jetzt gut 1.000 Punkte eingebüßt. Der US-Dollar wird gestärkt, und in Folge leiden auch die türkische Lira, der Goldpreis und der Ölpreis. Hier die aktuelle Lage.

In Zeiten von Unsicherheit sucht der Anleger derzeit nicht die Rettung im Gold, sondern im größten globalen Fluchthafen, der vermeintliche Sicherheit bieten soll, nämlich dem US-Dollar. Der Dollar-Index (Währungskorb des US-Dollar gegen andere Währungen) ist seit gestern Abend bis jetzt von 92,80 auf 93,28 Indexpunkte gestiegen. Je stärker der US-Dollar, desto schwächer läuft alles, was gegen ihn gehandelt wird.

Türkische Lira im Abwärtsrausch

Die türkische Lira leidet seit langer Zeit. Aber jüngst wird es immer schlimmer. Die türkische Währung fällt derzeit täglich von Rekordtief zu Rekordtief. Klicken sie bitte hier für mehr Hintergründe zu diesem Thema. Erdogans jüngste verbale Ausfälle in Richtung Europa und zahlreiche andere politische Abenteuer geben dem Devisenmarkt viele Gründe gegen die türkische Lira zu spekulieren. Dazu kommt vor allem die jüngst ausgebliebene Zinsanhebung der türkischen Zentralbank, und jetzt noch die Dollar-Stärke. Ein übler Cocktail, der aktuell der Lira kräftig zusetzt. Alleine seit letztem Donnerstag (Zinsentscheid) ist der US-Dollar gegen die türkische Lira gestiegen von 7,80 auf jetzt 8,28. Noch vor genau einem Jahr musste man für 1 US-Dollar nur 5,75 Lira aufbringen.

Ölpreis fällt

So wie die sich verschärfende Coronakrise aktuell die Aktienkurse in Mitleidenschaft zieht, ist auch der Ölpreis betroffen. Weniger konjunkturelle Aktivität und weniger private Unternehmungen senken auch die weltweite Öl-Nachfrage. Dazu noch der stärkere US-Dollar. Darunter leidet Öl doppelt, und somit fällt der Ölpreis aktuell. Lag der WTI-Ölpreis gestern Abend noch bei 39,79 Dollar, so sind es aktuell nur noch 37,90 Dollar! Hinzu kommt noch, dass gestern Abend die privat ermittelten API-Daten zeigen, dass die Lagerbestände für Rohöl in den USA im Wochenvergleich um 4,6 Millionen Barrels gestiegen sein sollen (Erwartungen lagen bei +1,2). Auch das deutet auch weniger Öl-Nachfrage hin, wenn produziertes Öl nicht abgenommen wird, sondern in den Lagern verschwindet. Der Ölpreis leidet. Heute um 15:30 Uhr berichten wir über die offiziellen Lagerdaten aus den USA.

Goldpreis

Tja, und auch der Goldpreis leidet aktuell unter dem starken US-Dollar. Das Edelmetall kann gerade nicht als Fluchthafen dienen. Gestern und auch heute früh sah man noch Kurse von 1.910 Dollar, aber aktuell ist der Goldpreis wieder auf glatt 1.900 Dollar zurückgefallen. Mal wieder will die Krise dem Edelmetall nicht zum großen Durchbruch verhelfen. Noch nicht? Denn falls Joe Biden die US-Wahl gewinnt, könnte sich die Lage ändern. Im Chart sehen wir seit gestern früh in blau den steigenden US-Dollar gegen den fallenden Goldpreis in rot-grün.

Chart zeigt US-Dollar Verlauf gegen Goldpreis

weiterlesen

Allgemein

Zinsen und Banken – „Verwahrentgeld“ auf dem Vormarsch

Avatar

Veröffentlicht

am

Wer glaubt, sich der finanziellen Repression so leicht entziehen zu können, irrt vermutlich: Immer mehr Banken verlangen negative Zinsen für Bankeinlagen, auch „Verwahrentgelt“ genannt. Hat man auch seine Reservegeldhaltung zurückgeschraubt, wird man von der Anhebung der Gebühren betroffen.

Negative Zinsen: Immer mehr Banken..

Still und leise erhöht sich die Zahl der Kreditinstitute, die von ihren Kunden Strafzinsen oder so genanntes Verwahrentgelt für ihre Einlagen verlangen. War bisher eine Summe von 100.000 Euro davon nicht betroffen, so ist das nicht mehr allzu oft der Fall. Allerdings dürfen die Banken nicht so einfach negative Zinsen erheben, sondern sie brauchen zunächst die Einwilligung ihrer Kunden. Ja wohin ausweichen, wenn es immer mehr Banken gibt, die aufgrund der Zinsssituation auf diese Einnahmequelle zurückgreifen?

Das Verbraucherportal Biallo (ebenso Verivox) hat 1300 Banken untersucht und festgestellt, dass 214 Kreditinstitute in bestimmten Fällen Verwahrentgelt verlangen – 20 mehr als vor Monatsfrist, seit Jahresanfang haben sich 150 Geldinstitute zu diesem Schritt entschieden.

Gab es zunächst überall den Freibetrag von 100.000 Euro, so wird dieser schrittweise abgesenkt, auf 50.000, 10.000 oder sogar auf 0 Euro, auch von Volksbanken. Bisher beläuft sich der Minuszins auf 0,5 Prozent, aber es gibt bereits eine Sparkasse, die bei minus 0,75 Prozent angekommen ist.

Die Ursache für das Verhalten der Banken ist schon ein paar Jahre alt.

Bereits im Jahre 2014 hat die Europäische Zentralbank begonnen Negativzinsen von den Geschäftsbanken zu verlangen und diesen Zinssatz für kurzfristige Einlagen im vergangenen Jahr auf minus 0,5 Prozent gesenkt. Aus den letzten Äußerungen seitens der Notenbanker ist nicht zu erwarten, dass die Zinsen angehoben, sondern die Geldpolitik eher noch gelockert wird. Damit dürfte der Trend zum Verwahrentgelt noch zunehmen.

Jetzt auch Direktbanken

Bisher lehnten sich manche Bankkunden locker zurück, angesichts der neuen Konkurrenz für die alten Geldinstitute – filiallose Direktbanken. Doch ausgerechnet die Handybank N26 verkündete jüngst, Strafzinsen für das Girokonto einführen zu wollen. Zunächst erst ab 50.000 Euro, aber dieses Vorhaben steht im krassen Widerspruch zu dem vor Jahresfrist geäußerten Versprechen auf Negativzinsen zu verzichten. Wird dies eine Welle auslösen, bei der Konkurrenz wie ING, DKB, Consorsbank, Flatex u.a., die als Ausweichsort gesehen wurden, um den Gebühren von Genossenschaftsbanken und Sparkassen zu entgehen? Ein bisschen Verwahrentgelt, was soll’s?

Eine ganze Menge, sollte sich dieser Trend durchsetzen. Schließlich liegen derzeit gigantische 2,489 Billionen Euro auf Giro- oder Tagesgeldkonten. Für diese Summe nur 0,5 Prozent einbehalten – und schon wäre man bei einer zweistelligen Milliardensumme.

Wie lautet seit Langem eine Empfehlung der Vermögensberater für die Reservegeldhaltung der Konsumenten? Man solle auf dem Girokonto eine Notreserve halten, die etwa drei Monatsgehälter beträgt. Und zwar nicht nur für ein paar Wochen, sondern länger und für etwaige größere Anschaffungen.

Die Neigung des Deutschen zur großen Geldhaltung mit ihrem obersten Befürworter, Bundesfinanzminister Olaf Scholz, hat zu einem gewaltigen Depotvolumen geführt.

Die oben genannte Verfügungsmasse liegt im Wert höher als alle deutschen Aktien zusammen und sogar doppelt so hoch wie die Bewertung des deutschen Leitindex, Dax. Damit sieht man auch, dass ein Crash am deutschen Aktienmarkt wesentlich weniger Vermögensschäden hervorrufen würde, als bei den Amerikanern, wo allein die über 28 Billionen Dollar des S&P 500 einen weit höheren Wert repräsentieren, als das gesamte Bruttoinlandsprodukt der USA.

Fazit

Die finanzielle Repression schlägt hierzulande weiter zu. Nach und nach werden die Freibeträge für die Geldkonten abgesenkt.

Da die Europäische Zentralbank ihre Geldpolitik eher noch lockert – bei der Sitzung im Dezember? – aber bestimmt nicht die Zinsen erhöht, dürfte die Zahl der Banken, die negative Zinsen weiterreichen, noch größer werden.

Keine Zinsen mehr am Anleihemarkt, Strafzinsen auf dem Geldkonto, wozu führt das? Nicht schon wieder das Akronym „TINA“..

Immer mehr Banken verlangen negative Zinsen auf Einlagen

weiterlesen

Anmeldestatus

Meist gelesen 7 Tage

Wenn Sie diese Webseite weiter verwenden, stimmen Sie automatisch der Verwendung von Cookies zu. Zur Datenschutzerklärung

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um Ihnen das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn Sie diese Website ohne Änderung Ihrer Cookie-Einstellungen verwenden oder auf "Akzeptieren" klicken, erklären Sie sich damit einverstanden.

Schließen