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Europa

Importe wehen den Wind der Deflation nach Deutschland

Claudio Kummerfeld

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am

Waren-Importe laufen vor allem über Container

Die Importe wehen seit einigen Monaten die Deflation nach Deutschland. Zwar liegt Deutschland anders als einige Länder in der Eurozone mit einer Inflationsrate von zuletzt +0,9 Prozent noch weit entfernt von der Schwelle zur Deflation. Dennoch üben die Importpreise Druck aus. Im Jahresvergleich sinken sie laut heutiger offizieller Veröffentlichung im Juni um 5,1 Prozent. In den Vormonaten waren es bereits -7,0 Prozent, -7,4 Prozent, -5,5 Prozent und -2,0 Prozent. Der folgende Chart zeigt verschiedene Importpreise im Verlauf der letzten fünf Jahre. Die schwarze Linie zeigt die Importpreise für Erdgas, die seit zwei Jahren immer weiter abstürzen.

Der Ölpreis als blaue Linie war seit Ende 2019 brutal gecrasht, und hat sich parallel zum Weltmarktpreis jüngst wieder etwas erholt. Aber da ist noch einiges an Aufholpotenzial vorhanden. Klar ist aber, dass Öl und Gas den Schnitt der Importpreise in der Deflation halten, und somit für Preisdruck in Deutschland sorgen. Ohne die Energie-Importe lagen die Importpreise im Juni nur 1,4 Prozent im Minus statt jetzt mit -5,1 Prozent. Hier weitere Detailaussagen der Statistiker im Wortlaut:

Energieeinfuhren waren im Juni 2020 um 37,2 % billiger als im Juni 2019, wiesen aber gegenüber dem Vormonat Mai 2020 ein deutliches Plus auf (+15,8 %). Den größten Einfluss auf die Jahresveränderungsrate für Energie hatte Erdöl mit einem Minus von 39,5 %. Nachdem diese Preise aufgrund der Corona-Pandemie und der geopolitischen Lage von Dezember 2019 bis April 2020 um fast 70 % eingebrochen waren, konnten danach bis Juni deutliche Preissteigerungen (+ 83 %) beobachtet werden. Vom Preisniveau vor der Krise sind die Preise für Erdöl allerdings noch weit entfernt. Die Preise für Erdgas lagen 39,9 % unter denen von Juni 2019. Die Preise für Mineralölerzeugnisse fielen im Vorjahresvergleich um 34,8 %.

Importpreise bringen Deflation

Aber nicht nur die Importe von Energieprodukten ziehen den Gesamtschnitt in die Deflation. Hier weitere Details im Wortlaut von den Statistikern:

Die Preise für importierte Vorleistungsgüter lagen im Juni 2020 um 3,6 % unter denen des Vorjahresmonats. Es verbilligten sich unter anderem Holz- und Zellstoff (-17,6 %), Kunststoffe in Primärformen (-14,1 %), Roheisen, Stahl und Ferrolegierungen (-7,7 %) sowie elektronische Bauelemente (-5,0 %). Dagegen lagen die Preise für Edelmetalle und Halbzeug daraus nach wie vor erheblich über dem Niveau des Vorjahresmonats (+25,6 %).

Die Preise für importierte Investitionsgüter lagen im Juni 2020 um 0,3 % unter denen von Juni 2019. Während unter anderem Tablets (-9,5 %) und Smartphones (-8,5 %) billiger waren, wurden Kraftwagen und Kraftwagenmotoren zu 1,2 % höheren Preisen als im Juni 2019 importiert.

Gebrauchsgüter waren im Vergleich zum Vorjahr 0,2 % teurer (-0,6 % zum Vormonat). Die Importpreise für Verbrauchsgüter stiegen um 0,3 % gegenüber dem Vorjahr (-0,4% gegenüber Vormonat). Insbesondere Fleisch- und Fleischerzeugnisse waren im Vergleich zum Vorjahr 3,0 % billiger, jedoch stiegen die Preise gegenüber dem Vormonat Mai 2020 wieder an (+1,2 %).

Die Einfuhrpreise für landwirtschaftliche Güter lagen 2,1 % höher als im Juni 2019 (-2,3 % gegenüber dem Vormonat). Während insbesondere Pfirsiche (+31,0 %) und Zitrusfrüchte (+17,3 %) deutlich teurer waren als vor einem Jahr, wurden vor allem Mandeln (-17,9 %) sowie Paprika (-14,2 %) und Naturkautschuk (-14,1 %) zu niedrigeren Preisen importiert.

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Europa

Deutsche Wirtschaft: Schwache Dienstleister, starkes Gewerbe

„Dauerhafter Aufschwung ab jetzt zunehmend schwieriger“

Markus Fugmann

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Soeben wurde der Einkaufsmanagerindex für deutsche Wirtschaft (Markit PMI; erste Veröffentlichung für Oktober) veröffentlicht – einer der zentralen Indikatoren für die deutsche Wirtschaft:

Gesamtindex: 54,5 (Prognose war 53,2; Vormonat war 54,7)

Verarbeitendes Gewerbe: 58,0 (Prognose war 55,1; Vormonat war 56,4)

Dienstleistung: 48,9 (Prognose war 49,2; Vormonat war 50,6)

Damit bestätigt sich der Trend der letzten Zeit: Dienstleistung leidet, Gewerbe bleibt robust (noch?)

Kurz zuvor war der Einkaufsmanagerindex aus Frankreich mit 47,3 schwächer ausgefallen als erwartet (Prognose war 48,0)

(Hinweis: das ifo Institut hat soeben mitgeteilt, dass die ifo Umfrage erst am Montag veröffentlicht wird, im Videoausblick hatte ich gesagt, dass die Zahlen heute um 10Uhr veröffentlicht werden).

Dazu kommentiert Phil Smith von Markit, das die Daten erhebt: „dauerhafter Aufschwung ab jetzt zunehmend schwieriger“

„Die deutsche Wirtschaft hält sich angesichts der zweiten Corona-Infektionswelle erfreulicherweise ziemlich wacker, wie der Oktober-Flash zeigt.
Obwohl einige Dienstleistungsunternehmen unter den neuen Restriktionen und der zunehmenden Unsicherheit im Zusammenhang mit der ‘zweiten Welle’ leiden, hielten sich die Geschäftseinbußen hier insgesamt noch in Grenzen. Gleichzeitig hat die boomende Industrie der Konjunktur ordentlich Auftrieb verliehen. Folglich sieht es zunehmend nach einer Wirtschaft der zwei Geschwindigkeiten aus. Das verarbeitende Gewerbe ist bisher weniger stark von den neuen Restriktionen betroffen als der Servicesektor und hat zudem enorm vom wieder
florierenden Welthandel profitiert. Da sich immer mehr Industrieunternehmen dem Wachstumsniveau von vor der CoronavirusPandemie nähern oder es sogar schon erreicht haben, wird ein dauerhafter Aufschwung ab jetzt zunehmend schwieriger. So sind die Erwartungen der Hersteller im Oktober auch erstmals seit siebenMonaten wieder leicht gesunken. Dennoch, Sorgenkind Nummer eins bleibt der Dienstleistungssektor.”

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Europa

Verbraucherpreise Eurozone: Deflation im Westen – Inflation nur in Osteuropa

Redaktion

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Soeben wurden für die Eurozone für den Monat September die Verbraucherpreise veröffentlicht (2.Veröffentlichung). Sie gehen im Jahresvergleich um -0,3 Prozent zurück, nach -0,2 Prozent im August und +0,4 Prozent im Juli. Auffallend: Inflation gibt es nur im Osten, während der Westen eher unter Deflation leidet.
Zum Vormonat steigen die Verbraucherpeise um +0,2%, ebenso in der Kernrate (ohme Nahrung und Energie) um +0,2%.

Dazu schreibt Eurostat, das die Daten erhebt:

Die jährliche Inflationsrate im Euroraum lag im September 2020 bei -0,3%, gegenüber -0,2% im August. Ein Jahr zuvor hatte sie 0,8% betragen. Die jährliche Inflationsrate in der Europäischen Union lag im September 2020 bei 0,3%, gegenüber 0,4% im August. Ein Jahr zuvor hatte sie 1,2% betragen. .
Die niedrigsten jährlichen Raten wurden in Griechenland (-2,3%), Zypern (-1,9%) und Estland (-1,3%) gemessen.
Die höchsten jährlichen Raten wurden in Polen (3,8%), Ungarn (3,4%) und Tschechien (3,3%) gemessen.

Die Verbraucherpreise in den jeweiligen Ländern

 

Gegenüber August ging die jährliche Inflationsrate in dreizehn Mitgliedstaaten zurück, blieb in sieben unverändert und stieg in sieben an.
Im September kam der höchste Beitrag zur jährlichen Inflation im Euroraum von Lebensmitteln, Alkohol und Tabak (+0,34 Prozentpunkte, Pp.), gefolgt von Dienstleistungen (+0,24 Pp.), Industriegütern ohne Energie (-0,08 Pp.) sowie Energie (-0,81 Pp.).

Die Verbraucherpreise in der EU und der Eurozone

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Europa

Aktuell: ZEW-Index schwach – neuer Realismus?

Markus Fugmann

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Jeden Monat wird der ZEW-Index vom Mannheimer Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung erhoben. Der Index gilt daher als ein wichtiger Frühindikator für die wirtschaftliche Entwicklung in Deutschland. Die gerade veröffentlichten Daten sind wie folgt ausgefallen:

Der ZEW-Index (Konjunkturerwartungen Oktober) ist mit +56,0 Punkten deutlich schwächer ausgefallen als erwartet (Prognose war +73,0; Vormonat war +71,5).

Die Einschätzung der aktuellen Lage liegt bei -59,5 (Prognose war -60,0; Vormonat war -66,2) – damit sehen wir erneut eine starke Divergenz zwischen Erwartung und der Einschätzung der aktuellen Lage, wobei die aktuelle Lage nun jedoch skeptischer gesehen wird.

Dazu das ZEW: Erwartungen gehen erheblich zurück, große Unsicherheit wegen steigender Corona-Zahlen, dazu Unsicherheit vor US-Wahl..

Der ZEW-Index ist nach dem ifo Index der wichtigste Indikator für die deutsche Wirtschaft

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