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Bei diesen deutschen Konzernen bangen Mitarbeiter um ihre Jobs – wird am Ende doch alles gut?

FMW-Redaktion

Nicht überall in der deutschen Wirtschaft sieht es derzeit so rosig aus. Da wäre als ein Beispiel die Supermarktkette Kaiser’s Tengelmann. Dort soll laut WAZ angeblich schon am 23. September auf einer Aufsichtsratssitzung beschlossen werden, dasss 5.000 der 16.000 Arbeitsplätze wegfallen sollen. Damit ist die Lage viel dramatischer als bislang vermutet. Und das Management könnte die Nerven verlieren, weil die Firma ja eigentlich längst von Edeka geschluckt werden sollte. Dies wurde aber von einem Düsseldorfer Gericht verhindert. Es stellte nämlich fest, dass Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel mit einer von ihm ausgestellten Sondererlaubnis für den Kauf von Kaisers durch Edeka mit Geheimverhandlungen seine Neutralität verletzt habe. Jetzt so scheint es, läuft Kaisers die Zeit davon.

Die Verluste aus dem laufenden Geschäftsbetrieb könnten größer sein als bislang angenommen. Selbst wenn Edeka demnächst doch noch Kaisers schlucken darf, oder wenn der Konkurrent Rewe den Zuschlag erhält, kann man es drehen und wenden wie man will: Trotz Arbeitsplatzgarantien auf Zeit und sonstigen Schutzmaßnahmen für die Belegschaft von Kaisers, auf die Gabriel besteht, wird es jetzt oder sonst nach Ablauf von Haltefristen zu Entlassungen kommen. Denn jeder Käufer will Synergien nutzen und Doppelstandorte oder Doppelbesetzungen abschaffen. Aber nach einer schnellen Aufhebung des Düsseldorfer Urteils sieht es eh nicht aus – daher dürfte es in Kürze wohl zu Entlassungen bei Kaisers kommen.

Real

Auch bei der Supermarktkette Real sieht es alles andere als rosig aus. Die Mutter Metro betrachtet ihre Tochter mit Sorge – Real kämpft mit Umsatzrückgängen und Schließungen. Derzeit wird gerade eine Filiale in Krefeld in eine „Filiale der Zukunft“ umgebaut, wo angeblich Sushi-Stände und eine Weinlounge etc die Kunden anlocken sollen. Aber ob das von der Real-Kundschaft wirklich gewünscht wird? Kann es, so fragen wir Unwissenden, nicht viel mehr sein, dass nach jahrelanger Discounter-Expansion der Markt mit neuen Supermärkten völlig übersättigt ist? Der Konsument kauft nur ein Mal sein Brot, und nicht drei Mal, weil sich die Anzahl der Supermärkte verdreifacht hat. Eröffnen immer mehr Discounter, müssen irgendwann andere Supermärkte zwangsläufig dicht gemacht werden.

Die Real-Mutter Metro will die Sektoren Lebensmittel und Elektronik abtrennen. Kein gutes Zeichen für die Real-Belegschaft, die dann mehr denn je auf sich alleine gestellt wäre. Laut Metro-Konzernleitung sollen die einzelnen Bereiche künftig bessere Erträge liefern. Die Hauptversammlung der Metro muss noch zustimmen, aber das wird wohl glatt durchgehen. Real hatte erst den Flächentarifvertrag gekündigt, und Kürzungen bei Weihnachts- und Urlaubsgeld durchgesetzt. Dafür sprang für die Belegschaft zwar eine Standort- sowie Beschäftigungsgarantie für die nächsten fünf Jahre raus, aber herje, was sind schon fünf Jahre?

e.on und RWE

Den beiden großen deutschen Stromkonzernen geht es nicht besonders gut derzeit. So spalten sich beide Konzerne auf. e.on hat die abgespaltete Resterampen-Tochter Uniper (Kohle & Gas), bei der man jetzt auch „bei den Personalkosten ran muss“, so Vorstandschef Klaus Schäfer Ende August. Jobs müssten in größerem Umfang wegfallen. RWE will mit einer neuen Tochter für Erneuerbare Energien ebenfalls „in die Zukunft starten“, so formulieren wir es mal. Im Alt-Unternehmen RWE sollen angeblich derzeit 1.600 Arbeitsplätze in Gefahr sein. Nicht jeden freigesetzten Kraftwerksmitarbeiter wird man in einen jungen & dynamischen Windturbinen-Bauer umschulen können.

Aber: Die Konjunktur brummt, die Arbeitslosigkeit ist so niedrig wie seit 25 Jahren nicht mehr. Gut, man redet hier von der offiziellen Arbeitslosenquote, aber wer interessiert sich schon für die tatsächliche Arbeitslosenquote in Deutschland? So wie die Wirtschaft derzeit offiziell läuft, und auch aufgrund des Demographiewandels, den die gesamte Politik immer wieder hervorhebt, dürften die zu entlassenden Mitarbeiter der vorher genannten Firmen problemlos in Kürze neue Arbeitsplätze finden. Richtig?



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1 Kommentar

  1. Die bekommen sicherlich ein neue Arbeit. Offiziell gibt es ja über 900.000 offnen Arbeitsstellen.
    Oder sie melden sich erwerbslos (arbeitslos ist ein entwürdigendes Wort), und kommen in eine gesonderte Statistik, so dass die offizielle Arbeitslosenstatistik nicht steigt.

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