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IWF-Chefin Lagarde zu TTIP, Europa und der Brexit-Abstimmung

IWF-Chefin Christine Lagarde weilte heute bei der Veranstaltung „Finanz im Dialog“ in Wien. Dabei sprach Sie neben der Flüchtlingskrise auch über die europäische Wirtschaft, TTIP und die bevorstehende Brexit-Abstimmung. Wir zeigen hier…

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FMW-Redaktion

IWF-Chefin Christine Lagarde weilte heute bei der Veranstaltung „Finanz im Dialog“ in Wien. Dabei sprach Sie neben der Flüchtlingskrise auch über die europäische Wirtschaft, TTIP und die bevorstehende Brexit-Abstimmung. Wir zeigen hier mal die wichtigsten Ausschnitte.

IWF Lagarde
IWF-Chefin Christine Lagarde. Foto: Fonds monétaire international / Gemeinfrei

Lagarde spricht mehrere Faktoren an, die für die EU wichtig sind bzgl. der wirtschaftlichen Entwicklung. Auch spricht sie an, dass 30 Millionen Arbeitsplätze in der EU vom Export abhängig seien, und dass es daher wichtig sei, dass die politischen Entscheidungsträger darauf hinweisen würden, dass die Mehrheit der EU-Bevölkerung vom TTIP-Abkommen mit den USA profitieren werde. Dazu meinen wir: Das war doch jetzt kein Argument Frau Lagarde: Denn die von Ihnen angesprochenen 30 Millionen Menschen, die haben ihre Exportjobs ja jetzt bereits, ohne TTIP!?! Zitat Lagarde:

„The first is to lift potential growth—which means opening up economic structures to spur competition and encourage investment in new productive ideas. This includes lowering barriers to entry in retail and professional services, shrinking the tax wedge on labor income, and improving the efficiency of public administration to reduce business start-up costs. Europe also needs a vibrant market for digital services. I am always amazed by the creative spirits that are at work in Silicon Valley—a large share contributed by immigrants, by the way! Europe will not miss the ongoing technological revolution if it competes more strongly in this area. For example, a capital markets union would make it easier for startups to raise sufficient funds. And since more than 30 million jobs in the EU—that is, one of every seven jobs—depend on exports to the rest of the world, it is critical that policymakers clearly articulate how the TTIP and other trade agreements benefit the majority of the Population.“

Zum Thema Brexit spricht sich Lagarde klar dagegen aus. Vor allem der freie Handel mit der EU hätte Großbritannien viel gebracht, z.B. in Sachen Arbeitsplätze und Einkommenszuwächse. Die Mitgliedschaft in der EU habe UK zu einem reicheren Land gemacht.

„First, there are the jobs and income gains that have come from increased trade within the EU. This is not trade that would have happened anyway, or trade that has simply been diverted away from other parts of the world. The formation of the EU and the single market has been instrumental in generating more trade than would otherwise have been the case. And with more trade has come more investment, as the U.K. has become integrated into European supply chains—such as in the aerospace industry, and in factories producing cars for the whole European market. Increased trade has also raised productivity and incomes by increasing the scope for economies of scale in production and efficient specialization.

Second, and more profoundly, being part of the EU has greatly aided the transformation of the U.K. into a dynamic and vibrant economy. The U.K. has benefited from the many contributions of talented and hard-working migrants from all over the world, including the EU, while providing record-high levels of employment for all its residents. Membership in the EU has made the U.K. a richer economy, but it has also made it a more diverse, more exciting, and more creative country. As in all countries, there are people who are struggling in this new environment, but for the majority of citizens, this has been a great success story. It has been said that “it takes great courage to see the world in all its tainted glory, and still to love it.” So I wish bon courage to our fellow Europeans from the United Kingdom!“

Europa und die Nachwirkungen der Krise

Lagarde äußert sich auch mit einem Vergleich zu den USA im Jahr 2009 und Schweden in den 1990ern (zwar in der EU, aber nicht im Euro). Staatliche Gebilde mit einer zentralen Entscheidungsfindung könnten Krisen gut bekämpfen. Nach einem Drehbuch würden Staaten in einer Notlage Liquidität in das Bankensystem pumpen, damit der Staat danach in Ruhe den Schaden beheben kann, so unsere Kurzinterpretation ihrer nachfolgenden Sätze.

In der Eurostaaten-Krise hätte man sehr viel langsamer reagiert so Lagarde – dies habe an der unvollständigen institutionellen Struktur und der fehlenden politischen Union gelegen (stimmt ja auch, oder?). Statt schnell zu handeln, hätte es daher viel Zeit benötigt nach einem Konsens zu suchen. Aber letztlich hätten sich die Euro-Mitgliedsstaaten solidarisch gezeigt durch die Schaffung eines gemeinsamen Rettungsmechanismus, als Firewall gegen zukünftige Krisen. Das Vermächtnis der Krise sei immer noch zu spüren. Europa verspüre immer noch ein sehr geringes Wachstum mit +1,5% und +1,6% beim BIP in 2016 und 2017. Auch die Arbeitslosigkeit in Europa sei immer noch viel zu hoch.

Da können wir Frau Lagarde nur recht geben. Auch von anderer Seite (EZB?) kam schon öfters der Hinweis, die EU-Politik sowie die Nationalstaaten mögen doch bitte endlich mit Strukturreformen beginnen. Italien z.B. mit seinem 5 Milliarden Euro-Rettungsfonds für 360 Milliarden Euro fauler Kredite in den Bankbilanzen versucht seit wenigen Wochen so zu tun, als würde sich strukturell etwas ändern. Aber da muss man kein Experte sein: Mit 5 Milliarden Euro Probleme im Wert von 360 Milliarden weg-sanieren? Geht nicht, funktioniert nicht. Bitte einen neuen Anlauf nehmen Herr Renzi, auch wenn dieser Fonds privat organisiert wurde.


Quelle: IWF

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Neofiskalismus – die Zeit für größere Regierungsaktivitäten ist gekommen

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Eine neue Ära vermehrter Regierungsaktivitäten hat begonnen und wird sich wahrscheinlich noch über Jahrzehnte fortsetzen, so die Analyse des Global Macro Research Teams von Insight Investment. Das Insight’s Global Macro Research Team hat für dieses Phänomen einen neuen Begriff eingeführt: „Neofiskalismus“. Damit soll eine sich abzeichnende Ära beschrieben werden, in der Regierungen durch ihre Finanzpolitik eine noch direktere und offensivere Rolle in der Wirtschaftspolitik und -steuerung ausüben. Dies steht in starkem Kontrast zu dem gegenwärtigen Modell, unter dem Zentralbanken weitestgehend in der Lage waren, geldpolitische Entscheidungen ohne politische Intervention zu treffen.

Das neoliberale Paradigma reduzierter Regierungsinterventionen in der Wirtschaft ist in Gefahr. Längerfristige Trends gingen bereits in diese Richtung, aber die Notfallpolitik, die zur Bewältigung der COVID-19-Krise angewandt wurde, hat einen möglichen Wendepunkt geschaffen. Das Global Macro Research Team hat fünf Folgen für die Märkte identifiziert:

1)
Die Anleihenmärkte könnten für einen langen Zeitraum ähnlich wie in Japan werden. Eine im historischen Vergleich relativ geringe Volatilität könnte dazu führen, dass die Suche nach Renditen die Spreads verringert und die Zinskurven abflacht.

2)
Ein Anstieg der Inflation könnte Anleiherenditen kurzfristig nach oben treiben, wenn sie eine Abschwächung der quantitativen Lockerung bewirkt. Solche Gelegenheiten dürften attraktive Einstiegspunkte sein, solange längerfristig erwartet wird, dass die Inflation nach den Finanzierungsengpässen in der Wirtschaft wieder auf den Zielwert zurückkehrt.

3)
Für Staaten ohne vollständige Kontrolle über die Währung, in der sie ihre Emissionen tätigen, sollte die Wirksamkeit der Regierung von entscheidender Bedeutung sein. Effektiv handelnde Regierungen, die in der Lage sind, die Produktivität und das Trendwachstum zu steigern, könnten das Verhältnis Schulden/BIP rascher reduzieren.

4)
Das Identifizieren von Regierungen, die in der Lage sind, das Trendwachstum zu maximieren, dürfte für die Aktienmärkte wichtig werden, da dies zu einem wichtigen Ertragsmotor wird.

5)
Unternehmen mit staatlicher Unterstützung dürften in Perioden mit Finanzierungsengpässen einen Vorteil haben.

Experte erklärt neues Phänomen des Neofiskalismus
Gareth Colesmith, Head of Global Rates and Macro Research bei Insight Investment

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Glas halb voll oder halb leer? 21 statt 33 Prozent der Betriebe stark von Corona betroffen

Claudio Kummerfeld

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Zahl von Corona stark beeinträchtigter Betriebe sinkt

Der eine sagt das Glas ist halb voll, der andere sagt es ist halb leer. Ansichtssache! So wohl auch in diesem Fall. Denn ab wann kann man sagen, dass sich die gesamtwirtschaftliche Lage so weit gebessert hat, dass die Coronakrise im großen Bild überstanden ist? Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), eine Forschungseinrichtung der Bundesagentur für Arbeit, hat heute aktuelle Umfrageergebnisse veröffentlicht. Regelmäßig befragt man 1.500 Betriebe.

Demnach berichteten für den Monat Mai 33 Prozent der Betriebe von starken negativen Corona-Auswirkungen auf das eigene Geschäft. Heute meldet das IAB, dass noch 21 Prozent der Betriebe von starken negativen Auswirkungen sprechen. Also ein Fünftel der Unternehmen ist immer noch ernsthaft von Corona beeinträchtigt, und das laut Bundesregierung vier Monate nach dem wirtschaftlichen Tiefpunkt der Krise. Der eine erachtet dies als großen Schritt in die richtige Richtung, der andere sieht darin ein Desaster, dass immer noch so viele Betriebe ernsthafte Probleme haben. Dazu hier einige Aussagen des IAB im Wortlaut:

Die Ergebnisse zeigen, dass sich die wirtschaftliche Situation der Betriebe sehr deutlich gegenüber dem Höhepunkt der Krise im Frühjahr verbessert hat“, erklärt IAB-Forscher Jens Stegmaier.

Von den im Mai stark negativ durch die Corona-Krise betroffenen Betrieben sind 49 Prozent weiterhin stark betroffen. 25 Prozent der im Mai stark negativ betroffenen Betriebe geben aktuell geringe negative Auswirkungen an, 23 Prozent keine oder gleichermaßen positive wie negative Auswirkungen und 3 Prozent überwiegend positive Auswirkungen.

Am heftigsten wurde das Gastgewerbe von der Corona-Krise getroffen: Im Mai lag der Anteil der Betriebe mit starken negativen Auswirkungen bei 78 Prozent und der Anteil mit geringen negativen Auswirkungen bei 17 Prozent. Aktuell sind 45 Prozent stark negativ betroffen und 17 Prozent gering negativ betroffen.

Im Bereich Information und Kommunikation waren im Mai dagegen nur 3 Prozent der Betriebe stark negativ betroffen. Gering negativ betroffen waren 25 Prozent. Aktuell sind 5 Prozent stark negativ und 29 Prozent gering negativ betroffen.

Das Verarbeitende Gewerbe liegt dazwischen: Für den Mai berichteten 37 Prozent der Betriebe von starken negativen und 28 Prozent von geringen negativen Auswirkungen. Aktuell sind 29 Prozent mit starken negativen Auswirkungen und 24 Prozent mit geringen negativen Auswirkungen konfrontiert.

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Geldpolitik: US-Notenbank macht Nullzins langfristig fest – Werbung

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Lieber Börsianer,

gestern haben sich im Rahmen ihres turnusmäßigen Treffens die US-Notenbanker nochmals zur Geldpolitik eingelassen. Dabei verzichtete man erstmals auf jede Geheimniskrämerei und garantierte dem Kapitalmarkt, den gegenwärtigen Leitzins von Null langjährig beizubehalten. Die Fed wird dabei auch zumindest vorübergehend Inflationsraten oberhalb der bisher starren Inflationsgrenze von 2 % akzeptieren.

Das war nicht der ganz große Wurf der Fed. Am Aktienmarkt hatte man doch auf eine weitere Lockerung der Geldpolitik gehofft. So hofften die Börsianer, dass die Notenbanker nächstens ihre Anleihenkäufe nochmals ausweiten und künftig auch im Junk-Bereich (Anleihen mittlerer und schlechter Qualität) einkaufen werden. Diese Phantasie ist nach der gestrigen Notenbank-Sitzung erst einmal vom Tisch.

Trotzdem hatten die Währungshüter rund um Jerome Powell auch positive Nachrichten für uns. Mittlerweile wissen wir, die Pandemie hat sich nicht so zerstörerisch auf die US-Volkswirtschaft ausgewirkt wie zuvor befürchtet. So rechnen die Analysten der Fed nun damit, dass die Arbeitslosenrate in den USA Ende des Jahres zwischen 7 und 8 % liegen wird, aktuell übrigens 8,4 %. Zuvor war man noch von einer Rate in der Spanne zwischen 9 bis 10 % ausgegangen.

Vor diesem Hintergrund sah der Offenmarktausschuss – das oberste Gremium der Fed – keine Notwendigkeit, kurzfristig weitere Mittel in den Markt zu pumpen. Folglich schwächelten die Aktienmärkte rund um den Globus zum Wochenausklang.

Eine Frage: Warum ist eigentlich die Geldpolitik der Fed, aber auch der EZB so immens wichtig für uns als Anleger? Warum reagieren die Märkte jedes Mal nahezu prompt auf die Einlassungen der Geldpolitiker?

Hierzu einige Hintergrund-Informationen: Die Geldpolitik bestimmt vereinfacht gesprochen, wieviel Geld die Wirtschaftssubjekte wie Unternehmen, Verbraucher und auch Investoren in der Tasche haben. Und je lockerer oder expansiver eine Geldpolitik, desto mehr Kapital befindet sich im Wirtschaftskreislauf. Und viel Geld bedeutet letztlich immer steigende Aktienkurse.

Damit ist die Geldpolitik neben der fundamentalen Entwicklung in den Unternehmen der große und entscheidende Faktor für die Aktienmärkte. Ich behaupte, dass die Börsenhausse der vergangenen Jahre ganz wesentlich auf der lockeren…..

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