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Japan: Schade, kein Helikoptergeld, dafür möglicherweise mehr „normale“ Geldschwemme?

Vor Kurzem landete der ehemalige US-Notenbankchef Ben Bernanke in Tokyo und besprach (angeblich) auch die Einführung von Helikoptergeld für Japan. Aber daraus wird wohl erst mal...

FMW-Redaktion

Vor Kurzem landete der ehemalige US-Notenbankchef Ben Bernanke in Tokyo und besprach (angeblich) auch die Einführung von Helikoptergeld für Japan. Aber daraus wird wohl erst mal nichts werden. Schade, verdammt schade, wird sich so mancher Beobachter sagen. Dann hätte es endlich mal ein reales Experimentierfeld für diese Maßnahme gegeben, die bisher nirgendwo in der Praxis umgesetzt wurde.

Japans Notenbankchef Kuroda sagte heuet in einem Interview gegenüber der BBC es gäbe keine Notwendigkeit und auch keine Möglichkeit für die Maßnahme Helikoptergeld in Japan. Wenn er sich an seine Worte hält, war es das erstmal. Aber in Japan sind die Gesetze der freien Marktwirtschaft eh schon ziemlich weit außer Kraft gesetzt. Die Notenbank druckt bis die Geldpresse heiß läuft, der Staat macht Schulden ohne Ende. Und noch viel extremer als in Europa kauft die Notenbank die Schulden des Staates. Hinzu kommt noch, dass anders als in Europa die Japaner die Schulden ihres eigenen Staates oftmals kaufen. So ist die Volkswirtschaft nicht von ausländischen Anleihe-Investoren abhängig.

Kuroda sagte die Optionen des Quantitative Easing (Geld drucken und japanische Staatsanleihen kaufen) und der Negativzinsen könnten ausgebaut werden. Es sei immer noch das Ziel Japan aus der Deflation zu bekommen. Deswegen gäbe es auch weiterhin keine Begrenzung beim zukünftigen Ausweiten solcher Stimulusmaßnahmen, so Kuroda. Und was passiert am Devisenmarkt? Eine interessante Entwicklung. Seit Tagen kursieren Gerüchte über konkrete massive Ausweitungen der QE-Summen von 10 auf 20 Billionen Yen. Auch heute Nacht gab es hierzu weitere Meldungen aus Japan, die konkrete Schritte für August andeuten.

Der US-Dollar stieg daher in den letzten Tagen gegenüber dem Yen (USDJPY) auf ein 7 Wochen-Hoch bis rauf auf 107,49 heute früh um 3 Uhr (Helikoptergeld + mehr Geldschwemme = Yen-Schwächung). Aber nachdem die Luft aus der Helikoptergeld-Euphorie heute früh durch Kuroda rausgelassen wurde, ging es für USDJPY wieder bergab auf 105,42 – der Yen zog also an. Weniger Lockerung, weniger Verwässerung = gut für den Yen. Jetzt steht der Yen am Wendepunkt, was die Lockerungen der Bank of Japan angeht. Bleibt es auch in den nächsten Tagen nur bei Worten, oder wird das QE wirklich so stark ausgeweitet?

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1 Kommentar

  1. Statistiken..Von 1987 bis 1990 wies Japan unter allen OECD Staaten die geringste Inflation aus, obwohl das Land die groesste Assettpreisspirale der Wirtschaftsgechichte
    „erlitt“. Ich lebe seit 1975 in Tokio und habe von Deflation nichts gesehen. Man sollte
    sich mal den japanischen Warenkorb ansehen. Ein Glanzstueck der Perversion. Viel
    Spass bei der Entdeckung…der administrierten Verlogenheit.

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