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KfW und DIHK aktuell: So schlimm ist die Lage in der deutschen Wirtschaft

Claudio Kummerfeld

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Deutsche Wirtschaft in Coronakrise - DIHK und KfW mit Daten

Aktuell haben die staatliche Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) und der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) Informationen über die aktuelle Lage in der deutschen Wirtschaft veröffentlicht. Zuerst schauen wir uns die Infos der KfW an. Der deutsche Mittelstand sei „endgültig im Corona-Tal angekommen“, so die KfW wortwörtlich als Titel ihres „KfW-Mittelstandsbarometers“ (hier alle Details).

KfW mit Mittelstandsbarometer

Das mittelständische Geschäftsklima sei laut KfW weiterhin im freien Fall. Es sinkt im April noch stärker als im März. Damit ist die Stimmung nun schlechter als vor elf Jahren im Tiefpunkt der Finanzkrise. Beide Teilindikatoren fallen mit neuen Negativrekorden auf: Die Geschäftslageurteile verschlechtern sich so stark wie noch nie, die Geschäftserwartungen stürzen auf einen neuen historischen Tiefpunkt. Gleichwohl sind wir zuversichtlich, im April das Stimmungstief gesehen zu haben – dank des umfassenden Corona-Schutzschirms, der Erfolge bei der Zurückdrängung der Virus-Infektionen und der nun angekündigten oder bereits umgesetzten Lockerungen, so die KfW. Man erwarte eine beginnende Erholung des Wirtschaftswachstums in der zweiten Jahreshälfte nach einem noch nie dagewesenen zweistelligen Prozenteinbruch des BIP im laufenden zweiten Quartal (-10 bis -15% gegenüber Vorquartal). Im Gesamtjahr 2020 drohe die schwerste Rezession seit Gründung der Bundesrepublik. Zitat auszugsweise von der KfW:

Das Geschäftsklima der Mittelständler ist weiterhin im freien Fall: Es sinkt im April um 26,0 Zähler und damit nochmals stärker als im März, als es um 20,0 Zähler eingebrochen war. Der Mittelstand ist nun endgültig im Corona-Tal angekommen; mit jetzt -45,4 Saldenpunkten ist die Stimmung noch schlechter als vor elf Jahren im Tiefpunkt der Finanzkrise (März 2009: -37,6 Saldenpunkte). Beide Teilkomponenten des Indikators fallen mit neuen Negativrekorden auf.

Der April ist der erste vollständige Monat, der von den in der zweiten Märzhälfte eingeführten Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie wie Kontaktverboten und umfangreichen angeordneten Geschäftsschließungen betroffen ist. Insofern ist der fortgesetzte Kollaps des mittelständischen Geschäftsklimas genauso leicht nachvollziehbar wie die Tatsache, dass der Stimmungstrend auch bei den Großunternehmen alles in allem recht ähnlich verläuft.

KfW Mittelstandsbarometer

DIHK

Der DIHK hat mehr als 10.000 Unternehmen befragt. Trotz weiterer Lockerungen bleibe die Lage der deutschen Unternehmen in der Coronakrise sehr kritisch. 60 Prozent der Betriebe würden weiterhin unter einer gesunkenen Nachfrage leiden, 43 Prozent unter stornierten Aufträgen. Mehr als ein Drittel müssten ihre Investitionen zurückschrauben. Mit den Lockerungen Ende April habe jeder vierte der Befragten den Betrieb wieder aufgenommen. Von den aktuell noch geschlossenen Unternehmen geben 80 Prozent an, ihre Geschäfte sofort oder innerhalb der nächsten zwei Wochen wieder starten zu können. So schnell und einfach wird das nichts mit der Erholung der Wirtschaft, so möchten wir es anmerken. Das erkennt man an den folgenden Aussagen des DIHK. Zitat auszugsweise:

Noch ein weiter Weg bis zur Gesundung

Der DIHK-Umfrage zufolge rechnen 80 Prozent der Betriebe für das gesamte Jahr mit einem Umsatzrückgang – Industrie, Bauwirtschaft und die Dienstleister in der Breite sind also ebenfalls betroffen. Jeder Vierte befürchtet dabei sogar ein Minus von mehr als 50 Prozent. Über ein Drittel der Unternehmen erwartet zudem frühestens für 2021 eine Rückkehr zur bisherigen Geschäftslage, jeder 20. Betrieb rechnet sogar damit, dass das nie der Fall sein wird.

„Das zeigt, vor welch enormen Herausforderungen wir jetzt stehen“, warnt Schweitzer. „Bis zur Gesundung unserer Wirtschaft ist es noch ein weiter Weg.“ Die Betriebe wollten hierzu aber ihren Beitrag leisten: „So stellt der Umfrage zufolge rund jedes vierte Unternehmen sein Geschäftskonzept auf andere Produkte und Kundengruppen um oder fokussiert neue Absatzwege. Jeder dritte Betrieb setzt zudem auf eine verstärkte Digitalisierung im Unternehmen. „

Betriebe aller Branchen und Größen betroffen

Die betrieblichen Auswirkungen der Corona-Pandemie – auch das zeigt die Umfrage – ziehen sich quer durch alle Branchen und Größenklassen. Zwar geht der Anteil derer, die Umsatzrückgänge erwarten, im Baugewerbe, im Großhandel und bei unternehmensbezogenen Dienstleistern leicht zurück.

Dagegen spitzte sich zuletzt die Lage dort zu, wo wegen Schließung oder Reisebeschränkungen bis zuletzt gar nicht gewirtschaftet wurde: bei Reisebüros und -veranstaltern, bei Busunternehmen, aber auch in Hotels, Restaurants, Bars oder Biergärten. In der Gastwirtschaft fürchtet jeder dritte Betrieb die Insolvenz, in der Reisewirtschaft ist es sogar fast jedes zweite Unternehmen.

Zuschussfonds kann helfen, eine Pleitewelle zu vermeiden

„Es bleibt zu hoffen, dass die Öffnungen in Gastronomie und Handel dort die Lage verbessern“, sagt der DIHK-Präsident. „Diese Zahlen sind dennoch dramatisch.“ Zumal die Betriebe nun das Wiederhochfahren finanzieren müssten.Schweitzer: „Wir müssen deshalb auch bei den Überbrückungshilfen dringend mit einem Zuschussfonds für kleine und mittlere Unternehmen dazu beitragen, dass in dieser fragilen Phase eine Pleitewelle vermieden wird.“

2 Kommentare

2 Comments

  1. Avatar

    Mike Lohmann

    8. Mai 2020 12:18 at 12:18

    Die Befindlichkeit der Wirtschaft interessiert die Börse jedoch überhaupt nicht. Die Börsianer repräsentieren genau den Wahnsinn der Notenbanker. Wie in all den Kriegen zeigt der Mensch, dass er eigentlich nicht fähig ist, realitätsorientiert zu handeln. Ansonst würde man wissen, dass Ungleichgewichte durch Ausgleiche von echten Werten angebracht ist. Aber im Gegensatz zu der Realität kommen doch tatsächlich ein paar sog. Ökonomen auf die Idee man könne problemlos mit gedruckten Zettelchen auf dem ein Wert aufgedruckt sei, also reale Ungleichgewichte durch Fantasiegeld grundlegend und langfristig lösen. Hier ist das gleiche Phänomen wie in Kriegen feststellbar, indem der Wahnsinn noch nie zu einer echten Lösung geführt hat. Aber das ist aktuell an der Börse wie in Kriegen, niemand scheint dies mit Verstand uond Blick auf die Realität angehen zu wollen.

    • Avatar

      Hesterbär

      9. Mai 2020 15:49 at 15:49

      In der Tat, es ist ein immer wiederkehrendes Phänomen!

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Nullzinsphase in der Realität: BaFin entzieht zwei Pensionskassen die Betriebserlaubnis

Claudio Kummerfeld

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Nullzinsphase

Die Nullzinsphase erfreut zwar private Kreditnehmer und Staaten, die sich zum Traumkonditionen verschulden können. Aber wo Kredite für die einen nur Schulden sind, da sind sie auf der anderen Seite für Fondsgesellschaften, Rentenversicherungen und Pensionskassen nichts anderes als eine Geldanlage, die Zinsen abwerfen muss. Tut sie das nicht, geraten die Zusagen gegenüber den Kunden und die gesamten Kalkulationen der Kassen ins Wanken. Neben 20 Lebensversicherungsgesellschaften hat die BaFin derzeit auch 36 Pensionskassen unter sogenannter „verschärfter Beobachtung“.

Zwei Pensionskassen endgültig ohne Betriebserlaubnis

Schon im Jahr 2018 hatte die BaFin den Pensionskassen „Kölner Pensionskasse“ und „Pensionskasse der Caritas“ die Anordnung erteilt, dass sie nicht weiter ihrer Arbeit nachgehen dürfen (wir berichteten damals). Die beiden legten aber Widerspruch ein. Nun hat die BaFin offiziell mitgeteilt, dass die Entziehung der Betriebserlaubnis für die beiden Pensionskassen rechtskräftig ist, rückwirkend zum 31.12.2020 (hier und hier die offiziellen Mitteilungen). Beide Meldungen sind im Wortlaut identisch, daher drucken wir hier nur eine ab. Zitat:

Die BaFin hat gemäß § 304 Absatz 1 Nr. 2 Versicherungsaufsichtsgesetz (VAG) die Erlaubnis zum Betrieb des Versicherungsgeschäfts der Pensionskasse der Caritas VVaG mit Bescheid vom 24. Oktober 2018 widerrufen. Das Unternehmen konnte die Mindestkapitalanforderung nicht erfüllen und hat einen Finanzierungsplan zur Beseitigung dieser Unterdeckung vorgelegt, der aus Sicht der BaFin unzureichend war. Der Bescheid ist mit Ablauf des 31. Dezember 2020 bestandskräftig geworden. Der Betrieb des Versicherungsgeschäfts ohne die erforderliche Erlaubnis stellt eine Straftat dar. Gemäß § 304 Absatz 5 VAG darf die Pensionskasse der Caritas VVaG keine neuen Versicherungsverträge abschließen und bestehende Versicherungsverträge weder verlängern noch erhöhen.

In der Realität bedeutet dies, dass diese beiden Pensionskassen nur noch ihr vorhandenes Bestandsgeschäft abwickeln dürfen. Den insgesamt 55.000 betroffenen Anspruchsinhabern auf Pensionen dürften womöglich nach und nach Kürzungen ihrer Ansprüche und Auszahlungen bevorstehen. Die beiden Pensionskassen sind nun sozusagen in Liquidation. Sie werden noch solange bestehen, bis die letzten der jetzt noch eher jungen Mitglieder irgendwann sterben. Also werden diese Pensionskassen also auf Jahrzehnte hinweg Abwicklungsanstalten mit Restbeständen sein.

Man kann es sich kaum vorstellen, aber es ist, wie es ist. Das Finanzsystem und in diesem Fall das System der Pensionskassen beruht vor allem darauf, dass die eingezahlten Beiträge auch am Kapitalmarkt Zinsen abwerfen, damit die vorhandenen Vermögensbestände sich vermehren. Seit Jahren knabbert nun die Nullzinsphase an den Reserven. Womöglich sind diese beiden Kassen nur der Anfang einer Entwicklung? Denn man sieht es ja, die Zinsen in Euroland werden noch sehr lange auf der Null-Linie verharren.

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Aktuell: Citigroup und Wells Fargo melden Quartalszahlen

Claudio Kummerfeld

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Die Quartalszahlen von Citigroup und Wells Fargo wurden soeben veröffentlicht. Zunächst Citi. Hier die wichtigsten Kennzahlen.

Der Umsatz liegt bei 16,50 Milliarden Dollar (Vorjahresquartal 18,38/erwartet 16,50).

Der Gewinn liegt bei 2,08 Dollar pro Aktie (Vorjahresquartal 2,11/erwartet 1,35).

Die Aktie notiert vorbörslich mit -1,7 Prozent.

Die Kreditausfälle sinken von 1,84 vor einem Jahr auf 1,27 Milliarden Dollar im letzten Quartal. Von den Rücklagen für möglicherweise noch ausfallende Kredite wurden 197 Millionen Dollar abgebaut, was also den Gewinn erhöht.

Citigroup-Quartalszahlen

Wells Fargo

Die große Konsumentenbank Wells Fargo hat soeben auch ihre Zahlen veröffentlicht. Hier die wichtigsten Kennzahlen.

Der Umsatz liegt bei 17,93 Milliarden Dollar (Vorjahresquartal 19,86/Erwartungen 18,1).

Der Gewinn liegt bei 0,64 Dollar pro Aktie (Vorjahresquartal 0,60/Erwartungen 0,59).

Die Aktie notiert vorbörslich mit -5 Prozent.

Risikovorsorge für Kreditausfälle reduziert um 179 Millionen Dollar.

Wells Fargo Quartalszahlen

Wells Fargo Schriftzug
Foto: Gabriel Vanslette CC BY 3.0

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Aktien

Autonomes Fahren: Jetzt kommt Apple – Werbung

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Lieber Börsianer,

die Kinder haben jetzt genug gespielt und gestümpert. Nun will es Apple machen, nachdem die Resultate bislang nicht befriedigend sind. Worum geht es?

Sicherlich haben Sie der Berichterstattung der letzten Tage entnommen, dass das US-Unternehmen aus dem kalifornischen Cupertino sich nun dem Autonomen Fahren annimmt. Offenbar plant man gemeinsam mit dem koreanischen Autobauer Hyundai den Bau eines bzw. mehrerer autonom fahrender Roboterautos. Während die konventionellen Autobauer unverändert an ihren semi-autonomen Fahrassistenten basteln, geht Apple nun aufs Ganze.

Am Markt sorgte diese Perspektive für positive Unruhe. Denn man weiß, was Apple macht hat normalerweise Hand und Fuß und wird sehr oft zur großartigen Erfolgsgeschichte. So krachte zuletzt schon einmal die Aktie der Hyundai durch die Decke. Obwohl die Korea-Aktie zuletzt wieder korrigierte, steht hier für die Aktionäre immer noch ein starker Wochengewinn von 30 % zu Buche.

Aber lassen wir Hyundai einmal Hyundai sein und untersuchen, warum dem autonomen Fahren bislang noch nicht der Durchbruch beschieden war. Das Stichwort ist hier LiDAR oder Light Detection and Ranging. Vereinfacht gesprochen misst ein LiDAR-Sensor mit einem gepulsten Laser in seinem Sichtfeld die Entfernung zwischen sich und einem Gegenstand.

Damit steht und fällt die Idee des Autonomen Fahrens mit diesen Sensoren. Die gute Nachricht: Die Technologie ist gut erforscht und funktioniert. Die schlechte Nachricht: Ein halbwegs leistungsfähiger LiDAR-Sensor kann schon einmal rund 20.000 USD pro Stück kosten. Außerdem sind die Geräte sperrig. ZU Deutsch: Mit den derzeit verfügbaren LiDAR-Sensoren wird Autonomes Fahren in diesem Jahrhundert keine Realität mehr. Folglich ist das Marktvolumen dieser…..

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