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MSCI World: US-Tech-Aktien eine Gefahr für Aktiensparer weltweit?

Ausgerechnet im Weltindex MSCI World hat sich eine Art Klumpenrisiko entwickelt

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Seit Jahren florieren die Aktienmärkte, die Bedeutung von Exchange Traded Funds (ETFs), speziell in Gestalt des MSCI World, wird unaufhörlich von Finanzmedien hervorgehoben. Klar, die Verteilung des Aktienrisikos auf 23 Länder senkt das Risiko der Anlage, denkt man. Wenn da nicht die gigantische Performance von fünf Einzelaktien wäre. Sie dominieren alles, den S&P 500, aber auch den Weltaktienindex.

MSCI World und der Sturmlauf der US-Techaktien

In letzter Zeit verging kaum ein Tag, an dem nicht die Rede von der unheimlichen Aufwärtsbewegung der „Big Five“ in den USA war. Eine Aktie nach der anderen erreichte die Billionen-Dollarschwelle: Apple, Microsoft, Alphabet und Amazon, nur die Aktie von Facebook ist mit 530 Milliarden Dollar Marktkapitalisierung von dieser magischen Zahl ein gutes Stück entfernt. Hätte man sich doch eines dieser Schwergewichte zumindest vor Jahren ins Depot gelegt, eine Vervielfachung der Anlagesumme wäre die Folge gewesen, wenn man sich nicht vom Gerede der Überbewertung der Aktien hätte unsicher machen lassen. Warum hat man eine Apple vor zehn Jahren nicht für 20 Dollar gekauft (aktuell 316 $) oder eine Amazon mit aktuell gut 2000 Dollar, vor 10 Jahren bei 85 Dollar? Aber viele scheuen das Risiko von Einzel-Aktien, deshalb geht man besser in einen weltweiten Indexfonds wie den MSCI World und streut vermeintlich damit das Risiko – aber genau da taucht dieses Risiko plötzlich doch wieder auf.

Die astronomischen Bewertungen

Denn die fünf US-Techwerte („Big Five“) haben zusammen bereits eine Marktkapitalisierung von umgerechnet 4,8 Billionen Euro. Diese Bewertung wurde aber zu einem Großteil innerhalb der letzten 13 Monate erreicht mit einem Zuwachs von 1,8 Billionen Euro alleine in diesem Zeitraum. Das ist die Hälfte des deutschen Bruttoinlandsprodukts.

Der um diese Werte entstandene Hype wird an der Tatsache ersichtlich, dass die Börsenbewertung im Jahr 2019 zwar um ein Drittel gestiegen ist, nicht aber die Gewinne, die weitgehend stagniert haben. Die beiden teuersten Konzerne, Apple und Microsoft, sind durch diese Entwicklung bewertungstechnisch aktuell doppelt so teuer wie noch vor zwei Jahren. Ein Bewertungs-Gap, welches in einer Abschwungphase besondere Risiken für den MSCI World, in dem diese Aktien stark gewichtet sind, generiert.

Damit kommen wir zu der Anlageproblematik, die nicht auf die USA beschränkt ist.

Die Gewichtung in den Indizes

Diese fünf Schwergewichte sind damit allein für 20 Prozent des Kurswachstums beim S&P 500 verantwortlich. Dieser größte Index der Welt ist im großen Maße in den MSCI World eingebettet, insgesamt beträgt das Gewicht der USA die vielzitierten 63 Prozent an dem Weltfonds. Aber mehr noch, zwar besteht der ETF auf den MSCI World aus etwa 1650 Einzeltiteln – mit einer schönen Streuung um den Planeten – aber das ständig gestiegene Gewicht der Wall Street an dem Index schafft auch hier eine ungesunde Konstellation. Die Big Five repräsentieren 10 Prozent des Weltindex MSCI World, 1640 Titel den Rest.

Fazit: Das Klumpenrisiko im MSCI World

Ausgerechnet im Weltindex MSCI World hat sich eine Art Klumpenrisiko entwickelt. Sicher sind die skizzierten US-Unternehmen innovativ und repräsentieren die neue Wirtschaft. Aber die Bewertung ist im Vergleich zu den Gewinnsteigerungen der letzten Jahre auseinandergeklafft – die berühmte Schere. Die USA mit ihren 332 Millionen Bürgern, nicht einmal 4,5 Prozent der Erdbevölkerung, repräsentieren 63 Prozent des Weltaktienindex (MSCI World), der natürlich nur die 23 größten Industriestaaten abbildet. Davon stellen die fünf Technologie-Giganten wiederum ein Zehntel der „Developed Countries“.

Wenn das kein neues Risiko darstellt. Als man vor gut einem Jahr Zweifel an der Wachstumsstory der iPhones hatte, weil Tim Cook keine Verkaufszahlen mehr präsentierte, stürzten ganze Branchen und auch Länder (Deutschland) ab. Anschließend gab es im Umfeld der zinspolitischen Wende der Federal Reserve die große Kursrally, ohne dass es zu den großen Gewinnsteigerungen geführt hätte.

Nicht dass damit gleich die Frage nach der Zukunft der Konzerne gestellt werden muss, aber die neue Korrekturanfälligkeit dieses Wunderindex der ETF-Branche (MSCI World) sollte man bei größeren Neuengagements schon im Hinterkopf haben.

Im MSCI World sind die fünf großen US-Tech-Konzerne extrem stark gewichtet - das ist ein Risiko!

11 Kommentare

11 Comments

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    Michael

    7. Februar 2020 10:58 at 10:58

    @Wolfgang Müller, Hätte man sich doch eines dieser Schwergewichte zumindest vor Jahren ins Depot gelegt, eine Vervielfachung der Anlagesumme wäre die Folge gewesen, wenn man sich nicht vom Gerede der Überbewertung der Aktien hätte unsicher machen lassen. Warum hat man eine Apple vor zehn Jahren nicht für 20 Dollar gekauft (aktuell 316 $).

    Nicht zu vergessen, der Aktiensplit in 2014 um den Faktor 7, mit dem sich Apple in den DOW Jones gemogelt hat. Also liegt der Kurs aktuell eigentlich bei knapp 2.300 USD. Hätte man doch nur damals 10.000,- investiert, könnte man heute auf einem veritablen Segelböötchen die Weltmeere unsicher machen. Oder hätte man 1994 nur auf Forest Gump gehört, als der Kurs der Aktie bei 1 USD lag. Inspiriert von dem Film, war das Risiko damals 500 DM wert ;)

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      Michael

      7. Februar 2020 11:01 at 11:01

      …war mir das Risiko damals 500 DM wert 😉

      • Avatar

        Lausi

        7. Februar 2020 19:43 at 19:43

        Und haben Sie die Apple-Aktien gehalten? Nach einer Überschlagsrechnung dürften diese inzwischen ungefähr eine halbe Million US-$ wert sein. Falls ja würde ich Ihnen vorschlagen diese zu verkaufen, und eine große Runde zu schmeißen :-)

        • Avatar

          Michael

          8. Februar 2020 14:20 at 14:20

          @Lausi, selbstverständlich habe ich sie gehalten. Als Selbständiger kann ich ja schließlich nicht auf die Segnungen des deutschen gesetzlichen Renten- und Hartz-4-Systems zurückgreifen und benötige andere Alternativen ;)

          500 DM waren übrigens damals relativ kurz nach dem Studium und zu Beginn meiner Selbständigkeit gar nicht mal so wenig Geld für mich, zumal schon entsprechend aufgerüstete Macs utopische Summen gekostet haben. Start-Ups, Inkubatoren, die Höhle der Löwen und vergleichbare Phänomene der Moderne gab es seinerzeit ja auch noch nicht wirklich, dafür jedoch Zinssätze von 12 bis 13% bei Dispo- und Ratenkrediten (sogar die 10-jährigen Hypothekenzinsen lagen um die 8%). Schuldenfinanzierter Wahnsinn wie derzeit war damals undenkbar, es war eher Wahnsinn, allzu hohe Kredite aufzunehmen. Also hieß es, klein anfangen, hart arbeiten, Eigenkapital ansparen und erst dann investieren.

          Was den Verkauf der Aktien betrifft, überlege ich natürlich schon länger bei den derzeitigen Kursen und der ständigen Nervenbelastung ob des seit mindestens 3 Jahren prognostizierten Crashs, zumal ich persönlich die Aktie auch mehrere 100% überbewertet finde. Andererseits habe ich auch tapfer und mit viel Schmerzen die Einbrüche von 2000 und 2008 überstanden ;) Irgendwie geht es mir da wie @Columbo mit seinen Goldschätzen. Ich kann mich nicht davon trennen, am Ende werden es dann die Erben verprassen.

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          Lausi

          8. Februar 2020 21:24 at 21:24

          @Michael: Ich gratuliere Ihnen aufrichtig zu Ihrem Apple-Jackpot – wirklich toll! Und dann noch mit dieser netten Forest Gump Anekdote :-) Da zeigt sich mal wieder, dass die „buy & hold-Strategie“ bei Aktien „on the long run“ unschlagbar ist. Kaufen, schlafen legen und reich werden – was will man mehr! Und wenn dann mal irgendwann die offensichtlich unvermeidliche Geldentwertung ansteht, ist man mit Aktien als Sachwert auch auf der Gewinner-Seite.

          Nichtsdestotrotz würde ich Ihnen zu einer Ausgeglichenheit und Diversifizierung Ihrer Vermögenswerte raten. Vielleicht ja ein paar Apple-Aktien in Gold- & Silbermünzen tauschen – Ihre Erben werden es Ihnen ggf. danken. ;-)

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            Michael

            9. Februar 2020 11:30 at 11:30

            @Lausi, erstmal herzlichen Dank. Anfangs lief es ja eher etwas zäh, 1998 hatte sich der Kurs erst einmal halbiert, nach 10 Jahren stand er beim Kaufkurs. So richtig los ging es eigentlich erst, als der geniale Steve Jobs die iPod mini, nano und shuffle einführte und vor allem das iPhone ankündigte. Obwohl bis zur Markteinführung viele skeptisch waren, was man damit eigentlich sinnvollerweise tun soll. Das weiß zwar heute noch immer niemand so ganz genau, aber das darf man so nicht mehr öffentlich sagen ;)

            Was die Diversifizierung angeht, steht zumindest ein hypothekenfreies Eigenheim auf der Habenseite. Aber Sie haben natürlich recht. Da ich ohnehin sehr oft und gerne Gold-Longs handle, könnte ich mir auch ein paar Kilo physisch ins Schließfach legen. Vielleicht kann ich ja Columbo ein paar Barren entlocken, dann wärs auch noch schön anonym ;)

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    Shorti

    7. Februar 2020 15:16 at 15:16

    Der Nasdaq 100 hat soeben den grössten Abstand von der 200 Tageslinie ( ca.16%)
    seit 2012 erreicht.Da die Amis runde Zahlen lieben , wird wohl die 20% drinliegen.
    Trotzdem bin ich versucht heute einen Short zu platzieren. Die Absicherung mache ich bei 30000.
    Die Chance ,dass übers Wochenende wieder jemand ein neues Medikament erfindet ist gross.

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      Petkov

      9. Februar 2020 08:30 at 08:30

      Absicherung eines Shorts bei 30000 bei NAS100? Oder haben Sie doch den Dow gemeint? Jedenfalls ist Absicherung ein ganz interessantes und wichtiges Thema, das auf FMW leider eher wenig diskutiert wird. Man hat den Eindruck, es gibt die riesige Höhle der Bären, die werden auch regelmäßig mit entsprechenden Artikeln gefüttert,dann gibt es ein paar instinktgetriebene Permabullen, dann gibt es den EZB-Bot Marko, dessen AI-Algorithmen immer noch paar Endlosschleifen zu viel haben usw.

      Das ist natürlich nicht schlimm, aber idealerweise sollten so wertvolle Beiträge wie die Wolfgangschen zu Bias-übergreifenden Diskussionen anregen.
      Deswegen zurück zum Thema Absicherung: möchten Sie vielleicht erzählen, welche Absicherungstaktik Sie bevorzugen? Mit Optionsscheinen oder über Stradde-Positionen oder mit gewöhnlichen StoppLoss etc.?

      Grüße und schönen Sonntag an alle.

  3. Avatar

    Shorti

    9. Februar 2020 11:18 at 11:18

    @Petkov, meine Aussage des Shorts war ernst gemeint,während dass Stop-Niveau als Satire gedacht ist wenn z.B.
    – die interessierten Kreise übers Wochenende sogar zwei neue Medikamente erfinden u.zugleich alle Notenbanken in Panik die Realität spielen u.noch mehr Geld fluten u.die Börsen am Montag mit einemUp- Gap von mehreren Prozenten starten.
    Es könnte ja sein ,dass Hobby-Chemiker besser sind als die Profis, hat doch Novartis gesagt,dass ein neues Medikament im besten Fall in einem Jahr zur Verfügung stände.Braucht es da nicht auch Testphasen u.Zulassungen. Oder sind diese Behörden wie im Fall Boeing auch beeinflussbar.
    Es scheint im Moment,dass mindestens die Finanzmärkte noch global sind u.darum China u.dieUSA keinen Börsensturz mehr möchten u.darum wieder eher lieb sind zueinander ( Zollabbau von China)
    Trump möchte keine Börsenkorrektur u.China möchte keine weitete Korrektur von der schon gehabten.
    Das grösste Risiko ist somit für die Shortis ( von Wolfgang schon erwähnt) ,dass die ganze Finanzwelt keinen Börsencrash erträgt u.haben will u.somit die nach fundamentalen Fakten agierenden dauernd gegrillt werden.Dass man den Absturz verhindern will ist verständlich, dass aber durch die getroffenen Massnahmen dauernd neue Hochs produziert werden geht auf keinen Kuhhaut ( Bärenhaut)
    Daher der Name KATHASTROPHENHAUSSE, der Name sagt,dass dise In der Kathastrophe enden wird.

    • Avatar

      Petkov

      9. Februar 2020 13:42 at 13:42

      Ja, ich antworte kurz darauf, später schreibe ich auch was zu der Absicherung. Ein evtl. übers Wochenende entwickeltes Medikament stellt eine geringe Gefahr für unsere Bären dar. Würde man ein synthetisches Antibiotikum brauchen, könnte ich vielleicht leise darauf hoffen (natürlich aus menschlichen und nicht „Bullen“beweggründen). Aber in dem Fall braucht man ein Virostatikum und Virostatika sind erheblich seltener und problematischer. Viren sind keine eigenständigen Organismen (im Gegensatz zu Bakterien). Viren „leben“ in den menschlichen Zellen. Um sie anzugreifen, musst du zwangsläufig die Zellen in Mitleidenschaft ziehen. Und welche Intensität bräuchte man bei den (zufällig oder doch gesteuert!!!) mutierten Coronas, die leider keine Schnupfenviren wie ihre „normalen Verwandten“ sind. Ein Impfstoff wäre da eher praktikabel als ein Medikament, aber ebenfalls komplex und zeitaufwändig genug.

  4. Avatar

    Shorti

    9. Februar 2020 12:26 at 12:26

    @Petkov, Die Strategie mit den Stopps könnte man im Momment so sehen.
    Nach einer reifen Hausse u.sehr hohen Kursen könnte man immer bei neuen Hochs einen Short -Einstieg probieren u.einen begrenzten Risikobetrag mit Stopp riskieren.Eher keine Übernacht.Pos. ,da die Manipulatoren über Nacht gerne zuschlagen.
    Wenn dann irgendwann ein Medikament gegen den „Bullenwahnsinn erfunden wird, könnten die Börsen stark korrigieren. Gerüchte sagen, dass es das Medikament gibt, die Notenbanken aber Alles aufgekauft haben

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US-Wahl: Noch drei Monate Unsicherheit – Wall Street hat Trump abgehakt

Auf eines können sich die seit Jahrzehnten über ihre Verhältnisse lebenden US-Amerikaner und die Wallstreet weiterhin verlassen: auf die bei der US-Wahl im Schatten bleibende US-Notenbank Fed

Hannes Zipfel

Veröffentlicht

am

Nur etwas mehr als eine Woche dauert es bis zur US-Wahl, aber fast 90 Tage sind es noch, bis in den USA die Amtseinführung des neuen bzw. alten Präsidenten stattfindet. Bis dahin sind große Würfe im US-Kongress in Sachen Wirtschaftshilfen unwahrscheinlich. Können die Aktienmärkte ihren Optimismus auch gegen die ungewöhnliche Vielfalt an Unsicherheiten aufrechterhalten und ihre Kursniveaus verteidigen – oder droht ein neuer Crash?

US-Wahl der Extreme

Die Präsidentschaftswahlen im Jahr 2020 finden in einer Zeit statt, in der die Finanzmärkte mit außergewöhnlichen Unsicherheiten konfrontiert sind. Diese begannen schon vor gut einem Jahr mit der Beinahe-Implosion des US-Repo-Marktes. Damals konnte nur durch Notfallmaßnahmen der US-Geldpolitik in Form von Interventionen am Geldmarkt und durch die zur Verfügung Stellung von internationalen US-Dollar-SWAP-Linien ein Kollaps des Bankensystems verhindert werden.

Ohne die anhaltende und im Zuge der Pandemie sogar noch drastisch ausgeweitete Notfallpolitik der US-Notenbank Fed wäre der Stress am Markt für US-Repo-Geschäfte wohl auch ein Thema bei der US-Wahl gewesen. Schließlich war es auch die hohe Neuverschuldung durch das US-Finanzministerium die zu der Liquiditätsaustrocknung am Markt für kurzlaufende US-Staatsanleihen führte. Dabei lautete eines der spektakulärsten Wahlversprechen von Donald J. Trump gegenüber The Washington Post im April 2016 die damals 19,3 Billionen US-Dollar hohen Bundesschulden im Falle seiner Wahl innerhalb von nur acht Jahren komplett zu tilgen. Auch ohne die Kosten der Corona-Pandemie war das utopisch und nichts weiter als billige Wahlkampfpropaganda. Die Schuldenuhr zeigt gemäß US-Finanzministerium zum 22. Oktober 2020 übrigens einen Stand von 27,1 Billionen US-Dollar an (Public Total Debt). Ein Anstieg um 7,3 Billionen US-Dollar bzw. 36 Prozent seit dem Amtsantritt von Präsident Trump im Januar 2017.

Weitere Unsicherheitsfaktoren für die zukünftige Wirtschafts- und Gewinnentwicklung in den USA sind neben der wieder stark an Dynamik gewinnenden Corona-Pandemie die Zerschlagungsbestrebungen von „Big Tech“, die nach wie vor prekäre Lage am US-Arbeitsmarkt mit über 30 Millionen Transferleistungsempfängern sowie saisonbereinigt rund 12,6 Millionen Arbeitslosen im September 2020.

Fast unbemerkt von den Devisenmärkten hat sich kurz vor der US-Wahl das Handelsbilanzdefizit der USA mit 67,1 Mrd. US-Dollar im August 2020 auf das höchste Niveau seit der Lehman-Krise im Jahr 2008 aufgebläht. Der Handelskrieg, nicht nur mit China, konnte diese Entwicklung nicht verhindern. Nach wie vor sind die USA in der Gesamtbetrachtung nicht in der Lage, in vielen Sektoren international wettbewerbsfähig zu sein (Ausnahmen bestätigen die Regel).

Die Herausforderungen, mit denen die USA in Friedenszeiten während dieser US-Wahl konfrontiert werden, sind einmalig. Dies gilt auch für den Amtsinhaber Donald J. Trump, der in vielen seiner Handlungen und Worte sehr unkonventionell und extrem anmutet. Man kann nur spekulieren, wie ein Präsident oder eine Präsidentin anderen Charakters eine solche Gemengelage meistern würde.

Der heimliche Präsident tritt bei der US-Wahl gar nicht an

In Kombination mit dem US-Staatsdefizit in Höhe von ca. 17 Prozent des Bruttoinlandsprodukts ergibt sich mit dem Defizit im Außenhandel ein fatales Bild für die größte Volkswirtschaft der Welt. Das Mantra des stärksten und mächtigsten Landes der Welt ist nur noch eine hohle Phrase, basierend auf der Androhung von Waffengewalt und extraterritorialen Repressalien. Ob die Welt ohne diesen Status besser dastünde, ist seriös nicht prognostizierbar und auch nicht, wie lange diese Epoche der US-Dominanz noch währt.

Auf eines können sich die seit Jahrzehnten über ihre Verhältnisse lebenden US-Amerikaner und die Wallstreet aber weiterhin verlassen: auf die bei der US-Wahl im Schatten bleibende US-Notenbank Fed, die beliebig viele Dollars zum Ausgleich des Zwillingsdefizits und zur Aufrechterhaltung der US-Wirtschaft erzeugen kann. Natürlich auch, um die Party im Börsensaal auf der Titanic in Schwung zu halten. Dem heimlichen Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika, Jerome Hayden „Jay“ Powell und seinem Offenmarkt-Komitee sei Dank.

Die Bilanzsumme der US-Notenbank (Fed) hat nun kurz vor der US-Wahl mit einem Gesamtvolumen von 7,18 Billionen US-Dollar das absolut und in Relation zum jährlichen BIP höchste Niveau aller Zeiten erreicht. Dabei kann man den geldpolitischen Akteuren keine Parteinahme für den ein oder anderen Kandidaten im US-Wahlkampf unterstellen. Die Intention der anhaltenden Geldflutung des Finanzsystems ist schlicht und einfach, dessen Existenz weiterhin sicherzustellen. Gegen diese Zwangslage wird auch in Zukunft keiner der zur Wahl stehenden Kandidaten Politik betreiben können. Damit manifestiert sich die Rolle der zum Teil in privater Hand befindlichen Fed als Staat im Staate weiter und die Demokratie US-amerikanischer Prägung wird trotz Wahl endgültig zur Illusion.

Die Wallstreet hat Trump schon abgehakt

Die Finanzmärkte haben diesen Zusammenhang längst hergestellt, was auch erklärt, warum sich die Vermögenspreise trotz der Vielfalt extremer Unsicherheiten, inkl. dem Ausgang der US-Wahl, in luftigen Höhen bewegen. Besonders deutlich wird dies an der positiven Korrelation zwischen steigenden Umfragewerten für den Herausforderer Joseph Biden und der Zuversicht auf ein noch größeres, von der Fed finanziertes Stimulusprogramm. Für diese Aussicht ignoriert man sogar mögliche Steuererhöhungen für Einkommensmillionäre und Unternehmen im Falle eines Sieges der Demokraten bei der US-Wahl.

Aus Sicht vieler tief religiöser Trump-Wähler stellt sich ohnehin die Frage, warum man den exzentrischen Präsidenten nochmals wählen sollte? Schließlich hat er mit der Neubesetzung des obersten Gerichts und der größten Steuerreform der letzten 35 Jahre schon sehr viel erreicht. Wie viel mehr könnte er in einer zweiten Amtsperiode noch erreichen, was sein exzentrisches und volatiles Verhalten aus Sicht evangelikaler und katholischerer Wähler entschuldigt?

Die Zeitlücke nach der US-Wahl

Lediglich die zeitliche Verzögerung zwischen dem Wahltermin am 3. November und der Amtseinführung am 20. Januar könnte bei dieser US-Wahl ein besonderes Risiko darstellen. Die Zahlungen aus den Corona-Hilfspaketen gehen bereits seit August deutlich zurück, die zweite Welle der Pandemie schließt in den USA mit neuen Rekordansteckungen nahtlos an die erste Welle an. Wie lange wird es dauern, bis sich dies in der Konsumentenstimmung sowie den Konjunktur- und Unternehmenszahlen niederschlagen wird?

Ein nochmaliger Corona-Crash als erneute Einstiegsopportunität?

Im wahrscheinlichsten Fall wäre ein nochmaliger Rückschlag bei den Vermögenspreisen eine ebenso lohnenswerte Einstiegsmöglichkeit wie bereits während des Lockdown-Crashs im März dieses Jahres.

Man sollte also trotz aller Risiken nicht zu viele Chips vom Tisch nehmen, auch wenn die Gemengelage zur Vorsicht mahnt. Doch Fakt bleibt: Auf die Fed ist Verlass und deren Pulverkammern, bestehend aus ungedecktem digitalem FIAT-Geld, sind unlimitiert und können unabhängig von finanzpolitischen Entscheidungen des Kongresses die Unternehmen, die Verbraucher und die Finanzmärkte stützen.

Fazit und Ausblick

Mag man zu den US-Präsidentschaftskandidaten stehen, wie man will, für die Finanzmärkte spielt die Musik schon lange nicht mehr in der Pennsylvania Avenue 1600 in Washington (Weißes Haus), sondern Ecke Constitution Ave NW und 20th St. NW (Board of Governors of the Fed).
Besonders bei dieser US-Wahl spielen für Anleger starke Nerven und das Aushalten hoher Volatilität eine große Rolle. Ebenso wie ein gesunder Opportunismus. Dabei ist es für den Anlageerfolg unerheblich, welchen Kandidaten man persönlich präferiert oder ob man an dieses oder jenes glaubt oder nicht glaubt. Entscheidend ist das Verständnis für den Zusammenhang zwischen digitaler Notenpresse und Vermögenspreisen. Diese Konstante wird uns mit weiter zunehmender Bedeutung noch eine Weile erhalten bleiben.

Die US-Wahl bringt zunächst Unsicherheit, aber entscheidend für die Aktienmärkte ist die Fed

 

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US-Wahl: Wer liegt falsch? Marktgeflüster (Video)

Die US-Wahl rückt immer näher – und die verschiedenen Märkte senden unterschiedliche Signale! Wer hat Recht – und wer liegt daneben? Eine Analyse der Lage

Markus Fugmann

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Die US-Wahl rückt immer näher – und die verschiedenen Märkte senden unterschiedliche Signale! Das sind die Anleihemärkte, die mit steigenden Renditen von einem klaren Sieg von Joe Biden und den US-Demokraten ausgehen und daher mit einem großen Stimulus rechnen. Die Aktienmärkte dagegen scheinen noch unentschlossen und fokussieren sich auf das kurzfristige Geschehen, ergo die Hoffnung auf einen Stimulus noch vor der US-Wahl. Anders aber sieht es der Devisenmarkt: der US-Dollar bleibt robust, große Player haben ihre Wetten auf einen fallenden Dollar aufgelöst. Wenn aber der Dollar nicht schwächer wird heißt das, dass es den von den Anleihemärkten prognostizierten klaren Sieg der US-demokraten bei der US-Wahl nicht geben wird. Haben also die Devisenmärkte recht – oder doch die Anleihemärkte?

Werbung: Traden Sie smart mit Capital.com: https://bit.ly/316AkWq

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Rüdiger Born: Gute Laune bei Dax und S&P 500 – Rücksetzer möglich?

Rüdiger Born

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Dax und S&P 500 sind derzeit gut gelaunt. Ist an den steigenden Kursen derzeit aus charttechnischer Sicht nichts auszusetzen? Oder sind Rücksetzer doch möglich? Mehr dazu im folgenden Video.

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