Hintergrund

Ölpreis erhöht geostrategische Macht der USA

Von Markus Fugmann

US-Präsident Obama wirkte auf dem Apec-Gipfel in Peking ziemlich verloren: Kaugummi kauend schien er nicht recht Anschluß zu finden an die anwesenden Regierungschefs. Aber die Isolation Obamas dürfte nicht von langer Dauer sein: der starke Fall des Ölpreises seit dem Sommer gibt den USA neue geostrategische Möglichkeiten. Die Amerikaner sind aufgrund ihrer stark wachsenden Shale-Industrie weniger auf Öl-Importe angewiesen – und daher weniger verwundbar als zuvor.

Haupttreiber der hohen Ölpreise war die Annahme, dass China weiter wachsen und daher zunehmend Öl importieren müsse. Nun aber kühlt Chinas Wirtschaft merklich ab, die optimistischen Prognosen erweisen sich zunehmend als falsch. Ist die Nachfrage Chinas aber weniger hoch wie erwartet, drückt das den Ölpreis. Hinzu kommt der fast kometenhafte Aufstieg der Shale-Industrie in den USA: allein in der ersten November-Woche betrug die Produktion über 9 Millionen Barrel pro Tag. Damit liegen die USA praktisch gleichauf mit Suadi-Arabien. Zwar ist diese Produktion fast ausschließlich für den inländischen Markt bestimmt, sorgt aber für Druck auf das in den USA gehandelte WTI-Öl, das wiederum als Benchmark auch für das europäische Brent-Öl fungiert.

Den USA also kommt der Preisverfall nicht wirklich ungelegen – möglicherweise haben sich die Amerikaner mit den Saudis darauf verständigt, den Preis unter Druck zu bringen. Öl wird an den Future-Märkten gehandelt – das Volumen dort ist durchaus überschaubar. Ein großer Player hat also eine sehr gute Chance, den Preis dahin zu drücken, wo er ihn haben möchte.

Es ist wohl kein Zufall, dass der Sturzflug der Ölpreise vor allem die geostrategischen „Lieblingsfeinde“ der USA trifft: an erster Stelle Russland, das allein 30 Milliarden US-Dollar aufwenden musste, um den Verfall des Rubel zu bremsen. Betroffen ist aber vor allem auch der Iran, der einen Ölpreis von ca. 140 Dollar braucht, um einen ausgeglichenen Staatshaushalt zu erreichen (mangels Fördertechnologie auf westlichem Standard sind die Kosten zur Förderung im Iran besonders hoch). Schwer unter Druck ist aber auch Venezuela, das wie andere Öl-Exporteure im letzten Monat ca. 30% weniger Deviseneinnahmen verzeichnet hat, wie Präsident Maduro kürzlich eingestand. Geht der Preisverfall weiter, steht Venezuela mit einer (offiziellen) Inflationsrate von 63% vor dem Staatsbankrott.

Der gefallene Ölpreis erhöht so das Potential für die USA, Sanktionen gegen seine Antipoden zu verhängen – zumal nach den Wahlen in den USA die Repubklikaner als Verfechter einer „harten Linie“ ihren Einfluss auf die US-Politik deutlich steigern konnten. Damit wird sich der Ton der USA gegenüber seinen Antipoden in nächster Zeit deutlich veschärfen. Die Grundfrage ist nun, wie die geschwächten Öl-Exporteure auf die USA reagieren werden: wie ein angeschlaganer Boxer? Oder doch eher mit dem Versuch, jede weitere Konfrontation mit den USA zu vermeiden, um die ökonomische Lage nicht noch weiter zu veschlimmern?

Eins ist sicher: der stark gefallene Ölpreis stärkt die USA und schwächt die Macht seiner Gegner vor allem in Nahost. Die Welt aber dürfte dadurch nicht wirklich sicherer werden..



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1 Kommentar

  1. Hochmut(der Fracker)kommt vor dem Fall!

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