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So betrachtet die EZB die Konjunktur, Eurozone und Geldpolitik

Redaktion

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Von Claudio Kummerfeld

Die EZB veröffentlicht mit einem Monat Verzögerung ihre Sitzungsergebnisse. Seit gestern steht der Öffentlichkeit somit das Sitzungsergebnis des EZB-Rats von Anfang Juni zur Verfügung. Wir haben die Inhalte analysiert – so betrachtet die EZB die Konjunktur, Eurozone und Geldpolitik…

EZB-Rat
Der EZB-Rat um Mario Draghi.
Foto: Europäische Zentralbank

Zinsen von Euro-Staatsanleihen

Auch wenn die Aussagen einen Monat alt sind, so sind die Sitzungsinhalte und Sichtweisen der EZB von Anfang Juni ein ausführliches Statement zu ihrer Sichtweise. Bei europäischen Staatsanleihen, aber vor allem der deutschen Bundesanleihe sieht die EZB Aufwärtsdruck bei den Zinsen. Zitat:

„Regarding developments in the euro area bond markets, the period since the April monetary policy meeting had been characterised by a rise in yields, led by German government bonds. Since December 2013, when the German ten-year government bond yielded 2%, yields had been on a virtually uninterrupted downward trend. On 17 April 2015 they had reached 0.05%, their lowest ever intraday level. At the end of April and in the first half of May, the German ten-year government bond yield had, however, risen substantially, touching intraday highs close to 0.78% on 7 and 14 May. Yield changes had been most pronounced in long-term maturities, leading to a significant steepening of the German yield curve. Since those moves, the German ten-year bond yield had declined somewhat and on 1 June had closed at 0.54%. The yields on other euro area government bonds had also been under upward pressure. During the first two weeks of the bond sell-off, yields had generally increased by less than those on German government bonds, but yield spreads had widened during the second half of May.“

Quantitative Easing

Laut EZB hat sich durch ihr Anleihekaufprogramm (Quantitative Easing), das im März gestartet wurde, die „überschüssige Liquidität“ im europäischen Bankensektor verdoppelt. Zitat:

„Looking ahead, expanding the size of the Eurosystem balance sheet toward levels observed at the beginning of 2012, which had been the stated objective of the purchase programmes and the targeted longer-term refinancing operations (TLTROs), appeared to be within reach. With respect to liquidity developments in the banking system, excess liquidity had doubled since the start of the PSPP purchases.“

Als logische Schlussfolgerung kann man da eigentlich erwarten, dass die europäischen Banken jetzt endlich die von EZB und Politik gewünschte Luft haben um die Wirtschaft in den einzelnen EU-Staaten mit frischen Krediten zu versorgen.

Die EZB bekräftigt auch frühere Aussagen, dass man seine 60 Milliarden Euro-Anleihekäufe pro Monat so lange durchzieht, bis die Inflation in der Eurozone nahezu 2% erreicht hat. Eine Inflation von 2% betrachtet man allgemein als einen „gesunden Idealwert“, da bei dieser Marke Wachstum generiert wird, aber die Preise nicht zu schnell steigen.

Konjunktur in der EU

Die EZB sieht derzeit für die EU einen „moderaten Anstieg“ beim Bruttoninlandsprodukt (BIP). Die EZB erwartet, dass der Konsum der EU-Bürger der Haupttreiber für eine wirtschaftliche Erholung sein wird. Sie schreibt die Beschäftigtenzahlen in der EU steigen „Quartal für Quartal“ um jeweils 0,1%. Die Eurozonen-Arbeitslosenquote sei zuletzt von 11,3 auf 11,1% gefallen, und man erwarte eine moderate Zunahme der Beschäftigtenzahlen im Rest des Jahres 2015. Für die Eurozone erwartet man in 2015 ein BIP-Wachstum von 1,5%, 2016 sollen es 1,9% sein und 2% in 2017. Die Inflation in der Eurozone soll in 2015 noch relativ niedrig bleiben und erst 2016 steigen.

EZB lässt Leitzins bei 0

Die EZB-Mitglieder sind sich einig das Zinsniveau de facto auf 0 zu lassen (Leitzins 0,05%). Keine Chance auf eine Änderung in absehbarer Zukunft bei der konjunkturellen Lage in der EU. Offiziell geht es bei der EZB-Zinspolitik natürlich nicht um Wirtschaftspolitik, sondern um Preisstabilität, aber die Nullzinspolitik kann man sich ja so zurechtbiegen, dass man bei 0% bleibt, da bei einer Erhöhung Deflationsgefahr besteht – dann wäre die Preisstabilität auch gefährdet – nur eben nach unten gerichtet. Zitat der EZB:

„Against this background, members widely agreed that it was essential to maintain a steady course of monetary policy, looking through short-term economic and financial market developments to the extent that they were temporary and would not have a materially adverse impact on the transmission of monetary policy and, ultimately, on the medium-term outlook for price stability. This included leaving the key ECB interest rates unchanged in line with the Governing Council’s forward guidance and firmly implementing the non-standard monetary policy measures adopted.“

EZB Zinssätze
Grafik: Europäische Zentralbank

Ein Kommentar

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  1. Avatar

    Michael

    3. Juli 2015 18:30 at 18:30

    Die EZB glaubt offenbar an den Nikolaus und den Osterhasen. Wenn die Schuldner zahlungsunfähig sind und noch mehr Kredite bekommen werden sie dadurch nicht zahlungsfähiger. Die USA sind heute ganz genauso bankrott wie 2008. Was soll es nutzen, wenn Firmen ihre Aktien mit Krediten zurückkaufen und diejenigen, die die Anleihen (JunkBonds) „kaufen“ dies mit Krediten finanzieren? Das ist ein Ponzi – Schema. Je später das endet, desto schlimmer die Folgen. Jeder Mensch, der sein Geld mit ehrlicher Arbeit verdient, kann sich von den Zentralbanken nur verarscht fühlen.

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Arbeitsmarkt nach Corona: Mehr Staatswirtschaft, weniger Industrie

Redaktion

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Büro-Arbeitsplatz

Verschwörungstheorie? Oder nur eine Vermutung? Das „übliche“ neo-liberale Gelaber, welches den Staat verteufelt, und vor noch mehr Staat warnt? Nein, offizielle staatliche Aussagen vom heutigen Tage zeigen, dass am deutschen Arbeitsmarkt in die Staatswirtschaft deutliche Stellenzuwächse erleben wird, während produzierende Betriebe nicht nur jetzt, sondern auch in 2021 weiter Stellen abbauen wird.

Staatswirtschaft im Aufwind, Industrie im Rückzug?

De facto heißt das: Die Angestellten in der Privatwirtschaft müssen (insgesamt gesehen) durch Steuern und Abgaben immer mehr, mehr und noch mehr erwirtschaften und abführen, damit die immer größere Zahl der Arbeitsstellen im Rahmen der Staatswirtschaft auch bezahlt werden kann! Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), eine Forschungseinrichtung der Bundesagentur für Arbeit, hat heute ihre Prognose für den deutschen Arbeitsmarkt für die Jahre 2020 und 2021 veröffentlicht. Und genau aus diesen Aussagen geht folgendes hervor, auszugsweise im Wortlaut:

Die Zahl der Arbeitslosen steigt laut der IAB-Prognose im Jahresdurchschnitt 2020 um 440.000, im Jahr 2021 könnte sie wieder um 100.000 zurückgehen.

Im Produzierenden Gewerbe gab es insbesondere im zweiten Quartal 2020 einen deutlichen Stellenabbau, der auch 2021 anhalten wird. Im Jahresdurchschnitt 2020 fallen hier 160.000 und 2021 nochmal 60.000 Stellen weg.

Beschäftigungszuwächse erwarten die IAB-Forscher dagegen vor allem im Bereich „Öffentliche Dienstleister, Erziehung und Gesundheit“ (jeweils +190.000 in beiden Jahren).

Wird man im Detail die Neueinstellungen bei Staat und öffentlichen Betrieben (zusammen nennen wir das mal die „Staatswirtschaft“) durchgehen, dann wird man im Einzelfall sicher sagen: Ja, diese neue Stelle ist sinnvoll, und die auch, und die auch, und die da… ja dieser neue Job bei dieser Behörde ist auch notwendig. Zum Beispiel mehr Polizisten, mehr Lehrer, mehr Personal für die Gesundheitsämter, mehr Personal für den Zoll für die Kontrollen bei Schwarzarbeit und Einhaltung der Vorschriften bei Fleischbetrieben, mehr Sozialarbeiter etc. Und so könnte man die Liste sicher endlos fortsetzen.

Nur irgendwer muss all das ja auch bezahlen, zusätzlich zu der immens steigenden Staatsverschuldung, die irgendwann ja auch irgendwer mal bezahlen soll. Unterm Strich, da darf man sich sicher sein, wird es heißen: Wir müssen leider, leider die Steuern erhöhen. Geht eben nicht anders? Oder wird man anstatt die Steuern raufzuschrauben, eher auf indirekte Steuern und Sozialabgaben setzen? Was der Bürger nicht so offensichtlich sieht, tut auch nicht so sehr weh?

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Baugewerbe mit Einbruch bei den Auftragseingängen – kein Grund zur Sorge!

Claudio Kummerfeld

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Baugewerbe mit Rückgang bei den Aufträgen

Das deutsche Baugewerbe verzeichnet einen Rückgang der Auftragseingänge. Krise? Weit gefehlt, so möchten wir meinen. Wie heute offiziell vermeldet wurde, sind die Auftragseingänge im Juli im Vergleich zu Juni um 5,6 Prozent gesunken, und im Vergleich zu Juli 2019 um 4,9 Prozent. In den ersten sieben Monaten des Jahres 2020 sank der reale Auftragseingang im Baugewerbe gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 3,7 Prozent. Warum diese Rückgänge noch kein Problem sind? Nun, die Aussagen der Statistiker deuten dies an.

Denn der Auftragseingang im Juni 2020 war aufgrund von Großaufträgen ungewöhnlich hoch ausgefallen. Und der Auftragseingang im Juli 2019 war der höchste jemals in einem Juli gemessene Wert. Von daher war es für den Juli 2020 auch schwer, im Vergleich zu diesem Rekord-Ausgangswert noch mal eine Steigerung hinzulegen. Und aktuell darf man ja auch noch ergänzen, dass im Zuge der Coronakrise verständlicherweise einige wirtschaftliche Abläufe wie Bauaufträge oder Bauanträge bei Ämtern verschoben werden oder sich verzögern. Wenn man das bedenkt, dann sind diese Auftragsrückgänge im Baugewerbe noch eher mild ausgefallen. So schreiben die Statistiker vom Statistischen Bundesamt auch Zitat „Gründe für diese negative Entwicklung sind neben möglichen Einflüssen der Corona-Pandemie auch das sehr hohe Niveau des Vorjahres“.

Die am Anfang des Artikels genannten Prozentveränderungen waren real, saison- und kalenderbereinigt gerechnet. Die nominalen Veränderungen fielen noch viel kleiner aus. Der Auftragseingang im Baugewerbe betrug im Juli 2020 rund 7,5 Milliarden Euro. Das waren nominal (nicht preisbereinigt) 2,5 % weniger gegenüber dem Höchststand im Juli 2019. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum sanken die Auftragseingänge in den ersten sieben Monaten 2020 nominal um 0,5 %.

Grafik zeigt Verlauf der Auftragseingänge im Baugewerbe

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Coronakrise und Insolvenzen: Ab 01.Oktober kommt die Pleite-Welle

Markus Fugmann

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Aufgrund der Coronakrise hat die Bundesregierung bekanntlich beschlossen, das Insolvenzrecht zeitlich begrenzt auszusetzen und damit die Pflicht zur Anmeldung einer Insolvenz ausser Kraft zu setzen – gleichwohl droht nun bereits in der nächsten Woche eine massive Pleite-Welle. Denn ab 01.Oktober müssen jene Unternehmen wieder Insolvenz anmelden, die zahlungsunfähig sind – während überschuldete Firmen erst ab 01.Januar 2021 die Pflicht zur Insolvenz-Anmeldung haben.

Wie viele der von der Coronakrise betroffenen Unternehmen in Deutschland müssen dann als ab nächster Woche Insolvenz anmelden? Volker Römermann, unter anderem Fachanwalt für Insolveznrecht, sagt: über 90% der betroffenen Firmen werden dann ab 01.Oktober Insolvenz anmelden müssen, denn so hoch sei die Zahlungsunfähigkeits-Quote bei allen Insolvenzen – Überschuldung und damit die Pflicht zur Insolvenzanmeldung erst ab 01.Januar 2021 sei dagegen bei weniger als 10% der Fall.

Coronakrise: Jetzt kommt der Schmerz!

Das bedeutet: hunderttausende Firmen in Deutschland werden wohl zeitnah Insolvenz anmelden! Das wird viele Arbeitsplätze kosten. Der durch die Coronakrise ausgelöste Schmerz wurde also lediglich in die Zukunft verschoben – und diese Zukunft und damit der große Schmerz kommt nun also im Oktober, „buchstäblich am 01.Oktober“, sagt Römermann im Interview mit Florian Homm. Zwischen Januar und August diesen Jahres war die Zahl der Insolvenzen in Deutschland im Vergleich zum Vorjahr sogar rückläufig – da hat sich nun viel aufgestaut, was sich nun in einer Pleite-Welle entladen dürfte!

Und der Schmerz geht dann ab 01.Januar 2021 weiter, denn viele Firmen haben in der Coronakrise noch einmal Kredite aufgenommen, seien aber nicht zuletzt dadurch aussichtslos überschuldet, sagt Volker Römermann:

Ab 01.Oktober schlägt die Coronakrise voll durch - es droht eine Welle von Insolvenzen

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