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Besorgniserregender Trend am Arbeitsmarkt setzt sich fort – dennoch erfreuliches Detail im Februar

FMW-Redaktion

Der „USA-Trend“ am deutschen Arbeitsmarkt setzt sich auch im Februar fort. Neue Stellen werden auf dem Weg hin zur angeblichen Vollbeschäftigung Monat für Monat fast komplett nur bei Dienstleistungen geschaffen, und auch hier größtenteils in schlecht bezahlten Berufen wie Pflege, Wachschutz, Zeitarbeit, Lagertätigkeiten, Gastronomie usw. Viele sehr einfache Jobs für Menschen ohne Schulabschluss oder Berufsbildung werden statistisch schön verpackt im Allgemeinbegriff „Sonstige wirtschaftliche Dienstleistungen“. Die brachten im Februar immerhin 56.000 neue Stellen. „Pflege und Soziales“ liegt wie fast immer vorne mit +99.000 Stellen. Die Zeitarbeit bringt 36.000 neue Stellen, die Gastronomie 33.000.

Diesen Trend haben wir mit unseren Berichten in den letzten Monaten fortlaufend begleitet, und die Monatsberichte sehen fast immer gleich aus. Die Industrie baut gut bezahlte Jobs ab, die Dienstleistungsbranche stellt der Volkswirtschaft dafür aber viele einfach und schnell zu schaffende Tätigkeiten zur Verfügung. Diesen unausgesprochenen „Deal“ gibt es so schon seit gut 20 Jahren in den USA, was letztlich (grob vereinfacht) zum Endresultat namens „Trump“ führte. Wer ist schon zufrieden, wenn er sich statt bisher 30 Dollar die Stunde plötzlich in einem neuen Job für 8 Dollar die Stunde wiederfindet?

Solange die große Headline-Zahl der Arbeitslosenquote stetig weiter Jahr für Jahr absinkt Richtung Vollbeschäftigung, sind die Details für die Politik kein Problem. Denn man kann ja stets auf den tollen Gesamterfolg verweisen. Im Monat Februar gibt es einen positiven Ausreißer. Wo bisher Monat für Monat in Deutschland die Industrie Stellen abbaute, ist man jetzt (am Ende der Tabelle in rot) bei den neu geschaffenen Jobs mit einem kleinen Plus von 32.000 Stellen dabei. Das ist doch mal positiv zu erwähnen. Der Gesamttrend bleibt bestehen – es ist unerfreulich und besorgniserregend!

Beobachtet man fortlaufend den Arbeitsmarkt und alles was drum herum passiert, kann man vor allem für Deutschland den Eindruck gewinnen, dass es das politische Ziel der Bundesregierung ist die Einstiegsschwelle in den Arbeitsmarkt für gering oder gar nicht Qualifizierte so gering wie möglich anzusetzen. Ein gutes Beispiel liefert die „Wachschutz-Industrie“, die vor allem für die Bewachung/Betreuung von Flüchtlingsunterkünften viele neue Stellen schnell schaffen konnte. Hier scheint es nicht wichtig zu sein, ob der Wachschutz-Unternehmer qualifiziert ist, oder ob neues Personal gut geschult wird. Hauptsache so schnell wie möglich so viele Arbeitslose wie möglich in solche Stellen reindrücken, damit sie aus der Arbeitslosenstatistik verschwinden, und mit irgendeiner Tätigkeit „versorgt“ sind.

Natürlich gibt es abgesehen davon auch die kosmetischen Maßnahmen um die Statistik runterzurechnen, was wir auch schon öfters im Detail thematisiert haben. Eine kleine Anmerkung am Rande: Wenn es aktuell sogar die Industrie schafft netto neue Stellen zu liefern, dann sollte man endgültig fragen, ob Banken und Versicherungen überhaupt noch eine Zukunft haben als berufliche Zukunft für Bewerber. Denn wie man sieht (Ende der 1. Grafik), sind sie die einzigen Verlierer im Februar. Die Rationalisierungen bei Banken und Versicherungen schlagen Monat für Monat mit voller Härte zu. Banken schließen reihenweise Filialen und bauen Mitarbeiter ab, auch in den internen Abteilungen.



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