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Aktuelle deutsche Arbeitsmarktdaten: Produktion weiter massiv auf dem Rückmarsch, schlecht bezahlte Dienstleistungen auf dem Vormarsch

Die deutsche Volkswirtschaft kopiert immer mehr das Arbeitsmarktmodell, dass auch in den USA in ein lange ignoriertes Desaster geführt hat. Auch heute offenbart der Januar-Monatsbericht der Bundesagentur…

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Von Claudio Kummerfeld

Die deutsche Volkswirtschaft kopiert immer mehr das Arbeitsmarktmodell, dass auch in den USA in ein lange ignoriertes Desaster geführt hat. Auch heute offenbart der Januar-Monatsbericht der Bundesagentur für Arbeit erneut, dass sich eine extrem unerfreuliche Entwicklung verfestigt, die durch die große Headline der „Nahezu Vollbeschäftigung“ überdeckt wird. Erst einmal kurz dazu. Wie immer wird die Hochglanz-Headline in der Presse-Veröffentlichung in den Vordergrund gestellt. Nur 6,3% Arbeitslose in Deutschland im Januar 2017 (Zahl in Wirklichkeit ca. 30% höher). Die offizielle Zahl ist zwar von Dezember auf Januar angestiegen von 5,8% auf 6,3%. Sie liegt aber im entscheidenden Jahresvergleich deutlich unter den 6,7% aus Januar 2016.

Es ist mühsam die dauerhafte Verschleierung der tatsächlichen Arbeitslosigkeit in Deutschland Monat für Monat anzusprechen, aber wir geben nicht auf (bitte Link im ersten Absatz anklicken). Die aktuelle Entwicklung, die uns gerade in Zeiten von Brexit, Trump und Co Sorgen bereitet, möchten wir nach dem letzten Monat jetzt erneut ansprechen. Besorgniserregend ist, dass die hiesige Politik nichts zu lernen scheint, gerade wo doch Donald Trump in seinem Wahlkampf den Finger in die Wunde gelegt hatte. Gut bezahlte Industriejobs verschwanden Richtung Asien (was ja auch stimmt), und wurden volkswirtschaftlich betrachtet „ersetzt“ durch extrem schlecht bezahlte Dienstleistungsjobs (Gastronomie, Freizeitparks, Logistik etc).

Davon kann man vor allem in den USA keine Familie ernähren. Aber auch hierzulande schreitet diese Entwicklung immer weiter voran. Die folgende Grafik zeigt Daten aus November 2016, da die Bundesagentur für Arbeit bei dieser Detailerhebung offiziell immer zwei Monate verzögert Zahlen meldet. Daher haben wir hier die Daten aus November, wo wir Ende Dezember noch offizielle Daten aus Oktober zeigen konnten. Und was sieht man hier? Es ist fast eine Schablone zum Vormonat.

Man sieht: Die Zunahme von Arbeitsplätzen findet ausschließlich bei relativ schlecht bezahlten Dienstleistungen statt, Pflege, Zeitarbeit, Werkverträge, Wachschutz, Logistik, Hotels, Restaurants etc. Das sind exakt die Branchen, die auch seit Jahren in den USA kräftig zulegen. Die einzige Branche in Deutschland, bei der etwas Reales erschaffen wird (so nennen wir es mal), und bei der ein kleines Wachstum mit +35.000 Stellen im November stattfand, ist wie in den Vormonaten das Baugewerbe. Der Grund hierfür ist bekanntermaßen die explodierende Nachfrage nach Wohnungen und bei Flüchtlingsunterkünften. Aber ansonsten schafft die deutsche Volkswirtschaft Monat für Monat genau die neuen Stellen, die bereits in den USA das nun vorhandene Resultat mit geschaffen haben.

Die Industrie verliert in diesem aktuellsten Monat November erneut mit -28.000 Arbeitsplätzen bei Metall/Elektro/Stahl und -14.000 bei der Herstellung von Konsum- und Vorleistungsgütern. Und erneut an dieser Stelle unsere Empfehlung: Suchen Sie bloß nicht mehr nach Jobs bei Banken und Versicherungen. Dort wird Monat für Monat mit Abstand am Kräftigsten rationalisiert und automatisiert (-35.000 Jobs im November). Ein Ingenieur, der sein Leben lang mit 30 oder 40 Dollar pro Stunde nach Hause ging, und sich jetzt mit 9 Dollar pro Stunde als Kassierer in der Filiale einer Kaffeekette wiederfindet, wird kaum jubeln, wenn das Staatsoberhaupt ständig von phantastischer Vollbeschäftigung spricht. Das Szenario kann man vielleicht noch nicht jetzt in vollen Zügen, aber tendenziell immer mehr auch für Deutschland entwerfen. Sogar Spitzenjobs in der Luftfahrt (Lufthansa Technik etc) werden durch Niedriglohnstandorte in der Karibik, Ungarn oder auf den Philippinen ersetzt.

Wir sprechen an dieser Stelle selbst noch lange nicht über Lösungsansätze, da die hochkomplex sein werden. Uns geht es darum, dass es überhaupt mal eine vernünftige Diagnose geben muss. Denn auch in Deutschland hört man wie noch unter Obama von der Politik stets von „nahezu Vollbeschäftigung“, dem „Jobwunder“, der Jobmaschine Deutschland, ständig neuen Jobs und der Tatsache, dass derzeit jeder in Deutschland schnell eine neuen Job finden kann. Aber was für neue Jobs das sind, und welche Gehaltseinbußen hochqualifizierte Arbeitnehmer oft hinnehmen müssen, wenn sie ihre alten Jobs verlieren, darüber spricht wie bis letztes Jahr in den USA hier in Deutschland noch niemand. Leider. Dabei gibt es die Statistik der Bundesagentur für Arbeit doch sogar hochoffiziell her (die Grafik stammt aus Seite 10). Man muss nur nachschauen, wenn man der Realität denn ins Auge sehen will…


Die Zunahme und Abnahme von Arbeitsplätzen in einzelnen Branchen wird in Tausend angezeigt. Grafik: Bundesagentur für Arbeit vom 31.01.2017. Zum Vergrößern bitte anklicken.

11 Kommentare

11 Comments

  1. Avatar

    ubsb55

    31. Januar 2017 17:32 at 17:32

    Um das seit Jahren zu erkennen, muss man nicht studiert haben. Die bösen Linken sind natürlich nur Populisten, aber bevor man sich mit den Fakten auseinander setzt, läuft man der AfD hinterher, obwohl die noch unsozialer sind als die Jetzigen, es merkt nur keiner. Jedes Volk hat die Politiker, die es verdient.

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    leser

    31. Januar 2017 17:35 at 17:35

    Der erste Satz des Artikels trifft es schon ganz gut.
    Nur mit dem kleinen aber doch entscheidenden Unterschied: Die USA reagieren und bei uns holen wir uns weiter ungesteuert Leute ins Land, die auch für die billigen Dienstleistungsjobs nicht die passende Quali mitbringen.
    Letztendlich kann die Abwärtsspirale aber nur durch ein anderes Geldsystem gestoppt werden. Das werden auch die USA feststellen.

    • Avatar

      N.Ritter

      31. Januar 2017 18:05 at 18:05

      Vielleicht holt man diese Menschen ja auch nicht ins Land, damit sie die billigen Jobs tatsächlich ausüben, sondern nur als Drohpotential, damit sich „diejenigen, die schon länger hier leben“ nicht gegen die Übernahme dieser Jobs wehren?
      Als die Jobs noch in der Produktion entstanden nannte man es „industrielle Reservearmee“

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    Z0P0

    31. Januar 2017 20:56 at 20:56

    Ich finde die Diskusion geht immer in die falsche Richtung bei dem Thema, klar ist es doof das hochbezahlte Industriearbeitsplätze verloren gehen (ich arbeite selber in der Branche). Aber eigentlich ist das quatsch, den vielleicht sind Erziehung und Betreuung einfach unterbezahlt. Warum soll sich ein Mensch in eine Fabrik stellen und stupide Arbeiten ausführen, wenn das Roboter und Maschienen viel effektiver machen. Wenn wir Klassenstärken, Pflegeschlüssel,… verändern und „unproduktiven Industrien“ wie z.B. Banken nicht ständig unsere Steuergelder hintererwerfen würden, nein sogar mal gleichwertig zum Steuer zahlen eranziehen würden, hätten wir die ganzen Probleme nicht. Das ist das gleiche Problem wie mit den Flüchtlingen, kein Mensch geht ohne Grund aus seiner Heimat weg. Wir versuchen immer Sympthome zu bekämpfen und die Ursache das wir Wirtschaftskriege für unseren Wohlstand im Naheosten führen und 3 größter Waffenexporteur sind, die Flüchtlingshilfe gekürzt haben, vergessen wir. Das ist doch alles quatsch unsere Regierung macht Lobbypolitik, die uns im Endeffekt den Kopf kostet. Stellt euch mal vor wir würden die Militärausgaben, Subventionen, Steuergeschenke an das 1%,… für Entwicklungshilfe, Regenerative Energien, Elektroautos, Klassen mit 20 Kindern, 30h Woche,… ausgeben. Dann wissen wir gar nicht wo wir die ganzen Leute für die Umstellung hernehmen sollen, weil aus dem Süden keine mehr kommen, den dort wird ja auch nicht mehr gebomt, nur weil Gott unser Öl unter deren Boden gelegt hat. Ok das klingt sehr optimistisch und utopisch, aber darüber nachdenken sollte man mal. Auf alle Fälle hätte dann unsere Autoindustrie nicht das gleiche Schicksal wie Nokia, Kodak, Grundig,…

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    Peter

    1. Februar 2017 11:31 at 11:31

    einschließlich Unterbeschäftigung beträgt die Quote 8,3 %
    Quelle:
    https://statistik.arbeitsagentur.de/Statischer-Content/Unterbeschaeftigung-Schaubild.pdf

    Wenn die Globalisierung zu einer Vernichtung des Mittelstandes führt, dann ist doch Frage berechtigt, ob ein Protektionismus nicht eine diskutierbare Lösung ist – oder?? Aktuell führt die Globalisierung zu einem Lohndumping. Ist die sozial gerecht? Die US-Internetkonzern schimpfen doch nur deshalb gegen Trumpf, weil sie nicht mehr auf die lohnbilligen weltweiten Ressourcen zurück greifen können.

    • Avatar

      Peter

      1. Februar 2017 11:34 at 11:34

      Trump nicht Trumpf

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    Cato

    2. Februar 2017 08:36 at 08:36

    Es geht in dieser Parteiendiktatur nur um die Gewinne
    der Bonzen, die auch die Politclowns finanzieren!
    Wer in diesem Spiel weiter mitspielt, weil er ja von
    einem Almosen weiter leben muss, soll endlich auf-
    wachen und den Krempel hinwerfen! Auf zum nächsten Gefecht!

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Aktienmärkte und Wirtschaft 2020: Ein Jahr der Extreme

Wer es geschafft hat, die wirtschaftliche Entwicklung des Jahres 2020 oder die der Aktienmärkte auch nur ein paar Wochen vorherzusagen, sollte Lotto spielen

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Wer es geschafft hat, die wirtschaftliche Entwicklung des Jahres 2020 oder die der Aktienmärkte auch nur ein paar Wochen vorherzusagen, sollte mal Lotto spielen, bei diesem Glück. Denn das Coronajahr wird in die Geschichte eingehen mit all seinen Anomalien, die es gewiss noch nicht allzu häufig in dieser Form gegeben hat. Wirtschaft, Finanzen und Aktienmärkte lieferten (und liefern?) Ausschläge ungeahnten Ausmaßes.

Aktienmärkte: Die saisonalen Muster – Fehlanzeige

Viele Börsianer versuchen aus den statistisch gehäuften, jahreszeitlich bedingten Mustern, Profit zu erzielen. Aber 2020?

Das Jahr begann relativ stabil, am Ende des Januars hatten sich S&P 500 und Dax kaum bewegt, was nach der Statistik auf einen ruhigen Jahresverlauf hindeuten würde. Bis Ende Februar ging es aufwärts, dann kam Corona. Nach der fulminanten Aufholjagd von Ende März und durch den April hinweg hätte man doch erwarten können, dass ein „Sell in May, but remember to come back in September“ funktioniert, nur erreichten die US-Indizes just am 2. September ein Allzeithoch, um praktisch den ganzen Monat hindurch zu korrigieren. Im Wahljahr sollte es einen schwachen Monat Oktober geben, bis zur letzten Woche, in der eine Wahlrally einsetzt. Doch was haben wir in den letzten Tagen erlebt? Einen Einbruch des Dow Jones von 2000 Punkten und beim Dax von über 1000 Zählern. Nun steht nur noch die Jahresendrally im Schlussquartal, als eiegntlich sehr sicheres saisonales Muster der Aktienmärkte, zur Disposition.

Der Konjunkturverlauf – ohne historisches Vorbild

Die Pandemie um Covid-19 führte zu einem bisherigen Konjunkturverlauf, den wohl kein Ökonom auf der Rechnung hatte. Chinas Konjunktur stürzte im ersten Quartal um 6,8 Prozent in die Tiefe und erholte sich in Q2 bereits schon wieder um 4,9 Prozent. Im Westen erwischte es im zweiten Quartal Großbritannien am stärksten mit minus 20,4 Prozent, gefolgt von Spanien mit minus 18,5 Prozent, Deutschland kam mit minus 9,7 Prozent noch relativ glimpflich davon, so wie die USA mit minus 9,5 Prozent auf Quartalsbasis. Auf Jahressicht allerdings mit erschreckenden 31,4 Prozent und gestern kam die erste Schätzung für das dritte Quartal in den Staaten: Plus 33,1 Prozent im Jahresvergleich, was auf den ersten Blick wie nach einer totalen Erholung aussieht, aber es hätten über 45 Prozent Anstieg sein müssen, um diesen Quartalseinbruch zu egalisieren.

Im europäischen Verfahren gerechnet: Nach minus 9,5 Prozent (Q2), jetzt plus 7,4 Prozent.

Auf alle Fälle brachte 2020 bisher die schnellste und tiefste Kurzrezession aller Zeiten, mit einem Wirtschaftseinbruch, der fast überall einem unvollständigen V gleicht, eher einem spiegelverkehrten Wurzelzeichen, das eine Erholung um etwa 90 Prozent anzeigt. Jetzt erleben wir die zweite Coronawelle, die in manchen Ländern vermutlich eine Double-Dip-Recession im vierten Quartal des Jahres zur Folge haben wird. Wie reagiren nun die Aktienmärkte?

Die Entwicklungen der Aktienmärkte

Wenn es bisher eine so genannte V-förmige Erholung geben sollte, dann haben dies die Aktienmärkte vollzogen. Nach einem Absturz der Märkte ab dem 20. Februar, wie man ihn noch nie in einer solchen Geschwindigkeit beobachtet hat – es brauchte nur 16 Tage vom Allzeithoch bis in einen Bärenmarkt – stürzten S&P 500 und Dax innerhalb von nur 34 Tagen um 33,9 beziehungsweise 39,6 Prozent in die Tiefe: Beim US-Leitindex auf 2206 und beim Dax auf 8255 Punkte. Aber es folgte eine ebenso spektakulären Erholung innerhalb nur eines halben Jahres.

Der Dax brauchte nur gut zwei Monate, um bis Anfang Juni um 57 Prozent auf 12913 Punkte zu steigen und nur ein halbes Jahr um mit 13460 Punkten fast sein Allzeithoch von Ende Februar zu erreichen (13788 Punkte).

Was dem US-Leitindex S&P 500 am 2. September mit 3580 Punkten gelungen ist (Februar-ATH 3386 Punkte): Rekorde der Aktienmärkte inmitten des größten Wirtschaftseinbruchs seit dem Zweiten Weltkrieg. Wie konnte so etwas zustande kommen?

Notenbankbilanzen und Zinsniveau

Wer geglaubt hatte, dass das Jahr 2019 mit seinen über 100 Zinssenkungen durch die Notenbanken dieser Welt der Höhepunkt gewesen sein müsste, den belehrte spätestens der März 2020 eines Besseren. Die Federal Reserve folgte vielen westlichen Notenbanken und senkte die US-Leitzinsen auf 0 bis 0,25 Prozent. Begleitet von Anleihekäufen, die die Fed-Bilanz innerhalb von wenigen Monaten von vier auf 7,18 Billionen Dollar explodieren ließ. Die Europäische Zentralbank war vor Kurzem bei 6,74 Billionen Euro angelangt, zusammen mit der Bank of Japan erreicht man bereits über 20 Billionen Dollar. Die Bilanzsummen der Notenbanken marschieren in ungeahnte Höhen: In Japan auf 136 Prozent zum BIP, in Europa auf 66 Prozent und in den USA auf 37 Prozent.

Dies hat laut JP Morgan folgendes zur Folge (Stand Mitte Oktober):

Weltweit gibt es 17 Billionen Dollar an Anleihen, die keine oder sogar Minuszinsen abwerfen. Berücksichtigt man die jeweiligen Inflationsraten, so beträgt die Summe der Anleihen, die eine negative Realrendite abwerfen 32 Billionen Dollar, oder 76 Prozent aller Staatsanleihen von Industrieländern. Der Anlagenotstand für Kapitalsammelstellen (wie Staats- und Pensionsfonds) hat im Herbst des Jahres 2020 eine bisher noch nicht gesehene Dimension erreicht – und das erklärt die Kurse der Aktienmärkte.

Jetzt stehen die US-Wahlen an und der Sieger muss aus faktischen Gründen angesichts von über 11 Millionen Arbeitslosen und 50 Millionen Lebensmittelmarkenbeziehern in den USA zwangsläufig ein fünftes Rettungspaket auflegen. Außerdem ergab eine Umfrage im Sommer, dass 40 Prozent der Amerikaner keine 400 Dollar an Reserven besitzen, um sich zum Beispiel ein defektes Haushaltsgerät ersetzen zu können. Man kann sich immer nur wundern, wie die US-Regierung hier das Bild einer gesunden US-Wirtschaft zeichnen kann.

Bei einer weiteren Verschuldung stellt sich irgendwann die Frage: Wann wird sich dies bei den Kapitalmarktzinsen bemerkbar machen? In jeder Volkswirtschaft gibt es das Phänomen des Bruchs mit der Linearität, plötzliche Ausbrüche aus einer stabilen Entwicklung, davor sind auch die Vereinigten Staaten nicht gefeit.

Die Forschung für einen Impfstoff

Noch nie in der Geschichte der Menschheit wurde mit solcher Intensität an einem Impfstoff gegen ein Virus geforscht – Sars-CoV-2. 160 bis 200 Projekte gibt es derzeit weltweit, einige Vakzine befinden sich bereits in der klinischen Phase 3 und die großen Staaten haben vorsorglich schon drei Milliarden Impfdosen bestellt, ohne zu wissen, welches Mittel sich überhaupt durchsetzen und welchen Effekt es überhaupt haben wird. Die Aktien von Moderna, CureVac oder Biontech explodieren an den Börsen um mehrere 100 Prozent, weil viele Investoren einen Milliardenmarkt wittern. Viele Projekte werden im Sande verkaufen, viele Millionen versickern, weil keiner weiß, was sich durchsetzt – und vor allen Dingen wann?

Die Entwicklung der Pandemie

Viele führende Virologen warnen, dass die Welt noch bis Ende des Jahres 2021 mit dem Virus leben müsse oder vielleicht sogar auf Dauer. Was bedeutet dies konkret? Derzeit gibt es weltweit über 45 Millionen bestätigte Infektionen, was angesichts von 7,6 Milliarden Menschen nur ein gutes halbes Prozent der Weltbevölkerung ausmachen würde. Aber sind das überhaupt realistische Zahlen? Wurden aus bestimmten Metropolen der Welt – New York, Neu-Dehli, Sao Paulo, Mexiko City – nicht schon Antikörpertests ausgewertet, die auf eine 20 bis 50 prozentige Durchseuchung von Teilen der Bevölkerung hinweisen?

In Ländern wie den USA, Brasilien, Spanien, Belgien u.a. werden offiziell Infektionsraten von 2,5 bis 3 Prozent der Bevölkerung gemeldet, aber der Chef der US-Seuchenbehörde CDC der USA, Redfield, hat sich in diesem Jahr geäußert, dass man mit einer Dunkelziffer von Faktor 10 bei den Infektionen rechnen könne. Die USA haben bereits über neun Millionen Coronainfizierte bei einer Bevölkerung von gut 330 Millionen. Wie viele Menschen werden bis Ende 2021 schon mit dem Virus infiziert worden sein? Selbst der deutsche Virologe, Professor Streeck, rechnet mit einer gewaltigen Durchseuchung bis dahin. Es sei auch bis jetzt nicht klar, welche Immunität ein Impfstoff zur Folge haben wird? Wie viele Menschen werden sich überhaupt impfen lassen (müssen)? Fragen über Fragen.

Aber bei Fortführung der Gedankengänge über die Infektion der Menschheit mit Covid-19 schleicht sich ein unangenehmes Gefühl ein: Deutschland hat im Vergleich zur Bevölkerungszahl eine sehr niedrige Infektionsrate (0.59 Prozent), auch wenn man eine Dunkelziffer mit einbezieht, die aber aufgrund unserer Maßnahmen nicht allzu hoch sein dürfte. Was aber nicht anderes heißt, dass für unser Land noch ein weiter Weg in Sachen Corona bevorsteht – außer der Impfstoff kommt rechtzeitig und mit hoher Wirksamkeit.

Ausblick

Doch zurück zur Wirtschaft und zur Börse. Was bedeutet die aktuelle Gemengelage für das Jahresende der Aktienmärkte? Der Ausgang der Wahlen, die Börsenentwicklung, die Pandemie? In Summa „not predictable“. Doch wird auf eines Verlass sein: Das Gelddrucken geht weiter – so hat Madame Lagarde erst gestern die weiteren Notenbankkäufe der EZB bestätigt: bis mindestens Mitte 2021 wolle man alles tun und den ganzen Instrumentenkasten nutzen, um die Erholung der Wirtschaft zu fördern.

Auch die Bundesregierung hat eine große Summe an Ausfallszahlungen für den Monat des Lockdowns, November, angekündigt, um die wirtschaftlichen Folgen des verordneten Stillstands (Lockdown light) abzumildern.

Die Geldflut wird nicht verebben. Und wenn man den Chart zwischen Notenbankbilanz und Entwicklung der Aktienmärkte (S&P 500) betrachtet, so könnte man eigentlich auf eine bestimmte Jahresendprognose kommen.

Und was die Pandemie und die mögliche Wirkung der gerade angekündigten Lockdown-Maßnahmen betrifft, so empfiehlt sich ein Blick auf Israels Infektionszahlen, dem Land, welches bereits vor einigen Wochen solche verhängt hat..

Aktienmärkte und Wirtschaft im Coronajahr 2020

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Aktien

Dax mit Crash? Mögliche Ausweitung der EZB-Maßnahmen, Ideen zu SAP und Allianz

Redaktion

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Gibt es im Dax einen neuen Crash? Diese Frage bespricht Manuel Koch im folgenden Video mit einer Expertin. Auch Thema seines Videos sind die ganz frisch verkündeten neuen Rettungsgelder für die Wirtschaft, damit der anstehende kleine Lockdown im November verkraftet werden kann. Wichtig ist auch die heute angedeutete Ausweitung der EZB-Maßnahmen im Dezember.

Manuel Koch bespricht im Video auch zwei Handelsempfehlungen der trading house-Börsenakademie. Die Aktien der Allianz seien eine Short-Chance per Stop-Sell-Order. Die Aktien von SAP seien ein Kauf per Stop-Buy-Order. Beide Ideen werden ausführlich begründet.

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Corona-Hilfen: Ausfallzahlungen im November, und eine ganz wichtige Änderung!

Claudio Kummerfeld

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Neue Corona-Hilfen vom Bund

Aufgepasst liebe Selbständige und Unternehmer, es tut sich was bei den Corona-Hilfen des Bundes. Es ist ja inzwischen bekannt, dass die Bundesregierung betroffene Unternehmer mit bis zu 75 Prozent der Umsätze aus November 2019 entschädigen will, wenn sie jetzt im November 2020 durch Betriebsschließungen Umsatzeinbußen erleiden. Dies soll für Betriebe mit weniger als 50 Mitarbeitern gelten. Für Betriebe mit mehr als 50 Mitarbeitern gibt es gestaffelt Erstattungen von 70 Prozent und weniger. Vor allem die Gastronomie wird wohl profitieren, aber auch Freizeiteinrichtungen, und womöglich deren Zulieferbetriebe. Details werden gerade noch geklärt. Diese Corona-Hilfen sind sehr wichtig. Sonst hätte dieser neue kleine Lockdown, der ab Montag startet, wohl endgültig viele Unternehmen finanziell ruiniert.

Die genauen Details der neuen Hilfen sollen laut Olaf Scholz noch veröffentlicht werden auf https://www.ueberbrueckungshilfe-unternehmen.de . Noch ist die Seite nicht auf aktuellem Stand, aber aus den ganz frischen Aussagen der beiden Minister hört man, dass die beiden Ministerien genau in diesem Minuten die Details ausarbeiten. Also sollte man morgen oder am Wochenende diese Seite mehrmals besuchen und nach neuesten Infos Ausschau halten. Anträge sollen schnell bearbeitet werden. Wir empfehlen die nächsten Tage auch immer einen Blick zu werfen auf die Webseiten des Bundeswirtschaftsministeriums und des Bundesfinanzministeriums.

Corona-Hilfen mit kleinem, aber sehr wichtigem Detail

Aber ein wichtiges Detail bei den Corona-Hilfen wird für viele Unternehmer eine große Erleichterung darstellen, um jetzt weiter durchhalten zu können. Denn bisher galt die ziemlich unsinnige und unfaire Regelung, dass die KfW-Schnellkredite in der Coronakrise nur für Unternehmen zugänglich waren, die mindestens 10 Mitarbeiter haben. Jetzt liest man im offiziellen Infotext des Bundeswirtschaftsministeriums (siehe hier), dass der KfW-Schnellkredit für Unternehmen mit weniger als 10 Beschäftigten zugänglich gemacht werden soll. Diese winzige Änderung bei den Corona-Hilfen kann für viele kleine Unternehmer die Rettung bedeuten, zumindest in Sachen Liquiditätshilfe. Hier weitere Details im Wortlaut vom Ministerium:

Es hat sich als unvermeidlich erwiesen, für die Dauer der nächsten vier Wochen auch viele Unternehmen zu schließen, um auf diese Weise Kontakte im erforderlichen Umfang zu reduzieren. Das betrifft unter anderem Gastronomiebetriebe, Bars, Clubs und Diskotheken, aber auch Dienstleistungsbetriebe, Messen, Kinos, Freizeitparks oder Fitness-Studios. Viele von ihnen haben Vorbildliches bei der Umsetzung von Hygiene- und Abstandskonzepten geleistet und seit Ausbruch der Pandemie schwere Umsatzrückgänge hinnehmen müssen.

Die Bundesregierung wird diese Betriebe umfassend unterstützen, um ihnen den Fortbestand in dieser schweren Zeit zu erleichtern:

Wir gewähren den von temporären Schließungen erfassten Unternehmen eine außerordentliche Wirtschaftshilfe, die bis zu 75 Prozent des Umsatzes des Vorjahresmonats erfasst;

Wir werden die Leistungen der Überbrückungshilfe verlängern und für die hauptbetroffenen Wirtschaftsbereiche wesentlich verbessern;

Wir öffnen den KfW-Schnellkredit für Unternehmen mit weniger als 10 Beschäftigten;

Die Regelungen gelten unter anderem für Unternehmen, Selbständige und Soloselbständige. Insbesondere auch in der Kultur- und Veranstaltungswirtschaft.

Die beschlossenen Maßnahmen zeigen, dass wir unsere Unternehmen nicht allein lassen, sondern zielgerichtet unterstützen. Hierzu stellen wir Mittel bis zu einer Höhe von 10 Milliarden Euro bereit.

Hier weitere aktuelle Aussagen aus der vorhin gelaufenen PK von Olaf Scholz und Peter Altmaier, in Kurzform zusammengefasst:

Der Kultur- und Veranstaltungswirtschaft will man auch über den November hinaus eine Perspektive aufzeigen. Und auch der Gastronomie will man helfen die anstehende harte Zeit zu überstehen. An Einzelheiten arbeite man jedoch noch. Auch will man eine Verlängerung der „Überbrückungshilfe III“ bis ins nächste Jahr hinein erreichen. Und bis zu 300.000 Euro sollen auch über Kredite der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) bereitgestellt werden können.

Hier die PK im Video:

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