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Aktuelle deutsche Arbeitsmarktdaten: Produktion weiter massiv auf dem Rückmarsch, schlecht bezahlte Dienstleistungen auf dem Vormarsch

Die deutsche Volkswirtschaft kopiert immer mehr das Arbeitsmarktmodell, dass auch in den USA in ein lange ignoriertes Desaster geführt hat. Auch heute offenbart der Januar-Monatsbericht der Bundesagentur...

Von Claudio Kummerfeld

Die deutsche Volkswirtschaft kopiert immer mehr das Arbeitsmarktmodell, dass auch in den USA in ein lange ignoriertes Desaster geführt hat. Auch heute offenbart der Januar-Monatsbericht der Bundesagentur für Arbeit erneut, dass sich eine extrem unerfreuliche Entwicklung verfestigt, die durch die große Headline der „Nahezu Vollbeschäftigung“ überdeckt wird. Erst einmal kurz dazu. Wie immer wird die Hochglanz-Headline in der Presse-Veröffentlichung in den Vordergrund gestellt. Nur 6,3% Arbeitslose in Deutschland im Januar 2017 (Zahl in Wirklichkeit ca. 30% höher). Die offizielle Zahl ist zwar von Dezember auf Januar angestiegen von 5,8% auf 6,3%. Sie liegt aber im entscheidenden Jahresvergleich deutlich unter den 6,7% aus Januar 2016.

Es ist mühsam die dauerhafte Verschleierung der tatsächlichen Arbeitslosigkeit in Deutschland Monat für Monat anzusprechen, aber wir geben nicht auf (bitte Link im ersten Absatz anklicken). Die aktuelle Entwicklung, die uns gerade in Zeiten von Brexit, Trump und Co Sorgen bereitet, möchten wir nach dem letzten Monat jetzt erneut ansprechen. Besorgniserregend ist, dass die hiesige Politik nichts zu lernen scheint, gerade wo doch Donald Trump in seinem Wahlkampf den Finger in die Wunde gelegt hatte. Gut bezahlte Industriejobs verschwanden Richtung Asien (was ja auch stimmt), und wurden volkswirtschaftlich betrachtet „ersetzt“ durch extrem schlecht bezahlte Dienstleistungsjobs (Gastronomie, Freizeitparks, Logistik etc).

Davon kann man vor allem in den USA keine Familie ernähren. Aber auch hierzulande schreitet diese Entwicklung immer weiter voran. Die folgende Grafik zeigt Daten aus November 2016, da die Bundesagentur für Arbeit bei dieser Detailerhebung offiziell immer zwei Monate verzögert Zahlen meldet. Daher haben wir hier die Daten aus November, wo wir Ende Dezember noch offizielle Daten aus Oktober zeigen konnten. Und was sieht man hier? Es ist fast eine Schablone zum Vormonat.

Man sieht: Die Zunahme von Arbeitsplätzen findet ausschließlich bei relativ schlecht bezahlten Dienstleistungen statt, Pflege, Zeitarbeit, Werkverträge, Wachschutz, Logistik, Hotels, Restaurants etc. Das sind exakt die Branchen, die auch seit Jahren in den USA kräftig zulegen. Die einzige Branche in Deutschland, bei der etwas Reales erschaffen wird (so nennen wir es mal), und bei der ein kleines Wachstum mit +35.000 Stellen im November stattfand, ist wie in den Vormonaten das Baugewerbe. Der Grund hierfür ist bekanntermaßen die explodierende Nachfrage nach Wohnungen und bei Flüchtlingsunterkünften. Aber ansonsten schafft die deutsche Volkswirtschaft Monat für Monat genau die neuen Stellen, die bereits in den USA das nun vorhandene Resultat mit geschaffen haben.

Die Industrie verliert in diesem aktuellsten Monat November erneut mit -28.000 Arbeitsplätzen bei Metall/Elektro/Stahl und -14.000 bei der Herstellung von Konsum- und Vorleistungsgütern. Und erneut an dieser Stelle unsere Empfehlung: Suchen Sie bloß nicht mehr nach Jobs bei Banken und Versicherungen. Dort wird Monat für Monat mit Abstand am Kräftigsten rationalisiert und automatisiert (-35.000 Jobs im November). Ein Ingenieur, der sein Leben lang mit 30 oder 40 Dollar pro Stunde nach Hause ging, und sich jetzt mit 9 Dollar pro Stunde als Kassierer in der Filiale einer Kaffeekette wiederfindet, wird kaum jubeln, wenn das Staatsoberhaupt ständig von phantastischer Vollbeschäftigung spricht. Das Szenario kann man vielleicht noch nicht jetzt in vollen Zügen, aber tendenziell immer mehr auch für Deutschland entwerfen. Sogar Spitzenjobs in der Luftfahrt (Lufthansa Technik etc) werden durch Niedriglohnstandorte in der Karibik, Ungarn oder auf den Philippinen ersetzt.

Wir sprechen an dieser Stelle selbst noch lange nicht über Lösungsansätze, da die hochkomplex sein werden. Uns geht es darum, dass es überhaupt mal eine vernünftige Diagnose geben muss. Denn auch in Deutschland hört man wie noch unter Obama von der Politik stets von „nahezu Vollbeschäftigung“, dem „Jobwunder“, der Jobmaschine Deutschland, ständig neuen Jobs und der Tatsache, dass derzeit jeder in Deutschland schnell eine neuen Job finden kann. Aber was für neue Jobs das sind, und welche Gehaltseinbußen hochqualifizierte Arbeitnehmer oft hinnehmen müssen, wenn sie ihre alten Jobs verlieren, darüber spricht wie bis letztes Jahr in den USA hier in Deutschland noch niemand. Leider. Dabei gibt es die Statistik der Bundesagentur für Arbeit doch sogar hochoffiziell her (die Grafik stammt aus Seite 10). Man muss nur nachschauen, wenn man der Realität denn ins Auge sehen will…


Die Zunahme und Abnahme von Arbeitsplätzen in einzelnen Branchen wird in Tausend angezeigt. Grafik: Bundesagentur für Arbeit vom 31.01.2017. Zum Vergrößern bitte anklicken.



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11 Kommentare

  1. Um das seit Jahren zu erkennen, muss man nicht studiert haben. Die bösen Linken sind natürlich nur Populisten, aber bevor man sich mit den Fakten auseinander setzt, läuft man der AfD hinterher, obwohl die noch unsozialer sind als die Jetzigen, es merkt nur keiner. Jedes Volk hat die Politiker, die es verdient.

  2. Der erste Satz des Artikels trifft es schon ganz gut.
    Nur mit dem kleinen aber doch entscheidenden Unterschied: Die USA reagieren und bei uns holen wir uns weiter ungesteuert Leute ins Land, die auch für die billigen Dienstleistungsjobs nicht die passende Quali mitbringen.
    Letztendlich kann die Abwärtsspirale aber nur durch ein anderes Geldsystem gestoppt werden. Das werden auch die USA feststellen.

    1. Vielleicht holt man diese Menschen ja auch nicht ins Land, damit sie die billigen Jobs tatsächlich ausüben, sondern nur als Drohpotential, damit sich „diejenigen, die schon länger hier leben“ nicht gegen die Übernahme dieser Jobs wehren?
      Als die Jobs noch in der Produktion entstanden nannte man es „industrielle Reservearmee“

  3. Ich finde die Diskusion geht immer in die falsche Richtung bei dem Thema, klar ist es doof das hochbezahlte Industriearbeitsplätze verloren gehen (ich arbeite selber in der Branche). Aber eigentlich ist das quatsch, den vielleicht sind Erziehung und Betreuung einfach unterbezahlt. Warum soll sich ein Mensch in eine Fabrik stellen und stupide Arbeiten ausführen, wenn das Roboter und Maschienen viel effektiver machen. Wenn wir Klassenstärken, Pflegeschlüssel,… verändern und „unproduktiven Industrien“ wie z.B. Banken nicht ständig unsere Steuergelder hintererwerfen würden, nein sogar mal gleichwertig zum Steuer zahlen eranziehen würden, hätten wir die ganzen Probleme nicht. Das ist das gleiche Problem wie mit den Flüchtlingen, kein Mensch geht ohne Grund aus seiner Heimat weg. Wir versuchen immer Sympthome zu bekämpfen und die Ursache das wir Wirtschaftskriege für unseren Wohlstand im Naheosten führen und 3 größter Waffenexporteur sind, die Flüchtlingshilfe gekürzt haben, vergessen wir. Das ist doch alles quatsch unsere Regierung macht Lobbypolitik, die uns im Endeffekt den Kopf kostet. Stellt euch mal vor wir würden die Militärausgaben, Subventionen, Steuergeschenke an das 1%,… für Entwicklungshilfe, Regenerative Energien, Elektroautos, Klassen mit 20 Kindern, 30h Woche,… ausgeben. Dann wissen wir gar nicht wo wir die ganzen Leute für die Umstellung hernehmen sollen, weil aus dem Süden keine mehr kommen, den dort wird ja auch nicht mehr gebomt, nur weil Gott unser Öl unter deren Boden gelegt hat. Ok das klingt sehr optimistisch und utopisch, aber darüber nachdenken sollte man mal. Auf alle Fälle hätte dann unsere Autoindustrie nicht das gleiche Schicksal wie Nokia, Kodak, Grundig,…

  4. einschließlich Unterbeschäftigung beträgt die Quote 8,3 %
    Quelle:
    https://statistik.arbeitsagentur.de/Statischer-Content/Unterbeschaeftigung-Schaubild.pdf

    Wenn die Globalisierung zu einer Vernichtung des Mittelstandes führt, dann ist doch Frage berechtigt, ob ein Protektionismus nicht eine diskutierbare Lösung ist – oder?? Aktuell führt die Globalisierung zu einem Lohndumping. Ist die sozial gerecht? Die US-Internetkonzern schimpfen doch nur deshalb gegen Trumpf, weil sie nicht mehr auf die lohnbilligen weltweiten Ressourcen zurück greifen können.

    1. Trump nicht Trumpf

  5. Es geht in dieser Parteiendiktatur nur um die Gewinne
    der Bonzen, die auch die Politclowns finanzieren!
    Wer in diesem Spiel weiter mitspielt, weil er ja von
    einem Almosen weiter leben muss, soll endlich auf-
    wachen und den Krempel hinwerfen! Auf zum nächsten Gefecht!

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