Folgen Sie uns

Allgemein

US-Notenbank: Bilanzsumme der Fed explodiert auf 7 Billionen US-Dollar

Hannes Zipfel

Veröffentlicht

am

Die Zentrale der Fed in Washington DC

Noch schneller als während der Weltfinanzkrise rotiert die digitale Notenpresse der US-Notenbank und bläst die Bilanz der Fed auf fast 7 Billionen US-Dollar auf. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis die Bilanzsumme in den zweistelligen Billionenbereich vordringt.

Die Bilanz der US-Notenbank steigt um 80 Prozent in nur 12 Monaten

Bis vor Kurzem galt die Zeit während und nach der Finanzkrise 2008 ff. als die aggressivste geldpolitische Phase seit dem Zweiten Weltkrieg. Doch das, was sich derzeit bei der US-Notenbank (Federal Reserve) abspielt, stellt die Geldpolitik im Zuge der Lehman-Krise weit in den Schatten. In nur 12 Monaten hat die Fed unter der Ägide ihres Präsidenten Jerome Hayden „Jay“ Powell die Bilanzsumme um 3 Billionen US-Dollar bzw. 80 Prozent auf knapp 7 Billionen US-Dollar ausgeweitet. Das entspricht 15 Prozent des Bruttoinlandsprodukts er USA. Damit ist die Fed nun auch Weltmeister in Bezug auf die Bilanzgröße und die Geschwindigkeit der Ausweitung unter allen großen Notenbanken dieses Planeten. Dies ist das Ergebnis diverser unlimitierter Repo-, Kredit- und Wertpapierkauf-Programme seit September 2019. Besonders stark trugen die Ankäufe von US-Staatsanleihen sowie mit Hypotheken besicherten Anleihen zum Aufbau der gigantischen Bilanzsumme bei.

Die Bilanzsumme der US-Notenbank als Chart dargestellt

Die Geldmenge explodiert um ein Drittel

Das beispiellose Rotieren der digitalen Notenpresse der Fed hat die Geschwindigkeit des Geldmengenwachstums ebenfalls auf einen Nachkriegsrekord ansteigen lassen: Um 33,1 Prozent ist die von der US-Notenbank erzeugte Geldmenge M1 innerhalb von nur 12 Monaten angestiegen. Während der Lehman-Krise lag der bisherige Spitzenwert bei 22,5 Prozent jährlichem Wachstum. Die Geldmenge M1 umfasst alles umlaufende Bargeld, Sichteinlagen auf Konten sowie Schecks.

Verlauf der Geldmenge der Fed graphisch dargestellt

Inflationserwartungen steigen plötzlich an

Noch liegt die offizielle jährliche Teuerungsrate in den USA bei 1,32 Prozent (PCE). Doch die Erwartungen an die künftige Teuerungsrate beginnen bereits zu steigen. Die von der Universität von Michigan erhobenen Daten zeigen, dass die Teilnehmer einer landesweiten Umfrage für die nächsten 12 Monate einen Anstieg der Inflationsrate auf 3 Prozent erwarten. Die risikolosen für Zinsen eine einjährige US-Staatsanleihe liegen bei 0,17 Prozent. Selbst nach Abzug der aktuell noch moderaten Inflation ist die Realverzinsung in den USA derzeit bereits stark negativ. Ein derartiges geldpolitisches Umfeld wird als finanzielle Repression bezeichnet, da Sparer so automatisch schleichend enteignet werden.

Fed-Chef biegt sich die Realität zurecht

Ohne die ultralaxe Geldpolitik mit explodierender Geldmenge, Nullzinsen und einer sich ballonartig aufblähenden Notenbankbilanz wäre die US-Wirtschaft in der Corona-Krise nicht zu stabilisieren gewesen- das steht außer Frage. Doch die Aussagen, die der Fed-Präsident Jerome Powell in der Nacht am Sonntagabend einem Millionenpublikum in der in den USA sehr populären Fernsehsendung „60 Minutes“ des Fernsehsenders CBS auftischte, waren zum Teil dreist gelogen (hier auch dazu der Kommentar von Markus Fugmann). Gemäß Powell sei die jetzige „unkonventionelle“ Geldpolitik nur bedingt durch die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise. Doch bereits im Dezember 2018 musste die US-Notenbank eine geldpolitische 180-Grad-Wende vollziehen – zunächst verbal und später operativ. Bereits im Juli 2019 begann die Fed, den Leitzins erneut abzusenken – drei Mal vor dem Ausbruch der Corona-Krise. Der Zinssatz für einjährige US-Staatsanleihen hat sich von Dezember 2018 bis Ultimo 2019 von 2,73 Prozent auf 1,51 Prozent reduziert. Die Zinsen für zweijährige US-Staatsanleihen haben sich im gleichen Zeitraum sogar glatt halbiert – ohne Corona-Krise.

In Wahrheit war die US-Wirtschaft bereits durch den überreifen Konjunkturzyklus, die historisch hohe Verschuldung der US-Unternehmen sowie den Handelskrieg mit China so stark geschwächt, dass die Fed ab September 2019 den Geldmarkt mit hunderten Milliarden US-Dollar stützen musste (US-Repo-Krise). Ab Oktober 2019 startete die US-Notenbank in einer angeblich heilen Welt ein Wertpapierkaufprogramm, das spöttisch unter dem Namen „Nicht-QE“ bekannt wurde, da die US-Notenbank die Existenz eines neuen QE-Programms mit dem Hinweis auf die Laufzeit der erworbenen Papiere leugnete. Im Rahmen dieses Programms wurden monatlich im Gegenwert von 60 Milliarden US-Dollar kurzfristige US-Staatsanleihen aufgekauft, um einerseits die Funktion des Repo-Marktes sicherzustellen und anderseits die vom US-Finanzministerium massenhaft emittierten Staatsanleihen aufzunehmen. Ohne diese Notmaßnahmen der Fed wären die USA bereits Monate vor dem Ausbruch der Pandemie durch Turbulenzen am Finanzmarkt in die Rezession abgetaucht.

Fazit und Ausblick

Ohne die geldpolitischen Aktionen der Fed in Billionenhöhe wären sowohl das US-Bankensystem als auch der US-Staatshaushalt sowie die amerikanische Realwirtschaft in ihrer Existenz bedroht. Welche Folgen die experimentelle Geldpolitik der US-Notenbank mit explodierender Geldmenge und Nullzins mittelfristig haben wird, kann man seriös kaum prognostizieren. Noch halten gegenläufige Effekte, vor allem von der Nachfrageseite, die Inflation im Sinne von Konsumententeuerung in Schach. Gleichzeitig explodiert die Verschuldung weltweit auf neue historische Höchststände.

Die Behauptung des Präsidenten der US-Notenbank Jerome Powell, dass die derzeitige aggressive Geldpolitik nur den ökonomischen Schäden, ausgelöst durch die Corona-Pandemie, geschuldet sei, muss man als reine Beruhigungspille werten. Doch die damit indirekt geschürte Hoffnung, dass nach der Krise alles wieder gut und die Geldpolitik wieder „normal“ werde, wird erneut enttäuscht werden, so wie bereits nach der letzten krisenbedingten Gelddruck- und Zinssenkungsorgie der Notenbanken im Zuge der Lehman-Krise. Man darf gespannt sein, wie die US-Notenbank aus dieser geldpolitischen „Nummer“ wieder herauskommen will. Die Geschichte lehrt nur zwei Optionen: Reflation oder Schuldenschnitt.

13 Kommentare

13 Comments

  1. Avatar

    thinkSelf

    19. Mai 2020 10:57 at 10:57

    Ich finde es immer wieder erstaunlich wie lange man potemkinsche Dörfer aufrechterhalten kann. Die USA haben in den letzten 45 Jahren die Basis ihrer Realwirtschaft verloren. Überdeckt wurde das durch zwei Dinge:

    1. Die Imperialrendite, gezogen durch die Weltleitwährung und ein unlimitiertes Außenhandelsdefizit.

    2. Die sogenannte „Tech Industrie“, in der eigentlich wenig Tech drin ist. Das Geschäftsmodell besteht darin, die Kundenzugänge durch Kontrolle der Informationsflüsse zu monopolisieren und dadurch eine Art „globale Zollstelle“ einzurichten.

    Das hat aber nicht verhindert, dass sich die wirtschaftlichen Spannungen in den USA massiv verstärkt haben. Das gesamte Gebilde wird mit jeder Krise brüchiger.

    Herauskommen können die Notenbanken aus der Nummer nicht mehr. Das hat die Krise 2008/2009 gezeigt. Denn es würde bedeuteten die „Reichen“ zu einem erheblichen Teil zu enteignen. Denn hier konzentrieren sich die Vermögen. Das wird nicht passieren und ist in der Geschichte auch noch nie passiert. Denn die wohlhabende Schicht hat genug Einfluss, dass zu verhindern. Tatsächlich sind die Gesellschaften, die in so einen Kanal eingebogen sind immer verschwunden. Wobei das meist sogar ohne Knall erfolgt.

    • Avatar

      Faktist

      19. Mai 2020 13:45 at 13:45

      Wow …guter Beitrag! Aber meiner Meinung nach zu nett ausgedrückt! Mein Kommentar wird aber hier nicht benötigt, weil ich das selbe schreiben wollte nur halt auf eine etwas zu sehr Klartext art ;-)

      …aber regelmäßige Leser, wissen was ich damit meine.

    • Avatar

      Michael

      19. Mai 2020 21:58 at 21:58

      @Thinkself, das ist einer der besten Kommentare, die ich in all den vielen Jahren lesen durfte, in denen ich die FMW nun verfolge 👍 👍 👍

    • Avatar

      Lausi

      19. Mai 2020 23:46 at 23:46

      „Wobei das meist sogar ohne Knall erfolgt.“ Das ist so wie das lautlose Versinken im Sumpf. Irgendwann gibt es das finale „Blub“ und dann sind die USA vollends von der Bildfläche verschwunden!

  2. Pingback: Aktuelle Meldungen und Nachrichten vom 19.05.2020 | das-bewegt-die-welt.de

  3. Avatar

    Boldi Witz

    19. Mai 2020 15:11 at 15:11

    Aber auch schon meinte doch der gute Herr Zipfel das könnte noch lange so weitergehen, ich spüre da ein wenig Zweifel an der Notenbankgläubigkeit. Für das eigene Vermögen ist es gut eher früher als später zu konvertieren.

  4. Avatar

    Lausi

    19. Mai 2020 20:35 at 20:35

    Der parabolische Anstieg der Notenbank-Bilanzen war ja absehbar, auch wenn es aufgrund des schubmäßigen Verlaufes z.T. keine so formschöne Kurven sind. Die Richtung stimmt! ;-)

  5. Avatar

    Peter Schwarz

    20. Mai 2020 06:49 at 06:49

    Parabolische Charts fallen meistens total zusammen weil sie eine Übertreibung abbilden.Da die Verschuldung kaum fallen kann, muss die Übertreibung über Nebenwirkungen abgebaut werden.
    Hat man schon überlegt wie die US-Altersvorsorge finanziert wird, die früher mit jährlichen Renditen
    von ca.8% getragen wurde.
    Aktien u.Anleihenkurse sind ausgereizt, Zinsen u.Dividenden werden immer weniger.Die USBanken , die bisher gut dastanden werden mit den Nullzinsen das gleiche Schicksal wie die EU- Banken erleiden.
    Immerhin wehrt sich die USA noch gegen Negativzinsen, weil sie wissen dass das SELBSMORD für die Banken ist. Die Krall – Kritiker müssen irgendwann einsehen ,dass er Recht hat.Um die Krall-Thesen zu begreifen braucht es eigentlich nur sehr, sehr wenig gesunden Menschenverstand.
    Der Grossteil der Welt ist auf dem Weg wie ihn z.B. Argentinien u.andere Schuldenländer gingen
    u.dort funktioniert doch das Schuldenmachen auch.Wir leben in jeder Beziehung auf Kosten der nächsten Generation, die nächste Generation muss nur schauen dass sie den SCHWARZEN PETER weitergeben kann.

    • Avatar

      thinkSelf

      20. Mai 2020 14:22 at 14:22

      immer dieses Missverständnis mit der „zukünftigen Generation“. Es gibt nämlich kein Schuldenproblem ZWISCHEN den Generationen, sondern nur INNERHALB einer Generation. Denn da die Schulden des Einen immer das Geldvermögen des Anderen sind, ist der Saldo aus Schulden und Vermögen zwischen den Generationen immer 0.

      Aber das die Vermögensbesitzer nicht wollen, das sich das rumspricht, ist natürlich verständlich. Sonst stellt noch jemand die Verteilungsfrage.

      Die Argentinier machen es ganz einfach. Schulden aufbauen, dann Bankrott gehen. Etwas warten (da reichen zwei, drei Jahre) und dann kann man wieder neue Schulden aufnehmen. Eigentlich ganz schön schlau. Es soll ja immer noch Deppen geben, die meinen man müsste Schulden zurückzahlen. In Germanien gibt es davon besonders viele.

      • Avatar

        Bernhard Inanc

        16. Juni 2020 16:50 at 16:50

        Also ich krieg immer böse Briefe bei Schulden.Bin halt auf dem Niveau wo der Schuldner mehr verliert als der Gläubiger ;-) Wie wohl 99,99% der Menschen

  6. Avatar

    retniw

    20. Mai 2020 16:04 at 16:04

    Eigentlich müssen wir uns keine Gedanken über die vielen Schulden machen, die müssen eh unsere Urenkel und Ururenkel bezahlen und die werden wir nie kennen lernen, wenn sie uns mal später dafür verantwortlich machen :)))

  7. Avatar

    Roberto

    20. Mai 2020 17:05 at 17:05

    Auch ich finde. das wir uns viel zu viele Gedanken um die Schulden in irgendeiner Zukunft machen. Wer weiß was die Zukunft meiner Enkel oder Urenkel bringen wird ??? Niemand. Vielleicht sind meine Urenkel ja in der Situation das sie sogar Kapital daraus schlagen und davon profitieren. Vielleicht aber auch nicht. Aber so ist es nunmal. Ich habe meinen Urgroßvater niemals kennengelernt. Wenn er aber zu einer Generation gehören würde die mir heute Schulden eingebrockt hätte, dann würde ich trotzdem niemals auf die Idee kommen ihn zu hassen oder dafür verantwortlich zu machen. Jede Zeit hat ihre Berechtigung.

    • Avatar

      Gerd

      16. Juni 2020 16:56 at 16:56

      Schwerwiegende geschichtliche Ereignisse ziehen sich durchaus über mehrere Generation

Hinterlassen Sie eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

ACHTUNG: Wenn Sie den Kommentar abschicken stimmen Sie der Speicherung Ihrer Daten zur Verwendung der Kommentarfunktion zu.
Weitere Information finden Sie in unserer Zur Datenschutzerklärung

Allgemein

Richard David Precht: Künstliche Intelligenz und unsere Zukunft!

Markus Fugmann

Veröffentlicht

am

„Wir gehen in die zweite ganz große industrielle Revolution hinein!“, sagt der Philosoph Richard David Precht. Damit stehen wir vor einscheidenden Veränderungen nicht nur der Wirtschaft, sondern auch der Gesellschaft. Die erste industrielle Revolution beendete die Herrschaft des Adels und der Kirche – die derzeit ablaufende zweite Revolution durch künstliche Intelligenz verändert vor allem die Arbeitswelt und damit die Produktionsverhältnisse grundlegend. Nun versuchen uns Ökonomen stets zu versichern: kein Problem, es fallen zwar viele Jobs weg, aber es würden eben auch viele neuartige Jobs geschaffen werden. Das ist eine schöne Perspektive, sie hat aber leider einen kleinen Makel: sie stimmt nicht, sagt Richard David Precht zur sogenannten „Kompensations-Theorie“.

Die Menscheit jedenfalls ist durch diesen Wandel überfordert, der Boden, auf dem wir stehen, wackelt erheblich – und so entsteht zunächst einmal die Sehnsucht danach, die gute alte Welt mit ihren Werten wiederzubeleben. Ausdruck dieses Versuchs sind etwa Trumpin den USA oder die AfD in Deutschland. Aber einer der einschneidenden Änderungen im politischen Bereich wird sein, dass die Parteien, die mit der ersten industriellen Revolution entstanden und aufgestiegen waren, unter gehen werden.

Richard David Precht über schwache KI und starke KI

Richard David Precht unterscheidet zwischen schwacher und starker künstlicher Intelligenz – und führt Beispiele an, worin sich diese beiden unterscheiden. Was bedeutet das aber für uns praktisch? Wird vor allem durch „starke“ KI, also einer KI, die tiefgehende Lernprozesse leisten kann, etwa der Niedriglohn-Sektor wegfallen? Eher nicht – denn je mehr Menschen in bestimmten Bereichen verdienen, umso interessanter wird der Einsatz einer starken KI zur Kosten-Ersparnis, während sich der Einsatz im Niedriglohnsektor gar nicht lohnen würde.

Was bleibt, was wird untergehen – und welche Bereiche werden sich durchsetzen? Es werde derjenige technische Fortschritt kommen, der gesellschaftlich akzeptiert wird, dazu ein Bedürfnis befriedigt und sich gleichzeitig zu einem erfolgreichen Geschäftsmodell machen läßt, sagt Richard David Precht. Folgender Vortrag des Philosophen ist ein „must see“!

Hier klicken, um den Inhalt von YouTube anzuzeigen

Der Philosoph Richard David Precht über Künstliche Intelligenz

Richard David Precht

Von Foto: © JCS‘, CC BY 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=62733272

weiterlesen

Allgemein

Arbeitsmarkt positiv gestimmt? Mehr neue Jobs bei IT als Entlassungen in der Gastronomie?

Claudio Kummerfeld

Veröffentlicht

am

Laptop mit Aufklebern

Kann das wirklich sein? Ist es das vorgezogene Weihnachtswunder am deutschen Arbeitsmarkt, mitten im zweiten Lockdown? Wenn man ein Wirtschaftsforschungsinstitut für verlässlich und seriös hält, dann doch in erster Linie das ifo-Institut! Und man möchte den Forschern bei ifo wirklich nichts Böses unterstellen. Aber ist es wirklich realistisch, dass die Stimmung am deutschen Arbeitsmarkt derzeit sogar besser wird, weil die IT-Dienstleister mehr neue Stellen schaffen wollen, als gleichzeitig in Restaurants, Bars, Hotels, Reisebüros etc verloren gehen?

Kann man sich das vorstellen? Gibt es überhaupt zehntausende oder hunderttausende neue IT-Experten in Deutschland, die auch so viele neue Stellen besetzen können? Ist die Nachfrage nach solchen Dienstleistungen wirklich so stark gestiegen in den letzten Wochen? Klar, dank Corona verlagert sich sehr viel des Geschäftslebens ins Internet. Aber wirklich, nochmal mit gesundem Menschenverstand nachgedacht: Können diese neuen Jobs hunderttausende Jobs ersetzen, die bei Gastro und Co verloren gehen? Es fällt wirklich schwer das zu glauben.

Aber das ifo-Institut hat sich das nicht ausgedacht. Nein, man macht für sein Beschäftigungsbarometer Umfragen bei ca 9.500 Unternehmen. Sie werden gebeten ihre Beschäftigtenplanungen für die nächsten drei Monate mitzuteilen. Also, kann das wirklich sein? Die IT fängt den Arbeitsmarkt auf in dieser Krise? Hier die Aussagen vom ifo-Institut im Wortlaut:

Etwas mehr deutsche Unternehmen als im Oktober denken über Neueinstellungen nach. Das ifo Beschäftigungsbarometer ist im November auf 96,7 Punkte gestiegen, von 96,4 Punkten im Oktober. Die zweite Welle hat vorerst keine größeren negativen Auswirkungen auf den deutschen Arbeitsmarkt. Die Entwicklung ist jedoch über die Branchen hinweg sehr heterogen.

In der Industrie ist das ifo-Barometer leicht gestiegen. Jedoch ist die Zahl der Unternehmen mit Entlassungsplänen weiterhin größer als die jener, die mit steigenden Mitarbeiterzahlen rechnen. Die Dienstleister planen eher Mitarbeiter einzustellen. Getragen wird die Entwicklung vor allem von den IT-Dienstleistern. In der Reisebranche und dem Gastgewerbe dagegen sind Entlassungen nicht zu vermeiden. Im Handel hat das Barometer leicht nachgegeben. Dort planen die Firmen derzeit mit konstanten Mitarbeiterzahlen. Die Bauindustrie sucht weiter neue Mitarbeiter, um ihre aktuellen Aufträge abarbeiten zu können.

Hier die vier Einzelsektoren mit einzelnem Chart:

Grafiken zeigen Beschäftigungsbarometer für den deutschen Arbeitsmarkt

weiterlesen

Allgemein

Markus Krall und Marc Friedrich: Crash 2021, Gelddrucken ersetzt Denken

Redaktion

Veröffentlicht

am

Von

Markus Krall spricht über die Hyperinflation, in der Geld entwertet wird

Markus Krall und Marc Friedrich unterhalten sich im folgenden Gespräch über die aktuelle Krise, den möglicherweise anstehenden großen Crash, und die Zeit danach. Einig sind sich die beiden, dass es 2021 los gehen wird mit dem wirtschaftlichen Zusammenbruch. Markus Krall formuliert es recht klar, dass die Wirtschaftskrise längst da sei. Sie sei nur noch nicht bilanziert worden. Durch Maßnahmen wie die Aussetzung der Insolvenzantragspflicht sei die Krise bei Unternehmen und in Bankbilanzen nur noch nicht richtig transparent sichtbar.

Markus Krall und Marc Friedrich sehen die Hyperinflation

Markus Krall kann man aufgrund seiner zahlreichen Tweets über die Corona-Maßnahmen der Politik kritisch betrachten. Das sollte Kommentatoren und geneigte Beobachter aber nicht davon abhalten, seinen höchst interessanten Aussagen zur wirtschaftlichen Gesamtsituation zuzuhören, die er seit Monaten öffentlich präsentiert. Denn er ist absoluter Bankeninsider, und hat die letzten Jahre eine große Bankenkrise vorhergesagt. Zusammen mit Marc Friedrich bespricht er im folgenden Video Punkt für Punkt wichtiger Themen rund um die aktuelle Krise und zukünftige Entwicklungen.

Wichtig ist, was die nächsten Quartale passieren wird. Einig sind sich Marc Friedrich und Markus Krall, dass wir derzeit in einer deflationären Phase sind, auf die zwingend eine kräftige Inflation folgen soll. Nur wie schnell die Preise in eine Hyperinflation umschlagen, das könne man nicht genau vorhersehen. Entscheidend hierbei ist unter anderem, wann die Geldumlaufgeschwindigkeit anspringen müsste. Sehen Sie beim Klick an dieser Stelle genau zu diesem Punkt interessante Ausführungen von Hans-Werner Sinn.

Die EZB als großes Problem

Ein wichtiger Punkt im Gespräch zwischen Markus Krall und Marc Friedrich ist auch die zentral wichtige Rolle der EZB. Sie arbeite derzeit am digitalen Euro. Die EZB wisse, dass eine Hyperinflation (hier die Begriffserklärung) drohe. Sie wisse auch, dass die Leute aus dem Geld fliehen würden, wenn sie das Vertrauen darin verlieren. Mit einem digitalen Euro hätte die EZB Kontrolle über das gesamte Konsumverhalten der Menschen, und könnte zum Beispiel bestimmen, wie viel Geld die Bürger maximal in einem bestimmten Zeitraum ausgeben dürfen. Die Rolle der EZB insgesamt sehen die beiden grundsätzlich mehr als kritisch.

Der große Knall

Markus Krall macht wenig bis gar keine Hoffnung auf eine Rettung unseres jetzigen bestehenden Geldsystems. Der große Crash werde kommen. Je länger EZB und Politik die Probleme hinauszögern würden, desto schlimmer werde der unausweichliche große Knall sein. Immer mehr gesunde Firmen würden sich derzeit anstecken, weil sie als Lieferant zum Beispiel unwissentlich Forderungen gegenüber Zombieunternehmen aufbauen würden, die Forderungen nicht begleichen können. Auch wenn man die Aussicht der beiden auf eine Hyperinflation und einen großen Systemkollaps nicht zwingend teilen muss, so sind ihre Ausführungen und die Zustandsbeschreibungen der aktuellen Lage doch hochinteressant!

Hier klicken, um den Inhalt von YouTube anzuzeigen

weiterlesen

Anmeldestatus

Meist gelesen 7 Tage