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Gold/Silber

Warum der Goldpreis die V-förmige Erholung schafft

Hannes Zipfel

Veröffentlicht

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Gold Beispielfoto

Nach dem Sell-Off am letzten Handelstag im Februar konnte sich der Goldpreis in dieser Woche V-förmig erholen. In US-Dollar nähern sich die Notierungen des gelben Edelmetalls bereits wieder den zyklischen Höchstständen an. In Euro nimmt der Goldpreis erneut sein Allzeithoch ins Visier.

Der Terminmarkt drückte den Goldpreis, die physische Nachfrage stützte ihn

Das Comeback, das derzeit beim Goldpreis zu beobachten ist, ist atemberaubend. Der Preis des gelben Edelmetalls hatte am Montag, den 24. Februar um 10:15 Uhr (MEZ) mit 1.683 US-Dollar pro Unze zunächst ein neues zyklisches Hoch erreicht. Den ersten Schlag bekam Gold ab, als über die US-Terminbörse quasi aus dem Nichts um 20:15 Uhr (MEZ) Goldkontrakte im Gegenwert von 3 Mrd. US-Dollar auf den Markt geworfen wurden. Hier kann man nur mutmaßen, welches Interesse hinter diesem Abverkauf stand. Nach einer ebenso schnellen Erholung der Preise bröckelten die Notierungen anschließend jedoch langsam wieder ab. Zum Ende der letzten Februarwoche hin beschleunigte sich die Talfahrt und endete am Freitag, den 28. Februar, mit einem Abschlag zum Wochenhoch von 107 US-Dollar oder 6,4 Prozent bei 1.576 US-Dollar pro Unze.

Vor allem die Kaskade an Margin-Calls am US-Terminmarkt brachte den Goldpreis am Freitag unter Druck. Allein am 28. Februar wurden Future-Kontrakte im Volumen von 2.500 Tonnen an den US-Börsen der CME Group gehandelt. Dieses Handelsvolumen entspricht 57 Prozent der Weltjahresproduktion bei Gold. Zur CME Group gehören das Chicago Board of Trade (CBoT), die New York Mercantile Exchange (NYMEX), die New York Commodities Exchange (COMEX) sowie die CME Globex.

Immer wieder die hochriskanten Terminmärkte

Da an den Terminmärkten nur ein Bruchteil des Warenwertes in Bar hinterlegt werden muss, kann es im Falle schneller Abverkäufe rasch zu Nachschusspflichten kommen, da das hinterlegte Eigenkapital von den Kursverlusten aufgezehrt wurde. In diesem Fall erhält der Future-Händler einen Anruf von der depotführenden Stelle (Margin Call) mit der Aufforderung, Geld nachzuschießen. Kann oder will der Inhaber der Goldkontrakte kurzfristig kein Bargeld auf das Brokerkonto überweisen, muss die Position glattgestellt werden oder sie wird zwangsliquidiert (exekutiert). Diese Problematik hatte auch die US-Aktienindizes in der letzten Februarwoche stark belastet – allerdings prozentual ca. doppelt so stark wie den Goldpreis.

Ganz anders präsentierte sich jedoch das Bild bei den rein physischen, nicht kreditgehebelten Goldinvestments: Hier blieb die Nachfrage nach Gold anhaltend hoch, sowohl bei den Barren und Münzen als auch bei den physisch gedeckten ETF. Seit Jahresbeginn flossen netto 113 Tonnen Gold in die bekannten Lager der weltweiten ETF. Davon allein 61 Tonnen im Januar 2020 mit einem Gegenwert von 3,1 Mrd. US-Dollar sowie nochmals 52 Tonnen im Gegenwert von 2,6 Billionen US-Dollar im Februar. Damit erreichen die Gesamtbestände der goldgedeckten ETF zum 29. Februar ein neues Rekordvolumen in Höhe von 3.000 Tonnen. Ein ähnliches Szenario spielte sich nach der Lehman-Pleite 2008 ab: Während die Terminmarktkontrakte reihenweise zwangsliquidiert wurden, blieb die physische Nachfrage sehr robust. Diese Nachfrage nach dem echten Metall war es auch, die den Markt schnell wieder stabilisierte.

Chart für Goldpreis in US-Dollar

In Euro zeichnete sich ein ähnliches Bild ab, nur dass hier zum Wochenauftakt am Montag noch ein neuer Rekord beim Goldpreis in Höhe von 1.561 Euro pro Unze erreicht werden konnte. Die letzte Februarwoche beendete der Goldpreis in Euro vom Hoch aus gesehen 8 Prozent tiefer bei 1.436 Euro pro Unze. Doch auch dieser Verlust konnte bereits zu fast zwei Drittel wieder aufgeholt werden. Die Tatsache, dass sich der Goldpreis in Euro momentan etwas schwerer tut als in US-Dollar, liegt an der aktuellen Dollarschwäche.

Goldpreis in Euro im Chartverlauf

Goldpreis in einer Win-win-Situation

Anders als an den Aktienmärkten kommt die aktuelle Gemengelage in jeder Hinsicht dem Goldpreis zu Gute, vor allem, seitdem die Notenbanken weltweit den ökonomischen Herausforderungen des Coronavirus mit noch laxerer Geldpolitik in Form von Geldmengenausweitung und Zinssenkungen begegnen. Besonders die außerordentliche Senkung des US-Leitzinses an diesem Dienstag um 50 Basispunkte beflügelte den Goldpreis in US-Dollar. Die Opportunitätskosten der zinslosen Alternativwährung haben sich damit weiter deutlich zurückgebildet. Der US-Dollar bietet nun kaum noch einen Zinsvorteil gegenüber Gold aber dafür jede Menge mittel- und langfristige Risiken. So hat der US-Dollar allein seit dem Jahr 2000 über 80 Prozent seiner Kaufkraft gegenüber Gold eingebüßt. Seit der Schließung des Goldfensters im August 1971 durch Präsident Richard Nixon sind es bereits 96 Prozent.

Die schnelle Erholung des Goldpreises hat auch mit der Erwartung zu tun, dass weitere Zinssenkungen folgen werden. So hat sich der US-Notenbankgouverneur James Bullard heute dahingehend geäußert, dass er eine weitere Zinssenkung am 18. März um 25 Basispunkte (0,25 Prozent) für „denkbar“ halte. Das „The Wall Street Journal“ bestätigt diese Aussage. Mittlerweile häufen sich auch die Forderungen nach einer Ausweitung des bereits laufenden Anleihekaufprogramms der Fed. Der Anleihespezialist Pimco fordert darüber hinaus ein Aufkaufprogramm speziell für hypothekenbesicherte Wertpapiere (MBS). Bereits jetzt kauft die US-Fed Staatsanleihen im Volumen von 65 Mrd. US-Dollar pro Monat auf. Die dabei neu erzeugte Geldmenge wird aktuell nicht durch Gegengeschäfte neutralisiert, was die Gesamtgeldmenge weiter erhöht (Geldmengeninflation).

Bereits am 12. März findet die nächste offizielle Zinssitzung der Europäischen Zentralbank (EZB) statt. Hier erwarten Ökonomen eine Zinssenkung um 0,1 Prozent. Zudem hatte die EZB-Präsidentin Christine Lagarde zuletzt neue Liquiditätsspritzen in Form von TLTROs (Targeted Longer Term Refinancing Operations) ins Spiel gebracht, mithilfe derer besonders günstige Kredite an kleine und mittlere Unternehmen (KMUs) unbürokratisch von Geschäftsbanken vergeben werden können. Auch das erhöht die Geldmenge und die Verschuldung zusätzlich. Auch andere Zentralbanken haben bereits mit Zinssenkungen und Liquiditätsspritzen reagiert, so wie die People´s Bank of China (PBoC) oder erst am Mittwoch die Reserve Bank of Australia (RBA). Die Bank of Japan denkt über eine Ausweitung ihres ohnehin weltweit beispiellosen Ankaufprogramms für Staatsanleihen, Aktien und ETF zur Stützung der Märkte „intensiv“ nach.

Aktuelle Maßnahmen auch langfristig gut für Gold

Wie ich in meinem gestrigen Artikel zu der Notzinssenkung der Fed bereits detailliert ausführte, werden sich die Wirtschaftssubjekte und die Finanzmärkte sehr schnell an die nochmals laxere Geldpolitik gewöhnen und eine Entwöhnung ist anschließend nahezu unmöglich, wie es der im Dezember 2018 abgebrochene Versuch der US-Notenbank eindrucksvoll gezeigt hat (Thema Zinsnormalisierung).

Die erhöhte globale Geldmenge sowie die historisch niedrigen Zinsen bleiben dem Goldpreis als konstruktives Umfeld also längerfristig erhalten. Zumal sich durch die ökonomischen Folgen des Coronavirus die Schulden von Staaten, Unternehmen und Privatpersonen auf neue Rekordniveaus erhöhen werden. Verantwortlich dafür sind neben den günstigeren Kreditkonditionen auch Mindereinnahmen beim Fiskus, bei Unternehmen und Privathaushalten sowie bei Banken, die weitere Schuldenaufnahmen erzwingen, um die Solvenz zu sichern. Banken müssen sogar durch Pleitewellen eine Verschlechterung ihrer Kreditportfolios fürchten und die weitere Erosion ihrer Zinsmarge durch die Zinssenkungen der Notenbanken. Alles in allem also ein ideales Umfeld für die weitere positive Entwicklung des Goldpreises.

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Devisen

Aktuell: Goldpreis fällt 30 Dollar nach guten US-Daten

Claudio Kummerfeld

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Ein Stapel Barren aus Gold

Der Goldpreis fällt in den letzten Minuten von 1.867 auf 1.837 Dollar. Gleichzeitig springt der US-Dollar nach oben. Der Dollar-Index (Währungskorb) steigt von 92,10 auf 95,49 Indexpunkte. Der Grund dahinter ist zu finden in den vorhin veröffentlichten Einkaufsmanager-Daten aus den USA, die deutlich besser ausfielen als erwartet (hier die Details). Die veröffentlichten Preise zeigen einen Rekordanstieg – dadurch, so die Logik, entsteht Inflations-Druck, was wiederum die US-Notenbank perspektivisch zu Zinsanhebungen zwingen könnte!

Im Chart sehen wir den Goldpreis-Verlauf seit Freitag in rot-grün gegen den US-Dollar in blau. Die negative Korrelation zwischen Gold und US-Dollar ist mehr als eindeutig. Beim Klick an dieser Stelle finden Sie unsere Bericherstattung von heute Mittag über Gold, und welche Faktoren bis 15:45 Uhr den Goldpreis bewegt hatten.

Chart zeigt Verlauf von Goldpreis gegen US-Dollar

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Allgemein

Was den schwachen Goldpreis aktuell bewegt

Claudio Kummerfeld

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Ein Barren aus Gold

Der Goldpreis ist die letzten Tage ohne Stärke unterwegs. Eigentlich ist das merkwürdig, denn der US-Dollar schwächelt seit Tagen, und müsste Gold (das in Dollar gehandelt wird) daher doch eigentlich Auftrieb geben. Der Dollar-Index (Währungskorb des US-Dollar gegen andere Hauptwährungen) hat binnen einer Woche von 92,80 auf 92,18 Indexpunkte verloren.

Corona-Impfstoffe dämpfen Aufwärtstrieb im Goldpreis

Mit aktuell 1.865 Dollar sieht man, dass die seit Donnerstag letzter Woche kurz aufgeflackerte Erholung mit Anlauf Richtung 1.900 Dollar wieder verpufft ist. Eindeutig ist zu sehen, dass die Anleger, die über das Vehikel der ETF (Exchange Traded Funds, hier die Begriffserklärung) in Gold investieren, letzte Woche auf der Verkäuferseite waren mit gut 30 Tonnen. Der folgende aktuelle Chart der Commerzbank zeigt seit Jahresanfang in gelb den Goldpreis-Verlauf, und in schwarz die Gold-ETF-Bestände. Die Nachfrage schlafft derzeit ab.

Chart zeigt ETF-Bestände in Gold im Vergleich zum Goldpreis

Die letzte wie auch die vorletzte Woche waren die Kapitalmärkte gefangen im Fieber der Corona-Impfstoff-Hoffnung. Nach Biontech und Pfizer kam letzte Woche Moderna mit einem fertigen Impfstoff, und heute früh dann auch noch AstraZeneca. Daher laufen die Aktienmärkte auch heute zum Wochenstart erfreulich nach oben. Alles was die Märkte positiv stimmt für eine Erholung der Weltwirtschaft, schwächt tendenziell den „Sicheren Hafen“ namens Gold. Im Chart sehen wir den Goldpreis im Verlauf der letzten 30 Tage. Der große Absturz in der Mitte des Charts rührt her von der ersten Impfstoff-Meldung gegen das Coronavirus vom 9. November von Biontech und Pfizer.

Laut heutiger Aussage des Commerzbank-Analysten Carsten Fritsch dürfte der aktuelle Optimismus hinsichtlich der Impfstoffe dagegen sprechen, dass es schon in Kürze zu einem neuerlichen Run auf die Gold-ETFs kommt. Entsprechend gedämpft sei der kurzfristige Ausblick für den Goldpreis. Die spekulativen Finanzanleger seien seiner Meinung nach durch den Preisrutsch Mitte letzter Woche offensichtlich auf dem falschen Fuß erwischt worden. Denn sie weiteten ihre Netto-Long-Positionen in der Woche zum 17. November auf gut 90.000 Kontrakte aus, nachdem sie diese in der Woche zuvor reduziert hatten. Entsprechend dürfte der Preisrückgang auf rund 1.850 Dollar letzten Mittwoch seiner Meinung nach auch durch spekulative Verkäufe begünstigt worden sein.

Mittel- und langfristig bergauf?

Bleibt es bei dem Szenario, welches wir letzte Woche schon erwähnten? Kurzfristig bleibt der Goldpreis trotz schwachem US-Dollar und dank der Corona-Impfstoff-Hoffnungen schwach? Aber mittel- und langfristig sieht man wieder Kurse über 1.900 Dollar und auch Richtung 2.000 Dollar? Das ist die Frage. Denn im großen Bild, da ist die Meinung der Notenbanker ja relativ eindeutig, wie man die letzten Tage und Wochen auch bei der EZB heraushören konnte. Die Geldpolitik (Anleihekäufe und Zinsen) wird noch sehr lange Zeit extrem locker bleiben, um die wirtschaftliche Erholung der Volkswirtschaften zu unterstützen. Also weiterhin Optimismus im größeren Bild für einen steigenden Goldpreis? Dieses Szenario bleibt vorhanden.

Chart zeigt Goldpreis-Verlauf in den letzten 30 Tagen

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Bitcoin

Bitcoin: ein gigantisches Ponzi-Schema? Und was ist mit Gold?

Markus Fugmann

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Ist Bitcoin – im Gegensatz zu Gold – eine Art Ponzi-Schema? Das hatte der ehemalige Hedgefonds-Manager Jesse Felder in einem Artikel postuliert: Bitcoin sei ein reines Spekulationsobjekt, eine Blase, von der vor allem jene profitierten, die früh eingestiegen seien. Es habe – anders als Gold – keinen inneren Wert und sei auch kein wirkliches Zahlungsmittel:

„Ponzi schemes can work out great for early adopters. But that doesn’t make bitcoin, in any shape or form, a good investment or even a store of value, especially for those late to the game.“

Weil es als Zahlungsmittel praktisch komplett unbedeutend sei, habe Bitcoin eben im Gegensatz zum Fiat-Geld keinerlei Funktion als Währung:

„Because bitcoin provides neither “safety of principal” nor “an adequate return” it therefore can only be considered speculative. Furthermore, because bitcoin is not used as a medium of exchange nor provides any store of value, I can’t view it as a currency alternative either.“

Bitcoin – alle Fragen bleiben offen

Die durch den Kursanstieg immer euphorischeren Fans der Kryptowährung reagierte naturgemäß erbost – „Bitcoiners are crying foul“, wie es in einem Erwiderungs-Artikel hieß. So stimme der Vorwurf von Felder nicht, wonach Bitcoins durch forks wie Bitcoin Cash oder Bitcoin Gold doch vermehrbar sei:

„Bitcoin believers rely entirely on the idea that bitcoin is limited in supply making it far more attractive than fiat currencies that are being printed like mad by central bankers around the world. However, bitcoin has already hard forked several times, multiplying the number and type of bitcoins in circulation“.

Fakt ist: Das stimmt natürlich, allerdings sind diese Forks eben doch eine Art von Inflation durch die Schaffung stets neuer Kryptowährungen. Bitcoins gibt es nur in begrenzter Menge, aber es gibt potentiell unendlich viele Kryptowährungen.

Fakt ist jedoch ist auch, dass Bitcoin als Zahlungsmittel derzeit praktisch (noch?) keine Rolle spielt. Mithin steht die Frage, ob es sich hier wirklich um eine Währung handeln kann, noch aus. Das sagt Robert Vitye in einem Interview mit Florian Homm – bei Gold sei das dagegen seit vielen Tausend Jahren der Fall, es habe sich als Wertspeicher durchgesetzt. Gleichwohl seien dezentrale Geld-Systeme grundsätzlich gut, aber die „Feuertaufe“ bei Bitcoin stehe eben noch aus, sagt – aus unserer Sicht zurecht – Robert Vitye:

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Ist Bitcoin - im Gegensatz zu Gold - ein Ponzi-Schema?

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