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Warum die Schweiz wohl noch sehr lange die Negativzins-Bastion bleiben wird

Einmal mehr macht die Schweizerische Nationalbank (SNB) klar, dass der satte Negativzins von -0,75% noch lange anhalten wird. Zumindest wird die Größenordnung wohl noch lange so bleiben…

Redaktion

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FMW-Redaktion

Einmal mehr macht die Schweizerische Nationalbank (SNB) klar, dass der satte Negativzins von -0,75% noch lange anhalten wird. Zumindest wird die Größenordnung wohl noch lange so bleiben. Das geht aus Äußerungen hervor, die SNB-Chef Thomas Jordan aktuell gegen über der SZ abgab. Zunächst einmal ist interessant, dass Jordan nochmal auf den legendären 15.01.2015 einging, als man völlig unerwartet seitens der SNB die Stützung der 1,20er-Marke im Euro vs Schweizer Franken aufhob. Der Franken explodierte und wertete sofort auf. Jordan sagte hierzu, dass sich die Situation in den Tagen vorher schnell dramatisch verschlechtert habe. Hätte man (mit der künstlichen Schwächung des Franken) weitergemacht, seien weitere hunderte Milliarden Franken notwendig gewesen um diese Kursschwelle zu halten.


SNB-Chef Thomas Jordan. Foto: SNB

Daraus kann man sinngemäß schlussfolgern: Der Druck des Devisenmarktes war zu der Zeit extrem. Und auch nach dem großen Knall, als der Franken sofort drastisch aufwertete, hat die SNB weiterhin im laufenden am freien Devisenhandel immer wieder interveniert, aber diesmal ohne eine feste Schwelle zu stützen. Aus dem Fehler hat man wohl gelernt. Legt man erstmal eine Marke fest die man bereit ist zu verteidigen, schießt sich der Devisenmarkt darauf ein! Aus Jordan´s weiteren Aussagen lässt sich schlussfolgern, dass der Druck auch jetzt zwei Jahre später immer noch enorm sein muss, der auf den Schweizer Franken ausgeübt wird.

Kein exportorientiertes Land kann eine stetig stark aufwertende Währung gebrauchen. Aber die Schweiz ist in Sachen Geldzufluss konstant gefragt aufgrund ihres Rufs als der weltweit sichere Finanzhafen. Daher arbeitet die SNB bekanntlich nicht nur mit den Interventionen am Devisenmarkt, sondern auch mit den Negativzinsen. Damit will man ausländischen Investoren sozusagen die Milch sauer machen. Wenn ihr hier investiert, zahlt ihr kräftig drauf bei Zinsanlagen, so die Message nach außen. Aber auch das scheint bisher nicht so recht zu wirken. So muss die SNB ihre Politik fortsetzen.

Die aktuellen Aussagen von Thomas Jordan hätte man auch aus irgendeinem Interview von vor einem Jahr kopieren können. Was bedeutet das? Die Lage in der Schweiz ändert sich nicht, der Aufwertungsdruck des freiem Devisenmarkts für den Schweizer Franken scheint immer noch ungebrochen zu sein. Also wird man wahrscheinlich auch bei einer möglichen Zinswende in der Eurozone (wann mag die wohl kommen?) kaum mitziehen können. Mehr als deutlich wird das, wenn man Thomas Jordan´s Zitat hört, dass ohne die Negativzinsen von -0,75% der Franken noch stärker aufwerten könnte. Im Moment seien die Negativzinsen unverzichtbar. Und außerdem hätten die Schweizer Banken diese Strafzinsen bislang besser verkraftet als erwartet.

Was lernen wir daraus? Der Schweizer Franken bleibt weiterhin ein de facto durch die SNB regulierter oder manipulierter Kurs – der Drang von Investoren Richtung Franken bleibt stark, und die SNB versucht weiter Schweizer Exporte zu erträglichen Franken-Kursen aufrechterhalten zu können. Ach ja… auch äußert sich Jordan zu den gigantischen Käufen von US-Aktien der SNB. Denn irgendwo müssen die enormen Währungsreserven ja untergebracht werden, die durch die Gelddruckerei entstehen, womit die SNB den Franken schwach hält. Solange man nur ausländische Aktien kaufe, sei innerhalb der Schweiz mit solchen Aktienkäufen ja kein Interessenkonflikt möglich, so Jordan – von daher alles kein Problem…

4 Kommentare

4 Comments

  1. Avatar

    Marcus

    6. Februar 2017 17:00 at 17:00

    Die SNB hängt von der EZB und der Eurozone ab ! Und solange wird sie auch die Politik nicht ändern können. Zum einen die Gelddruckprogramme des Herrn Draghi, und zum anderen einfach die Tatsache das die Eurozone keines ihrer vielen Probleme gelöst hat. Beides kombiniert führt zu enormen Zuflüssen in sichere Häfen wie den Franken.

    Und diese Fakten führen einfach zu permanentem Druck auf den Franken was die SNB zwingt gegenzusteuern.

  2. Avatar

    Robert14021984

    6. Februar 2017 17:29 at 17:29

    Was passiert den eigentlich wenn der US Aktienmarkt mal etwas runter kommt ?? Das müssen doch Milliarden Verluste auf die SNB zukommen …

    • Avatar

      Emm wie Meikel

      6. Februar 2017 18:22 at 18:22

      Der Zentralbank würde nichts passieren, denn die kann nicht pleite gehen. Die zum Kauf verwendeten Franken wurden und werden aus dünner Luft erzeugt.

  3. Avatar

    daulini

    7. Februar 2017 03:35 at 03:35

    Merkt denn eigentlich keiner mehr wie krank dieses System ist?

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Markus Koch LIVE vor dem Handelsstart in New York – Thanksgiving-Party

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Markus Koch meldet sich im folgenden Video LIVE vor dem Handelsstart in New York. Die steigenden Corona-Zahlen in den USA werden an der Börse derzeit ignoriert. Die Kurse kennen aktuell nur eine Richtung. Positiv zu werten ist auch, dass vermutlich die ehemalige Fed-Chefin Janet Yellen neue US-Finanzministerin werden sollte.

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Aktienmärkte: Warum einige aktive Fonds 2020 den Markt schlagen

Wolfgang Müller

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Die Aktienmärkte sind Schauplatz eines Kampfes, der von Jahr zu Jahr härter wird: Der Wettstreit zwischen den aktiven Fonds und den preisgünstigen, passiven Indexfonds (ETFs). In diesem Jahr haben einige der aktiv gemanagten Investmentfonds die Nase vorn. Ein Grund dafür ist die auch die ungewöhnliche Konzentration der Anleger allgemein auf marktschwere Titel.

Aktienmärkte: Das Dauerduell aktiv gegen passiv

Was hatte sich der in diesem Jahr verstorbene Gründer des passiven Investierens, John Bogle, anfangs für Feinde gemacht, zumeist wurde er milde belächelt! Mitte der Siebziger war Mittelmaß als Ziel eines Investments absolut verpönt, alle wollten noch die Aktienmärkte schlagen.

Doch Bogle hatte seine Mitarbeiter beauftragt, alle im S&P 500 enthaltenen Aktien entsprechend ihrer Gewichtung zu kaufen und damit den bekannten Börsenindex einfach nachzubilden.

Damit schuf Bogle den ersten Indexfonds (Vanguard 500), mit einem aus heutiger Sicht mickrigen Volumen von 11,3 Millionen Dollar.

Doch von Jahr zu Jahr steigt die Anlagesumme in die passiven Anlagevehikel, vor gut zehn Jahren wurde die Billionen-Grenze überschritten, mittlerweile ist die von BlackRock, Vanguard, State Street dominierte Branche bei weit über sechs Billionen Dollar angelangt.

Natürlich lässt es sich auf Dauer nicht verheimlichen, dass es kaum einem aktiven Anlagevehikel jenseits der 10-Jahresfrist gelingt, den Index und damit auch den entsprechenden Exchange Traded Fund zu schlagen. Am allerwenigsten den Leitindex der Aktienmärkte, den S&P 500 als Benchmark – insgesamt liegt die Underperformance bei über 90 Prozent in den großen Märkten.

Ich habe es vor kurzem in einem Artikel dargelegt, welche Folgen es hat, wenn man in einem Jahrzehnt auch nur die zehn besten Handelstage der Aktienmärkte versäumt.

2020 und die extreme Outperformance von Growth

Blicken wir nun auf den heimischen Markt, wo die Entwicklung natürlich einmal mehr den amerikanischen Vorbildern folgt. Hier gibt auch BlackRock den Ton an mit seinen iShares, gefolgt von Lyxor und den XTrackers von DWS, einer Tochter der Deutschen Bank. Gefolgt von UBS, Amundi, Invesco und Deka Investments und damit sind auch die deutschen Sparkassen im Geschäft.

Wie eine Auswertung des Fondsverbands BVI zeigt, haben in den Privatanleger-Depots es einige der alten Namen aus der aktiven Branche geschafft, ihre Vergleichsindizes zu schlagen. Produkte der DWS, der Deka oder der Allianz Group und aus dem Kreise derer, die schon über ein Jahrzehnt am Markt sind. Und dies gilt auch schon für ein paar Jahre, obwohl für diese Produkte die teuren Konditionen mit dem Ausgabeaufschlag und der jährlichen Jahresgebühr von deutlich über ein Prozent p.a. gelten. Wie ist diese Performance zu erklären?

Es waren zum Teil die internen Vorschriften, die den aktiven Fondsmanagern geholfen haben – und nicht die besondere Aktienauswahl.

Man hatte innerhalb der Aktienmärkte auf Aktien gesetzt, die eine hohe Marktkapitalisierung aufwiesen, so genannte Blue Chips – und was lief in den letzten Jahren besonders gut?

Klar, der Tech-Bereich mit Titeln wie Amazon, Apple oder Microsoft, Aktien, die in den Fonds zum Teil noch stärker gewichtet waren, als zum Beispiel im S&P 500 oder im MSCI World. Aber bereits seit Anfang September ist so etwas wie eine Branchenrotation feststellbar, verstärkt durch das Ergebnis des Wahlausgangs in den USA sowie den letzten Ereignissen im Zusammenhang mit der Impfstoffentwicklung.

Anders ausgedrückt: Was passiert, wenn die Big Player wieder auf ein „normales“ Wachstumstempo zurückfallen, um nur eine milde Kursentwicklung zu prognostizieren?

Fazit

Aus den letzen Überlegungen wird deutlich, wie schwierig es in Zukunft bleiben wird, mit spezieller Aktien-Einzelauswahl die Aktienmärkte zu schlagen. Wird es zu einer bleibenden Branchenrotation von Growth zu Value kommen, oder hält sich das Wachstum der Big Seven, oder auch der FAANG-Aktien noch eine Weile?

Man braucht sich nur den explosiven Anstieg einiger Corona-Aktienopfer seit der Impfstoffmeldung von BioNTech/Pfizer zu betrachten. Wie stark wird es noch zu großen Umschichtungen in den großen Depots, insbesondere zum Jahreswechsel kommen? Der 9. November könnte bedeutsamer gewesen sein, als bisher angenommen. Der Anstieg des Nasdaq 100 von seinem Tief vom 6. März 2009 bis zu seinem Hoch am 2. September 2020 mit sagenhaften 1154 Prozent sollte irgendwann korrigiert werden, Kurse (speziell von Indizes) wachsen nie in den Himmel. Der Dax brachte es in diesem Zeitraum auf bescheidene 354 Prozent.

Die Aktienmärkte und die aktiv verwalteten Fonds

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Beschlossen: Dax mit 40 Aktien und neue Qualitätskriterien – hier die Details

Claudio Kummerfeld

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Der Wirecard-Skandal hat die deutsche Börsenlandschaft erschüttert. Ein Dax-Wert geht pleite und löst sich sang und klanglos als Luftnummer in Rauch auf. Die Vorstände sind in Haft oder auf der Flucht. Was für ein Debakel für die Deutsche Börse. Die Aufnahme- und Qualitätskriterien für die Indizes wie dem Dax waren wohl mangelhaft. Nach der Konsultation von Marktteilnehmern hat die Deutsche Börse jetzt Änderungen beschlossen. Hier alle Details, im Wortlaut von der Deutschen Börse:

Ab September 2021 wird der Leitindex DAX um zehn Werte auf insgesamt 40 Werte erweitert. Damit wird er die größten börsennotierten Unternehmen in Deutschland noch umfassender abbilden. Im Gegenzug verkleinert sich der MDAX-Index auf 50 statt bisher 60 Werte.

Ab Dezember 2020 müssen alle künftigen DAX-Kandidaten vor Aufnahme ein positives EBITDA in den zwei letzten Finanzberichten aufweisen.

Ab März 2021 wird es Bestandteil der Indexmethodologie, dass zukünftig alle Unternehmen in den DAX-Auswahlindizes testierte Geschäftsberichte und vierteljährlich Quartalsmitteilungen veröffentlichen müssen. Nach einer 30-tägigen Warnfrist führt ein Verstoß gegen diese Anforderungen unmittelbar zum Indexausschluss.

Infolge dessen entfällt für alle Unternehmen in den DAX-Auswahlindizes die Pflicht zur Notierung im Prime Standard der Frankfurter Wertpapierbörse. Die Notierung im Regulierten Markt ist künftig ausreichend. Diese neue Regel wird eingeführt, um dem Indexanbieter zu ermöglichen, im Falle einer Regelverletzung unabhängig und schneller reagieren zu können.

Zusätzlich müssen ab März 2021 alle Neuzugänge zur DAX-Familie den Empfehlungen des Deutschen Corporate Governance Kodex hinsichtlich eines Prüfungsausschusses im Aufsichtsrat entsprechen. Für bestehende Mitglieder gilt eine Übergangsfrist, um Kontinuität in der DAX-Familie zu bewahren; sie müssen die Vorgabe ab September 2022 erfüllen.

Ab 2021 gibt es bei den DAX-Indizes zweimal im Jahr eine planmäßige Hauptüberprüfung (März und September). Zurzeit gibt es eine derartige Überprüfung nur im September.

Um die Regeln zu vereinfachen, ohne jedoch auf Investierbarkeit zu verzichten, werden ab der Überprüfung im September 2021 Indexmitglieder nur noch nach Marktkapitalisierung bestimmt. Der Börsenumsatz wird bei der Rangliste nicht mehr berücksichtigt; stattdessen müssen Indexmitglieder eine Mindestliquidität aufweisen.

Nicht übernommen wird der Vorschlag zum Ausschluss von Unternehmen mit Beteiligung an kontroversen Waffen. Stephan Flägel: „Wir haben ein sehr heterogenes Meinungsbild zu den Themen Nachhaltigkeit und ESG außerhalb der Vorschläge, die wir zur Governance gemacht haben, bekommen. Es wird von vielen Seiten die grundsätzliche Frage aufgeworfen, ob diese Kriterien bei der Auswahl der DAX-Mitglieder eine Rolle spielen sollten. Deshalb werden wir den Austausch mit den Marktteilnehmern fortführen. Nachhaltiges Investieren ist und bleibt einer der wichtigsten Trends an den Finanzmärkten und wird das Investitionsverhalten in den kommenden Jahren grundlegend verändern. Das Thema ESG hat für Qontigo sehr hohe Priorität. Im März haben wir bereits den DAX 50 ESG Index gestartet und wir verfügen seit Längerem über eine breite Palette an ESG-Indizes, die wir auch künftig weiter ausbauen werden.“

Dax und MDax werden von der Deutschen Börse ermittelt
Foto: Deutsche Börse AG

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