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Was der IWF von der aktuellen EZB-Politik hält

FMW-Redaktion

Wirkt die EZB-Politik von Negativzinsen und Gelddrucken überhaupt? Wir hatten uns zu dem Thema schon diverse Male ausgelassen. Basierend auf diversen Statistiken von EU und EZB (Verbraucherpreise, Erzeugerpreise, Kreditvolumen etc) kommen wir immer wieder zum selben Schluss: Die EZB-Politik blieb bislang wirkungslos. Zuletzt stieg die Inflation minimal, weil wie auch die EZB es bestätigte, die Energiepreise ein wenig Hoffnung machen. Jetzt holen wir uns doch mal die Meinung von der weltweit als angeblichen „Autorität Nummer 1“ anerkannten Institution, dem Internationalen Währungsfonds (IWF). Denn der stellt in einer aktuellen Analyse genau diese Frage: Hat die EZB-Politik in der Eurozone bisher funktioniert?

Ganz kurz noch vorab, bevor wir zum IWF kommen: Die EZB möchte unter anderem mit ihren Negativzinsen (noch Nullzinsen für die Sparer) erreichen, dass die Menschen das Sparen leid sind, und lieber konsumieren (Fernseher kaufen). Diese Grundannahme ist aber eine rein akademische Sichtweise. Denn wie jüngste Daten zu den Sparquoten der Konsumenten in Europa zeigen, legen die Bürger immer mehr Geld auf die hohe Kante – eigentlich paradox, aber das ist dennoch logisch. Denn gerade der „brave“ Bürger, der gemäß der staatlichen Vorgaben handelt und fleißig fürs Alter spart, erhält z.B. von seiner Lebensversicherung einen Hinweis, wie stark seine zukünftige Ausschüttung gerade angepasst wird aufgrund der Nullzinspolitik der EZB.

Da der Sparer also nun weiß, dass er im Alter viel weniger Reserven haben wird als ursprünglich gedacht, wird er jetzt noch mehr sparen, um diese zukünftige Lücke aufzufüllen. Daran hatte bei der EZB wohl niemand gedacht! Aber jetzt kommen wir zum IWF. Der hält es vor allem für klug, dass die EZB den Banken-Einlagenzins für Guthaben bei der EZB in den Negativbereich gesenkt hat. Damit werde es endgültig unattraktiv für Banken ihr Geld bei der EZB zu parken – sie müssten nun verstärkt zusehen, wie sie ihre überschüssigen Cash-Bestände als Kredite herausreichen. Und genau das soll ja die Konjunktur ankurbeln. Diese Maßnahme der EZB sei bislang ein Erfolg gewesen, so der IWF.

Dadurch seien die finanziellen Konditionen erleichtert worden – vor allem die Kreditzinsen für Firmen und Haushalte seien gesunken. Dieser Effekt habe zu einem kleinen Anstieg des Kreditvergabevolumens geführt (Anmerkung: So klein, dass wir den Anstieg in den EZB-Statistiken noch nicht entdecken konnten?).
Der IWF ist aber auch der Meinung, dass die EZB fast gar keinen Spielraum mehr hat den Einlagenzins noch weiter zu senken, da es dann bald eng wird bei den Gewinnspannen der Banken. Anmerkung: Ist dieser Zeitpunkt nicht schon längst erreicht? Und was ist die Schlussfolgerung oder besser gesagt die Empfehlung des IWF? Hier zwei Zitate aus dem IWF-Text:

„Finally, the ECB’s deposit rate cuts have helped amplify the impact of its asset purchases, which are intended to spur markets and the economy. That is because banks have reduced their cash balances and instead invested it in riskier, but higher-yielding, assets.“

und

„Therefore, looking ahead, the ECB may need to rely more on purchases of assets. Additional rate cuts could weaken the effectiveness of monetary policy if lending rates fail to adjust or customers withdraw cash from banks. Focusing on asset purchases would raise asset prices and aggregate demand, while also supporting bank lending. This would also facilitate the pass-through of improved bank funding conditions to the real economy.“

Als Folge der Zinspolitik der EZB haben die Banken laut IWF also ihre überschüssige Liquidität in riskante und höher verzinsliche Kapitalanlagen gepumpt. Deshalb solle die EZB zukünftig auch selbst noch mehr auf Wertpapierkäufe setzen. Weitere Negativzinsen könnten (neben den schrumpfenden Bankgewinnen) die Bankkunden doch glatt veranlassen ihr Bargeld unters Kopfkissen zu legen. Hingegen würden Wertpapierkäufe die Preise dieser Wertpapiere hochtreiben und die generelle wirtschaftliche Nachfrage erhöhen. Klingt nach einer ziemlich klaren Botschaft: Pumpt die Blase (Aktien, Immobilien) mal weiter kräftig auf, das wirkt sich dann schon irgendwie positiv auf die reale Konjunktur aus! Sowas dürfte die EZB doch gerne hören. Vor allem kann sie solche Aussagen des IWF wunderbar in ihre eigenen Statements einfließen lassen als Nachweis dafür, dass die eigene Politik sinnvoll ist!



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1 Kommentar

  1. Die Welt steht nicht mehr lange…

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