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Wenn das Coronavirus geht, bleiben die Schulden

Hannes Zipfel

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Nach dem Coronavirus bleiben die Schulden

Noch ist der Kampf gegen das Coronavirus nicht gewonnen. Die ökonomischen Schäden sind noch nicht bezifferbar. Ein Großteil der Hilfspakete von Regierungen und Notenbanken bestehen aus Krediten, die nach der Krise entweder getilgt oder erlassen werden müssen, mit unterschiedlichen Konsequenzen.

Geschenkt gibt es auch in Zeiten des Coronavirus bislang nichts

Soeben endete die Generaldebatte im Deutschen Bundestag zum Corona-Hilfspaket. Nun wird bis heute Nachmittag über die insgesamt acht Gesetzesentwürfe in Ausschüssen weiter beraten. Anschließend erfolgt die Abstimmung über das Maßnahmenpaket. Es gilt als sicher, dass die Abgeordneten im Eilverfahren mehrheitlich zustimmen werden. Finanzminister Peter Altmaier betonte noch einmal die Dringlichkeit der Hilfen und die Prognose, dass die deutsche Volkswirtschaft in diesem Jahr schrumpfen wird. Wie stark, darüber sind sich die Konjunkturforscher noch nicht einig. Alles hängt von der Dauer der Eindämmungsmaßnahmen ab.

Der Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion Ralph Brinkhaus äußerte daher in seiner Rede die Vermutung, dass es sich nicht um das letzte Hilfspaket für Unternehmen, Selbstständige und Bürger handeln werde. Finanzminister Olaf Scholz machte klar, dass man in einer solchen Notsituation, wie sie das Coronavirus verursacht, nicht mit Geld knausern darf. In der Konsequenz wird der Bundeshaushalt in diesem Fiskaljahr die höchste Neuverschuldung in der 71-jährigen Geschichte der Bundesrepublik aufweisen. Allein für dieses erste Hilfspaket rechnet das Finanzministerium mit Kosten in Höhe von knapp 123 Mrd. Euro sowie mit Steuerausfällen in Höhe von über 33 Mrd. Euro. Daraus ergibt sich eine Neuverschuldung von ca. 156 Mrd. Euro für 2020.

Damit ist die Schuldenbremse vorerst passé, ebenso wie die mittlerweile aufgehobenen Stabilitätskriterien der Europäischen Währungsunion. Gemessen am Bruttoinlandsprodukt Deutschlands des Jahres 2019 bedeuten die Notfallregelungen zur erweiterten Schuldenaufnahme eine Neuverschuldung in Höhe von 4,5 Prozent. Im Rahmen des Nachtragshaushalts wird die Staatsverschuldung auf über 64 Prozent des BIP ansteigen. Ein Großteil der Hilfsmaßnahmen der Bundesregierung besteht aus Darlehen oder Kreditgarantien. Der Staat und die staatliche Förderbank KfW geben am Kapitalmarkt neu aufgenommenen Schulden z. B. über den Wirtschaftsstabilitätsfonds in Höhe von 600 Mrd. Euro für Unternehmen lediglich weiter.

Als reine Entschädigung ist bislang ein Betrag in Höhe von 50 Mrd. Euro für Kleinstbetriebe und Solo-Selbstständige für den Ausfall von Betriebseinnahmen im Rahmen der Eindämmungsmaßnahmen gegen das Coronavirus vorgesehen. Auch die erweiterten flexiblen Regelungen zum Kurzarbeitergeld sind eine reine Transferleistung des Staates. Aber auch diese Gelder, die die Empfänger ohne Gegenleistung behalten dürfen, erhöhen die Verschuldung des Staates. Alle aktuellen Hilfsmaßnahmen und rechtlichen Sonderregelungen der Bundesregierung sind hier aufgelistet. In Südeuropa sieht die Lage bereits kritisch aus

Dabei steht Deutschland noch relativ gut da. Kritisch wird die Situation dagegen in den bereits vor der Pandemie des Coronavirus hoch verschuldeten südeuropäischen Staaten, wie zum Beispiel in Spanien mit 97 Prozent Staatsverschuldung, in Portugal mit 120 Prozent, in Italien mit 136 Prozent und in Griechenland mit 175 Prozent. Wobei diese Schuldenstände sich auf das jeweilige Bruttoinlandsprodukt des Jahres 2019 beziehen. Besonders in Italien, das sehr stark von dem Coronavirus befallen ist, wird die Wirtschaftsleistung in diesem Jahr prozentual zweistellig einbrechen. Italiens Premierminister Giuseppe Conte hatte nach dem Hochschnellen der Opferzahlen am vergangenen Sonntag die Schließung „nicht lebenswichtiger Unternehmen“ bis auf Weiteres angeordnet. Spanien verzeichnet mittlerweile mehr Todesopfer als China und steht vor enormen wirtschaftlichen Herausforderungen.

Selbst für Deutschland erwartet das ifo Institut, je nach Länge der Krise, BIP-Rückgänge von 5 bis 20 Prozent auf Quartalsbasis im Vergleich zum Vorjahr. Wie hoch die Verschuldungsgrade in den Staaten Südeuropas nach der Corona-Krise sein werden, kann man seriös nicht prognostizieren. Es besteht jedoch die reale Gefahr, dass die Dimension der Neuverschuldung die Gemeinschaftswährung destabilisieren könnten und die Europäische Zentralbank (EZB) zu noch größeren Markteingriffen als bislang zwingt, um die Refinanzierung dieser Staaten über die digitale Notenpresse sicherzustellen. Die massive Ausweitung der Verschuldung innerhalb der Eurozone sowie die extreme Aufblähung der Geldmenge (Inflation) birgt das Risiko einer Abwertung des Euro im Außenwert sowie einen sich beschleunigenden binnenwirtschaftlichen Kaufkraftverlust (Teuerung).

Das Gleiche gilt für die USA, wo der Kongress noch in dieser Woche ein Hilfspaket in Höhe von ca. 1,4 Billionen US-Dollar verabschieden wird. Dieses Konjunkturstützungsprogramm wird den ohnehin hohen Fehlbetrag im US-Bundeshaushalt in Höhe von 1,5 Billionen Dollar für das Fiskaljahr 2019/2020 mehr fast verdoppeln. Die Staatsverschuldung der USA geht dann Richtung 120 Prozent des BIP. Die Neuverschuldung wird prozentual sogar zweistellig werden (ca. 12 Prozent), vorausgesetzt, es bleibt bei diesem einen Hilfspaket.

Noch gibt es keine Exit-Strategie aus der sich beschleunigenden Schuldenspirale

Irgendwann wird die Pandemie des Coronavirus medizinisch eingedämmt sein. Die Erfahrungen aus der Finanzkrise, wo Staaten das Finanzsystem mit weitaus weniger hohen Beträgen retten mussten, zeigen aber, dass die daraus entstandene Verschuldung im Nachhinein nicht wieder abgebaut wurde. Im Gegenteil hatte die weltweite Verschuldung zum Jahresultimo 2019, also noch vor Ausbruch der Pandemie, einen neuen historischen Rekord erreicht – sowohl in absoluten Zahlen als auch in Relation zum globalen Bruttoinlandsprodukt (Welt-BIP).

Da die von den Staaten angebotenen Hilfspakete überwiegend aus Krediten oder Kreditgarantien bestehen, wird sich auch die Verschuldung der Unternehmen erhöhen. Das Gleiche gilt für private Haushalte, die ohne Rücklagen ausgestattet sind und nur dank einer Ausweitung ihrer Schulden noch über die Runden kommen werden. In den USA hatten die wirtschaftlichen Folgen der Finanzkrise große Teile der bürgerlichen Mittelschicht in den sozialen Abstieg gezwungen. Viele haben sich bis heute davon nicht erholt und blieben ohne die Perspektive eines sozialen Wiederaufstiegs zurück. Diese Spätfolgen der Finanzkrise haben im Jahr 2016 schlussendlich auch zur Wahl des heutigen US-Präsidenten Donald Trump geführt.

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2 Kommentare

2 Comments

  1. Avatar

    kaso

    25. März 2020 20:24 at 20:24

    Was spricht gegen eine Wöhrungsreform?

  2. Avatar

    Kiffi-Bong09

    25. März 2020 21:56 at 21:56

    Eine Rechtschreibreform wäre ein guter Anfang, bevor wir unsere Wöhrung reformieren!

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Zinseszinseffekt: So verdoppeln Sie Ihr Depot binnen weniger Jahre – Werbung

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Lieber Börsianer,

Albert Einstein bezeichnete ihn einst als 8. Weltwunder. Für Starinvestor Warren Buffett gilt er als wichtigster Erfolgsfaktor beim Investieren. Die Rede ist vom Zinseszinseffekt. Es kommt nicht von Ungefähr, dass diese beiden Genies dem Zinseszins eine so hohe Bedeutung beimessen. Denn er verhilft selbst bei kleinen investierten Beträgen über einen längeren Zeitraum zu großen Erfolgen. Folgende kleine Geschichte veranschaulicht den Effekt des Zinseszinses:

Die Legende vom Reiskorn

Die beeindruckende Wirkung des Zinseszinseffektes war offenbar bereits den alten Persern bekannt. Von ihnen stammt die Legende vom Reiskorn. In dieser forderte der König seine Untertanen auf ihm die Langeweile zu vertreiben. Wer es schafft, sollte eine Belohnung erhalten.

Ein kluger Höfling brachte dem König daraufhin das Schachspiel bei. Der König war begeistert ob der neuen Zerstreuung und wollte den Höfling belohnen. Dieser sprach: „Ich möchte nichts weiter als ein paar Reiskörner. Ich möchte, dass ihr mir das Schachbrett mit Reis füllt. Legt ein Reiskorn auf das erste Feld und dann auf jedes weitere Feld jeweils die doppelte Anzahl an Reiskörnern.“

Der König wunderte sich über den bescheidenen Wunsch seines Dieners und sagte sogleich die Belohnung zu. Er dachte wohl an ein kleines Säckchen voller Reis. In Wahrheit hätte er aber dank der 64-maligen Verdopplung mehr Reis gebraucht, als auf der ganzen Erde wächst.

Wie ist eine solche Fehleinschätzung möglich?

Das menschliche Gehirn ist nicht besonders gut in Prozentrechnung. Diese Art der Verzinsung ist in unserer Evolutionsgeschichte erst seit wenigen hundert Jahren von Bedeutung. Deshalb unterschätzen wir genau wie der persische König systematisch die Macht des Zinseszinses. Investmentgewinne von 5% locken nur wenige hinter dem Ofen hervor. Doch über einen…..

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Einzelhandelsumsätze boomen in der Coronakrise – bis auf ein Segment

Claudio Kummerfeld

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Leeres Einkaufszentrum als Symbol für die Coronakrise

Wenn man in der Coronakrise schon kein Geld für Restaurants, Theater, Kinos oder Urlaubsreisen ausgeben kann, dann kann man doch immerhin noch sein Haus, seine Wohnung oder den Garten verschönern? Und zuhause gut essen ist ja auch drin. Dementsprechend wandeln sich die Einzelhandelsumsätze in den letzten Monaten.

Unterm Strich geben die Deutschen deutlich mehr aus als noch im Vorjahr, und auch mehr als direkt vor Ausbruch der Coronakrise. Dies wird untermauert durch die vor wenigen Minuten vom Statistischen Bundesamt veröffentlichten Einzelhandelsumsätze für Oktober. Sie steigen im Vergleich zu Oktober 2019 um 8,2 Prozent, und im Vergleich zu Februar 2020 um 5,9 Prozent. Das ist eindeutig. Der Onlinehandel boomt am Stärksten, die Heimwerkermärkte boomen, und auch der Lebensmitteleinzelhandel. Ein klarer Wink hin zu mehr Konsum in den eigenen vier Wänden. Nur der stationäre Einzelhandel mit Bekleidung ist spürbar rückläufig. Klar, wenn man deutlich weniger ausgeht, hat man auch weniger den Drang neue Klamotten zu kaufen. Hier die Detailangaben der Statistiker über die Einzelhandelsumsätze im Wortlaut:

Der Einzelhandel mit Lebensmitteln, Getränken und Tabakwaren setzte im Oktober 2020 real 7,3 % und nominal 10,3 % mehr um als im Oktober 2019. Dabei lag der Umsatz der Supermärkte, SB-Warenhäusern und Verbrauchermärkte real 7,9 % und nominal 10,9 % über dem des Vorjahresmonats. Der Facheinzelhandel mit Lebensmitteln (wie zum Beispiel der Facheinzelhandel mit Obst und Gemüse, Fleisch, Backwaren oder Getränken) setzte im entsprechenden Vergleich real 3,0 % und nominal 6,5 % mehr um.

Im Einzelhandel mit Nicht-Lebensmitteln stiegen die Umsätze im Oktober 2020 im Vergleich zum Vorjahresmonat real um 9,0 % und nominal um 9,4 %. Das größte Umsatzplus mit real 29,8 % und nominal 31,1 % erzielte der Internet- und Versandhandel. Deutlich zugenommen hat auch der Handel mit Einrichtungsgegenständen, Haushaltsgeräten und Baubedarf mit einem realen Plus von 14,2 %. Noch nicht wieder auf dem Vorjahresniveau waren dagegen der Handel mit Textilien, Bekleidung, Schuhen und Lederwaren und der Einzelhandel mit Waren verschiedener Art (zum Beispiel Waren- und Kaufhäuser) mit real -6,4 % und -2,3 % gegenüber dem Vorjahresmonat.

Grafik zeigt Einzelhandelsumsätze für Oktober im Detail

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Autoindustrie: Die Stimmung hat sich brutal verfinstert!

Claudio Kummerfeld

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Riesiger Parkplatz mit unzähligen Autos

Die Stimmung in der deutschen Autoindustrie (Hersteller und Zulieferer) hat sich brutal verfinstert. Laut heute früh veröffentlichten Umfrageergebnissen des ifo-Instituts ist die aktuelle Geschäftslage der Branche zwar noch akzeptabel mit einem Wert von +7,2 Punkten nach -2 Punkten im Oktober. Aber die Geschäftserwartungen der Autoindustrie sinken aktuell dramatisch ab, von +16,3 im Oktober auf -4 Punkte im November! Der Chart zeigt den Absturz der Stimmungslage in der Autoindustrie in den letzten Monaten. Im Moment läuft es noch, aber der Blick in die Zukunft macht die Firmen gegenwärtig nicht glücklich, so ifo aktuell in seiner Headline-Aussage. Weitere Aussagen hier im Wortlaut:

„Im Oktober haben wir einen Einbruch bei den gewerblichen Neuzulassungen gesehen. Das wird sich wahrscheinlich fortsetzen, aufgrund der großen Unsicherheit bei den Unternehmen“, sagt Oliver Falck, Leiter des ifo Zentrums für Industrieökonomik und neue Technologien.

Die Unternehmen gaben an, ihre Produktion deutlich drosseln zu wollen. Der Indikator sank von plus 38,6 Punkte auf minus 0,5 Punkte. Die Exporterwartungen fielen deutlich von plus 19,0 Punkten im Oktober auf minus 5,0 Punkte. Auch gab immer noch die Mehrheit der Unternehmen an, die Zahl ihrer Mitarbeiter zu verringern. Der Indikator stieg nur leicht auf minus 34,6 Punkte.

Der Auftragsbestand konnte zuletzt nicht mehr so stark zulegen. Der entsprechende Indikator sank deutlich auf 6,2 Punkte, nach 29,3 im Oktober. Der Bestand im Fertigwarenlager ist allerdings weiterhin geringer als saisonüblich. Der Indikator stieg nur leicht auf minus 4,9 Punkte.

Chart zeigt Verlauf der Geschäftserwartungen der Autoindustrie

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