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Zinssenkung der EZB: Werden Bankkunden zur Kasse gebeten?

Die Finanzbranche ist in heller Aufruhr, angesichts der Bekundungen von EZB-Chef Mario Draghi die Zinsen unter Umständen weiter senken zu wollen..

Wolfgang Müller

Veröffentlicht

am

Kommt schon bald eine Zinssenkung der EZB? Wie bereits am Freitag berichtet („Welche Folgen könnten weitere Zinssenkungen durch die EZB für das Bankgewerbe haben?“), würde eine weitere Absenkung des Einlagezinssatzes für Banken von minus 0,4 auf 0,5 Prozent die deutschen Banken weitere Hunderte Millionen Euro kosten. Wie wird die Branche darauf reagieren, nachdem das Geschäftsmodell mit der Fristentransformation (kurz leihen – langfristig verleihen) nicht mehr funktioniert. Es gibt dafür mehrere Überlegungen, auf Kosten der Bankkunden.

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Die schrumpfenden Erträge der Banken

Die Finanzbranche ist in heller Aufruhr, angesichts der Bekundungen von EZB-Chef Mario Draghi die Zinsen unter Umständen weiter senken zu wollen. Hierzu ein paar Beispiele:

„Die Aussagen des EZB-Präsidenten haben uns erschreckt, eine Zinssenkung halte ich für völlig sinnlos“, klagt Hans-Walter Peters, Präsident des Verbandes der privaten Banken BdB.
„Wir haben bereits heute eine verheerende Zinssituation, deren Ende nicht absehbar ist. Wenn die EZB diesen Kurs noch verschärft, würde das nicht nur den ganzen Finanzsektor hart treffen, sondern vor allem die Sparerinnen und Sparer“, sagt Peter Schneider, Präsident der Sparkassen in Baden-Württemberg.
„Das extreme Zinsumfeld reißt in der privaten Altersvorsorge der Bürgerinnen und Bürgern gravierende Lücken auf“, warnt Marja Kolak, Präsidentin des Bundesverbandes der deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken. Und so weiter und so fort.

Der BdB hat ausgerechnet, dass der bisherige Einlagenzins von minus 0,4 Prozent die europäischen Banken in diesem Jahr voraussichtlich 7,5 Milliarden Euro kosten wird. Sollte der Zins auf minus 0,5 Prozent sinken, würde die Belastung um knapp zwei Milliarden Euro steigen. Für die deutschen Banken belaufe sich die aktuelle Last durch den Minuszins auf rund 2,3 Milliarden Euro im Jahr, bei einer Zinssenkung würden weitere 600 Millionen Euro fällig werden.

Nach einer Studie des Finanz-Startups, Deposit Solutions, belief sich die Belastung für Europas Banken in den Jahren von 2016 bis 2018 auf 18 Milliarden Euro. Deutschlands Geldhäuser waren davon besonders betroffen und mussten allein 5,7 Milliarden Euro an die EZB überweisen.

 

Zinssenkung der EZB: Wie könnte es die Bankkunden treffen?

Bisher halten sich die Banken mit höheren Gebühren zurück. Ein kleiner Teil der deutschen Geldhäuser verlangen von ihren Privatkunden einen Strafzins auf dem Giro- oder Tagesgeldkonto, meist aber erst ab einem hohen Betrag – zum Beispiel bei Einlagen von mindestens 100.000 Euro oder ab der Grenze von 500.000 Euro. Das Vergleichsportal Verivox hat 20 Banken und Sparkassen ausgemacht, die entweder einen Strafzins von meist 0,4 Prozent verlangen, eine extra Gebühr oder eine Kombination aus beiden.

Noch scheuen sich viele Banken negative Zinsen von ihren Privatkunden zu erheben, allein schon durch die große Konkurrenzsituation. Bisher benutzt man den Ausweg über höhere Preise für das Girokonto (seit drei Jahren) oder durch zusätzliche Gebühren bei Überweisungen oder Bargeldabhebungen am Automaten.

„Jetzt könnte den Kunden eine weitere Kostenwelle drohen, denn die Banken haben nicht viele andere Möglichkeiten, um auf die Niedrigzinsen zu reagieren“, meint Barkow-Geschäftsführer Peter Barkow. Außerdem habe sich gezeigt, dass die letzte Runde der Gebührenerhöhungen nicht zu einer Kundenflucht geführt habe.

Damit stehen auch negative Einlagenzinsen für Privatkunden zur Disposition, wenn die EZB wirklich mit noch niedrigeren Zinsen ernst macht. „Eine weitere Senkung des Einlagenzinses würden die Banken sofort spüren. Sie versuchen schon, die Kosten zu senken. Aber Einsparungen durch Personalabbau und Filialschließungen wirken nicht sofort, sondern erst mit Verzögerung. Deshalb werden die Banken nicht darum herumkommen, Kosten durch höhere Strafzinsen auch auf Kunden zu überwälzen“, prognostiziert Martin Faust, Bankenprofessor an der Frankfurt School.

Die Postbank hat bereits angekündigt, ihre Gebühren zum ersten Oktober zu erhöhen. Auch die Konzernmutter, die Deutsche Bank, prüft jede Möglichkeit im Privatkundengeschäft.

Die Commerzbank hingegen, versicherte jüngst, dass sie keine Pläne habe Negativzinsen an die Privatkundschaft weiterzugeben oder Gebühren auf breiter Front zu erhöhen. Auch will sie an ihrem kostenlosen Girokonto festhalten.

 

Fazit

EZB-Chef Draghi betreibt ein riskantes Spiel. Die möglichen Zinssenkungen sollen weiter für den Zusammenhalt in der Eurozone sorgen und der Preisstabilität des Euro dienen, allerdings auf Kosten der Sparer, der Altersvorsorgesysteme und der Erträge der Banken.

Die Geldhäuser werden aber nicht umhin können, an der Kostenschraube zu drehen. Aber man sollte eines nicht vergessen: Der Notenbankchef hofft auf eine Bereinigung des Bankensystems in Deutschland „des Overbanked-Seins“ (z.B. durch Fusionen), aber er wird die Banken nicht in den Ruin treiben. Finanzkrisen sind immer noch die stärksten im Wirtschaftssystem.

Die Deutsche Bank wird man zum Beispiel nicht pleite gehen lassen, auch wenn das einige wünschen. Hat man denn schon die Reaktionen auf die Lehman-Pleite vergessen, einer Bank, die nur ein Drittel der Bilanzsumme der Deutschen Bank aufwies. Wenn es hart kommt, wird Draghi, oder sein Nachfolger, den Einlagezins der Banken staffeln, Sparer oder Bankkunden werden aus meiner Sicht aber weiter die Zeche der finanziellen Repression zahlen.

 

 

Mario Draghi kündigte faktisch eine Zinssenkung der EZB an

Ein Kommentar

Ein Kommentar

  1. Avatar

    Kenguru

    3. Juli 2019 10:30 at 10:30

    C’EST LA GUERRE – LAGARDE !

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Devisen

Schweizer Franken: Warum die Aufwertung erst einmal unterbrochen ist

Claudio Kummerfeld

Veröffentlicht

am

Eine Franken-Münze

Der Schweizer Franken soll doch bitte nach Möglichkeit schön abwerten. So lautet jedenfalls seit Jahren die Hoffnung und das Drängen der Schweizerischen Nationalbank (SNB). Denn je höher der Franken notiert, desto teurer werden Schweizer Produkte im Ausland, und desto teurer wird der Urlaub für Ausländer in der Schweiz. Beides ist natürlich Gift für die schweizerische Volkswirtschaft. Und so versucht die SNB seit Jahren mit gigantischen Summen an selbst gedruckten Schweizer Franken etwas zu tun. Sie verkauft diese Franken und kauft dafür vor allem den Euro, aber auch den US-Dollar.

So will die SNB die Aufwertung des Schweizer Franken verhindern. Aber der Devisenmarkt war mit Blick auf die letzten Jahre stärker als die SNB, und der Franken blieb zu stark. So druckte die SNB immer weiter. Dann kam die Coronakrise. Und die Welt suchte unter anderem ihr Heil in der Flucht in die schweizerische Währung, die als einer der letzten sicheren Fluchthäfen gilt. Laut jüngsten Meldungen hat die SNB geäußert, dass sie alleine im ersten Halbjahr 2020 eine Summe von 90 Milliarden Schweizer Franken einsetzte um die Aufwertung zu bremsen.

Schweizer Franken als Spielball der Coronakrise

Der folgende Chart zeigt den Kursverlauf von Euro vs Schweizer Franken in den letzten zwölf Monaten. Man sieht bis Mai den fallenden Euro (von 1,08 bis 1,05), also eine klare Franken-Aufwertung. Dies zeigte in der schlimmsten Corona-Krisenzeit den Drang der Märkte in Richtung Schweiz. In den Monaten danach folgte der Rückgang der Corona-Infektionszahlen, und der Euro konnte sich wieder erholen – der Franken wertete wieder ab auf Niveaus um die 1,08. Aber im Oktober sieht man im Chart den Rückgang im EURCHF, korrespondierend mit dem Aufkommen der zweiten Corona-Welle.

Chart zeigt Kursverlauf von Euro vs Schweizer Franken seit Ende 2019

Der folgende Chart zeigt den Kursverlauf von Euro vs Schweizer Franken seit dem 27. Oktober. Nicht zu übersehen ist der EURCHF-Anstieg am 9. November von 1,07 auf 1,0820. An diesem Tag gab es die erste richtige Corona-Impfstoff-Meldung von Biontech und Pfizer. Die Aktienmärkte und der Ölpreis stiegen kräftig, in Hoffnung auf eine deutlich schnellere Konjunkturerholung. Der Goldpreis (sicherer Hafen) fiel drastisch um mehr als 100 Dollar, und auch der Schweizer Franken als sicherer Hafen in Krisenzeiten reagierte genau an diesem Tag mit einer Abwertung. Sie hält (wie der Chart zeigt) bis heute an. Fürs Erste scheinen die seit drei Wochen anhaltenden guten Impfstoff-Meldungen sowie die nun doch geregelte Amtsübergabe zwischen Donald Trump und Joe Biden die Anleger weltweit dazu zu bringen, mehr Risiko eingehen zu wollen (Risk On-Szenario). Das schwächt erst einmal die Save-Haven-Assets wie Gold und Schweizer Franken. Die SNB dürfte fürs Erste ein wenig aufatmen.

Chart zeigt Kursverlauf von Euro vs Schweizer Franken seit Ende Oktober

Nie den Drang hin zum Fränkli unterschätzen

Das größere Bild zeigt, dass der Schweizer Franken seit dem Jahr 2018 in einem klaren Aufwertungstrend liegt (EURCHF damals noch bei 1,20). Dieser Trend wurde erst ab Juni diesen Jahres gebremst. Es kann jetzt zu einer weiteren Franken-Abwertung kommen im Zuge der Impfstoff-Verteilung in den nächsten Monaten. Aber den globalen Drang hin zum Fränkli, den sollte man langfristig im großen Bild gesehen nicht unterschätzen.

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Aktuell: Goldpreis fällt 30 Dollar nach guten US-Daten

Claudio Kummerfeld

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am

Ein Stapel Barren aus Gold

Der Goldpreis fällt in den letzten Minuten von 1.867 auf 1.837 Dollar. Gleichzeitig springt der US-Dollar nach oben. Der Dollar-Index (Währungskorb) steigt von 92,10 auf 95,49 Indexpunkte. Der Grund dahinter ist zu finden in den vorhin veröffentlichten Einkaufsmanager-Daten aus den USA, die deutlich besser ausfielen als erwartet (hier die Details). Die veröffentlichten Preise zeigen einen Rekordanstieg – dadurch, so die Logik, entsteht Inflations-Druck, was wiederum die US-Notenbank perspektivisch zu Zinsanhebungen zwingen könnte!

Im Chart sehen wir den Goldpreis-Verlauf seit Freitag in rot-grün gegen den US-Dollar in blau. Die negative Korrelation zwischen Gold und US-Dollar ist mehr als eindeutig. Beim Klick an dieser Stelle finden Sie unsere Bericherstattung von heute Mittag über Gold, und welche Faktoren bis 15:45 Uhr den Goldpreis bewegt hatten.

Chart zeigt Verlauf von Goldpreis gegen US-Dollar

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Türkische Lira verliert spürbar – warum das kein gutes Zeichen ist

Redaktion

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am

Von

Türkei Flagge

Die türkische Lira verliert heute spürbar gegenüber US-Dollar und Euro. US-Dollar vs Lira steigt gegenüber Freitag Abend von 7,62 auf 7,78. Euro vs Lira steigt von 9,02 auf 9,24. Das entscheidende bei diesen Kursbewegungen ist: Die Kursgewinne für die türkische Lira, die seit letztem Donnerstag entstanden, sind jetzt wieder verpufft. Denn wir erinnern uns: Am letzten Donnerstag hatte die türkische Zentralbank den Leitzins um gigantische 4,75 Prozentpunkte auf 15 Prozent angehoben, um endlich die Inflation in der Türkei einzudämmen. Gut, genau diese Höhe der Zinsanhebung war erwartet worden – aber sie war durch die steigende türkische Lira in den beiden Wochen vorher schon gut eingepreist worden. Dennoch dürfte es aktuell für die Lira-Bullen am Devisenmarkt deprimierend sein, dass diese drastische Zinsanhebung nicht in einer schnell weiter aufwertenden Lira mündet.

Im folgenden Chart sehen wir den Kursverlauf von US-Dollar vs Türkische Lira in den letzten 30 Tagen. Die aktuelle Lira-Abwertung ist derzeit auch deswegen so auffällig, weil gerade heute der Dollar-Index (Währungskorb des US-Dollar gegen andere Hauptwährungen) im Chartverlauf ganz klar verliert, und ein Tief aus den letzten Tagen nach unten durchbrochen hat. Also: Der US-Dollar ist heute ganz eindeutig der Verlierer, kann aber gegen die türkische Lira klar gewinnen. Daran sieht man, dass es sich wohl um eine eigenständige Schwäche der Lira handelt!

Türkische Lira immer noch unter Druck durch physische Verkäufe im Inland?

Das andere schlechte Zeichen für die türkische Währung ist, dass türkische Bürger und Unternehmen die Lira-Stärke der letzten Tage offenbar dafür nutzen um ihre Bestände in US-Dollar und Euro weiter aufzubauen, wofür natürlich die türkische Lira verkauft werden muss. Denn nur mit Markttechnik und Gewinnmitnahmen aus den letzten Tagen ist diese aktuelle Lira-Abwertung nur schwerlich zu erklären. Laut aktuellen Berichten bestehen jetzt 57 Prozent aller Bankguthaben in der Türkei aus Fremdwährungen – im Juli seien es noch 50 Prozent gewesen. Und die türkischen Sparer würden immer noch relativ geringe Zinserträge in Lira erhalten in Relation zur hohen Inflation.

Das würde natürlich erklären, dass man die Flucht in Fremdwährungen weiter bevorzugt. Die Umsätze in der Lira am internationalen Devisenmarkt waren heute Vormittag eher dünn. Von daher liegt die Vermutung nahe, dass Bürger und Unternehmen in der Türkei eben diese Lira-Stärke seit letztem Donnerstag nutzten um auch heute am Montag türkische Lira gegen US-Dollar und Euro zu tauschen. Ist kaum großes Volumen am internationalen Devisenmarkt in der Lira vorhanden, kann so ein physischer Kaufdrang den Kurs spürbar beeinflussen. Es ist gut möglich, dass die Lira deswegen heute diese Abwertung vollzieht.

Chart zeigt Verlauf von US-Dollar vs Türkische Lira in den letzten 30 Tagen

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