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Zinssenkung der EZB: Werden Bankkunden zur Kasse gebeten?

Die Finanzbranche ist in heller Aufruhr, angesichts der Bekundungen von EZB-Chef Mario Draghi die Zinsen unter Umständen weiter senken zu wollen..

Kommt schon bald eine Zinssenkung der EZB? Wie bereits am Freitag berichtet („Welche Folgen könnten weitere Zinssenkungen durch die EZB für das Bankgewerbe haben?“), würde eine weitere Absenkung des Einlagezinssatzes für Banken von minus 0,4 auf 0,5 Prozent die deutschen Banken weitere Hunderte Millionen Euro kosten. Wie wird die Branche darauf reagieren, nachdem das Geschäftsmodell mit der Fristentransformation (kurz leihen – langfristig verleihen) nicht mehr funktioniert. Es gibt dafür mehrere Überlegungen, auf Kosten der Bankkunden.

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Die schrumpfenden Erträge der Banken

Die Finanzbranche ist in heller Aufruhr, angesichts der Bekundungen von EZB-Chef Mario Draghi die Zinsen unter Umständen weiter senken zu wollen. Hierzu ein paar Beispiele:

„Die Aussagen des EZB-Präsidenten haben uns erschreckt, eine Zinssenkung halte ich für völlig sinnlos“, klagt Hans-Walter Peters, Präsident des Verbandes der privaten Banken BdB.
„Wir haben bereits heute eine verheerende Zinssituation, deren Ende nicht absehbar ist. Wenn die EZB diesen Kurs noch verschärft, würde das nicht nur den ganzen Finanzsektor hart treffen, sondern vor allem die Sparerinnen und Sparer“, sagt Peter Schneider, Präsident der Sparkassen in Baden-Württemberg.
„Das extreme Zinsumfeld reißt in der privaten Altersvorsorge der Bürgerinnen und Bürgern gravierende Lücken auf“, warnt Marja Kolak, Präsidentin des Bundesverbandes der deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken. Und so weiter und so fort.

Der BdB hat ausgerechnet, dass der bisherige Einlagenzins von minus 0,4 Prozent die europäischen Banken in diesem Jahr voraussichtlich 7,5 Milliarden Euro kosten wird. Sollte der Zins auf minus 0,5 Prozent sinken, würde die Belastung um knapp zwei Milliarden Euro steigen. Für die deutschen Banken belaufe sich die aktuelle Last durch den Minuszins auf rund 2,3 Milliarden Euro im Jahr, bei einer Zinssenkung würden weitere 600 Millionen Euro fällig werden.

Nach einer Studie des Finanz-Startups, Deposit Solutions, belief sich die Belastung für Europas Banken in den Jahren von 2016 bis 2018 auf 18 Milliarden Euro. Deutschlands Geldhäuser waren davon besonders betroffen und mussten allein 5,7 Milliarden Euro an die EZB überweisen.

 

Zinssenkung der EZB: Wie könnte es die Bankkunden treffen?

Bisher halten sich die Banken mit höheren Gebühren zurück. Ein kleiner Teil der deutschen Geldhäuser verlangen von ihren Privatkunden einen Strafzins auf dem Giro- oder Tagesgeldkonto, meist aber erst ab einem hohen Betrag – zum Beispiel bei Einlagen von mindestens 100.000 Euro oder ab der Grenze von 500.000 Euro. Das Vergleichsportal Verivox hat 20 Banken und Sparkassen ausgemacht, die entweder einen Strafzins von meist 0,4 Prozent verlangen, eine extra Gebühr oder eine Kombination aus beiden.

Noch scheuen sich viele Banken negative Zinsen von ihren Privatkunden zu erheben, allein schon durch die große Konkurrenzsituation. Bisher benutzt man den Ausweg über höhere Preise für das Girokonto (seit drei Jahren) oder durch zusätzliche Gebühren bei Überweisungen oder Bargeldabhebungen am Automaten.

„Jetzt könnte den Kunden eine weitere Kostenwelle drohen, denn die Banken haben nicht viele andere Möglichkeiten, um auf die Niedrigzinsen zu reagieren“, meint Barkow-Geschäftsführer Peter Barkow. Außerdem habe sich gezeigt, dass die letzte Runde der Gebührenerhöhungen nicht zu einer Kundenflucht geführt habe.

Damit stehen auch negative Einlagenzinsen für Privatkunden zur Disposition, wenn die EZB wirklich mit noch niedrigeren Zinsen ernst macht. „Eine weitere Senkung des Einlagenzinses würden die Banken sofort spüren. Sie versuchen schon, die Kosten zu senken. Aber Einsparungen durch Personalabbau und Filialschließungen wirken nicht sofort, sondern erst mit Verzögerung. Deshalb werden die Banken nicht darum herumkommen, Kosten durch höhere Strafzinsen auch auf Kunden zu überwälzen“, prognostiziert Martin Faust, Bankenprofessor an der Frankfurt School.

Die Postbank hat bereits angekündigt, ihre Gebühren zum ersten Oktober zu erhöhen. Auch die Konzernmutter, die Deutsche Bank, prüft jede Möglichkeit im Privatkundengeschäft.

Die Commerzbank hingegen, versicherte jüngst, dass sie keine Pläne habe Negativzinsen an die Privatkundschaft weiterzugeben oder Gebühren auf breiter Front zu erhöhen. Auch will sie an ihrem kostenlosen Girokonto festhalten.

 

Fazit

EZB-Chef Draghi betreibt ein riskantes Spiel. Die möglichen Zinssenkungen sollen weiter für den Zusammenhalt in der Eurozone sorgen und der Preisstabilität des Euro dienen, allerdings auf Kosten der Sparer, der Altersvorsorgesysteme und der Erträge der Banken.

Die Geldhäuser werden aber nicht umhin können, an der Kostenschraube zu drehen. Aber man sollte eines nicht vergessen: Der Notenbankchef hofft auf eine Bereinigung des Bankensystems in Deutschland „des Overbanked-Seins“ (z.B. durch Fusionen), aber er wird die Banken nicht in den Ruin treiben. Finanzkrisen sind immer noch die stärksten im Wirtschaftssystem.

Die Deutsche Bank wird man zum Beispiel nicht pleite gehen lassen, auch wenn das einige wünschen. Hat man denn schon die Reaktionen auf die Lehman-Pleite vergessen, einer Bank, die nur ein Drittel der Bilanzsumme der Deutschen Bank aufwies. Wenn es hart kommt, wird Draghi, oder sein Nachfolger, den Einlagezins der Banken staffeln, Sparer oder Bankkunden werden aus meiner Sicht aber weiter die Zeche der finanziellen Repression zahlen.

 

 

Mario Draghi kündigte faktisch eine Zinssenkung der EZB an



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1 Kommentar

  1. C’EST LA GUERRE – LAGARDE !

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