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Schweizer Postbank jetzt mit Negativzinsen von -1% – offizielle Bezeichnung „Guthabengebühr“

Gemessen an der Bilanzsumme von 116 Milliarden Franken ist die Postfinance die fünftgrößte Bank der Schweiz, und damit keine Wald und Wiesen-Sparkasse. Sie verweist darauf, dass sie aufgrund der Schweizer Negativzinsen…

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FMW-Redaktion

Die Postfinance ist die Schweizer Version unserer Postbank – dort ist sie aber noch zu 100% im Eigentum der Post. Sie ist, wie sie betont, angewiesen wirtschaftlich zu arbeiten. Gemessen an der Bilanzsumme von 116 Milliarden Franken ist die Postfinance die fünftgrößte Bank der Schweiz, und damit keine Wald und Wiesen-Sparkasse. Sie verweist darauf, dass sie aufgrund der Schweizer Negativzinsen, die die Schweizerische Nationalbank (SNB) noch vor der EZB einführte, in diesem Jahr schon 10 Millionen Euro Verlust machte, weil sie diese Negativzinsen eben bisher nicht an ihre eigenen Bankkunden weiterreichte.

negativzinsen

Das belegt auch automatisch: Die Postfinance hat immense Guthabenüberschüsse, die sie bei der SNB hinterlegt. Ohne Überschüsse würde sie keine Probleme mit Negativzinsen haben. Nun aber geht man einen großen Schritt und führt als große am breiten Markt präsente Bank Negativzinsen von -1% ein. Man nennt sie netterweise nicht Negativzinsen, sondern „Guthabengebühr“. Man zahlt also eine Gebühr von 1% pro Jahr auf seine Einlage, nur dafür, dass man so nett ist sein Geld bei der Bank aufs Konto oder Sparbuch zu legen. Die Postfinance schreibt hierzu, dass diese Gebühr nur Guthaben von über 1 Million Franken betrifft.

Sie zählt hierbei alle Guthaben zusammen, die ein Kunde hat, also Sparbücher, Girokonten, Tagesgeld usw. Ab dem 1. Februar 2017 wird diese „Gebühr“ eingeführt, die nicht anderes ist als ein Negativzins. Bisher beschränkte man sich auf institutionelle Kunden, jetzt der nächste Schritt hinüber zu den Privatkunden. Dort sind es erst die großen Guthaben – folgen werden (wahrscheinlich) logischerweise die kleineren Summen, auch wenn das natürlich noch niemand aussprechen kann oder will. Stoppen könnte diese Entwicklung nur eine Zinswende. Aber wo bleibt die? Ist die überhaupt kurzfristig möglich? In der Schweiz genau so wenig wie in der Eurozone!

Wir erwähnten vorhin schon die Guthabenüberschüsse. Bei der schweizerischen Postfinance kommt noch als Besonderheit hinzu: Als noch relativ junge Bank wurde ihr als Posttochter bisher untersagt Kredite und Hypotheken auszugeben (offizielles „Kreditverbot“). Daher ist sie gezwungen entweder bei der SNB einzlagern, oder am Kapitalmarkt in Anleihen zu investieren, was sie bisher auch tat, so gut es ging. Also wird die Postfinance quasi gezwungen ihr Geld vermeintlich riskanter bei Schuldnern am internationalen Kapitalmarkt unterzubringen als bei jemandem, der in der Schweiz ein Häuschen bauen will.

Hier das Statement der Postfinance:


Die Giroguthaben von PostFinance bei der Schweizerischen Nationalbank liegen über der Freigrenze. Dies hat die Finanzdienstleisterin im laufenden Jahr bereits mehr als 10 Millionen Franken an Negativzinsen gekostet. Aus diesem Grund weitet PostFinance die Guthabengebühr, die sie im Februar 2015 bei Grösstkunden und Banken eingeführt hat, aus. Ab dem 1. Februar 2017 erhebt sie bei vermögenden Privatkunden bis auf Weiteres auf jenem Teil des Kontoguthabens, der eine Million Franken übersteigt, eine Guthabengebühr von 1%. Eingerechnet werden die Guthaben aller Privat- und Sparkonten.Die meisten Privat- und Geschäftskunden werden auch weiterhin keine Guthabengebühr bezahlen müssen.

Die Zinsen an den nationalen und internationalen Finanzmärkten befinden sich weiterhin auf einem historischen Tiefstand und sind grösstenteils sogar negativ. Aufgrund des Kreditverbots ist es für PostFinance immer schwieriger, die ihr anvertrauten Kundengelder noch gewinnbringend anzulegen. Dadurch brechen ihr Jahr für Jahr Erträge im hohen zweistelligen Millionenbereich weg. Gleichzeitig führt die stetig wachsende Regulierung zu höheren Aufwänden und Kosten. Die Finanzdienstleisterin erhöht deshalb auf einzelnen, nicht mehr kostendeckenden Produkten die Gebühren, senkt Kontozinsen sowie Verzinsungslimiten und weitet die Guthabengebühr aus.

Ich kann nachvollziehen, dass diese Massnahmen unseren Kundinnen und Kunden wenig Freude bereiten. Niemand bezahlt gerne Gebühren», sagt Hansruedi Köng, CEO von PostFinance. «Wir haben den klaren Auftrag, wirtschaftlich zu arbeiten. Als Bank im Besitz der Schweizerischen Post und damit der Eidgenossenschaft sind wir jedoch nicht dem klassischen Shareholder-Value-Denken verpflichtet. Wir lassen unsere Kunden deshalb seit jeher an unserem Erfolg teilhaben. Dadurch war es uns möglich, ihnen über Jahre hinweg attraktive Zinsen und Gebühren anzubieten. Es schmerzt auch uns, dass dies aufgrund der Negativzinsen, des Kreditverbots und der Kosten durch verschärfte regulatorische Vorschriften derzeit nicht mehr in gleichem Masse möglich ist.

12 Kommentare

12 Comments

  1. Avatar

    Wolfgang Koch

    14. November 2016 15:09 at 15:09

    Niemand hat die Absicht eine „Guthabengebühr“ einzurichten!

    • Avatar

      Michael

      14. November 2016 21:43 at 21:43

      Nein, keine Absicht!
      Sie ist eingerichtet 😉

  2. Avatar

    Raoul H

    14. November 2016 15:25 at 15:25

    Leider ist eben die Postbank ( Postfinance) nur eine halbe Bank. Zwar sehr gut
    und beim Volk beliebt, wahrscheinlich der wahre Grund, dass keine Kredite vergeben werden dürfen 🙁

  3. Avatar

    gerd

    14. November 2016 15:56 at 15:56

    Da hoff ich doch mal, falls das die deutschen Institute nachmachen würden, dass das bei uns nicht auch schon
    bei 1 Mio anfinge. Sonst würde ich mich ja sonstwo reinbeißen, weil ich mein Restgeld nicht auch schon längst in Aktien habe. Wo ich mich doch so gut mit Tina verstehe.

    Man muss aber auch erwähnen, dass die Verbraucherpreise in der Schweiz schon das ganze Jahr über voll im Minusbereich liegen. Im Januar noch tiefer als -1%, jetzt angeblich immer noch -0,25%. Was den Effekt natürlich nur abmildert, aber nicht aufhebt.

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    Positino

    14. November 2016 16:34 at 16:34

    Als ich bei einem deutschen Broker ein CHF-Konto einrichten wollte, wäre dies nur mit 1 Prozent Negativzins möglich gewesen. Somit in höherem Sinne auch schon in Deutschland anzutreffen.

  5. Avatar

    Marko

    14. November 2016 17:41 at 17:41

    Hallo,

    genau, jetzt schmiert der EUR/CHF Schuppen unter 1,08 Unterstützung ab, die Schweizer haben es doch, ihren gaaanz gaanz tollen CHF… 😀
    Das Bankgeiheimnis ist doch eh für die Tonne, stur bleibt aber stur…
    Und jetzt müsst Ihr die Negativzinsen an Eure Kunden weitergeben ? Ach, wie süß… mein Mitleid habt Ihr…

    Aber die Zinswende kommt doch, vom Amiland aus, oder löst Italien den Crash, den schwarzen Schwan aus im Dezember ?

    Nö.

    VG

    Marko

    • Avatar

      Lars

      14. November 2016 22:43 at 22:43

      @ Marko,
      Kritisiere nie einen Schweizer. Die haben niemals geholfen, gestohlene Nazi-Reichtümer zu verschieben. Die werden derzeit ausschließlich von der grausamen Weltmacht EURO dazu gezwungen, das legendäre Bankgeheimnis einiger Millionen dubioser Gelder für ein paar Millionen Gefälligkeit rauszurücken.
      Sie haben noch nie von Nazi-Kriegsgeldern profitiert, es gibt keine Mossadkonten, keine IS-Konten, keine Konten von Drogenkartellen, keine Schwarzkonten von Drogenhändlern und Zuhälterringen.
      Das klingt ja, als wären sie beim Herrn der Ringe Gollum mit den unschuldigen großen Augen.
      Wie @ Wolfgang Koch sagt: Niemand hat die Absicht eine „Guthabengebühr“ einzurichten!

  6. Avatar

    Maddog

    13. April 2017 22:33 at 22:33

    Mich hat heute mein Kundenberater der Postbank angerufen und mit mitgeteilt das ich ab dem 1.06 negativ Zinsen auf meinem Geschäftskonto zahlen muß ( 0,4%). Da können die lange warten Nächste Woche holte ich alles bis auf 200.000 € ab. Da kann ich mein Geld ja besser zuhause lassen , werde aber wohl mir eine neue Bank suchen müssen. Wo sind wir eigentlich angekommen das Mann für Guthaben zahlen muß, das wird noch ein schlimmes Ende geben.

    • Avatar

      MM

      16. April 2017 10:45 at 10:45

      Gilt das nur für Geschäftskunden?

      • Avatar

        Maddog

        16. April 2017 19:01 at 19:01

        Das kann ich so nicht bestätigen, ich habe dort beides .

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Coronavirus: CNN berichtet über erste Erkrankung in USA – Wall Street reagiert

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Laut dem US-Sender CNN wird die amerikanische Behörde zur Abwehr von Epidemien (CDC; US Centers for Disease Control and Prevention) den ersten Fall einer Erkrankung eines US-Bürgers mit dem Coronavirus bekannt geben:

Und die Wall Street reagiert:

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Handelskrieg: Phase-1-Deal ist weltwirtschaftlich kein Erfolg

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Handelskrieg entschärft? Trump und Liu He im Weißen Haus

Für den Welthandel und für die beteiligten Parteien bedeutet der Phase-1-Deal kein Ende im Handelskrieg. Die Konflikte bleiben bestehen und Handelsströme werden lediglich zwangsweise umgeleitet.

Der Schaden im Handelskrieg bleibt größer als der Nutzen

Bis auf die Reduzierung eines Teils der Zölle bleibt der Großteil der „Punitive Tariffs“ und damit die Mehrkosten für Importeure und Verbraucher in den USA in Kraft. Das Gleiche gilt für die Vergeltungszölle aufseiten Chinas. Selbst nach dem Abkommen wird der durchschnittliche US-Zollsatz für alle Importe aus China immer noch 19,3 Prozent betragen, eine marginale Senkung gegenüber dem Stand vor dem Abkommen von 21 Prozent und fast das Sechseinhalbfache vor dem Beginn des Handelskriegs in Höhe von 3 Prozent.
In dem vor einer Woche unterzeichneten ersten Deal verpflichtet sich China, in den nächsten zwei Jahren landwirtschaftliche und industrielle Gütern, Dienstleistungen sowie fossile Energieträger in einem jährlichen Volumen von 200 Milliarden US-Dollar in den USA zu kaufen.

Bei der Unterzeichnungszeremonie zum Phase-1-Deal bezeichnete Trump das Abkommen als „Durchbruch“ und „historisch“, was beides natürlich übertrieben ist. Aber das ist man von der Trumpschen Rhetorik bereits gewohnt. Ungeachtet der Behauptung von Trump, dass die Zölle von den Chinesen bezahlt werden, sind sich die Ökonomen nun praktisch einig, dass sie stattdessen nahezu vollständig von den Amerikanern getragen werden. Selbst der Fed of New York zufolge bedeutete der Handelskrieg bisher höhere Preise für US-Verbraucher, ein geringeres Wachstum des verarbeitenden Gewerbes und lediglich einen Rückgang der Agrarexporte. Im Jahr 2019, so die Notenbanker weiter, „verzeichneten die USA einen erheblichen Preisanstieg bei Zwischenprodukten und Fertigwaren aus China. Es kam außerdem zu einer Verringerung der Verfügbarkeit importierter Güter und die Zölle wurden vollständig auf die Inlandspreise importierter Waren umgelegt“. Die jüngsten Zahlen zur Industrieproduktion aus den USA bestätigen die Aussagen der Fed of New York.

Ob es einen weiterführenden zweiten Deal geben wird und ob der erste Deal, den der Staatspräsident der Volksrepublik Chinas, Xi Jinping, sich weigert, zu unterzeichnen, überhaupt wort- und zahlengetreu umgesetzt wird, ist fraglich. Denn im Grunde handelt es sich nicht um einen Vertrag, sondern eine Aneinanderreihung aufgezwungener Zusagen und Wunschvorstellungen der Amerikaner. Aber Papier ist bekanntlich geduldig.

Bitte klicken Sie hier um Teil 2 des Artikels zu lesen
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Trump: Rede auf dem Weltwirtschaftsforum Davos – Live-Feed

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Donald Trump spricht auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos – wird er wieder protektionistische Aussagen machen, nach dem Phase 1 Deal mit China eventuell Europa in den Blick nehmen mit der Androhung von Strafzöllen? Hier der Live-Feed zur Rede:

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