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Abenomics 2.0 kurz vor Beginn – die selbe Wortwahl wie bei der EZB

Von Claudio Kummerfeld

Japan rutscht zurück in die Rezession, zumindest deuten die jüngsten Konjunkturdaten darauf hin. Ministerpräsident Abe, der Namensgeber der „Abenomics“, also des maßlosen Gelddruckens und Verschuldens, verkündete gestern auf einer Konferenz in New York man werde zusammen mit der Notenbank „Bank of Japan“ alles tun was notwendig ist, um die Konjunktur auf ein robustes Wachstum hochzubringen, wenn man tatsächlich in die Rezession zurückfällt. Denn im 2. Quartal schrumpfte Japans Wirtschaft aufs Jahr hochgerechnet um 1,2%, der Konsum ging um 2,7% zurück. Heute früh kommen die aktuellsten Daten noch negativ dazu. Die Industrieproduktion im August ging um 0,5% zurück, obwohl man ein Plus von 1% erwartete.

In Japan sind Regierung und Notenbank in einem regelrechten Tandem eine Art Schuldensymbiose eingegangen (Abenomics). Der Staat hat seine Verschuldung auf mehr als 200% des BIP hochgeschraubt (was ist da schon Griechenland?), und die Notenbank kauft davon einen immer größeren Teil auf. Irgendwann ist der Punkt erreicht, wo ein innerstaatlicher Kreislauf geschlossen ist, dass der Staat seine eigenen Schulden kauft. Eine Notenbank ist zwar eine Institution außerhalb des Regierungsapparats, aber dennoch ist und bleibt sie eine staatliche Institution.

Ein Vorteil in Japan ist, dass die meisten Staatsanleihen, die nicht von der Notenbank gehalten werden, von sonstigen inländischen Investoren oder einfachen Privatleuten gehalten werden. Man ist also nicht vom globalen ängstlichen Kapitalmarkt abhängig wie Griechenland oder Argentinien. Was aber allgemein bekannt ist und von dem Abe-Block anscheinend nicht wahrgenommen wird ist die Tatsache, dass Japan noch drastischer als Europa eine schrumpfende Bevölkerung hat. Und anders als Europa wird diese in Japan nicht durch Einwanderung „aufgefüllt“. Somit hat man Jahr für Jahr weniger Konsumenten, und der gesamte volkswirtschaftliche Verbrauch kann gar nicht nachhaltig steigen, sondern fällt tendenziell eher. Außer einen bisher zaghaften Versuch Frauen mehr in den Arbeitsmarkt zu integrieren, um z.B. die Anzahl der verfügbaren Arbeitskräfte zu erhöhen, tut die Regierung Abe beim „Faktor Mensch“ bisher nichts.

Nicht nur Abe, auch sein Beraterumfeld lassen deutlich durchblicken, dass Japan in Kürze wieder Geld in Massen drucken wird. Gestern waren aus seinem Umfeld Sätze zu hören wie „es ist Zeit Abenomics 2.0 zu starten“. Das Zeichen an Fed und EZB ist klar. Guckt her, wir kämpfen wieder gegen die Deflation. Könnt ihr doch auch so machen, schon wieder, oder noch mehr als sowieso schon!

Die selbe Wortwahl („whatever it takes“) wie in Japan hörte man die letzten Wochen auch von der EZB. Hier sprach man noch nicht von der drohenden Rezession oder Deflation, sondern nur davon die zarte Pflanze einer gesunden Inflation nicht sterben lassen zu wollen.



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1 Kommentar

  1. im gleichen Takt: Zeit schinden, bis die neue Lösung endlich zusammen gebastelt ist.

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