Folgen Sie uns

Aktien

Aktienmärkte: neues Spiel, neue Regeln

Avatar

Veröffentlicht

am

New York Skyline

Selbst die optimistischsten Bullen werden langsam stutzig, wenn man sieht, wie hoch die Aktienmärkte inzwischen bewertet sind. Ein neues Spiel wird an den Börsen gespielt. Wer die Regeln nicht kennt, droht alles wieder zu verlieren.

An den Aktienmärkten gewinnen die Opportunisten

Der Finanzkapitalismus war noch nie eine kuschelige Gesellschaftsform. Nur wer sich im Wettbewerb durch besondere Fähigkeiten, Wissensvorsprung, Fleiß, Mut und Ehrgeiz auszeichnet sowie im Idealfall Mitglied in einflussreichen Netzwerken ist, kann die Segnungen der Marktwirtschaft in all seinen Facetten in vollen Zügen genießen. Ausnahmen bilden die relativ passiv reich gewordene Erbengeneration und diejenigen, die sich mit der grob gestrickten sozialen Hängematte abgefunden haben oder Menschen, die materiellen Wohlstand ablehnen. Die letzten beiden gehören gleichwohl nicht zur Zielgruppe des Börsengeschäfts. Die wichtigste Voraussetzung für Erfolg, vor allem an der Börse, ist jedoch die Anpassungsfähigkeit. Ein gesunder Opportunismus ist an den Aktienmärkten überlebenswichtig. Jetzt, da sich die Spielregeln fundamental geändert haben, wird es Zeit, das neue Spiel zu verstehen. Andernfalls sollte man das immer noch sehr glatte, wenn auch mittlerweile digitale Börsenparkett schleunigst verlassen.

Die bisherigen Hauptimpulse für steigende Aktienkurse fallen weg

Alte Hasen im Börsengeschäft werden sich noch an die Weisheit erinnern: „Ohne Unternehmensgewinne keine Kursgewinne“. Schaut man sich den nach Börsenkapitalisierung wichtigsten Aktienmarkt der Welt an, den S&P 500, dann wird schnell klar, dass die Weisheit ausgedient hat. Bereinigt um die Wertveränderung von Lagerbeständen und den Kapitalverzehr stagnieren die Vorsteuer-Gewinne der Unternehmen aus dem S&P 500 seit über fünf Jahren. Seit drei Quartalen beherrscht eine Gewinnrezession die amerikanischen Unternehmensbilanzen. Dabei sind die USA vor zwei Jahren noch in den Genuss einer gigantischen fiskalischen Dopingspritze durch die Steuerreform der Trump-Administration gekommen. Auf die Gewinnentwicklung hat sich diese jedoch nicht sichtbar ausgewirkt – lediglich auf die Aktienkurse, die unbeirrt weiter nach oben schießen.

Bewertungskriterien wie Kurs-Gewinn-Verhältnisse (KGV), Price-Earnings-to-Growth (dynamisches KGV), Kurs-Umsatz-Verhältnisse oder das Kurs-Buch-Verhältniss spielen keine Rolle mehr. Selbst die Dividendenrendite des heimlichen Weltleitindex S&P 500 nimmt sich mit 1,75 Prozent recht bescheiden aus und liegt in etwa auf dem Niveau des risikolosen Zinses für US-Staatsanleihen. Real, also bereinigt um die Inflation, bleibt weder von den Dividenden noch von den Zinsen bereits vor Steuern kaum etwas übrig.
Zuletzt gab es eine solche Entwicklung am Ende der neunziger Jahre im Zuge der New-Economy-Blase. Anfang des neuen Milleniums wurde diese Fehlentwicklung dann brutal korrigiert. Doch damals reagierten die Notenbanken, auch die US-Fed unter Alan Greenspan, deutlich weniger aggressiv. Man könnte auch sagen, die heute Nonchalance als „unkonventionelle Geldpolitik“ bezeichneten Maßnahmen wären damals undenkbar gewesen. Aber der Mensch gewöhnt sich bekanntlich an vieles. Doch seitdem hat sich auch vieles geändert.

Nach wie vor spielen Faktoren wie die Zukunftsfantasie für die Geschäftsmodelle einzelner Unternehmen noch latent eine Rolle. Das Gleiche gilt für Dividendenausschüttungen. Das Thema Aktienverknappung durch „Bybacks“ spielte im letzten Jahr ebenfalls eine wichtige Rolle, wie Wolfgang Müller in seinem Artikel vom 2. Januar darlegt. Müller beschreibt mit Verweis auf jüngst erhobene Statistiken von Yardeni Research folgende unglaubliche Entwicklung in den USA: „Die 500 größten Unternehmen gaben im vergangenen Jahr für Aktienrückkäufe und Dividenden 1,3 Billionen Dollar aus, ihr Nettogewinn betrug hingegen nur 1,1 Billionen Dollar.“

Im kommenden Jahr gehen die Schätzungen für die Aktienrückkaufvolumina in Richtung 500 Mrd. US-Dollar, was einem Rückgang von ca. 60 Prozent zum letzten Jahr entspräche. Einer der Gründe für diesen starken erwarteten Rückgang sind die auslaufenden Effekte aus der Trumpschen Steuerreform von 2018, im Zuge derer US-Konzerne über Jahre im Ausland geparkte Erträge steuervergünstigt in die USA repatriieren konnten. Anschließend wurden diese Erträge in Form von Sonderausschüttungen und „Buybacks“ an die Anteilseigner weitergereicht. Die große Welle dieser Repatriierungen hat ihren Scheitelpunkt nun überschritten.

Dieser Sonderfaktor bei der Aktiennachfrage wird dem US-Markt sukzessive fehlen und muss irgendwie kompensiert werden, um die Hausse am Laufen zu halten. Geschieht dies nicht, reicht schon der aus der Chaostheorie bekannte Flügelschlag eines Schmetterlings, um die Fahnenstangen der Aktienkurse abknicken zu lassen. Dass die anderen Aktienmärkte weltweit, allen voran der deutsche Leitindex DAX, sich einer massiven Abwärtsbewegung der US-Indizes entziehen können, wäre ein Novum. Im Gegenteil reagiert z. B. der DAX deutlich volatiler in Abwärtsphasen als sein US-Pendant.

Aktienmärkte im Vergleich - S&P 500 vs Dax

Wenn also Bewertungen, Unternehmensgewinne, Dividenden und Aktienrückkäufe eine abnehmende bis nicht mehr vorhandene Rolle spielen, was soll die Hausse im Jahr 2020 dann weitertragen, wenn selbst 96 Prozent der US-Finanzvorstände eine weitere Abschwächung der amerikanischen Konjunkturdynamik erwarten und die Weltbank erst jüngst erneut ihre Wachstumsprognosen für die Weltwirtschaft nach unten angepasst hat? Selbst wenn die Weltwirtschaft sich in Anbetracht historisch niedriger Zinsen und überbordender Notenbankliquidität erholt, bleibt das extreme Gewicht der globalen Schulden ein enormes Systemrisiko.

Das neue Spiel

Die wichtigsten Impulse für die Aktienmärkte werden bis auf Weiteres von den Notenbanken kommen. Sie stellen die Schuldentragfähigkeit von hoch verschuldeten Staaten, Banken, nicht finanziellen Unternehmen und privaten Haushalten sicher. Sie sorgen mit ihren Markteingriffen am US-Repo-Markt und an den Märkten für Staatsanleihen und anderen Wertpapieren für die entscheidende Nachfrage, ohne die der Finanzkapitalismus innerhalb weniger Stunden zu Staub zerfallen würde, wie ein Vampir, der sich zu lange dem Sonnenlicht aussetzt. Sollen die Aktienkurse weiter steigen, dürfen weder die verbale noch die tatsächliche Geldpolitik in Richtung weniger Zins- und Liquiditätsstimulus gehen.

Bitte klicken Sie hier um Teil 2 des Artikels zu lesen

Seiten: 1 2

7 Kommentare

7 Comments

  1. Avatar

    BrettonWood

    13. Januar 2020 10:03 at 10:03

    Was könnte denn noch das Wunder sein das noch passieren könnte? Ich kann mir die Erlösung durch Jesus Christus nach dem Tod als Wunder vorstellen,(obwohl ich Atheist bin) aber was bzw welches Wunder uns hier retten könnte, das kann ich mir nicht mal Vorstellen….

    Durch dieses Spiel der Notenbanken, man muss es als Spiel bezeichnen, wird noch schneller Umverteilt als bisher, nicht nur die Rentenkassen die wegen ihrer begrezren Horizonte nicht zu hohe Aktienquoten halten wollen & dürfen werden implodieren (und dabei benötigt es noch nicht einmal die demographische Entwicklung) fie Leistungsversprechen sind ja bei den heutigen Rentern schon viel zu hoch die Ihre Einstigen Beiträge überkompensieren….

    Für mich sind das keine Realgewinne mehr die Aktuell an den Märkten erfolgen sondern Realverlsute des Dollars und der anderen Währungen….man kann es auch als Flucht aus Fiat in Aktien und Immobilien sehen….Immobilien sind jedoch heikel für den Staat, da wohnen zu unseren Grundvedürfnissen gehört….

    Die Geschichte hat immer wieder gezeigt das die Menschen, das Volk, sejr sehr leidensfähig ist und meist bereit ist sehr vieles zu ertragen, in der Geschichte hat der Pöbel aber IMMER dann gegen die Eliten aufbegehrt wenn Grundbedüfrnisse für Sie unebzahlbar wurden…..

    Als ein Besipiel für viel der Sudan wo sich die Leute 30 Jahre unterdrücken und abschlachten liessen und dies hinnahmen aber als sich der Brotpreis verdreifachte wurde der Herscher gestürzt..

    Die Grundbedürfnisse der Massen müssen daher bezahlbar bleiben, daher haben wir auch 0 Inflation, den dort wird gemessen , nocht ganz alles aber vieles, diese Dinge werden künstlich günstig gehalten über Subventionen (ganz Europa wird über die Bauern in der Lebensmittelprodultion so was von krass Subventioniert) um angeblich Konkurrenzfähig zu sein….Tja wenn alle Subventionen erhalten um Konkurrenzfähig zu sein, wären Sie es dann in der Logik nicht auch ohne Subventionen mit höhrern Preisen für alle in der Logik? Das will man nicht….

    Und die Masse hat gar keine Zeit sich Gedanken zu machen. Die Frage ist was macht man als heute 35 Jähriger mit diesen Aussichten, sparen in Rentenkassen wird aus meiner Optik völlig Sinnlos, nicht nur das zB die Gelder im Rahmen von Umwandlugsverfaheren sowieso direkt wieder Verteitl werden gibt es auch im Kapitaldeckungsverfahren immer höhere Umverteilungen da die versprochenen Leistungen sind nicht mehr finanzieren lassen….

    Die Wahrscheinlichkeit das unser System in den nächsten 30 Jahre Crasht und Fiat Währungen in der Folge Wertlos werden erachte uich als grösser als dies nicht passiert…was muss ich für eine Konsequenz daraus ziehen? Das arbeit im heutigen System keine Wert mehr hat….

    Alles zu sichern wird sowieso nicht möglich sein, also Frage ich mich zwischenzeitlich ob es nicht Sinnvoller ist, das Geld zu brauchen in meinem Fall könnte ich 7-10 Jahren in der Welt herumreisen mit dem Geld das deoht Werlos zu werden, ziehen wir halt ein Stück Pension vor, das kann
    Mir immerhin keiner mehr nehmen und gehen dann wieder an die Säcke wenn es sich lohnt….

    Mein Haus hat im letzten Jahr mehr Wer zugelegt als ich mit arbeit verdient habe…..Crazy….und wohl Zeit es zu verkaufen….in den nächsten 1-2 Jahren….

    Ich befürchte ebenfalls das die Notenbanken das Spiel noch lange treiben bis auch der Michel aufwacht….und eine Lösung wird es für uns kleine Fische aoweiso keine geben….beängstigend

    • Avatar

      Chris

      13. Januar 2020 12:27 at 12:27

      @BrettonWood

      Und Die Ideen bereits umgesetzt?

      Wir ja, wir müssen seit sieben Monaten keine 7.000 EUR mehr pro Monat die Einkommensteuer und Sozialbeiträge erarbeiten, macht 35.000 EUR.
      Leider noch ich ganz frei von der Bürokratie, aber wir arbeiten daran. Außerdem unser Kind davon überzeugt, nach dem Abschluss gründlich zu suchen und zu überlegen und dafür sechs Monate einzuplanen, macht mindestens 30.000 EUR.

      • Avatar

        BrettonWood

        13. Januar 2020 15:07 at 15:07

        Ich überlege mit ehrlich gesagt eine Firma in den Emiraten zu gründen und den Wohnsitz nach Panama zu verlegen, vieles meiner Arbeit kann ich Ortsumgebunden machen und kann mich so sämtlichen Steuersystemen entziehen (Kostenpunkt für veides ca 10‘000 Dollar) , da ich der Schweiz lebe sind meine Abgaben nicht ganz so übel….insofern Nein, noch nicht umgesetzt

  2. Avatar

    Demagoge

    13. Januar 2020 11:01 at 11:01

    Es ist als definitiv so weit, dass die Börse auch von Profis als Spiel betrachtet werden muss.Bei Bitcoins z.B.hat man das schon öfter gehört. Nur schade für die Rentner, die als Rente vielleicht etwas Werthaliges möchten u.nicht einen Gegenwert einer Firma die zehn bis hundertmal überbewertet ist.Früher hat die Natur die Übetbevölkerung mit Seuchen u.Hungersnöten abgebaut. In Zukunft könnte die Hungersnot über Verfall der Renten wieder ein Thema werden. Auch Bürgerkrieg könnte eine Lösung sein ,wenn 90% der Bevölkerung Nichts mehr haben u.die andern 10% Milliarden in wertlosen Aktien weil nichts mehr funktioniert.

  3. Avatar

    paul

    13. Januar 2020 11:58 at 11:58

    Wenn ich mit Aktien 100% Gewinn mache und dann 90 % in einem Crash verliere, habe ich am ende immer noch mehr als auf dem Sparbuch !

    • Avatar

      Marcus

      14. Januar 2020 17:07 at 17:07

      Sie vergessen die Inflation!

  4. Avatar

    Columbo

    13. Januar 2020 12:27 at 12:27

    @paul
    Wenn nur das blöde „wenn“ nicht wäre…

Hinterlassen Sie eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

ACHTUNG: Wenn Sie den Kommentar abschicken stimmen Sie der Speicherung Ihrer Daten zur Verwendung der Kommentarfunktion zu.
Weitere Information finden Sie in unserer Zur Datenschutzerklärung

Aktien

Fracking-Pleitewelle startet – Anbieter beantragt Gläubigerschutz nach Chapter 11

Avatar

Veröffentlicht

am

Fracking-Firma Whiting Petroleum ist pleite

Nach dem Ölpreis-Schock hat nun offenbar die Pleitewelle in Fracking-Industrie begonnen. Der US-Anbieter Whiting Petroleum (eine große Nummer im „Bakken“-Vorkommen in North Dakota) hat vor wenigen Minuten seine Pleite erklärt nach Chapter 11 der US-Insolvenzordnung (Antrag auf Gläubigerschutz). Es gehe um eine Erleichterung der Umstrukturierung der Firmenbilanz. Whiting Petroleum habe proaktive Schritte unternommen um sicherzustellen, dass man über genügend Liquidität verfüge um den laufenden Betrieb zu finanzieren, indem man 650 Millionen Dollar aus einer Kreditfaszilität in Anspruch nehme.

Die zusätzliche Finanzierung verschaffe dem Unternehmen mehr als genug Liquidität, um das Tagesgeschäft fortzuführen und die Verpflichtungen gegenüber seinen Mitarbeitern und Lieferanten mit minimaler Unterbrechung zu erfüllen, da man nun alle Alternativen zur Maximierung des Unternehmenswertes in Betracht ziehe, so das Unternehmen in seiner offiziellen Mitteilung. Im Klartext: Das Unternehmen kann somit unter der Aufsicht eines Konkursrichters seinen Betrieb zunächst weiterführen und Pläne für die Schuldenrückzahlung erstellen. Auf wie viel werden die Gläubiger wohl verzichten müssen? Im Chart sieht man die Aktie von Whiting Petroleum seit dem Jahr 2010. Sie notierte einst bei 368 Dollar. Gestern waren es noch 67 Cents. Die erste Notierung direkt nach Eröffnung liegt bei 43 Cents.

Verlauf im Aktienkurs von Whiting Petroleum

weiterlesen

Aktien

Walt Disney: Der Medienkonzern des 21. Jahrhunderts – Werbung

Avatar

Veröffentlicht

am

Werbung

Lieber Börsianer,

in dieser Woche startet Disneys Streamingdienst auch in Deutschland. Der fast hundert Jahre alte Traditionskonzern bringt die Big Player der Branche in Schwitzen. Denn Disney hat sich in den letzten Jahren vom Zeichentrickunternehmen zu einem riesigen Medienimperium entwickelt, das Inhalte für Groß und Klein produziert. Von den 20 erfolgreichsten Filmen, die jemals produziert wurden, gehören 12 ins Disney-Universum. Dieses Kunststück hat der kalifornische Unterhaltungsriese vor allem starken Zukäufen zu verdanken.

Neben den weltbekannten Zeichentrickfilmen und Realverfilmungen aus dem Hause Disney gehören inzwischen zahlreiche andere Studios zum Konzern: 2006 kaufte Disney den Animationsfilmpionier Pixar von Steve Jobs. Dank des Deals ist die Witwe des Apple-Gründers bis heute größte einzelne Anteilseignerin an Disney. 2009 kaufte Disney die damals maroden Marvel-Studios für gerade einmal 4 Milliarden Dollar und sicherte sich damit die Rechte an einem der bedeutendsten Comic-Universen. In gerade mal 10 Jahren konnten die Marvel-Filme unter Disney Regie bereits 22,6 Milliarden Dollar an den Kinokassen einspielen.

Ebenfalls 4 Milliarden Dollar zahlte Disney für Lucasfilm. Seit 2012 gehören die Schöpfungen von George Lucas, wie die bekannte Star Wars Saga aber auch Indiana Jones, zu Disney. Im vergangenen Jahr griff der Konzern tiefer in die Tasche: für 71 Milliarden Dollar wurde der größte Teil von Rupert Murdochs Medienimperium 21st Century Fox gekauft. Damit kam unter anderem der weltweit erfolgreichste Film Avatar in die Disney-Familie.

Warum erzähle ich Ihnen das? Disney ist schon längst nicht mehr nur der Produzent von Mickey Mouse, sondern hat sich einen bedeutenden Platz in der Medienlandschaft erkauft. Dabei hat der Konzern auch nach fast 100 Jahren immer noch die Fähigkeit Potential zu…..

Den gesamten Artikel können Sie lesen, wenn Sie sich für den Newsletter „Profit Alarm“ anmelden. Sie erhalten dann täglich per Email eine exklusive Analyse. Der Service ist für Sie völlig kostenfrei!

 

weiterlesen

Aktien

Warum Öl-Tanker-Unternehmen jetzt das Geschäft ihres Lebens machen!

Avatar

Veröffentlicht

am

Beispiebild für einen Öl-Tanker

Am 28. Februar schaute ich mir bereits einmal die Aktien großer Öltanker-Reedereien an. Seitdem gab es einen veritablen Crash bei Öl, gefolgt von weiter massiv nachgebenden und anschließend sich schnell erholenden Aktienkursen. Wie schlugen sich seitdem die Aktien der Tanker-Flottenbetreiber? Können sie von niedrigen Ölpreisen profitieren? Auf jeden Fall! Die Aktien entwickelten sich deutlich besser als der Gesamtmarkt!

In der Wirtschaft gilt normalerweise, dass ein Produkt umso häufiger nachgefragt wird, je günstiger es ist. Das gilt natürlich auch für Rohöl. Wenn das Barrel Rohöl nur noch 20 statt 130 US-Dollar kostet, wird weniger auf den Benzinverbrauch geachtet. Der Heizöltank wird eher gefüllt als üblich, die Industrie investiert weniger in Energiesparmaßnahmen und auch das eine oder andere mit Öl arbeitende Spitzenlastkraftwerk dürfte künftig öfter angeworfen werden als zu Zeiten deutlich höherer Ölpreise. Zu guter letzt gibt es auch noch die Ölbroker, die bei ausreichend niedrigem Preis für sofort zu lieferndes und ausreichend hohen Preisen für in der Zukunft zu lieferndes Öl jetzt Rohöl kaufen, in Tanker füllen und warten, bis der verkaufte Future-Kontrakt fällig wird. Denkbar ist auch, dass Vielverbraucher von Öl jetzt zugreifen und das Öl für späteren Verbrauch lagern. Wo mehr verbraucht und mehr Rohöl gelagert wird, steigt natürlich auch die Nachfrage nach Öltankern. Darüber berichtete ich bereits gestern.

Öl-Tanker werden jetzt für Lagerung und Transport nachgefragt

Weiterhin kann es zu Preisunterschieden zwischen einzelnen Lieferanten kommen. Wenn saudisches Öl inklusive Transport günstiger ist als russisches, dann werden europäische Kunden eher zu saudischem Öl greifen. Ein heißer Kandidat dafür ist derzeit Belarus, die sich schon seit geraumer Zeit mit Russland in einem Ölpreisstreit befinden und in den vergangenen Monaten Öl aus Norwegen und Kasachstan einführten, statt es aus der durch das Land führenden Rohölpipeline zwischen Russland und Westeuropa zu entnehmen. Trotz einer vermeintlichen Einigung mit Russland bekommt das Land immer noch nicht das gewünschte Öl aus Putins Reich. Nun ist Belarus mit 10 Millionen Einwohnern kein Abnehmerland, das zu größeren Nachfragesprüngen bei großen Tankerflotten führen wird. Aber US-amerikanische, asiatische und westeuropäische Abnehmer werden sich künftig genau überlegen, ob sie regional verfügbares Öl kaufen oder ob das derzeit von Saudi-Arabien mit Billigpreisen in den Markt gedrückte Öl nicht trotz der aufwendigen Anlieferung letztendlich günstiger ist.

Öltanker-Reedereien zählen zu den klaren Outperformern im März

Tatsächlich haben sich die Aktien vieler Reedereien seit dem 28. Februar nicht nur deutlich besser entwickelt als der S&P 500, sondern auch noch teils zweistellige Gewinne eingefahren in einer Phase, in der der S&P 500. Von fünf untersuchten Tanker-Betreibern schnitt lediglich das Unternehmen Teekay genauso schlecht ab wie der S&P 500. Die vier anderen Unternehmen (DHT Holdings, Frontline, Nordic American Tankers, Tsakos Energy Navigation) erzielten Gewinne zwischen 25% und mehr als 40%.

Nehmen wir als Beispiel Frontline, die 21 Öltanker der VLCC-Klasse besitzen. Pro Tanker kann Frontline derzeit an die 220.000 US-Dollar berechnen – pro Tag. Macht in einem halben Jahr 830 Millionen US-Dollar Umsatz. Dazu kommen 28 Schiffe der Suezmax-Klasse sowie 20 der Aframax-Klasse. Die 20 Schiffe der Aframax-Klasse bringen weitere 225 Millionen ein, die 28 Suezmax-Schiffe 330 Millionen. Zusammen also 1,385 Milliarden US-Dollar Umsatz in einem halben Jahr. In der Realität wird es komplexer, da Frontline einige Tanker längerfristig bereits vermietete. Bei einem Teil dieser vermieteten Tanker gibt es jedoch Profitshare-Abkommen. Zudem ist unklar, wie lange Frontline seine Tanker zu den aktuell sehr hohen Preisen vermietet bekommt.

Gelänge es, die Tanker für ein halbes Jahr zu diesen Preisen zu vermieten, hätte Frontline bereits 40% mehr Umsatz gemacht als im gesamten vorherigen Jahr. Und eine Mietzeit von einem halben Jahr erscheint nicht unrealistisch, werden doch die Tanker derzeit hauptsächlich zum längerfristigen Einlagern des derzeit sehr günstigen Öls gebraucht. Allein durch dieses halbe Jahr mit deutlich gestiegenen Umsätzen könnte Frontline den Vorjahresgewinn glatt vervierfachen. An der Börse bewertet wird der Konzern übrigens mit 1,8 Milliarden US-Dollar. Bei einer Gewinn-Vervierfachung entspräche das einem KGV von weniger als fünf.

weiterlesen

Anmeldestatus

Meist gelesen 30 Tage