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Aktien

Aktienmärkte: neues Spiel, neue Regeln

Hannes Zipfel

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am

New York Skyline

Selbst die optimistischsten Bullen werden langsam stutzig, wenn man sieht, wie hoch die Aktienmärkte inzwischen bewertet sind. Ein neues Spiel wird an den Börsen gespielt. Wer die Regeln nicht kennt, droht alles wieder zu verlieren.

An den Aktienmärkten gewinnen die Opportunisten

Der Finanzkapitalismus war noch nie eine kuschelige Gesellschaftsform. Nur wer sich im Wettbewerb durch besondere Fähigkeiten, Wissensvorsprung, Fleiß, Mut und Ehrgeiz auszeichnet sowie im Idealfall Mitglied in einflussreichen Netzwerken ist, kann die Segnungen der Marktwirtschaft in all seinen Facetten in vollen Zügen genießen. Ausnahmen bilden die relativ passiv reich gewordene Erbengeneration und diejenigen, die sich mit der grob gestrickten sozialen Hängematte abgefunden haben oder Menschen, die materiellen Wohlstand ablehnen. Die letzten beiden gehören gleichwohl nicht zur Zielgruppe des Börsengeschäfts. Die wichtigste Voraussetzung für Erfolg, vor allem an der Börse, ist jedoch die Anpassungsfähigkeit. Ein gesunder Opportunismus ist an den Aktienmärkten überlebenswichtig. Jetzt, da sich die Spielregeln fundamental geändert haben, wird es Zeit, das neue Spiel zu verstehen. Andernfalls sollte man das immer noch sehr glatte, wenn auch mittlerweile digitale Börsenparkett schleunigst verlassen.

Die bisherigen Hauptimpulse für steigende Aktienkurse fallen weg

Alte Hasen im Börsengeschäft werden sich noch an die Weisheit erinnern: „Ohne Unternehmensgewinne keine Kursgewinne“. Schaut man sich den nach Börsenkapitalisierung wichtigsten Aktienmarkt der Welt an, den S&P 500, dann wird schnell klar, dass die Weisheit ausgedient hat. Bereinigt um die Wertveränderung von Lagerbeständen und den Kapitalverzehr stagnieren die Vorsteuer-Gewinne der Unternehmen aus dem S&P 500 seit über fünf Jahren. Seit drei Quartalen beherrscht eine Gewinnrezession die amerikanischen Unternehmensbilanzen. Dabei sind die USA vor zwei Jahren noch in den Genuss einer gigantischen fiskalischen Dopingspritze durch die Steuerreform der Trump-Administration gekommen. Auf die Gewinnentwicklung hat sich diese jedoch nicht sichtbar ausgewirkt – lediglich auf die Aktienkurse, die unbeirrt weiter nach oben schießen.

Bewertungskriterien wie Kurs-Gewinn-Verhältnisse (KGV), Price-Earnings-to-Growth (dynamisches KGV), Kurs-Umsatz-Verhältnisse oder das Kurs-Buch-Verhältniss spielen keine Rolle mehr. Selbst die Dividendenrendite des heimlichen Weltleitindex S&P 500 nimmt sich mit 1,75 Prozent recht bescheiden aus und liegt in etwa auf dem Niveau des risikolosen Zinses für US-Staatsanleihen. Real, also bereinigt um die Inflation, bleibt weder von den Dividenden noch von den Zinsen bereits vor Steuern kaum etwas übrig.
Zuletzt gab es eine solche Entwicklung am Ende der neunziger Jahre im Zuge der New-Economy-Blase. Anfang des neuen Milleniums wurde diese Fehlentwicklung dann brutal korrigiert. Doch damals reagierten die Notenbanken, auch die US-Fed unter Alan Greenspan, deutlich weniger aggressiv. Man könnte auch sagen, die heute Nonchalance als „unkonventionelle Geldpolitik“ bezeichneten Maßnahmen wären damals undenkbar gewesen. Aber der Mensch gewöhnt sich bekanntlich an vieles. Doch seitdem hat sich auch vieles geändert.

Nach wie vor spielen Faktoren wie die Zukunftsfantasie für die Geschäftsmodelle einzelner Unternehmen noch latent eine Rolle. Das Gleiche gilt für Dividendenausschüttungen. Das Thema Aktienverknappung durch „Bybacks“ spielte im letzten Jahr ebenfalls eine wichtige Rolle, wie Wolfgang Müller in seinem Artikel vom 2. Januar darlegt. Müller beschreibt mit Verweis auf jüngst erhobene Statistiken von Yardeni Research folgende unglaubliche Entwicklung in den USA: „Die 500 größten Unternehmen gaben im vergangenen Jahr für Aktienrückkäufe und Dividenden 1,3 Billionen Dollar aus, ihr Nettogewinn betrug hingegen nur 1,1 Billionen Dollar.“

Im kommenden Jahr gehen die Schätzungen für die Aktienrückkaufvolumina in Richtung 500 Mrd. US-Dollar, was einem Rückgang von ca. 60 Prozent zum letzten Jahr entspräche. Einer der Gründe für diesen starken erwarteten Rückgang sind die auslaufenden Effekte aus der Trumpschen Steuerreform von 2018, im Zuge derer US-Konzerne über Jahre im Ausland geparkte Erträge steuervergünstigt in die USA repatriieren konnten. Anschließend wurden diese Erträge in Form von Sonderausschüttungen und „Buybacks“ an die Anteilseigner weitergereicht. Die große Welle dieser Repatriierungen hat ihren Scheitelpunkt nun überschritten.

Dieser Sonderfaktor bei der Aktiennachfrage wird dem US-Markt sukzessive fehlen und muss irgendwie kompensiert werden, um die Hausse am Laufen zu halten. Geschieht dies nicht, reicht schon der aus der Chaostheorie bekannte Flügelschlag eines Schmetterlings, um die Fahnenstangen der Aktienkurse abknicken zu lassen. Dass die anderen Aktienmärkte weltweit, allen voran der deutsche Leitindex DAX, sich einer massiven Abwärtsbewegung der US-Indizes entziehen können, wäre ein Novum. Im Gegenteil reagiert z. B. der DAX deutlich volatiler in Abwärtsphasen als sein US-Pendant.

Aktienmärkte im Vergleich - S&P 500 vs Dax

Wenn also Bewertungen, Unternehmensgewinne, Dividenden und Aktienrückkäufe eine abnehmende bis nicht mehr vorhandene Rolle spielen, was soll die Hausse im Jahr 2020 dann weitertragen, wenn selbst 96 Prozent der US-Finanzvorstände eine weitere Abschwächung der amerikanischen Konjunkturdynamik erwarten und die Weltbank erst jüngst erneut ihre Wachstumsprognosen für die Weltwirtschaft nach unten angepasst hat? Selbst wenn die Weltwirtschaft sich in Anbetracht historisch niedriger Zinsen und überbordender Notenbankliquidität erholt, bleibt das extreme Gewicht der globalen Schulden ein enormes Systemrisiko.

Das neue Spiel

Die wichtigsten Impulse für die Aktienmärkte werden bis auf Weiteres von den Notenbanken kommen. Sie stellen die Schuldentragfähigkeit von hoch verschuldeten Staaten, Banken, nicht finanziellen Unternehmen und privaten Haushalten sicher. Sie sorgen mit ihren Markteingriffen am US-Repo-Markt und an den Märkten für Staatsanleihen und anderen Wertpapieren für die entscheidende Nachfrage, ohne die der Finanzkapitalismus innerhalb weniger Stunden zu Staub zerfallen würde, wie ein Vampir, der sich zu lange dem Sonnenlicht aussetzt. Sollen die Aktienkurse weiter steigen, dürfen weder die verbale noch die tatsächliche Geldpolitik in Richtung weniger Zins- und Liquiditätsstimulus gehen.

Bitte klicken Sie hier um Teil 2 des Artikels zu lesen

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7 Kommentare

7 Comments

  1. Avatar

    BrettonWood

    13. Januar 2020 10:03 at 10:03

    Was könnte denn noch das Wunder sein das noch passieren könnte? Ich kann mir die Erlösung durch Jesus Christus nach dem Tod als Wunder vorstellen,(obwohl ich Atheist bin) aber was bzw welches Wunder uns hier retten könnte, das kann ich mir nicht mal Vorstellen….

    Durch dieses Spiel der Notenbanken, man muss es als Spiel bezeichnen, wird noch schneller Umverteilt als bisher, nicht nur die Rentenkassen die wegen ihrer begrezren Horizonte nicht zu hohe Aktienquoten halten wollen & dürfen werden implodieren (und dabei benötigt es noch nicht einmal die demographische Entwicklung) fie Leistungsversprechen sind ja bei den heutigen Rentern schon viel zu hoch die Ihre Einstigen Beiträge überkompensieren….

    Für mich sind das keine Realgewinne mehr die Aktuell an den Märkten erfolgen sondern Realverlsute des Dollars und der anderen Währungen….man kann es auch als Flucht aus Fiat in Aktien und Immobilien sehen….Immobilien sind jedoch heikel für den Staat, da wohnen zu unseren Grundvedürfnissen gehört….

    Die Geschichte hat immer wieder gezeigt das die Menschen, das Volk, sejr sehr leidensfähig ist und meist bereit ist sehr vieles zu ertragen, in der Geschichte hat der Pöbel aber IMMER dann gegen die Eliten aufbegehrt wenn Grundbedüfrnisse für Sie unebzahlbar wurden…..

    Als ein Besipiel für viel der Sudan wo sich die Leute 30 Jahre unterdrücken und abschlachten liessen und dies hinnahmen aber als sich der Brotpreis verdreifachte wurde der Herscher gestürzt..

    Die Grundbedürfnisse der Massen müssen daher bezahlbar bleiben, daher haben wir auch 0 Inflation, den dort wird gemessen , nocht ganz alles aber vieles, diese Dinge werden künstlich günstig gehalten über Subventionen (ganz Europa wird über die Bauern in der Lebensmittelprodultion so was von krass Subventioniert) um angeblich Konkurrenzfähig zu sein….Tja wenn alle Subventionen erhalten um Konkurrenzfähig zu sein, wären Sie es dann in der Logik nicht auch ohne Subventionen mit höhrern Preisen für alle in der Logik? Das will man nicht….

    Und die Masse hat gar keine Zeit sich Gedanken zu machen. Die Frage ist was macht man als heute 35 Jähriger mit diesen Aussichten, sparen in Rentenkassen wird aus meiner Optik völlig Sinnlos, nicht nur das zB die Gelder im Rahmen von Umwandlugsverfaheren sowieso direkt wieder Verteitl werden gibt es auch im Kapitaldeckungsverfahren immer höhere Umverteilungen da die versprochenen Leistungen sind nicht mehr finanzieren lassen….

    Die Wahrscheinlichkeit das unser System in den nächsten 30 Jahre Crasht und Fiat Währungen in der Folge Wertlos werden erachte uich als grösser als dies nicht passiert…was muss ich für eine Konsequenz daraus ziehen? Das arbeit im heutigen System keine Wert mehr hat….

    Alles zu sichern wird sowieso nicht möglich sein, also Frage ich mich zwischenzeitlich ob es nicht Sinnvoller ist, das Geld zu brauchen in meinem Fall könnte ich 7-10 Jahren in der Welt herumreisen mit dem Geld das deoht Werlos zu werden, ziehen wir halt ein Stück Pension vor, das kann
    Mir immerhin keiner mehr nehmen und gehen dann wieder an die Säcke wenn es sich lohnt….

    Mein Haus hat im letzten Jahr mehr Wer zugelegt als ich mit arbeit verdient habe…..Crazy….und wohl Zeit es zu verkaufen….in den nächsten 1-2 Jahren….

    Ich befürchte ebenfalls das die Notenbanken das Spiel noch lange treiben bis auch der Michel aufwacht….und eine Lösung wird es für uns kleine Fische aoweiso keine geben….beängstigend

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      Chris

      13. Januar 2020 12:27 at 12:27

      @BrettonWood

      Und Die Ideen bereits umgesetzt?

      Wir ja, wir müssen seit sieben Monaten keine 7.000 EUR mehr pro Monat die Einkommensteuer und Sozialbeiträge erarbeiten, macht 35.000 EUR.
      Leider noch ich ganz frei von der Bürokratie, aber wir arbeiten daran. Außerdem unser Kind davon überzeugt, nach dem Abschluss gründlich zu suchen und zu überlegen und dafür sechs Monate einzuplanen, macht mindestens 30.000 EUR.

      • Avatar

        BrettonWood

        13. Januar 2020 15:07 at 15:07

        Ich überlege mit ehrlich gesagt eine Firma in den Emiraten zu gründen und den Wohnsitz nach Panama zu verlegen, vieles meiner Arbeit kann ich Ortsumgebunden machen und kann mich so sämtlichen Steuersystemen entziehen (Kostenpunkt für veides ca 10‘000 Dollar) , da ich der Schweiz lebe sind meine Abgaben nicht ganz so übel….insofern Nein, noch nicht umgesetzt

  2. Avatar

    Demagoge

    13. Januar 2020 11:01 at 11:01

    Es ist als definitiv so weit, dass die Börse auch von Profis als Spiel betrachtet werden muss.Bei Bitcoins z.B.hat man das schon öfter gehört. Nur schade für die Rentner, die als Rente vielleicht etwas Werthaliges möchten u.nicht einen Gegenwert einer Firma die zehn bis hundertmal überbewertet ist.Früher hat die Natur die Übetbevölkerung mit Seuchen u.Hungersnöten abgebaut. In Zukunft könnte die Hungersnot über Verfall der Renten wieder ein Thema werden. Auch Bürgerkrieg könnte eine Lösung sein ,wenn 90% der Bevölkerung Nichts mehr haben u.die andern 10% Milliarden in wertlosen Aktien weil nichts mehr funktioniert.

  3. Avatar

    paul

    13. Januar 2020 11:58 at 11:58

    Wenn ich mit Aktien 100% Gewinn mache und dann 90 % in einem Crash verliere, habe ich am ende immer noch mehr als auf dem Sparbuch !

    • Avatar

      Marcus

      14. Januar 2020 17:07 at 17:07

      Sie vergessen die Inflation!

  4. Avatar

    Columbo

    13. Januar 2020 12:27 at 12:27

    @paul
    Wenn nur das blöde „wenn“ nicht wäre…

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Warum ich keine Lieblingsaktien habe! – Werbung

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Lieber Börsianer,

was ist Ihre Lieblingsaktie? Welchem Titel halten Sie unbedingt die Treue und gehen quasi mit ihm durch dick und dünn? Hier verzeihen Sie auch einmal schlechte Nachrichten, weil Sie von dem Unternehmen wirklich überzeugt sind. Das Phänomen der Lieblingsaktie kann auch gleich für eine ganze Branche gelten. So schworen viele Privatanleger vor einigen Jahren auf Unternehmen aus der Edelmetall-Branche. In fester Erwartung eines Euro-Untergangs wurde diese Branche für viele Privatanleger zum bevorzugten Ort der Investition.

Typisch für eine solche Situation ist, dass wir die Nachrichtenlage dann nur noch sehr eingeschränkt wahrnehmen. Schlechte Nachrichten zu unserer Lieblingsaktie blenden wir aus. Gute Nachrichten hingegen bewerten wir in ihrer Bedeutung für die Kursentwicklung über. Mehr noch: Oftmals bilden wir in unseren Lieblingsaktien deutliche Übergewichtungen in unseren Depots, weil wir hier gerne mehrfach kaufen. Plötzlich steht Ihre Lieblingsaktie dann für 10 oder 20 % Ihres Gesamtdepots. Wenn Ihre Lieblingsaktie dann einmal schwächelt, ist Ihr Depot aufgrund der Übergewichtung chancenlos.

Aber wie entsteht eigentlich so eine Lieblingsaktie in unserem Depot? In aller Regel steht am Anfang zunächst eine starke Performance. Folglich mögen wir diese Aktie, weil sie uns eben zunächst viel Rendite beschert hat. Am besten können wir die Produkte unseres Lieblingsunternehmens im Alltag auch noch erfahren und quasi anfassen. Tatsächlich schätzten in der Vergangenheit viele deutsche Privatanleger die Aktien von BMW oder Daimler, weil sie privat ein…..

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Aktienmärkte: Corona-Krise und ein heimlicher Star im deutschen Leitindex

Wolfgang Müller

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Normalerweise waren die letzten Jahre die Zeit für Wachstumstitel, also für Growth, wie man es in der Sprache der Aktienmärkte bezeichnet. Eher jedoch nicht für den deutschen Leitindex Dax – aber dort steht ein Wert ganz oben in der Performance, von dem man es noch weniger erwartet hätte: die Deutsche Post. Man profitiert derzeit vom „Stay at Home“ und vielleicht nochmals durch ein logistisches Thema der Superlative.

Die bevorstehende Massenimpfungen

Was werden nicht alles für Zahlen herumgereicht? Die Gesamtbevölkerung der Erde müsse gegen Covid-19 geimpft werden, 7,7 Milliarden Menschen und dies gleich zweimal. Aber gemach, es werden sich nicht alle impfen lassen wollen, und es einige durch Immunität nicht mehr brauchen (oder durch heimische Pharmafirmen versorgt werden) und viele sich in einem Alter befinden, in dem die Gefährlichkeit des Virus unterhalb des Promillebereichs für die Betagten und Gefährdeten liegt. Dennoch: Es gilt Abermillionen von Impfdosen zu transportieren, mit den verschiedensten Transportmitteln, mit speziellen Behältern und mit der Aufrechterhaltung von Kühlketten und überall ist der deutsche Marktführer gut aufgestellt.

Die unauffällige Hausse bei einem Underdog der Aktienmärkte

Die Deutsche Post (DHL Group) feierte gerade den 20. Börsengeburtstag. Der Logistik-Riese, der aus einem Paket- und Postzusteller hervorging, wurde am 20. November 2000 zu 21 Euro an die Börse gebracht. Zu dieser Zeit stand der Dax bei 6609 Punkten. Betrachtet man nun die Kursentwicklung von Index und den Dax-Wert Deutsche Post (gestern 40,39 Euro), so könnte man den Eindruck gewinnen, als wäre der Dax mit seiner Kursverdoppelung besser gelaufen, als der deutsche Logistiker, der es nur auf gut 80 Prozent Kurszuwachs brachte. Rechnet man die Dividendenzahlungen hinzu, käme man bei der Post aber auf circa 268 Prozent Gewinn. Beim Dax als Performance-Index werden die Dividenden einfach hinzugerechnet. Macht eine Rendite der Deutschen Post von 6,7 Prozent p.a. gegenüber dem Index mit seinen 3,5 Prozent. Der Traditionswert ein heimlicher Star der Aktienmärkte – gewiss, denn ein Großteil der Dax-Werte ist noch weit von seinen ehemaligen Höchstständen entfernt. Bis auf fünf Werte, einer davon ist die Marke mit dem auffälligen Gelb.

Dies ist natürlich den Analysten nicht verborgen geblieben: so erwarten Ökonomen von Goldman Sachs einen Umsatzanstieg der Deutschen Post von aktuell 65 Milliarden bis auf 80 Milliarden Euro im Jahr 2024, der Gewinn soll im gleichen Zeitraum von 4,4 Milliarden auf 6,5 Milliarden Euro steigen. Wäre ein einstelliges KGV, hinzu kommt die niedrige Börsenbewertung im Vergleich zu UPS oder Fedex.

Fazit

Obwohl die Aktienmärkte derzeit die Umschichtung von Growth zu Value spielen, kann dies dem deutschen Logistiker relativ egal sein. Man profitiert weiter von den Auswirkungen der partiellen Lockdowns, vermutlich noch durch die Wintermonate, als auch von der neuen Situation um die Mammutaufgabe Impfung der Bevölkerung mit all den personellen und logistischen Herausforderungen.

Jetzt steht in dieser Woche erst einmal der große vorweihnachtliche Hype um den „Black Friday“ und den „Cyber Monday“ auf dem Programm. Angesichts der Pandemie sicherlich mit bisher noch nie gesehenen Umsätzen. Ein DHL-Manager sprach schon davon, dass Covid-19 die Umsätze der Post in das Jahr 2030 hieven werde. Und jetzt kommt noch das Transportthema Impfstoff hinzu. Ein Goldilocks-Szenario? Nicht ganz, denn da gibt es noch einen übermächtigen Konkurrenten aus Übersee, der bis 2021 mit eigenen Paketzentren in Deutschland zulegen will. Der „All-Star“ der amerikanischen Aktienmärkte Amazon, der bereits schon für ein Viertel der Paketsendungen in Deutschland verantwortlich ist.

Die Aktienmärkte in Deutschland und ihr heimlicher Star

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Aktienmärkte: Die 8-Billionen-Dollar Bombe – 20%-Korrektur voraus

Markus Fugmann

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Die Aktienmärkte der USA haben ein Klumpenrisiko – sie sind eine Bombe, die entschärft werde auf Kosten einer heftigen Korrektur. Das sagt nicht ein sogenannter „Crash-Prophet“, sondern der eher als „Dauer-Bulle“ bekannte Hans. A. Bernecker. Alle Indizes der amerikanischen Aktienmärkte seien extrem überkauft, getrieben vor allem in den letzten Monaten durch die Tech-Werte. Bevor dann ab dem 09.November mit der Pfizer/BioNTech-Meldung über den Impfstoff eine gewaltige Rotation erfolgte – raus aus Tech, rein in die sogenannten Value-Werte (die jedoch in vielen Fällen eigentlich alles andere als „value“ sind). Man wechselt also von einer Überbewertung in die andere, und dabei entfernen sich die Aktienmärkte immer mehr von der ökonomischen Realität.

Aktienmärkte: Nach dem Entschärfen der Bombe kommt die Erholung

Der Hype der Aktienmärkte, so Hans Bernecker, sei vor allem von Kleininvestoren getragen gewesen (die sogenannten „Robinhooder“). Das alles erinnert an die Euphorie des Jahres 1987, der dann im Oktober diesen Jahres ein gewaltiger, wenn auch nur kurzfristiger Absturz folgte. Nun aber gebe es eine Schwachstelle: das seien extrem überbewertete Aktien wie eine Tesla mit einer Marktkapitalisierung von mehr als 500 Milliarden Dollar, die nun ein großer Hedgefonds-Manager geshortet habe. Es werde nun, so Bernecker, bald eine heftige Marktbereinigung geben bei den großen und marktschweren Titel der amerikanischen Aktienmärkte, die alleine acht Billionen Dollar auf die Waage bringen.

Wann kommmt der Einbruch? Eher zeitnah, meint Bernecker. Es handele sich dabei um eine Markt-Bereinigung, der dann jedoch wieder eine Aufwärtsbewegung folgen werde. Sehen Sie hier die Aussagen des „Altmeisters“ Bernecker:

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Die überbewrteten Aktienmärkte der USA als Bombe, die bald entschärft wird

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