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Aktienmärkte: neues Spiel, neue Regeln

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New York Skyline

Selbst die optimistischsten Bullen werden langsam stutzig, wenn man sieht, wie hoch die Aktienmärkte inzwischen bewertet sind. Ein neues Spiel wird an den Börsen gespielt. Wer die Regeln nicht kennt, droht alles wieder zu verlieren.

An den Aktienmärkten gewinnen die Opportunisten

Der Finanzkapitalismus war noch nie eine kuschelige Gesellschaftsform. Nur wer sich im Wettbewerb durch besondere Fähigkeiten, Wissensvorsprung, Fleiß, Mut und Ehrgeiz auszeichnet sowie im Idealfall Mitglied in einflussreichen Netzwerken ist, kann die Segnungen der Marktwirtschaft in all seinen Facetten in vollen Zügen genießen. Ausnahmen bilden die relativ passiv reich gewordene Erbengeneration und diejenigen, die sich mit der grob gestrickten sozialen Hängematte abgefunden haben oder Menschen, die materiellen Wohlstand ablehnen. Die letzten beiden gehören gleichwohl nicht zur Zielgruppe des Börsengeschäfts. Die wichtigste Voraussetzung für Erfolg, vor allem an der Börse, ist jedoch die Anpassungsfähigkeit. Ein gesunder Opportunismus ist an den Aktienmärkten überlebenswichtig. Jetzt, da sich die Spielregeln fundamental geändert haben, wird es Zeit, das neue Spiel zu verstehen. Andernfalls sollte man das immer noch sehr glatte, wenn auch mittlerweile digitale Börsenparkett schleunigst verlassen.

Die bisherigen Hauptimpulse für steigende Aktienkurse fallen weg

Alte Hasen im Börsengeschäft werden sich noch an die Weisheit erinnern: „Ohne Unternehmensgewinne keine Kursgewinne“. Schaut man sich den nach Börsenkapitalisierung wichtigsten Aktienmarkt der Welt an, den S&P 500, dann wird schnell klar, dass die Weisheit ausgedient hat. Bereinigt um die Wertveränderung von Lagerbeständen und den Kapitalverzehr stagnieren die Vorsteuer-Gewinne der Unternehmen aus dem S&P 500 seit über fünf Jahren. Seit drei Quartalen beherrscht eine Gewinnrezession die amerikanischen Unternehmensbilanzen. Dabei sind die USA vor zwei Jahren noch in den Genuss einer gigantischen fiskalischen Dopingspritze durch die Steuerreform der Trump-Administration gekommen. Auf die Gewinnentwicklung hat sich diese jedoch nicht sichtbar ausgewirkt – lediglich auf die Aktienkurse, die unbeirrt weiter nach oben schießen.

Bewertungskriterien wie Kurs-Gewinn-Verhältnisse (KGV), Price-Earnings-to-Growth (dynamisches KGV), Kurs-Umsatz-Verhältnisse oder das Kurs-Buch-Verhältniss spielen keine Rolle mehr. Selbst die Dividendenrendite des heimlichen Weltleitindex S&P 500 nimmt sich mit 1,75 Prozent recht bescheiden aus und liegt in etwa auf dem Niveau des risikolosen Zinses für US-Staatsanleihen. Real, also bereinigt um die Inflation, bleibt weder von den Dividenden noch von den Zinsen bereits vor Steuern kaum etwas übrig.
Zuletzt gab es eine solche Entwicklung am Ende der neunziger Jahre im Zuge der New-Economy-Blase. Anfang des neuen Milleniums wurde diese Fehlentwicklung dann brutal korrigiert. Doch damals reagierten die Notenbanken, auch die US-Fed unter Alan Greenspan, deutlich weniger aggressiv. Man könnte auch sagen, die heute Nonchalance als „unkonventionelle Geldpolitik“ bezeichneten Maßnahmen wären damals undenkbar gewesen. Aber der Mensch gewöhnt sich bekanntlich an vieles. Doch seitdem hat sich auch vieles geändert.

Nach wie vor spielen Faktoren wie die Zukunftsfantasie für die Geschäftsmodelle einzelner Unternehmen noch latent eine Rolle. Das Gleiche gilt für Dividendenausschüttungen. Das Thema Aktienverknappung durch „Bybacks“ spielte im letzten Jahr ebenfalls eine wichtige Rolle, wie Wolfgang Müller in seinem Artikel vom 2. Januar darlegt. Müller beschreibt mit Verweis auf jüngst erhobene Statistiken von Yardeni Research folgende unglaubliche Entwicklung in den USA: „Die 500 größten Unternehmen gaben im vergangenen Jahr für Aktienrückkäufe und Dividenden 1,3 Billionen Dollar aus, ihr Nettogewinn betrug hingegen nur 1,1 Billionen Dollar.“

Im kommenden Jahr gehen die Schätzungen für die Aktienrückkaufvolumina in Richtung 500 Mrd. US-Dollar, was einem Rückgang von ca. 60 Prozent zum letzten Jahr entspräche. Einer der Gründe für diesen starken erwarteten Rückgang sind die auslaufenden Effekte aus der Trumpschen Steuerreform von 2018, im Zuge derer US-Konzerne über Jahre im Ausland geparkte Erträge steuervergünstigt in die USA repatriieren konnten. Anschließend wurden diese Erträge in Form von Sonderausschüttungen und „Buybacks“ an die Anteilseigner weitergereicht. Die große Welle dieser Repatriierungen hat ihren Scheitelpunkt nun überschritten.

Dieser Sonderfaktor bei der Aktiennachfrage wird dem US-Markt sukzessive fehlen und muss irgendwie kompensiert werden, um die Hausse am Laufen zu halten. Geschieht dies nicht, reicht schon der aus der Chaostheorie bekannte Flügelschlag eines Schmetterlings, um die Fahnenstangen der Aktienkurse abknicken zu lassen. Dass die anderen Aktienmärkte weltweit, allen voran der deutsche Leitindex DAX, sich einer massiven Abwärtsbewegung der US-Indizes entziehen können, wäre ein Novum. Im Gegenteil reagiert z. B. der DAX deutlich volatiler in Abwärtsphasen als sein US-Pendant.

Aktienmärkte im Vergleich - S&P 500 vs Dax

Wenn also Bewertungen, Unternehmensgewinne, Dividenden und Aktienrückkäufe eine abnehmende bis nicht mehr vorhandene Rolle spielen, was soll die Hausse im Jahr 2020 dann weitertragen, wenn selbst 96 Prozent der US-Finanzvorstände eine weitere Abschwächung der amerikanischen Konjunkturdynamik erwarten und die Weltbank erst jüngst erneut ihre Wachstumsprognosen für die Weltwirtschaft nach unten angepasst hat? Selbst wenn die Weltwirtschaft sich in Anbetracht historisch niedriger Zinsen und überbordender Notenbankliquidität erholt, bleibt das extreme Gewicht der globalen Schulden ein enormes Systemrisiko.

Das neue Spiel

Die wichtigsten Impulse für die Aktienmärkte werden bis auf Weiteres von den Notenbanken kommen. Sie stellen die Schuldentragfähigkeit von hoch verschuldeten Staaten, Banken, nicht finanziellen Unternehmen und privaten Haushalten sicher. Sie sorgen mit ihren Markteingriffen am US-Repo-Markt und an den Märkten für Staatsanleihen und anderen Wertpapieren für die entscheidende Nachfrage, ohne die der Finanzkapitalismus innerhalb weniger Stunden zu Staub zerfallen würde, wie ein Vampir, der sich zu lange dem Sonnenlicht aussetzt. Sollen die Aktienkurse weiter steigen, dürfen weder die verbale noch die tatsächliche Geldpolitik in Richtung weniger Zins- und Liquiditätsstimulus gehen.

Bitte klicken Sie hier um Teil 2 des Artikels zu lesen

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7 Kommentare

7 Comments

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    BrettonWood

    13. Januar 2020 10:03 at 10:03

    Was könnte denn noch das Wunder sein das noch passieren könnte? Ich kann mir die Erlösung durch Jesus Christus nach dem Tod als Wunder vorstellen,(obwohl ich Atheist bin) aber was bzw welches Wunder uns hier retten könnte, das kann ich mir nicht mal Vorstellen….

    Durch dieses Spiel der Notenbanken, man muss es als Spiel bezeichnen, wird noch schneller Umverteilt als bisher, nicht nur die Rentenkassen die wegen ihrer begrezren Horizonte nicht zu hohe Aktienquoten halten wollen & dürfen werden implodieren (und dabei benötigt es noch nicht einmal die demographische Entwicklung) fie Leistungsversprechen sind ja bei den heutigen Rentern schon viel zu hoch die Ihre Einstigen Beiträge überkompensieren….

    Für mich sind das keine Realgewinne mehr die Aktuell an den Märkten erfolgen sondern Realverlsute des Dollars und der anderen Währungen….man kann es auch als Flucht aus Fiat in Aktien und Immobilien sehen….Immobilien sind jedoch heikel für den Staat, da wohnen zu unseren Grundvedürfnissen gehört….

    Die Geschichte hat immer wieder gezeigt das die Menschen, das Volk, sejr sehr leidensfähig ist und meist bereit ist sehr vieles zu ertragen, in der Geschichte hat der Pöbel aber IMMER dann gegen die Eliten aufbegehrt wenn Grundbedüfrnisse für Sie unebzahlbar wurden…..

    Als ein Besipiel für viel der Sudan wo sich die Leute 30 Jahre unterdrücken und abschlachten liessen und dies hinnahmen aber als sich der Brotpreis verdreifachte wurde der Herscher gestürzt..

    Die Grundbedürfnisse der Massen müssen daher bezahlbar bleiben, daher haben wir auch 0 Inflation, den dort wird gemessen , nocht ganz alles aber vieles, diese Dinge werden künstlich günstig gehalten über Subventionen (ganz Europa wird über die Bauern in der Lebensmittelprodultion so was von krass Subventioniert) um angeblich Konkurrenzfähig zu sein….Tja wenn alle Subventionen erhalten um Konkurrenzfähig zu sein, wären Sie es dann in der Logik nicht auch ohne Subventionen mit höhrern Preisen für alle in der Logik? Das will man nicht….

    Und die Masse hat gar keine Zeit sich Gedanken zu machen. Die Frage ist was macht man als heute 35 Jähriger mit diesen Aussichten, sparen in Rentenkassen wird aus meiner Optik völlig Sinnlos, nicht nur das zB die Gelder im Rahmen von Umwandlugsverfaheren sowieso direkt wieder Verteitl werden gibt es auch im Kapitaldeckungsverfahren immer höhere Umverteilungen da die versprochenen Leistungen sind nicht mehr finanzieren lassen….

    Die Wahrscheinlichkeit das unser System in den nächsten 30 Jahre Crasht und Fiat Währungen in der Folge Wertlos werden erachte uich als grösser als dies nicht passiert…was muss ich für eine Konsequenz daraus ziehen? Das arbeit im heutigen System keine Wert mehr hat….

    Alles zu sichern wird sowieso nicht möglich sein, also Frage ich mich zwischenzeitlich ob es nicht Sinnvoller ist, das Geld zu brauchen in meinem Fall könnte ich 7-10 Jahren in der Welt herumreisen mit dem Geld das deoht Werlos zu werden, ziehen wir halt ein Stück Pension vor, das kann
    Mir immerhin keiner mehr nehmen und gehen dann wieder an die Säcke wenn es sich lohnt….

    Mein Haus hat im letzten Jahr mehr Wer zugelegt als ich mit arbeit verdient habe…..Crazy….und wohl Zeit es zu verkaufen….in den nächsten 1-2 Jahren….

    Ich befürchte ebenfalls das die Notenbanken das Spiel noch lange treiben bis auch der Michel aufwacht….und eine Lösung wird es für uns kleine Fische aoweiso keine geben….beängstigend

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      Chris

      13. Januar 2020 12:27 at 12:27

      @BrettonWood

      Und Die Ideen bereits umgesetzt?

      Wir ja, wir müssen seit sieben Monaten keine 7.000 EUR mehr pro Monat die Einkommensteuer und Sozialbeiträge erarbeiten, macht 35.000 EUR.
      Leider noch ich ganz frei von der Bürokratie, aber wir arbeiten daran. Außerdem unser Kind davon überzeugt, nach dem Abschluss gründlich zu suchen und zu überlegen und dafür sechs Monate einzuplanen, macht mindestens 30.000 EUR.

      • Avatar

        BrettonWood

        13. Januar 2020 15:07 at 15:07

        Ich überlege mit ehrlich gesagt eine Firma in den Emiraten zu gründen und den Wohnsitz nach Panama zu verlegen, vieles meiner Arbeit kann ich Ortsumgebunden machen und kann mich so sämtlichen Steuersystemen entziehen (Kostenpunkt für veides ca 10‘000 Dollar) , da ich der Schweiz lebe sind meine Abgaben nicht ganz so übel….insofern Nein, noch nicht umgesetzt

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    Demagoge

    13. Januar 2020 11:01 at 11:01

    Es ist als definitiv so weit, dass die Börse auch von Profis als Spiel betrachtet werden muss.Bei Bitcoins z.B.hat man das schon öfter gehört. Nur schade für die Rentner, die als Rente vielleicht etwas Werthaliges möchten u.nicht einen Gegenwert einer Firma die zehn bis hundertmal überbewertet ist.Früher hat die Natur die Übetbevölkerung mit Seuchen u.Hungersnöten abgebaut. In Zukunft könnte die Hungersnot über Verfall der Renten wieder ein Thema werden. Auch Bürgerkrieg könnte eine Lösung sein ,wenn 90% der Bevölkerung Nichts mehr haben u.die andern 10% Milliarden in wertlosen Aktien weil nichts mehr funktioniert.

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    paul

    13. Januar 2020 11:58 at 11:58

    Wenn ich mit Aktien 100% Gewinn mache und dann 90 % in einem Crash verliere, habe ich am ende immer noch mehr als auf dem Sparbuch !

    • Avatar

      Marcus

      14. Januar 2020 17:07 at 17:07

      Sie vergessen die Inflation!

  4. Avatar

    Columbo

    13. Januar 2020 12:27 at 12:27

    @paul
    Wenn nur das blöde „wenn“ nicht wäre…

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Leerverkäufe – Das Debakel um Tesla, Beyond Meat und Wirecard

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Leerverkäufe sind eine wichtige Funktion an den Finanzmärkten: sie bilden eine Art Korrektiv für Überbewertungen. Aber sie können eben auch sehr gefährlich werden für die Leerverkäufer selbst!

Aus der Santa Claus Rally wurde eine Januar-Rally, die Kurse stiegen auf breiter Front. Seit sieben Wochen geht es nahezu ohne Korrektur bergauf, ungewöhnlich schon der 11 Prozent-Anstieg des riesigen S&P 500 in drei Monaten –  und dies nicht etwa nach einer Phase eines Einbruchs, sondern nach einer langen Haussephase.

Aber es gibt Aktien, die alles andere in den Schatten stellen: In den USA sind dies die sehr medienträchtigen Firmen Tesla und Beyond Meat, die beide für einen Umbruch in ihrem wirtschaftlichen Umfeld stehen. Anstiege völlig losgelöst von den fundamentalen Daten – Hintergrund waren Leerverkäufe und eine dann folgende gewaltige Eindeckungsrally von Leerverkäufern, die bereits seit längerer Zeit auf einen Einbruch der Hoffnungsträger setzen. Hier ein paar Daten der Analysefirma S3 Partners für die letzten Jahre, die die große Spekulation im Bereich Shortselling insbesondere gegen Tesla beleuchten.

Leerverkäufe: Tesla seit Langem die Aktie für Shortseller

Bereits seit Jahren misstraut man an der Wall Street den Versprechungen des Visionärs Elon Musk, der nicht nur ein Elektrofahrzeugunternehmen kreiert hat, sondern einem Technologiekonzern vorsteht. Dennoch hatte er in der Vergangenheit Quartal für Quartal mit seinen Produktionsvorhersagen enttäuscht – und damit mehr und mehr Shortseller angelockt. 2014 waren in der Spitze 40 Prozent der frei verfügbaren Aktien leerverkauft, im Jahr 2016 in etwa 35 Prozent im Maximum und im Mai 2019 um die 33 Prozent. Das waren Leerverkäufe von fast 44 Millionen geliehenen Aktien im Wert von über 8,1 Milliarden Dollar – bei einem Kurs von 185 Dollar.

Von da an startete das Unheil für die Leerverkäufer, welches sich ab 2019 Oktober dramatisch entwickelte. Die Aktie stieg von gut 200 auf 547 Dollar, ausgelöst durch die Shorties, die sich zu immer höheren Kursen in Pain Trades ihre Leerverkäufe eindecken mussten. Was aber auch dazu führte, dass neue Leerverkäufer auf den Plan traten, weil man diesen Kursanstieg für völlig unsinnig erachtete und als Gelegenheit empfand, richtig Geld zu verdienen. Derzeit sind immerhin noch 26 Millionen Aktien leerverkauft und damit 18,5 Prozent der Aktien – die irgendwann auch noch zurückgekauft werden müssen. Nach Angabe von S3 Partners sind für die Leerverkäufer in den letzten sieben Monaten mehr als 8,4 Milliarden Dollar Verluste aufgelaufen und innerhalb eines Jahrzehnts mehr als 10 Milliarden Dollar. Diese Wette dürfte für die Hedgefonds die schmerzhafteste des vergangenen Jahrzehnts gewesen sein.

Gab es dafür Gründe?

Es sind nicht zu sehr fundamentale Gründe, also überbordende Geschäftsaussichten, die so eine Aktienrally verursachen, es ist eher eine Mischung aus Überinvestition in Richtung Leerverkäufe mit einer vielleicht auch nur moderaten Fehleinschätzung der unternehmerischen Lage. Da wird man zwangsläufig an die VW-Aktie erinnert, bei der eine Verknappung des Angebots bei dem gescheiterten Versuch der Übernahme durch Porsche den Aktienkurs durch eine Shortsqueeze innerhalb von 48 Stunden von 200 auf 1000 Euro emporschnellen ließ. Volkswagen war kurzfristig das teuerste Unternehmen der Welt, ohne dass sich an den Geschäftsaussichten irgend etwas geändert hätte.

Bei Tesla, dessen Zukunft gewiss noch nicht entschieden ist, hat man anscheinend darauf gewettet, dass die etablierten Hersteller (VW, BMW, Daimler, Toyota) mit ihrer Elektro-Offensive Tesla rasch den Garaus machen würden. Aber bei den neuen Fahrzeugen geht es anscheinend auch sehr viel um Software – und da hat Tesla noch einen großen Vorteil.

Selbst VW-Chef Diess hat in einem bemerkenswerten Interview davon gesprochen, dass das Auto künftig auch eine andere Funktionen wahrnehmen wird, mit einer erheblich gesteigerten Bedeutung von Software und Internet. Und hat VW nicht wegen Softwareproblemen die Markteinführung des Modells ID.3 bis in den Sommer verschoben?

Mit der Shortquote bei Tesla lag eigentlich stets eine Mammuteindeckung in der Luft, wie ein Analyst des Informationsdienstes Benzinga aus den USA es formuliert hat: „Short Squeezes don’t need a fundamental rationale; they just need a catalyst.“ Oder es braucht nur einen banalen Anlasses zur rechten Zeit, so wie der berühmte Schmetterlingsschlag vor einem Gewitter.

Aus fundamentaler Sicht ist die Bewertung des Unternehmens dennoch auf absurdem Terrain: Das Unternehmen ist mit seiner Marktkapitalisierung von über 90 Milliarden Dollar nicht nur doppelt so hoch bewertet wie GM oder Ford, sondern auch anhand seiner Fahrzeugzahlen: Diese Bewertung liegt pro Fahrzeug nach letzten Zahlen bei 261.000 Dollar pro verkauftem Auto, im Vergleich hierzu BMW und Daimler mit 21.612 und 24.522 Dollar pro Kfz, bei VW liegt dieser Wert sogar nur bei 12.680 Dollar. Und so besteht die Hoffnung vieler Shortseller weiter, doch noch ihre Leerverkäufe mit Gewinnen schließen zu können.

Beyond Meat

Ähnliche Überlegungen wie bei Tesla konnte man auch für die Notierungen bei dem Veggie-Burger-Hersteller Beyond Meat anstellen. Nach dem Börsengang schoss das Unternehmen von 25 Dollar auf über 240 Dollar und damit auf eine Marktkapitalisierung von 15 Milliarden Dollar. Nach Ablauf der Lockup-Periode für Altaktionäre fiel die Aktie nach und nach auf 74 Dollar und lockte die Hedgefonds an wie die Fliegen. Aber die Unternehmensergebnisse wurden besser, allein der Umsatz stieg von 88 Millionen Dollar (2018) auf 275 Millionen Dollar im letzten Jahr.

Hinzu kamen Meldungen über den Einstieg von Großkunden wie Mc Donalds. Dann erfolgte in der zweiten Woche des Jahres die berüchtigte Short Squeeze: Der Wert sprang innerhalb von fünf Tagen um 53 Prozent nach oben, ohne große Unternehmensnachrichten. Aber lag die Shortquote bei dem Unternehmen 2019 nicht bereits bei sagenhaften 50 Prozent aller ausstehenden Aktien? Jedenfalls hat die kurze Shortsqueeze nach Angaben von S3 Partners in den wenigen Tagen des Jahres den Shorties bereits 500 Millionen Dollar gekostet.

Leerverkäufe: Folgt jetzt der nächste Shortsqueeze bei Wirecard?

Ein ähnliches Spiel scheint sich jetzt bei unserem Dax-Konzern Wirecard abzuspielen. Wie bei den oben genannten US-Aktien gibt es auch im Dax-Konzern ein gewaltiges Short Interest bei diesem Wert. Über die Hintergründe wurde hier schon des Öfteren berichtet. Laut S3 Partners war die Quote der Leerverkäufe kürzlich noch bei fast 20 Prozent, bei einem festen Aktienbestand, der durch die großen Fonds und dem Gründer Braun selbst schon bei über 50 Prozent liegen sollte – ETFs und Kleinanleger noch gar nicht berücksichtigt.

Ist der große Sprung von Wirecard in den letzten 14 Börsentagen von 106 auf 131 Euro nicht schon ein kleines Zeichen für eine Eindeckungsrally? An fundamentalen Gründen kann es nicht gelegen haben, bis auf den Wechsel im Aufsichtsratvorsitz gab es keine News von der Unternehmensfront. Es gibt aber immer wieder Gerüchte darüber, dass das Prüfungsergebnis von KPMG deutlich vor dem Quartalsende kommen könnte. Was geschähe mit den Leerverkäufen, sollte es einen positive Berichtsmeldung geben, die vielleicht auch noch außerhalb der Handelszeiten bekanntgegeben würde?

Fazit

Gerade in einer Phase der Euphorie, gepusht durch große Liquiditätszufuhr durch die Zentralbanken, erscheint derzeit ein aggressives Shortinvestment schon etwas wie der Ritt auf der Rasierklinge zu sein.

Hierzu noch die Empfehlung des oben zitierten Analysten für die nahe Zukunft:

„Longs, shorts and short-term traders should all be extremely cautious with both these stocks (Tesla and Beyond Meat) in the coming days.“ Zumal die Börsenregeln derzeit zum Teil etwas außer Kraft gesetzt zu sein scheinen..

Leerverkäufe und die dann folgenden Eindeckungen dieser Leerverkäufe bringen die Tesla-Aktie nach oben - Elon Musk freut das

By Steve Jurvetson from Menlo Park, USA – Elon Musk at TED 2017, CC BY 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=72830002

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Aktienmärkte: Fahnenstangen bei den Aktienkursen haben Substanz

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Immer weiter bergauf? Aktienmärkte steigen immer weiter an

Allzeithöchststände werden zum täglichen Ritual und Bewertungen spielen v. a. in den USA nur noch sekundär eine Rolle. Doch haben die Fahnenstangen der Aktienmärkte auch Substanz?

Die Attraktivität der Aktienmärkte hat sich stark gewandelt

Kaufte man klassischerweise an der Börse gehandelte Unternehmensanteile, um an einem erfolgreichen Geschäftsmodell zu partizipieren, regelmäßige Ausschüttungen zu erhalten oder die blühende Zukunft einer Aktiengesellschaft zu antizipieren, so haben sich die Gründe für den Erwerb von Dividendentiteln zuletzt stark gewandelt. Die klassischen Kaufmotive mögen heute auch noch eine Rolle spielen, werden aber in der Kursentwicklung durch andere Faktoren enorm verstärkt oder völlig verzerrt. Als Beispiel soll hier nur das starke Aufwärtsmomentum erwähnt sein, das ständig neues, nach schnellen Gewinnen trachtendes Kapital anzieht (die Hausse nährt die Hausse).

Doch es gibt darüber hinaus noch andere Impulse für die ungewöhnlich konstant steigenden Aktienmärkte, die man nicht per se als irrational oder nicht nachhaltig bezeichnen kann. Insofern ist die Fragestellung, ob die Fahnenstangen bei immer mehr Aktienkursen mit Substanz gestützt sind, durchaus berechtigt. Die Formulierung aus der Überschrift geht übrigens auf einen aufmerksamen Leser der FMW zurück und war die Inspiration für diesen Artikel. Vielen Dank dafür!

Der Zwang zur Nachahmung

In einem Artikel von Anfang Dezember hatte ich bereits auf den stattfindenden Impulswechsel für steigende Aktienmärkte hingewiesen. Dieser Wechsel vollzieht sich hin zur reinen zins- und liquiditätsgetriebenen Hausse, bei denen fundamentale Entwicklungen nur noch als Alibi-Investmentstory dienen, aber für die Bewertungen vieler Aktiengesellschaften sekundär sind. So ist es mittlerweile Usus, dass Unternehmen mit der hippsten Story und dem dynamischsten Momentum deutlich besser performen, als solide Unternehmen mit positivem Cashflow und moderaten Bewertungen.

Wobei die überteuerten Highflyer ganze Indizes nach oben ziehen und diese durch ihr zunehmendes Gewicht dominieren. Dies zwingt wiederum indexbasierte Anlageprodukte oder Benchmark orientierte Fonds dazu, ebenfalls diese Highflyer in ihren Portfolios überzugewichten. Andernfalls wird man als Fondsmanager schnell aussortiert, zumal der Siegeszug der passiven Indexfonds auch in dieser Branche zu einem Personalkahlschlag historischen Ausmaßes führt. Im Zuge der Trumpschen Steuerreform kam der Markt bekanntermaßen auch in den Genuss von Zusatznachfrage in Form von „Buybacks“ aus den Aktiengesellschaften selbst. Ein Effekt, der sich basiseffektbedingt sukzessive abschwächt. Nach ca. 1,3 Billionen US-Dollar im letzten Jahr soll es laut Schätzungen in diesem Jahr nur noch ca. 500 Mrd. US-Dollar Aktienrückkaufvolumina geben, also über 50 Prozent weniger.

Neuer Raketentreibstoff für die Börse

Dennoch verbirgt sich hinter den fahnenstangenartig ansteigenden Kursen eine gewisse Substanz. Diese Substanz speist sich ausschließlich aus der Geldpolitik der Notenbanken. Historisch niedrige Zinsen und eine Geldschwemme, die sich gemäß dem Cantillon-Effekt zu aller erst über die Banken und die Finanzmärkte ergießt, treibt die Vermögenspreise nach oben. Die Gründe für diese äußerst akkommodierende Geldpolitik sind so nachhaltig, dass sie eine echte Substanz darstellen. Welchen Zwängen die Zentral- und Notenbanken unterliegen und wie sich der Cantillon-Effekt nachhaltig auf die Vermögenspreise auswirkt, erläutere ich in diesem Video. Dort erfahren Sie auch, wie sich mit relativ wenig Aufwand und zu geringen Kosten ein auf diese außergewöhnliche Situation ausgerichtetes Wertpapierportfolio strukturieren lässt.

Der Zwang in die Aktienmärkte zu investieren

Die Abkürzung „TINA“ (There Is No Alternative) ist in Bezug auf die Aktienmärkte natürlich übertrieben, da es auch andere Vermögenswerte gibt, die von dem Raketentreibstoff der Notenbanken beflügelt werden. Gleichwohl gibt es aus Sicht professioneller Investoren und Geldverwalter einen enormen Rendite- und Anlagedruck. Aktien sind am leichtesten für Vermögensverwalter zugänglich, sie sind zudem hochfungibel und bieten im Idealfall zusätzlich laufende Erträge. Die Renditen vieler Aktien, zum Beispiel in Deutschland, erfüllen zudem nach wie vor die Anforderungen der Kapitaleigner. Durch die Ballung des Vermögens in relativ wenigen Händen generieren die Kapitaleigner permanent laufende Erträge aus Vermietung, Verpachtung, Dividenden, Sonderausschüttungen, Zinsen und Tilgungen. Dieses Geld muss neu angelegt werden und konkurriert mit der Zusatzliquidität aus den Notenbanken. Die Anforderungen für die Geldverwalter sind dabei hoch. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass man unter 5 Prozent Bruttorendite p. a. bezogen auf die Gesamtkapitalverzinsung keine Chance am Markt hat – trotz Nullzinsumfeld.

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Dow Richtung 30.000, Banken-Vergleich, Handelsdeal, Tesla und Wirecard

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Dow visiert 30.000 Punkte an, US-Banken verdienen gut - New York im Fokus

Die Indizes laufen super. Der Dow Jones läuft dieser Tage mit voller Kraft Richtung 30.000 Punkte. Über die aktuelle Lage am Markt sprechen im folgenden Video Sissi Hajtmanek und Manuel Koch in Frankfurt. Sie blicken zurück auf die aktuelle Handelswoche, wo vor allem die hochprofitablen US-Banken im Mittelpunkt standen. Die größten Banken in den USA (JP Morgan, Citi etc) meldeten ihre Zahlen. Vor allem der Branchenprimus JP Morgan konnte die Erwartungen deutlich übertreffen. Die Banken in den USA machen gigantische Gewinne. Sissi Hajtmanek und Manuel setzen die US-Banken in Relation zu der Ertragslage bei deutschen Banken.

Und da wird es interessant. Während die US-Banken (so unsere Anmerkung) ein großes Kapitalmarktgeschäft haben und somit unabhängiger von Zinsmargen sind, so haben sie zusätzlich noch ein existierendes Zinsumfeld dank der Fed, die die Zinsen in den USA in den Jahren nach der Finanzkrise wieder angehoben hatte, anders als die EZB. Die Banken vor allem in Deutschland hängen traditionell fast komplett von ihren Zinserträgen ab. Die EZB hat diese Ertragsquelle aber quasi vernichtet. Und so dümpeln die deutschen Banken vor sich hin, mit lächerlich niedrigen Erträgen in Relation zu den Konkurrenten in den USA.

Auch war diese Woche der Handelsdeal zwischen China und den USA ein wichtiges Thema. Sissi Hajtmanek erwähnt die Aufforderung von Donald Trump, dass die amerikanischen Landwirte schon mal mehr Traktoren kaufen sollten, weil die Chinesen so viele zusätzliche landwirtschaftliche Produkte aus den USA kaufen würden. Eine mehr als zweifelhafte Aufforderung, da der unterschriebene Phase 1-Deal ja nur ein erster Schritt zur Einigung im Handelskrieg ist. Und jederzeit kann dieses fragile Gebilde wieder zusammenbrechen.

Besprochen werden im folgenden Video auch zwei konkrete Handelsempfehlungen der trading-house Börsenakademie. Die Aktie von Tesla (derzeit über 500 Dollar) solle man zwar kaufen, aber erst mit einem Limit von 377 Dollar. Sie müsste also erstmal kräftig fallen, bevor sie entsprechend dieser Empfehlung wieder ein Kauf wäre. Auch die Aktie von Wirecard könne man kaufen, aber über dem aktuellen Kurs, nämlich mit einer Stop-Buy-Order bei 132 Euro. Und abschließend nochmal die Frage unsererseits: Läuft der Dow wirklich weiter mit voller Kraft auf die 30.000 Punkte-Marke zu? Noch fehlen dazu 635 Punkte. Aber das ist heutzutage ja kein großer Abstand mehr.

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