Aktien

Anlagestrategie für Aktienmarktblasen

Anlagestrategie und Schach spielen - bei beiden muss man voraus denken

Die Vermögenspreisblase erfasst nahezu alle Anlageklassen. Welche Anlagestrategie wird diesem Umfeld gerecht?

Eine Anlagestrategie muss mehr können als Rendite

Professionelle Investoren streben niemals nur nach Gewinnen, sondern nach adäquaten Risikoprämien. Jedes Investment bedeutet zuallererst, dass man mit dem eingesetzten Kapital Risiken eingeht und dieses Risiko muss bezahlt werden. Ohne Risiko gibt es keinen Gewinn. In einem Umfeld wie aktuell, in dem die meisten Vermögenspreise bedingt durch historisch niedrige Zinsen und künstlich erschaffene Notenbankliquidität bereits stark gestiegen sind, fällt die Risikoprämie entsprechend gering aus. Am deutlichsten wird dies bei dem sogenannten risikolosen Zins, also den jährlichen Kupons von z. B. Bundesanleihen. Jenseits der Frage, ob Staatsanleihen risikolos sind oder nicht, gelten diese gemäß der Finanzmarkttheorie als mündelsicher. Der nominale Zins für deutsche Staatsanleihen ist aktuell für alle Laufzeiten negativ.

Eine Ausnahme bildet hier lediglich die über 30 Jahre laufenden Bundesanleihen, deren jährliche Verzinsung momentan bei 0,003 Prozent liegt. Abzüglich der jährlichen Teuerungsrate von aktuell 1,15 Prozent ist die reale Risikoprämie negativ. Sprich: Eine Anlagestrategie, bei der Investoren kein Risiko eingehen, vernichtet sukzessive das eingesetzte Kapital, sofern das Zinspapier bis zur Fälligkeit gehalten wird. Anleger kommen also nicht umhin, verstärkt Kapitalrisiken einzugehen, um real positive Renditen erzielen zu können. Daraus ergibt sich auch die Notwendigkeit, in Dividendenpapiere zu investieren.

Solange die Vermögenspreise synchron steigen, ist das kein Problem. In Anbetracht der stark gestiegenen Abhängigkeit der Preisentwicklungen an den Aktienmärkten von geldpolitischen Entscheidungen der Notenbanken, kann man die steigenden Kurse jedoch nicht beliebig in die Zukunft fortschreiben. Schon in der Vergangenheit haben Geldpolitiker versucht, die von ihnen selbst erzeugten Übertreibungen kontrolliert zurückzufahren oder zumindest einzubremsen. Dies führte regelmäßig zu crashartigen Abstürzen an den Märkten – zuletzt im Dezember 2018. Wie kann man also mit einer angepassten Anlagestrategie verhindern, dass das investierte Aktienkapital stark an Wert verliert, wenn z. B. die Notenbanken restriktive Entscheidungen fällen oder solche Entscheidungen auch nur andeuten (Zinsanhebungen oder Liquiditätsverknappung).

Korrelationen sind entscheidend

Normalerweise verhalten sich unterschiedliche Anlageklassen unabhängig von einander oder korrelierten sogar negativ zueinander. Verluste aus einer Anlageklasse, zum Beispiel Aktien, können im Portfolio durch Gewinne aus einer anderen Anlageklasse, zum Beispiel Anleihen, kompensiert werden. Diese Korrelationen haben sich aber im Laufe der Zeit stark abgeschwächt, da die Liquiditätsflut alle Vermögenspreise synchron angehoben hat. Gleichwohl gibt es noch negativ korrelierende Anlagen. Die Liste ist jedoch sehr überschaubar geworden. Sofern man im Rahmen seiner Anlagestrategie kein Timing betreiben möchte, also die Bargeldquote im Portfolio zur richtigen Zeit hoch und runterfahren kann, bleiben im Wesentlichen nur drei Anlageklassen, die zu Aktienanlagen negativ korrelieren und das Portfolio im Falle von Korrekturen oder gar einem Crash schützen können. Das ist zum einen die Volatilität, die immer dann stark ansteigt, wenn Aktienmärkte fallen. In diesem separaten Artikel habe ich diesen Zusammenhang sowie Investitionsmöglichkeiten in Volatilität detailliert aufgezeigt.

Neben der Volatilität bieten sich momentan US-Staatsanleihen an, da diese noch positiv verzinst sind und weiteres Zinssenkungspotenzial und damit Kurspotenzial besteht. Vor allem die Langläufer (10 bis 30 Jahre) reagieren nach wie vor positiv auf eine abnehmende Risikoneigung der Aktienanleger. Außerdem steigen die Kurse dieser Zinspapiere aufgrund des auch in den USA existierenden Trends zu immer niedrigeren Zinsen tendenziell weiter an. Gleichzeitig entsteht aber ein Währungsrisiko durch das Halten von US-Staatsanleihen über den US-Dollar Wechselkurs zum Euro. Dieses Risiko kann mit der dritten Anlageklasse abgedeckt werden, die im Falle von Finanzmarktturbulenzen im positiven Sinne ein Eigenleben führt und Portfoliorisiken abfedert, nämlich Gold. Gold korreliert negativ zu einem gegen den Euro fallenden US-Dollar und gilt in Phasen erhöhter Unsicherheit, wie zuletzt im Zuge der Nahost-Krise, als „Sicherer Hafen“.

Diversifikation

Da mit dem Voranschreiten der Blasenbildung an den Aktienmärkten auch das Risiko starker Rückschläge im Zeitverlauf ständig zunimmt, macht die Beimischung dieser drei Anlageklassen (Volatilität, langlaufende US-Staatsanleihen und Gold) im Wertpapierportfolio Sinn. Dabei muss die Gewichtung der Absicherungsinstrumente nicht übermäßig hoch sein, da z. B. die Volatilität aktuell als eine der wenigen Anlageklassen relativ günstig ist. Der für viele Volatilitätsinstrumente relevante VIX-Index notiert aktuell bei 12. Im Zuge der Aktienmarktkorrektur im August letzten Jahres stieg der VIX beispielsweise von zuvor ebenfalls 12 auf über 24 an.

Fazit

Wer die Aktienrallye genießen möchte oder zu Zwecken der Altersvorsorge oder des Vermögensaufbaus gezwungen ist, auch in Dividendentitel investiert zu sein, sollte in Anbetracht des steigenden Rückschlagrisikos im Rahmen der eigenen Anlagestrategie auch an Absicherung denken. Dabei muss dies nicht zwingend zulasten der Rendite des Gesamtportfolios gehen, wie sie an Hand des in diesem Artikel gezeigten Musterportfolios sehen können.



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