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Aktien

Anlagestrategie für Aktienmarktblasen

Hannes Zipfel

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am

Anlagestrategie und Schach spielen - bei beiden muss man voraus denken

Die Vermögenspreisblase erfasst nahezu alle Anlageklassen. Welche Anlagestrategie wird diesem Umfeld gerecht?

Eine Anlagestrategie muss mehr können als Rendite

Professionelle Investoren streben niemals nur nach Gewinnen, sondern nach adäquaten Risikoprämien. Jedes Investment bedeutet zuallererst, dass man mit dem eingesetzten Kapital Risiken eingeht und dieses Risiko muss bezahlt werden. Ohne Risiko gibt es keinen Gewinn. In einem Umfeld wie aktuell, in dem die meisten Vermögenspreise bedingt durch historisch niedrige Zinsen und künstlich erschaffene Notenbankliquidität bereits stark gestiegen sind, fällt die Risikoprämie entsprechend gering aus. Am deutlichsten wird dies bei dem sogenannten risikolosen Zins, also den jährlichen Kupons von z. B. Bundesanleihen. Jenseits der Frage, ob Staatsanleihen risikolos sind oder nicht, gelten diese gemäß der Finanzmarkttheorie als mündelsicher. Der nominale Zins für deutsche Staatsanleihen ist aktuell für alle Laufzeiten negativ.

Eine Ausnahme bildet hier lediglich die über 30 Jahre laufenden Bundesanleihen, deren jährliche Verzinsung momentan bei 0,003 Prozent liegt. Abzüglich der jährlichen Teuerungsrate von aktuell 1,15 Prozent ist die reale Risikoprämie negativ. Sprich: Eine Anlagestrategie, bei der Investoren kein Risiko eingehen, vernichtet sukzessive das eingesetzte Kapital, sofern das Zinspapier bis zur Fälligkeit gehalten wird. Anleger kommen also nicht umhin, verstärkt Kapitalrisiken einzugehen, um real positive Renditen erzielen zu können. Daraus ergibt sich auch die Notwendigkeit, in Dividendenpapiere zu investieren.

Solange die Vermögenspreise synchron steigen, ist das kein Problem. In Anbetracht der stark gestiegenen Abhängigkeit der Preisentwicklungen an den Aktienmärkten von geldpolitischen Entscheidungen der Notenbanken, kann man die steigenden Kurse jedoch nicht beliebig in die Zukunft fortschreiben. Schon in der Vergangenheit haben Geldpolitiker versucht, die von ihnen selbst erzeugten Übertreibungen kontrolliert zurückzufahren oder zumindest einzubremsen. Dies führte regelmäßig zu crashartigen Abstürzen an den Märkten – zuletzt im Dezember 2018. Wie kann man also mit einer angepassten Anlagestrategie verhindern, dass das investierte Aktienkapital stark an Wert verliert, wenn z. B. die Notenbanken restriktive Entscheidungen fällen oder solche Entscheidungen auch nur andeuten (Zinsanhebungen oder Liquiditätsverknappung).

Korrelationen sind entscheidend

Normalerweise verhalten sich unterschiedliche Anlageklassen unabhängig von einander oder korrelierten sogar negativ zueinander. Verluste aus einer Anlageklasse, zum Beispiel Aktien, können im Portfolio durch Gewinne aus einer anderen Anlageklasse, zum Beispiel Anleihen, kompensiert werden. Diese Korrelationen haben sich aber im Laufe der Zeit stark abgeschwächt, da die Liquiditätsflut alle Vermögenspreise synchron angehoben hat. Gleichwohl gibt es noch negativ korrelierende Anlagen. Die Liste ist jedoch sehr überschaubar geworden. Sofern man im Rahmen seiner Anlagestrategie kein Timing betreiben möchte, also die Bargeldquote im Portfolio zur richtigen Zeit hoch und runterfahren kann, bleiben im Wesentlichen nur drei Anlageklassen, die zu Aktienanlagen negativ korrelieren und das Portfolio im Falle von Korrekturen oder gar einem Crash schützen können. Das ist zum einen die Volatilität, die immer dann stark ansteigt, wenn Aktienmärkte fallen. In diesem separaten Artikel habe ich diesen Zusammenhang sowie Investitionsmöglichkeiten in Volatilität detailliert aufgezeigt.

Neben der Volatilität bieten sich momentan US-Staatsanleihen an, da diese noch positiv verzinst sind und weiteres Zinssenkungspotenzial und damit Kurspotenzial besteht. Vor allem die Langläufer (10 bis 30 Jahre) reagieren nach wie vor positiv auf eine abnehmende Risikoneigung der Aktienanleger. Außerdem steigen die Kurse dieser Zinspapiere aufgrund des auch in den USA existierenden Trends zu immer niedrigeren Zinsen tendenziell weiter an. Gleichzeitig entsteht aber ein Währungsrisiko durch das Halten von US-Staatsanleihen über den US-Dollar Wechselkurs zum Euro. Dieses Risiko kann mit der dritten Anlageklasse abgedeckt werden, die im Falle von Finanzmarktturbulenzen im positiven Sinne ein Eigenleben führt und Portfoliorisiken abfedert, nämlich Gold. Gold korreliert negativ zu einem gegen den Euro fallenden US-Dollar und gilt in Phasen erhöhter Unsicherheit, wie zuletzt im Zuge der Nahost-Krise, als „Sicherer Hafen“.

Diversifikation

Da mit dem Voranschreiten der Blasenbildung an den Aktienmärkten auch das Risiko starker Rückschläge im Zeitverlauf ständig zunimmt, macht die Beimischung dieser drei Anlageklassen (Volatilität, langlaufende US-Staatsanleihen und Gold) im Wertpapierportfolio Sinn. Dabei muss die Gewichtung der Absicherungsinstrumente nicht übermäßig hoch sein, da z. B. die Volatilität aktuell als eine der wenigen Anlageklassen relativ günstig ist. Der für viele Volatilitätsinstrumente relevante VIX-Index notiert aktuell bei 12. Im Zuge der Aktienmarktkorrektur im August letzten Jahres stieg der VIX beispielsweise von zuvor ebenfalls 12 auf über 24 an.

Fazit

Wer die Aktienrallye genießen möchte oder zu Zwecken der Altersvorsorge oder des Vermögensaufbaus gezwungen ist, auch in Dividendentitel investiert zu sein, sollte in Anbetracht des steigenden Rückschlagrisikos im Rahmen der eigenen Anlagestrategie auch an Absicherung denken. Dabei muss dies nicht zwingend zulasten der Rendite des Gesamtportfolios gehen, wie sie an Hand des in diesem Artikel gezeigten Musterportfolios sehen können.

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Aktien

Börse: Die Stimulus-Schecks und der große Börsen-Hype

Wiederholt sich das Muster an der Börse aus der ersten Corona-Welle? Damals stiegen Kleininvestoren ein, und nun kommen neue Schecks!

Wolfgang Müller

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am

Was sich im letzten Sommer durch die großzügigen Schecks der US-Regierung zur Unterstützung der Arbeitslosen an der Börse gezeigt hat, wiederholt sich mit den 600 Dollar-Schecks seit Jahresanfang in verschärfter Form. Man zockt mit dem staatlichen Geld immer zügelloser, in Pennystocks und in Optionen. Jetzt kommt bald die Aufstockung auf 2000 Dollar durch die Biden-Regierung – wird dies der Höhepunkt der Manie der Börse?

Börse: Corona und die Generation RobinHood

Es war ein großes Thema im Coronajahr 2020, die allein schon beim Neobroker RobinHood auf 13 Millionen, vorwiegend junger Anleger angewachsene Schar neuer und junger Investoren, die ihre Freizeit genutzt haben, um nahezu gebührenfrei an der Börse zu zocken. Zunächst mit den großen Aktien aus dem „Stay-at-Home-Umfeld“, Apple, Amazon, Alphabet, Microsoft, Nvidia, oder Zoom und natürlich Tesla. Aber da dies so gut geklappt hatte, dann auch mit Hebelprodukten aus dem Optionsbereich. Was die Stillhalter dazu genötigt hatte, teure Aktien zur Absicherung auch noch nachzukaufen, Stichwort Gamma-Absicherung. Die Hausse nährte ständig die Hausse. Dies ist natürlich den großen Häusern in den USA nicht verborgen geblieben. Goldman Sachs holte sich die Liste der meist nachgefragten Aktien bei den Billigbrokern und bei den Favoriten der Hedgefonds – und siehe da, die Lieblinge der RobinHoodies schlugen die Benchmark und die Profis um Längen.

2020: S&P 500, plus 16 Prozent – Hedgefonds plus 40 Prozent – und die RobinHooder plus 80 Prozent. Dies ist natürlich nicht die Performance der Depots, sondern die Berechnung der Performance der Favoriten.

Das neue Thema Pennystocks

Das Jahr 2021 entwickelt sich in Teilbereichen noch extremer als das Jahr 2020. Die jungen Spekulanten hatten bemerkt, dass sich nach den Wahlen im November und der großen Impfstoffstory ein Favoritenwechsel ergeben hat, weg von Big Growth und Value, hin zu kleinen Nebenwerten. Überaus deutlich ersichtlich an der Performance des Russel 2000, der allein von Anfang November bis dato von 1520 auf 2150 Punkte gestiegen ist. Ein Index, wohlgemerkt, in dem sich so viele Titel befinden, die gar keine Gewinne machen, seit Jahren „Zombies“ genannt. Manch erfahrener Börsianer wird sich die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen haben, angesichts der Kurssprünge einiger kleiner und eigentlich unbekannter Aktien aus dem Feld der Pennystocks.

Das extremste und am meisten zitierte Beispiel ist eine Firma aus der Medizintechnik, Signal Advance. Infolge einer Verwechslung aufgrund eines Musk-Tweets: „Buy Signal“ hatte sich der Pennystocks schlicht verdreiundzwanzigfacht. Nicht ganz so extrem, aber immerhin auch schon mit 120 Prozent plus, notierte GameStop, eine Firma aus der Videobranche. Ob Energiesektor, Elektromobilität, Wasserstofftechnologie, Solar oder sogar Aktien, die sich der Pleite genähert haben, Hauptsache billig, dann wird damit herumgezockt.

Das Volumen der gehandelten Billigaktien hatte bereits im Dezember die Billionengrenze erreicht.

Stimuli, oder die staatliche Quelle für das Zocken

Wie bereits angedeutet, viele Anleger hatten anscheinend nur darauf gewartet, dass der Staat ihnen endlich die lange erwartete Unterstützung mittels der 600 Dollar-Schecks zusandte. Der Beweis für diese Annahme ist der Anstieg des Handelsvolumens bei Pennystocks – Over the counter (OTC), also außerbörslich, der sich nach dem Erhalt der Schecks glatt fast versechfacht hatte.

Was bedeutet dies für die nahe Zukunft? Der neue US-Präsident hat letzte Woche sein 1,9 Billionen Dollar schweres Stimulusprogramm angekündigt, welches noch der Billigung durch den Kongress bedarf.

Eine Aufstockung um 1400 Dollar und es könnten weit über 100 Millionen Amerikaner in den Genuss der staatlichen Stimulus-Schecks geraten.

Wird sich das Verhalten der neuen Generation Anleger ein weiteres Mal wiederholen und das Geld unmittelbar wieder an der Börse landen, bei Werten, von denen unsereins noch gar nichts gehört hat?

Ein nochmaliger kurzfristiger Boom?

Daran sieht man einmal mehr, warum statistische und saisonale Annahmen stets mit Vorsicht zu genießen sind. Jedes Jahr, jeder Zyklus ist anders und bietet ständig Überraschungen. Wer hätte vor einem Jahr daran gedacht, dass kleinste Anlegergruppen mit staatlicher Stütze einen Einfluss auf die Kurse an der Börse ausüben können?

Fazit

Wieder ein Zeichen für eine Bubble an der Börse, die aber wie immer erst dann festgestellt wird, wenn sie geplatzt ist? Jede Übertreibung ist anders als die vorherige und die aktuelle Phase ist durch Umstände befördert worden, die es in dieser Kombination auch noch nicht gegeben hat. Die Notenbanken haben durch ihre Marginalisierung des Zinses den Aktienmarkt zu einer dominanten Anlageklasse gemacht, dann haben die neuen Broker die Handelsgebühren abgeschafft und das Handeln mit ganz niedrigen Beträgen möglich gemacht und zuletzt hat Vater Staat auch noch das nötige Spielgeld zur Verfügung gestellt, ungewollt. 2020 war es die Arbeitslosenunterstützung, die in manchen Staaten über 4000 Dollar pro Monat betragen hat, mehr als der Arbeitnehmer mit seiner Arbeit verdienen konnte. Dann kamen die 600 Dollar-Schecks und jetzt die nochmalige Aufstockung durch die neue US-Regierung.

Was mich wieder einmal in meiner These bestätigt, wann der Rally an der Börse sehr deutlich der Stecker gezogen werden könnte: Wenn die Wirtschaft ohne staatliche (Not-)Versorgung läuft, das Zinsniveau nur ein wenig weiter ansteigt und zusätzlich den jungen Zockern die staatlichen Schecks verwehrt werden.

Der Einfluß der Stimulus-Schecks auf die Börse

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Netflix-Quartalszahlen: Nutzerwachstum deutlich besser als gedacht, Aktie +11 Prozent

Claudio Kummerfeld

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Netflix auf Computer schauen - Beispielbild

Soeben wurden die Netflix-Quartalszahlen veröffentlicht. Hier zeigen wir die wichtigsten Eckdaten.

Der Umsatz liegt bei 6,64 Milliarden Dollar (Vorjahresquartal 5,47/Erwartungen 6,6). Im aktuell laufenden Quartal soll der Umsatz bei 7,1 Milliarden Dollar liegen.

Der Gewinn liegt bei 1,19 Dollar pro Aktie (Vorjahresquartal 1,30/Erwartungen 1,39). Im laufenden Quartal erwartet man 2,97 Dollar.

Die Zahl neuer Abonnenten liegt bei 8,51 Millionen (erwartet 6,5). Für das laufende Quartal gibt man ganz aktuell die Zielmarke von 6 Millionen neuen Abonnenten aus.

Netflix sagt aktuell, dass man keine externe Finanzierung mehr benötige, und über Aktienrückkäufe nachdenke. Das und das Nutzerwachstum lassen die Aktie gut da stehen. Sie steigt aktuell nachbörslich um 11 Prozent!

Grafik zeigt Netflix-Quartalszahlen im Detail

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Markus Koch LIVE vor dem Handelsstart in New York – Go Big or Go Home – Janet Yellen gibt Vollgas

Redaktion

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Von

Markus Koch meldet sich im folgenden Video LIVE vor dem Handelsstart in New York. Janet Yellen spricht heute ab 16 Uhr deutscher Zeit im US-Kongress. Das kann die Kurse bewegen.

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