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Banken pleite gehen lassen – Island hat gezeigt wie es geht!

Redaktion

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Von Claudio Kummerfeld

Island hat Ähnliches durchlebt wie Irland und Griechenland. In Island ließ man die Banken pleite gehen. Kann Griechenland von Island lernen? Ein Blick gen Norden.

Island Hauptstadt Reykjavik

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Island: Hauptstadt Rejkjavik
Foto: pjt56 / Wikipedia (CC BY-SA 3.0) / Foto nicht verändert

Gier

Island, die Inselnation im Norden, zwischen Europa und Amerika, mit gerade mal 320.000 Einwohnern, ist stark angelehnt an Großbritannien und Skandinavien, aber nicht Mitglied in der EU. Dennoch spielen sich die Wirtschaftsbeziehungen größtenteils mit der EU ab. So kam es, dass isländische Bankvorstände auf die Idee kamen den Festland-Europäern ihre hohen Zinsen schmackhaft zu machen. Scharenweise legten, deutsche, englische und skandinavische Anleger ihr Geld bei isländischen Banken an, die Gier nach mehr Prozenten hatte sie vergessen lassen, dass deutlich höhere Zinsen auch ein deutlich höheres Risiko bedeuten müssen. Isländer selbst verchuldeten sich bei ihren Banken massiv in Fremdwährungen, welche durch die enorme Abwertung der isländsichen Krone unbezahlbar wurden.

Banken pleite gehen lassen

Die drei größten Banken Islands hatten fleißig Kredite vergeben, dazu noch jede Menge Schrott in die Bilanz gepackt und am Ende ihre Bilanzsumme auf das 9fache der isländischen Wirtschaftsleistung aufgebläht. Ein Monster war entstanden. Dann war es so weit im Jahr 2008. Nachdem der Euro seinen Wert zur isländischen Krone verdoppelte, sprang die Inflation deutlich an, die Arbeitslosigkeit stieg, Schulden im Ausland waren nicht mehr bezahlbar, um es mal so zusammenzufassen. Langfristig herausgegebene Kredite sollten kurzfristig refinanziert werden – durch Lehman war das nicht mehr möglich. Bei 320.000 Einwohnern wollten die größten Banken des Landes als großer Player im europäischen Kapitalmarkt mitspielen – abei hatten sie sich arg übernommen!

Die Banken waren pleite – was nun? Retten? Nein – pleite gehen lassen. Island ließ die Banken einfach pleite gehen und verstaatlichte sie komplett. Die inländischen Sparer wurden geschützt. Der IWF (Internationaler Währungsfonds) und andere Länder gaben Kredite zur Stützung des Landes.

2012 lobte der IWF das Verhalten der isländischen Regierung und den erzielten Erfolg. Das isländische Krisenprogramm sei ein Vorbild für andere Staaten, die von Hilfsprogrammen abhängig seien. Dadurch, dass den Steuerzahlern keine Bankenrettungskosten aufgedrückt wurden, konnte eine Massenarbeitslosigkeit und damit, so sagen wir es mal, eine Abwärtsspirale wie in Griechenland verhindert werden.

Kapitalverkehrskontrollen

Um nach der Bankenpleite und des dramatischen Vertrauensverlusts der internationalen Geldgemeinde den Abfluss von Geldern aus Island zu stoppen, beschloss man umgehend Kapitalverkehrskontrollen. So konnte der völlige Zusammenbruch der Wirtschaft gestoppt werden. Gelder mussten im Land verbleiben. Die Ausfuhreinschränkung sollte eigentlich nur zwei Jahre dauern, hält aber bis heute an. Das hindert natürlich ausländische Investoren daran frisches Geld in die isländische Realwirtschaft zu stecken – das ist die Kehrseite. Aktuelle Daten der isländischen Notenbank zeigen eindrucksvoll, dass die wichtigsten Daten wie Inflation und Zinsen derzeit im Griff sind

Island Inflation

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Grafik: Central Bank of Iceland

Island Zinsen

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Grafik: Central Bank of Iceland

Griechenland

Griechenland kann leider fast nichts von Island lernen, da das Land in Europa und im Euro ist, und die Gelder der Bankkunden entweder in bar unterm Kopfkissen liegen oder in der Schweiz, England usw. Island konnte die Bankaktionäre bluten lassen, die Sparer direkt retten, durch Kapitalverkehrskontrollen das Abwandern von Geld stoppen und somit eine katastrophale Kettenreaktion verhindern. Die Idee „Griechenland müsste einfach nur raus aus dem Euro“ ist kaum praktikabel – denn beide Länder kann man gar nicht vergleichen. Es sind völlig unterschiedliche Voraussetzungen, und in Griechenland ist die Krise schon viel zu weit fortgeschritten. Die Realwirtschaft in Island war und ist vorhanden und fungiert auch heute immer noch als Basis der Volkswirtschaft – Griechenland hingegen ist auf permanenten Mittelzufluss aus Rest-Europa angewiesen. Aber andere Länder in Europa und außerhalb können von Island lernen, gleich zu Beginn der Krise radikal die Banken pleite gehen zu lassen, die Sparer zu schützen und den Kapitalabfluss mit Kapitalverkehrskontrollen zu stoppen. Dann lässt man Zeit vergehen und sammelt sich neu – so wie Island (auch wenn dort noch jede Menge Probleme zu lösen sind).




Quelle: Central Bank of Iceland / Internationaler Währungsfonds

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Neofiskalismus – die Zeit für größere Regierungsaktivitäten ist gekommen

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Eine neue Ära vermehrter Regierungsaktivitäten hat begonnen und wird sich wahrscheinlich noch über Jahrzehnte fortsetzen, so die Analyse des Global Macro Research Teams von Insight Investment. Das Insight’s Global Macro Research Team hat für dieses Phänomen einen neuen Begriff eingeführt: „Neofiskalismus“. Damit soll eine sich abzeichnende Ära beschrieben werden, in der Regierungen durch ihre Finanzpolitik eine noch direktere und offensivere Rolle in der Wirtschaftspolitik und -steuerung ausüben. Dies steht in starkem Kontrast zu dem gegenwärtigen Modell, unter dem Zentralbanken weitestgehend in der Lage waren, geldpolitische Entscheidungen ohne politische Intervention zu treffen.

Das neoliberale Paradigma reduzierter Regierungsinterventionen in der Wirtschaft ist in Gefahr. Längerfristige Trends gingen bereits in diese Richtung, aber die Notfallpolitik, die zur Bewältigung der COVID-19-Krise angewandt wurde, hat einen möglichen Wendepunkt geschaffen. Das Global Macro Research Team hat fünf Folgen für die Märkte identifiziert:

1)
Die Anleihenmärkte könnten für einen langen Zeitraum ähnlich wie in Japan werden. Eine im historischen Vergleich relativ geringe Volatilität könnte dazu führen, dass die Suche nach Renditen die Spreads verringert und die Zinskurven abflacht.

2)
Ein Anstieg der Inflation könnte Anleiherenditen kurzfristig nach oben treiben, wenn sie eine Abschwächung der quantitativen Lockerung bewirkt. Solche Gelegenheiten dürften attraktive Einstiegspunkte sein, solange längerfristig erwartet wird, dass die Inflation nach den Finanzierungsengpässen in der Wirtschaft wieder auf den Zielwert zurückkehrt.

3)
Für Staaten ohne vollständige Kontrolle über die Währung, in der sie ihre Emissionen tätigen, sollte die Wirksamkeit der Regierung von entscheidender Bedeutung sein. Effektiv handelnde Regierungen, die in der Lage sind, die Produktivität und das Trendwachstum zu steigern, könnten das Verhältnis Schulden/BIP rascher reduzieren.

4)
Das Identifizieren von Regierungen, die in der Lage sind, das Trendwachstum zu maximieren, dürfte für die Aktienmärkte wichtig werden, da dies zu einem wichtigen Ertragsmotor wird.

5)
Unternehmen mit staatlicher Unterstützung dürften in Perioden mit Finanzierungsengpässen einen Vorteil haben.

Experte erklärt neues Phänomen des Neofiskalismus
Gareth Colesmith, Head of Global Rates and Macro Research bei Insight Investment

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Glas halb voll oder halb leer? 21 statt 33 Prozent der Betriebe stark von Corona betroffen

Claudio Kummerfeld

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Zahl von Corona stark beeinträchtigter Betriebe sinkt

Der eine sagt das Glas ist halb voll, der andere sagt es ist halb leer. Ansichtssache! So wohl auch in diesem Fall. Denn ab wann kann man sagen, dass sich die gesamtwirtschaftliche Lage so weit gebessert hat, dass die Coronakrise im großen Bild überstanden ist? Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), eine Forschungseinrichtung der Bundesagentur für Arbeit, hat heute aktuelle Umfrageergebnisse veröffentlicht. Regelmäßig befragt man 1.500 Betriebe.

Demnach berichteten für den Monat Mai 33 Prozent der Betriebe von starken negativen Corona-Auswirkungen auf das eigene Geschäft. Heute meldet das IAB, dass noch 21 Prozent der Betriebe von starken negativen Auswirkungen sprechen. Also ein Fünftel der Unternehmen ist immer noch ernsthaft von Corona beeinträchtigt, und das laut Bundesregierung vier Monate nach dem wirtschaftlichen Tiefpunkt der Krise. Der eine erachtet dies als großen Schritt in die richtige Richtung, der andere sieht darin ein Desaster, dass immer noch so viele Betriebe ernsthafte Probleme haben. Dazu hier einige Aussagen des IAB im Wortlaut:

Die Ergebnisse zeigen, dass sich die wirtschaftliche Situation der Betriebe sehr deutlich gegenüber dem Höhepunkt der Krise im Frühjahr verbessert hat“, erklärt IAB-Forscher Jens Stegmaier.

Von den im Mai stark negativ durch die Corona-Krise betroffenen Betrieben sind 49 Prozent weiterhin stark betroffen. 25 Prozent der im Mai stark negativ betroffenen Betriebe geben aktuell geringe negative Auswirkungen an, 23 Prozent keine oder gleichermaßen positive wie negative Auswirkungen und 3 Prozent überwiegend positive Auswirkungen.

Am heftigsten wurde das Gastgewerbe von der Corona-Krise getroffen: Im Mai lag der Anteil der Betriebe mit starken negativen Auswirkungen bei 78 Prozent und der Anteil mit geringen negativen Auswirkungen bei 17 Prozent. Aktuell sind 45 Prozent stark negativ betroffen und 17 Prozent gering negativ betroffen.

Im Bereich Information und Kommunikation waren im Mai dagegen nur 3 Prozent der Betriebe stark negativ betroffen. Gering negativ betroffen waren 25 Prozent. Aktuell sind 5 Prozent stark negativ und 29 Prozent gering negativ betroffen.

Das Verarbeitende Gewerbe liegt dazwischen: Für den Mai berichteten 37 Prozent der Betriebe von starken negativen und 28 Prozent von geringen negativen Auswirkungen. Aktuell sind 29 Prozent mit starken negativen Auswirkungen und 24 Prozent mit geringen negativen Auswirkungen konfrontiert.

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Geldpolitik: US-Notenbank macht Nullzins langfristig fest – Werbung

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Lieber Börsianer,

gestern haben sich im Rahmen ihres turnusmäßigen Treffens die US-Notenbanker nochmals zur Geldpolitik eingelassen. Dabei verzichtete man erstmals auf jede Geheimniskrämerei und garantierte dem Kapitalmarkt, den gegenwärtigen Leitzins von Null langjährig beizubehalten. Die Fed wird dabei auch zumindest vorübergehend Inflationsraten oberhalb der bisher starren Inflationsgrenze von 2 % akzeptieren.

Das war nicht der ganz große Wurf der Fed. Am Aktienmarkt hatte man doch auf eine weitere Lockerung der Geldpolitik gehofft. So hofften die Börsianer, dass die Notenbanker nächstens ihre Anleihenkäufe nochmals ausweiten und künftig auch im Junk-Bereich (Anleihen mittlerer und schlechter Qualität) einkaufen werden. Diese Phantasie ist nach der gestrigen Notenbank-Sitzung erst einmal vom Tisch.

Trotzdem hatten die Währungshüter rund um Jerome Powell auch positive Nachrichten für uns. Mittlerweile wissen wir, die Pandemie hat sich nicht so zerstörerisch auf die US-Volkswirtschaft ausgewirkt wie zuvor befürchtet. So rechnen die Analysten der Fed nun damit, dass die Arbeitslosenrate in den USA Ende des Jahres zwischen 7 und 8 % liegen wird, aktuell übrigens 8,4 %. Zuvor war man noch von einer Rate in der Spanne zwischen 9 bis 10 % ausgegangen.

Vor diesem Hintergrund sah der Offenmarktausschuss – das oberste Gremium der Fed – keine Notwendigkeit, kurzfristig weitere Mittel in den Markt zu pumpen. Folglich schwächelten die Aktienmärkte rund um den Globus zum Wochenausklang.

Eine Frage: Warum ist eigentlich die Geldpolitik der Fed, aber auch der EZB so immens wichtig für uns als Anleger? Warum reagieren die Märkte jedes Mal nahezu prompt auf die Einlassungen der Geldpolitiker?

Hierzu einige Hintergrund-Informationen: Die Geldpolitik bestimmt vereinfacht gesprochen, wieviel Geld die Wirtschaftssubjekte wie Unternehmen, Verbraucher und auch Investoren in der Tasche haben. Und je lockerer oder expansiver eine Geldpolitik, desto mehr Kapital befindet sich im Wirtschaftskreislauf. Und viel Geld bedeutet letztlich immer steigende Aktienkurse.

Damit ist die Geldpolitik neben der fundamentalen Entwicklung in den Unternehmen der große und entscheidende Faktor für die Aktienmärkte. Ich behaupte, dass die Börsenhausse der vergangenen Jahre ganz wesentlich auf der lockeren…..

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