Europa

Demografiewandel wirkt? Eurozone mit Arbeitslosigkeit so gering wie noch nie – aber warum?

Die Arbeitslosigkeit in der Eurozone ist jetzt so gering wie noch nie. Warum? Schauen wir auf die Berechnungsmethode und dem Demografiewandel.

Menschen auf einem Zebrastreifen

Die Arbeitslosigkeit in Europa fällt auf ein Rekordtief. Genauer gesagt fällt sie in der Eurozone auf den niedrigsten Stand seit ihrem Bestehen. Ein Grund zum Jubeln? Hat die EU etwa so eine tolle Arbeit geleistet beim Kampf gegen die Arbeitslosigkeit? Schauen wir auf die Details. Im Juli 2022 lag die saisonbereinigte Arbeitslosenquote in der Eurozone laut heutiger Meldung von Eurostat bei 6,6%, ein Rückgang gegenüber 6,7% im Juni 2022 und gegenüber 7,7% im Juli 2021. Gemäß heutiger Schätzung von Eurostat waren im Juli 2022 in der EU 12,959 Millionen Männer und Frauen arbeitslos, davon 10,983 Millionen im Euroraum. Gegenüber Juni 2022 sank die Zahl der arbeitslosen Personen in der EU um 113.000 und im Euroraum um 77.000. Gegenüber Juli 2021 sank die Zahl der arbeitslosen Personen in der EU um 1,854 Millionen und im Euroraum um 1,576 Millionen.

Arbeitslosigkeit wird bei Eurostat nach ILO-Norm berechnet

6,6 Prozent Arbeitslosigkeit in der Eurozone – das ist doch ein richtig guter Wert? Grundsätzlich muss man dazu wissen, dass Eurostat nach eigener Aussage diese Daten anhand der Methoden der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) berechnet. Und die besagen, „dass Arbeitslose als Personen definiert werden, die in den letzten vier Wochen aktiv nach Arbeit gesucht haben und innerhalb der beiden nächsten Wochen eine Arbeit beginnen können“. Im Klartext: Bei dieser Methode können die jeweiligen Statistikämter der Mitgliedsstaaten jede Menge tatsächlich Arbeitslose aus der Statistik entfernen, obwohl diese Menschen arbeitslos sind. Das erlaubt letztlich auf Ebene von EU und Eurozone so eine geringe Arbeitslosigkeit auszuweisen. Würde man die deutschen Maßstäbe ansetzen, sähe man womöglich eine fast doppelt so hohe Arbeitslosenquote. Nur als Beispiel: Die heutigen Zahlen von Eurostat weisen für Deutschland eine (nach ILO errechnete) Arbeitslosenquote von nur 2,9 Prozent für Juli aus. Die Arbeitslosenquote, die die Bundesagentur für Arbeit für Juli verkündete, lag aber bei 5,4 Prozent!

Demografiewandel nicht außer Acht lassen

Wie auf deutscher Ebene, so sollte man auch auf europäischer Ebene beim Blick auf die niedrigen Arbeitslosenzahlen nicht den Demografiewandel außer Acht lassen. Fast überall werden händeringend Arbeitskräfte gesucht. Aufgrund der niedrigen Geburtenraten gehen immer mehr Menschen vom Arbeitsleben in die Rente, aber immer weniger junge Leute rücken gleichzeitig in den Arbeitsmarkt nach. Dieser jetzt schon deutlich spürbare Effekt wird womöglich auch schon europaweit dafür sorgen, dass die Arbeitslosigkeit auf ein so niedriges Niveau gefallen ist. Wer arbeitslos ist, findet ziemlich schnell einen Job, da es ein massives Überangebot an offenen Stellen gibt. Man blicke zum Beispiel auf Deutschland, wo die Zahl der offenen Arbeitsstellen in mit 1,93 Millionen jüngst erneut ein Allzeithoch erreicht hat. Selbst die Energiekrise, die viele Firmen in den Ruin treiben dürfte, und dazu noch viele Geflüchtete aus der Ukraine können die Arbeitslosenquoten (noch nicht) hoch treiben. Der Demografiewandel wird solchen Faktoren entgegenwirken.

Die folgende Grafik zeigt den Verlauf der Arbeitslosigkeit in der Eurozone in den letzten 25 Jahren. Die darauf folgende Grafik zeigt den Verlauf der Arbeitslosigkeit in EU und Eurozone seit dem Jahr 2008.


source: tradingeconomics.com

Verlauf der Arbeitslosenquote in EU und Eurozone seit dem Jahr 2008



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