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EZB besitzt aktuell Anleihen im Wert von 340 Milliarden Euro

Von Claudio Kummerfeld

In den letzten 6 Wochen hat die EZB plangemäß Anleihen für 85 Milliarden Euro gekauft. Addiert man aber die Bestände alle sonstigen „Kaufprogramme“ seit Beginn der Krise zusammen, steht aber fest: die EZB besitzt aktuell Anleihen im Wert von 340 Milliarden Euro. Eine Übersicht…

EZB Chef Mario Draghi
Foto: Europäische Zentralbank

Das „Quantitative Easing“ der EZB

Seit 9. März läuft das offizielle „Quantitative Easing“ (Geldschwemme/Gelddrucken) der EZB, über das bis September 2016 mit ca. 60 Milliarden Euro pro Monat europäische Staatsanleihen sowie halbstaatliche Anleihen aufgekauft werden sollen. Hier liegt man im Soll – nach gut 1 1/2 Monaten liegt man bei 85 Milliarden Euro. Was in Vergessenheit geraten war, sind die „alten“ Kaufprogramme für Unternehmensanleihen und Bankanleihen, die direkt nach der Krise in 2009 gestartet wurden und ein ganz anderes Ausmaß hatten.

Securities Markets Programme

Von 2010 bis 2012 wurden von der EZB Staatsanleihen und private Anleihen im Wert von ca. 210 Milliarden Euro gekauft – nicht zum Zweck der des „Quantitative Easing“, sondern um das europäischen Bankensystem zu diesem Zeitpunkt liquide zu halten. Seitdem schlummert dieser Anleiheberg im Portfolio der EZB stumm und leise vor sich hin, und wird laut EZB bis zum Laufzeitende im Bestand der EZB verbleiben. Dadurch, dass nach und nach Anleihen auslaufen und von den Emittenten zurückgezahlt werden, ist das gehaltene Volumen auf aktuell 139 Milliarden Euro geschrumpft, aber immer noch der mit Abstand größte Anleiheposten in der EZB-Bilanz.

EZB Kaufprogramme Grafik 24.04.2015
Die aktuellen Bestände der EZB zum Stichtag 24.04.2015. QE unterste Zeile mit 85 Milliarden Euro.
Grafik: Europäische Zentralbank

EZB QE 31.03.2015
Grafik: Europäische Zentralbank

Wie diese Grafik zeigt, wurden im März 47 Milliarden Euro über das offizielle „Quantitative Easing“-Programm der EZB gekauft. Die Liste zeigt, von welchem Land Anleihen in welchem Volumen gekauft wurden. Griechenland fehlt komplett. Da die EZB erst am 9. März mit dem Kauf begonnen hat, kann man die 47 Milliarden auf 60 Milliarden für einen ganzen Monat hochrechnen. Die EZB schreibt aber zu der Grafik „Combined with the purchases under the ABSPP and the CBPP3 the ECB achieved its monthly target of 60 bln in March.“ Dies bedeutet, dass die EZB zum Ausdruck bringen möchte, dass man im Monat März doch die 60 Milliarden erreicht hat, und zwar in dem man neben den Staatsanleihen auch Pfandbriefe und mit sonstigen Sicherheiten besicherte Anleihen (Asset backed Securities) aufgekauft hat. Dies entspricht eigentlich nicht dem „Geist“ der vorgesehenen Geldschwemme, denn es sollten ja eigentlich nur Staatsanleihen oder Anleihen halbstaatlicher Institutionen gekauft werden.

3 X Covered Bond Purchase Programme

Drei Mal hat die EZB seit der Lehman-Krise ein sogenanntes „Covered Bond Purchase Programme“ aufgelegt. Dabei handelte es sich um eine Aktion den europäischen Markt für Pfandbriefe zu stützen. Zusammen belaufen sich die aktuellen Bestände aller drei Programme auf 110 Milliarden Euro.

Asset-Backed Securities Purchase Programme

Dieses Programm wurde Ende 2014 gestartet und soll noch gut 1 1/2 Jahre andauern. Die EZB hält aktuell 5,7 Milliarden Euro dieser ABS-Papiere und will diese Summe weiter aufstocken. Sie kauft Kreditpakete von Geschäftsbanken, damit diese offiziell die erhaltene Liquidität verwenden können, um neue Kredite an die Realwirtschaft zu vergeben. Ein gut gemeintes Ziel. Ob es wirklich so von den Banken umgesetzt wird, ist eine andere Frage.

Alles in allem hat sich die EZB aktuell schon mit 340 Milliarden Euro vollgesogen. Hinzu kommen jetzt jeden Monat weitere 60 Milliarden Euro + weitere ABS-Papiere. Auch wenn gleichzeitig Altbestände von den Emittenten zurückgezahlt werden, so wird der Anleihebestand der EZB doch weiter steigen. Würde man mit Ironie an diese Zahlen herangehen, könnte man meinen die EZB unterstützt die europäischen Geschäftsbanken seit der Lehman-Krise laufend mit neuer Liquidität durch immer neue Geldzuflüsse, die nur anders genannt werden, weil es ohne sie gar nicht mehr geht.


Hier die Zusammenfassung der EZB über ihre Kaufprogramme.

Hier die detaillierte Erläuterung der EZB zu den einzelnen Programmen.


Quelle: Europäische Zentralbank



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