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Europa

In Europa läuft die Konjunktur rund, vorlaufende Preise als Wegweiser, und ein weiterer Indikator für die Zweiteilung der EU

Das Bruttoinlandsprodukt in der Eurozone ist im letzten Quartal im Jahresvergleich wie erwartet um 1,7% gestiegen, in der Gesamt-EU waren es sogar +1,9%. Wie der rechte Teil der folgenden Grafik zeigt, verlaufen die…

Redaktion

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FMW-Redaktion

Das Bruttoinlandsprodukt in der Eurozone ist im letzten Quartal im Jahresvergleich wie erwartet um 1,7% gestiegen, in der Gesamt-EU waren es sogar +1,9%. Wie der rechte Teil der folgenden Grafik zeigt, verlaufen die Steigerungsraten Quartal für Quartal stabil knapp unter 2% (auf Jahresbasis).

Wie wir gestern schon ausführten, ist es durchaus wahrscheinlich, dass in Europa die Konjunktur so gut läuft, weil wir hier schlicht und einfach in der Konjunkturkurve mehrere Jahre hinter den USA hinterherlaufen, die früher aus der Finanzkrise herauskamen, und jetzt dafür früher am Ende des positiven Konjunkturverlaufs stehen. Also, haben wir in Europa noch ein, zwei oder drei rosige Jahre vor uns? Oder folgen wir auch bald den USA auf dem langsam abflauenden Weg?

Die aktuell gute wirtschaftliche Lage in der EU zeigen einmal mehr die stabil und kräftig steigenden Erzeugerpreise. In der Eurozone steigen sie von März 2016 auf März 2017 um 3,9%, in der Gesamt-EU um 4,6%. Zitat Eurostat:

Jährlicher Vergleich nach industrieller Hauptgruppe und nach Mitgliedstaat

Im Euroraum ist der Anstieg um 3,9% der Erzeugerpreise in der Industrie insgesamt im März 2017 gegenüber März 2016 darauf zurückzuführen, dass die Preise im Energiesektor um 8,2%, für Vorleistungsgüter um 3,9%, für Verbrauchsgüter um 2,2%, für Investitionsgüter um 0,9% und für Gebrauchsgüter um 0,7% stiegen. Die Erzeugerpreise in der Industrie insgesamt, ohne den Energiesektor, stiegen um 2,4%. In der EU28 ist der Anstieg um 4,6% darauf zurückzuführen, dass die Preise im Energiesektor um 11,9%, für Vorleistungsgüter um 3,8%, für Verbrauchsgüter um 2,2%, für Investitionsgüter um 1,2% und für Gebrauchsgüter um 0,9% stiegen. Die Erzeugerpreise in der Industrie insgesamt, ohne den Energiesektor, stiegen um 2,5%. Die höchsten Anstiege der Erzeugerpreise in der Industrie wurden in Belgien (+12,4%), den Niederlanden (+9,2%) und dem Vereinigten Königreich (+8,8%) verzeichnet, während in Luxemburg (-3,2%) ein Rückgang registriert wurde.

Entscheidend hierbei ist: In der Eurozone wie in der Gesamt-EU steigen die Preise ohne Energie um 2,4% und 2,5%. Also ein gesunder kräftiger Anstieg ohne diesen Sonderposten, obwohl Energiepreise ja in Wirklichkeit gar keine Sonderposten sind, sondern zu den wichtigsten Preisen für Verbraucher und Industrie überhaupt gehören. Wie wir es schon oft gesagt haben: Am Ende schlagen diese Preise auch durch auf die Endverbraucher!

Wir hatten erst kürzlich über die Höhe der Arbeitslosenquoten in der EU aufgeteilt nach einzelnen Regionen in den jeweiligen Mitgliedsstaaten berichtet. Daraus ergab sich in der Grafik ein gut erkennbares Nord-Süd-Gefälle. Wie wir in diesem Artikel bereits schrieben, überlappen sich in vielen Bereichen die Charts fast identisch. So auch dieses folgende Bild. Es zeigt, ab welchem Alter Menschen in EU-Mitgliedsstaaten im Schnitt ihren elterlichen Haushalt verlassen und in eine eigene Wohnung ziehen.

Wer es sich schlicht und einfach nicht leisten kann mangels Arbeit oder anständiger Bezahlung, kann einfach nicht zuhause ausziehen. Hier zeigt sich erneut das klare Nord-Süd-Gefälle. In Nordeuropa ziehen die Menschen schon unter 25 Jahren zuhause aus. In Osteuropa geschieht dies in der Regel im Alter zwischen 25 und 28,5 Jahren. In Südeuropa liegt dieser Wert durchgehend bei über 28,5 Jahren, wie diese aktuell veröffentlichte Grafik für das Jahr 2015 zeigt.

Daten und Grafiken: Eurostat

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Europa

Deutsche Wirtschaft: Einkaufsmanager – Lage mau, aber Optimismus wegen Impfstoff

Markus Fugmann

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Soeben wurde der Einkaufsmanagerindex für deutsche Wirtschaft (Markit PMI; erste Veröffentlichung für November) veröffentlicht – einer der zentralen Indikatoren für die deutsche Konjunktur:

Gesamtindex: 52,0 (Prognose war 50,4; Vormonat war ,)

Verarbeitendes Gewerbe: 57,9 (Prognose war 56,5; Vormonat war 58,2)

Dienstleistung: 46,2 (Prognose war 46,3; Vormonat war 49,5)

Kurz zuvor war der Einkaufsmanagerindex aus Frankreich mit 49,1 für Gewerbe (Prognose war 50,1; Vormonat war 51,3) und mit 38,0 für Dienstleistung (Prognose war 37,7; Vormonat war 46,5) veröffentlicht worden.

Zu den Daten aus Deutschland kommentiert Phil Smith von Markit, das die Umfrage ausgeführt hat:

„Wie erwartet wirkten sich die neuerlichen Lockdown-Beschränkungen zur Eindämmung der Corona-Pandemie negativ auf die deutsche
Wirtschaft aus. Die aktuellen PMI-Vorabschätzungen zeigen, dass der Servicesektor aktuell wieder so tief in der Krise steckt wie im Mai.
Die Widerstandskraft der Industrie, die vor allem von den Exportsteigerungen nach Asien profitierte, bekräftigt uns allerdings in der Annahme, dass ein möglicher Abschwung im vierten Quartal 2020 deutlich schwächer ausfallen dürfte als im ersten Halbjahr. Die positiven Nachrichten um die Entwicklung eines Corona-Impfstoffs verliehen der Stimmung unter den deutschen Unternehmen jedenfalls Auftrieb, von denen viele jetzt auf eine Rückkehr zur Normalität in den nächsten zwölf Monaten hoffen. Dies dürfte auch den jüngsten Daten zum Arbeitsmarkt zu Gute gekommen sein, die zeigen, dass sich die Lage in der Industrie der Stabilisierung weiter angenähert hat und die Beschäftigung im Servicesektor weiter gestiegen
ist.“

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Europa

Verbraucherpreise in Eurozone dritten Monat in Folge in Deflation – Zweiteilung des Kontinents

Claudio Kummerfeld

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Geldbörse in der Klemme

Die europäische Statistikagentur Eurostat hat heute die ausführlichen und endgültigen Ergebnisse für die Verbraucherpreise im Oktober veröffentlicht. Mit -0,3 Prozent im Jahresvergleich hängen sie nun den dritten Monat in Folge in der Deflation (Vormonate -0,3 Prozent und -0,2 Prozent). Auffällig bleibt wie in den Vormonaten, dass Osteuropa zu großen Teilen eine Art Deflations-Abwehr darstellt. Wo einige Länder noch nicht den Euro haben, ist Inflation klar erkennbar – oft sogar mehr als deutlich. So hat die Gesamt-EU im Oktober auch einen Wert von +0,3 Prozent hingelegt. Man muss es sich mal vorstellen. Länder wie die Slowakei, Rumänien, Tschechien, Ungarn und Polen liefern Steigerungen der Verbraucherpreise zwischen +1,6 Prozent und 3,8 Prozent (siehe rechter Teil der Grafik).

Grafik zeigt Veränderungen der Verbraucherpreise pro Land

In den Details für die Eurozone sieht man: Die Verbraucherpreise für Lebensmittel legen zu, jetzt mit einer Steigerungsrate von +2,0 Prozent. Die Energiepreise ziehen mit -8,2 Prozent den Schnitt weiterhin kräftig nach unten. Aber auch die Dienstleistungen sind mit schuldig mit nur noch +0,4 Prozent, wo man noch im Juni Steigerungsraten über 1 Prozent sah. Hier schlägt wohl auch die deutsche Mehrwertsteuersenkung zu Buche, die seit Juli in Kraft ist. Aber abwarten. Ab Januar, wenn die Mehrwertsteuersenkung in Deutschland wieder rückgängig gemacht wird, dürften die Verbraucherpreise wieder auf die Null-Linie kommen – auch für die Eurozone?

Grafik zeigt Details der Verbraucherpreise

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Europa

Autozulassungen in EU im Oktober schwach? Die Statistik kann täuschen

Claudio Kummerfeld

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Autos auf Parkplatz

Die Autozulassungen zeigen für Oktober eine Konjunkturschwäche dank des zweiten Corona-Lockdowns? Na ja, das kann man auch anders sehen. Im Oktober wurden laut heutiger Meldung des europäischen Automobilverbands ACEA in der EU 953.615 Autos zugelassen. Das sind 7,8 Prozent weniger als im Oktober 2019, wo noch 1.034.669 Autozulassungen registriert wurden.

Aber: Man schaue bitte vier Wochen zurück, wo ACEA Daten für die Autozulassungen im September meldete. Da waren es nämlich nur 933.987 Zulassungen. Also gab es von September auf Oktober einen Zuwachs von 20.000 Autozulassungen. Es ist also ein aktuell spürbares Wachstum vorhanden. Das ist wichtig, weil die Coronakrise normale saisonale Zyklen derzeit aushebelt. Momentan ist eher wichtig, dass die Zahlen von Monat zu Monat ansteigen, als Zeichen einer aktuellen Nachfrage-Erholung.

Normalerweise schwören wir bei FMW auf die Zahlen für den Jahresvergleich. In diesem Fall kann man das Jahresminus im Oktober auf die starken Zahlen für die Autozulassungen im Oktober 2019 zurückführen, die das jetzige Ergebnis schwach erscheinen lassen. In der folgenden Grafik finden Sie die Datenübersicht der heutigen Veröffentlichung. Übrigens: Im viel aussagekräftigeren Zeitraum Januar-Oktober 2020 im Vergleich zu Januar-Oktober 2019 sind die Autozulassungen in der EU immer noch um 26,8 Prozent rückläufig. Die extrem harten Corona-Monate aus dem Frühjahr wirken halt immer noch nach.

Datenblatt zeigt Autozulassungen in der EU im Oktober

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