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Inflation ohne Bremse: Hans-Werner Sinn über das Scheitern der EZB

Notenbanken vor einem Abhang - ohne Bremse

Hans-Werner Sinn: Inflation ohne Bremse

Die Inflation ist so hoch wie seit den frühen 1980er-Jahren nicht mehr – und dennoch hinken die Notenbanken mit ihrer Geldpolitik stark hinter her, sie haben keine Bremse dafür mehr, sagt Hans-Werner Sinn. Während die US-Notenbank sich langsam in Richtung einer stafferen Geldpolitik bewegt, schließt die EZB faktisch Zinsanhebungen weiter aus. Das kann für Konsumenten und Unternehmen drastische Folgen haben, denn die Inflation ist gekommen, um zu bleiben!

Hans-Werner Sinn: Keine Bremse mehr für Inflation

Denn es gibt strukturelle Faktoren (die drei „Ds“), die die Inflation befeuern: Deglobalisierung (durch Corona und Lieferengpässe), Demografie (Ausscheiden der Baby-Boomer aus dem Arbeitsleben) und Dekarbonisierung (gründe Wende, die viel Geld kostet und Preise treibt)!

Wie aber die Inflation bremsen? Noralerweise gibt es dafür zwei Wege: die Reduzierung der Geldmenge und die Anhebung von Zinsen. Reduzierung der Geldmenge würde bedeuten, dass die von der Notenbank aufgekauften Staatspapiere verkaufen – was herbe Kursverluste zur Folge hätte und die Renditen nach oben treiben würde.

Und Zinsanhebungen? Gerade in der Eurozone haben vor allem die hoch verschuldeten Südländer kein Interesse daran, dass die Zinsen steigen – weil dann eben diese Schulden teurer werden. Da die EZB mehrheitlich von eben diese Südstaaten der Eurozone dominiert wird, wird die Notenbank weiter beschwichtigen und hoffen, dass die Inflation schon irgendwie durch ein Wunder wieder zu fallen beginnt. Hans Werner Sinn formuliert es in seiner Weihnachtsvorlesung so: man rast auf einen Abhang zu, hat aber zuvor die Bremse ausgebaut.

Liquidität, Nachfrage und Angebot

Mit der Coronakerise begannen Notenbanken udn Staaten mit massiven Stimulus-Maßnahmen, um den Absturz der Wirtschaft zu verhindern. Dadurch bleib die Nachfrage hoch, während Lockdowns (vor allem in China) die Produktion reduzierte: Firmen stoppten die Produktion, Häfen wurden geschlossen.  Lieferengpässe und Materialmangel sind die Folge eines Ungleichgewichts zwischen staatlich stimulierter, zu hoher Nachfrage bei gleichzeitig viel zu geringem Angebot.

So steigen vor allem für die Unternehmen die  Kosten, sichtbar in den Erzeugerpreisen, die in Deutschland um sage und schreibe +19,2% zum Vorjahresmonat gestiegen sind. Daher werden diese Unternehmen ihre Preise anheben müssen (dazu kürzlich ifo: „Derzeit wollen so viel Firmen in Deutschland ihre Preise erhöhen wie nie zuvor“) – und so den Schub bei der Inflation weiter verstärken.

Für die Konsumenten bedeutet das weitere Kaufkraftverluste – wer als Arbeitnehmer in einer guten Verhandlungsposition gegenüber seinem Arbeitgeber ist, wird dafür eine Entschädigung fordern (Folge: eine Lohn-Preis-Spirale).

Wie schlimm wird es werden in Sachen Inflation? Dazu profunde Aussagen des ehemaligen ifo-Chefs Hans-Werner Sinn in seiner Weihnachtsvorlesung:



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8 Kommentare

  1. Herr Fugmamm, das ist doch ganz einfach, fragen Sie doch einfach
    Herrn Prof. Marcel Fratzscher.
    Da werden Sie zumindest eine Antwort bekommen, die uns alle erheitern wird, aber auch Menschen beruhigen wird.
    Gut, die EZB muss eine Notlüge verwenden, und kann/darf nicht die Wahrheit sagen. Wenn Montag nur 2% der Bundesbürger einen Teil ihres liquiden Geldes in Sachwerte investieren wollen (und dazu zähle ich jetzt einmal auch lange lagerfähige Lebensmittel) dann bricht das Chaos aus.
    Es gibt nur noch den Weg der Inflationierung der Schulden, denn dieser Ausgang ist unendlich breit; da passen alle Gläubiger durch.
    Also, die Paparole heißt „Ruhe bewahren“ Inflation leugnen oder klein reden, und den Sparer langsam (unter gutem Zureden) zu der Schlachtbank der Inflation führen. Auch wenn dazu so lächerliche Begründungen verwendet werden, wie Herrn Prof. Marcel Fratzscher sie verwendet.
    Ihm werden aber viele Menschen glauben, und vielleicht verhindert sein Gerede, das den letzten Tropfen das Fass….
    Meine Prognose:
    Januar/Februar zugegebene 8 bis 10 % Inflation, und etwa 15 bis 18 % tatsächliche Inflation in Deutschland.

    Viele Grüße aus Andalusien
    Helmut

  2. Mich interessiert, was passiert, wenn die EZB ihre Niedrigzinspolitik fortsetzt, während andere Zentralbanken, insbesondere das Federal Reserve System, die Leitzinsen wieder anheben. Welchen Effekten ist der Euroraum unter diesen Bedingungen ausgesetzt und folgt daraus?

    1. Das bedeutet langsam aber sicher dass Investoren ihr Kapital aus der EU abziehen. Die Folgen kann ich schwer einschätzen.

  3. Hans W. Sinn weiss wovon er redet und seit er kein Amt mehr hat,kann er anscheinend auch offen sagen was er denkt.. Im Gegensatz zu ihm kamen mir einige Aussagen des vielbeachtete Flossbachbeim kürzlichen Interviw eher komisch vor.
    1. Er meint die Notenbanken können nicht mehr zurück, d.h. für mich er akzeptiert ewiges Gelddrucken.
    2. Wie man sieht, müsste ja immer mehr Geld gedruckt werden für minimale Wirkung und extrem schädlichen Nebenwirkungen.
    3. Aktien seien unterbewertet nur weil Anleihen negativ rentieren? Ok. aber die Negativrenditen plus hohe Inflation schwächen die Kaufkraft und werden schlussendlich negativ für das Wachstum, was den Sinn der Nullzinsen kontrahiert.
    4. Er bejaht Bitcoin, aber für einen mächtigen Vermögensvetwalter wie seine Firma ist es schwer möglich diese zu handeln?
    Wer soll sie dann handeln?
    P.S Die BOA Leute sehen es eher „SINNGEMÄSS“
    Googeln: DIE BANK OF AMERIKA WARNT VOR SCHOCK 2022

  4. Wir hatten einmal eine unabhängige Bundesbank, die nur eine Aufgabe hatte, im Rahmen der Geldwertstabilität die Inflation zu bekämpfen, auch wenn es Politik und Wirtschaft nicht passte. Damit wurde die D-Mark zu einer Währung, die allen wirtschaftlichen und finanziellen Schwankungen des Marktes Rechnung trug. Heute ist die EZB, die einzig und allein der Geldwertstabilität verpflichtet ist, zur Vollkaskoversicherung für alle möglichen Risiken in den EU-Ländern geworden.
    Solange Griechenland, Malta, Zypern etc. im EZB-Rat die gleichen Stimm-Rechte wie z. B. Deutschland hat, wird die Schulden-Orgie weiter zum Nachteil der Netto-Zahler verlaufen. Diese unsinnige Majorität hat uns 3 profilierte Bundesbank-Präsidenten gekostet, die diese Schuldenpolitik nicht mittragen wollten (A. Weber, J. Stark und nun J. Weidmann). Die Zufälligkeit des Ausstiegs von Herrn Weidmann, der ja bis 2027 gewählt war, sollten die EURO-Retter dem Steuerzahler etwas näher erklären!!
    Wo dies alles enden wird, zeigen die uns die Ohnmachtsanfälle der EZB. Die türkischen Verhältnisse liegen z. B. in Griechenland seit Jahren vor, aber es gibt ja Retter!! Die Fehlkonstruktion Euro macht es möglich.
    Wie sagte doch BP Wulff:….wer rettet zum Schluss die Retter?“ Wir retten solange, bis wir selbst nicht mehr zu retten sind.
    Ein Zeitreisender aus dem Jahr der Euro-Enführung würde die aktuelle Geld-Politik der EZB wahrscheinlich zu Recht als völlig wahnsinnig bezeichen.

  5. Pingback: Hans-Werner sinn verspricht uns die Hyperinflation – Die Situation

  6. Pingback: Conciliatory Dax finals, new year, new luck? - Exact Release

  7. Pingback: Inflation ohne Bremse: Hans-Werner Sinn über das Scheitern der EZB - Beste Kneipe „mit“ Charme. „Zum Jagerhansl“

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