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Arbeitslosigkeit auf 24 Jahres-Tief – die Ruhe vor dem „großen“ Sturm in 2016?

Redaktion

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am

FMW-Redaktion

Gute Nachrichten sowie eine gigantische Aufgabe für 2016 für die Bundesagentur für Arbeit. Mit offiziell (!) 2,65 Mio Menschen liegt die Arbeitslosigkeit in Deutschland auf einem Rekordtief seit 1991. Dass die tatsächliche Arbeitslosigkeit 30% höher liegt, geschenkt. Aber eine gigantische Aufgabe liegt vor Arbeitsministerin Nahles und dem neuen Super-Beamten Frank-Jürgen Weise…

Frank-Jürgen Weise Arbeitslosigkeit
Frank-Jürgen Weise ist seit Kurzem nicht mehr nur Präsident der Bundesagentur für Arbeit, sondern auch des BAMF. Foto: Bundesagentur für Arbeit

Arbeitslosigkeit auf 24 Jahres-Tief

Im Oktober (Mittelwert des Monats) waren 2,65 Mio Menschen offiziell in Deutschland arbeitslos, so die heutigen Zahlen der Bundesagentur für Arbeit. Das ist trotz der saisonalen Stärke des Arbeitsmarkts im Oktober nicht nur erfreulich, sondern im Zuge der China- und Schwellenländer-Krise ein Zeichen, dass die exportlastige deutsche Wirtschaft diesem Negativtrend „noch“ erstaunlich gut trotzt. Die Arbeitslosenquote sank von 6,2 auf 6,0%. Wir hatten in den vergangenen Monaten mehrmals ausführlich aufgezeigt, dass die tatsächliche Arbeitslosigkeit in Deutschland gut 30% höher anzusetzen ist, was (nur ein Beispiel) damit zu tun hat, dass Arbeitslose im Alter von 58-65 Jahren nicht mehr als arbeitslos gezählt werden, da laut Bundesagentur für Arbeit ihre Vermittlungschancen so gering seien. Erneut dazu unsere Meinung: Auch wenn das stimmen mag, arbeitslos bleibt arbeitslos! Wir liegen realistisch gesehen derzeit bei ca. 7,8% Arbeitslosenquote.

Superman Weise soll´s richten

Angela Merkel hatte den Chef der Bundesagentur für Arbeit Frank-Jürgen Weise vor Kurzem in Personalunion auch zum Chef des BAMF (Bundesamt für Migration und Flüchtlinge) gemacht, weil der Vorgänger angeblich überfordert war mit dem großen Ansturm der Flüchtlinge. Weise´s erklärtes Ziel, so verkündete er es auch selbst, ist die Verzahnung der beiden Behörden, damit möglichst viele Flüchtlinge nach ihrer Anerkennung als Asylbewerber so schnell wie möglich in den Arbeitsmarkt integriert werden, und nicht als (so nennen wir es mal) Karteileichen im Hartz 4-System enden.

Wie dem heutigen Bericht der Bundesagentur für Arbeit zu entnehmen ist, stieg die Anzahl der offenen Stellen in der freien Wirtschaft im Vergleich zum Oktober 2014 um 95.000 auf aktuell 612.000. Besonders gesucht werden laut Bundesagentur Mitarbeiter in den Bereichen Verkehr, Logistik und Metall. Es ist natürlich viel zu einfach jetzt zu sagen man kann 612.000 ankommende Flüchtlinge einfach „umschichten“ vom Flüchtlingslager in den Arbeitsmarkt und zack, keine offenen Stellen mehr, wir haben 612.000 zusätzliche Arbeitnehmer und somit auch Steuerzahler. Wenn das so einfach wäre, hätten wir nicht mehr als tatsächlich 3 Mio Arbeitslose in Deutschland. Irgendwas scheint die Bundesagentur da grundsätzlich nicht hinzubekommen mit ihren Qualifizierungs- und Umschulungsmaßnahmen!

Flüchtlinge

Es ist natürlich sehr wahrscheinlich, dass eine gewisse Anzahl (die genaue Zahl kennt nur der Wahrsager mit der Glaskugel) von Flüchtlingen schnell eine offene Stelle wird besetzen können, weil er evtl. schon Deutsch spricht oder eine spezielle Qualifikation mitbringt. Der Großteil der Flüchtlinge wird aber nach der offiziellen Anerkennung als Flüchtling mit Aufenthaltsrecht erst mal ins Hartz 4-System übergehen.

Wie viele Flüchtlinge nächstes Jahr vom „Taschengeld“ als Asylbewerber im Asyllager wechseln werden in den Status eines „anerkannten Flüchtlings“ mit allen dazu gehörigen Rechten (dazu gehört auch der voller Hartz4-Bezug), weiß niemand genau. Durch den Status-Wechsel vom Asyllager ins Jobcenter gelten die Flüchtlinge ab dann offiziell als „dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehend“. Denn so lange ein Flüchtling nur als Asylbewerber registriert ist, taucht er als arbeitssuchend oder dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehend ja noch gar nicht auf, da er noch nicht von der Bundesagentur für Arbeit in deren Systeme eingepflegt wurde.

580.000 neue Arbeitslose nur resultierend aus 2015?

Von 80 Mio Menschen in Deutschland werden gut 46 Mio dem Arbeitsmarkt zugerechnet (alle mit Arbeit + alle Arbeitslosen). Alle anderen sind Menschen unter 18, über 65 oder Hausfrauen/Hausmänner. Also werden aktuell gut 58% der Bevölkerung grundsätzlich dem Arbeitsmarkt zugerechnet. Wenn man also davon ausgeht, dass alleine in 2015 (ohne Westbalkan etc) eine runde Zahl von 1 Million Flüchtlinge nach Deutschland kommen, die hier als anerkannter Asylbewerber einen Aufenthaltsstatus erhalten werden, kann man ganz grob vergleichend schätzen, dass auch hier 58%, also 580.000 Menschen dem Arbeitsmarkt als arbeitslos hinzugerechnet werden, sobald sie in den nächsten Monaten durch die Bundesagentur in die Systeme eingepflegt wurden. Die große Masse der Menschen wird aufgrund des Bearbeitungsstaus und der aktuellen Überforderung der Behörden wohl erst 2016 offiziell als arbeitslos erfasst sein. Bundearbeitsministerin Andrea Nahles sagte am 20. September ganz offen zu dem Thema sie rechne damit, dass in 2016 die Arbeitslosenzahlen aufgrund der vorher beschriebenen Abläufe deutlich ansteigen werden. Zitat Nahles:

„Damit sich niemand Illusionen macht: Wir sind gut, wir können auch viele Leute vermitteln, aber es wird nicht von heute auf morgen erfolgen. Und deswegen wird erst einmal die Arbeitslosenzahl steigen. Das muss aber niemanden beunruhigen. Wir können, wenn wir das gut machen, auch viele in Arbeit vermitteln. Angesichts vieler offener Stellen und der erfreulichen Reaktion der deutschen Wirtschaft müsse es schon mit dem Teufel zugehen, wenn dies nicht gelänge.“


Was auf die Arbeitsagenturen in den nächsten Monaten zukommt?

Tausende neue Jobvermittler in der Bundesagentur für Arbeit einstellen.

Deutschkurse für die Flüchtlinge.

Prüfung und evtl. Anerkennung ausländischer Zeugnisse und Hochschulabschlüsse.

Für Erwachsene ab 18 ohne Schulbildung nachträgliche Schulausbildung.

Gesonderte Berufsausbildungsmaßnahmen.

Evtl. großflächig „Integrationskurse“ (darunter versteht wohl jeder etwas anderes).

„Wir schaffen das“ ?

Da kann man nur Angela Merkel zitieren „Wir schaffen das“. Eine gewaltige Aufgabe für Frau Nahles und Herrn Weise. Vor allem ist es ein Rätsel, wie sich die beiden binnen Monaten tausende und Abertausende qualifizierte (!) Sozialarbeiter, Deutschlehrer und Arbeitsvermittler backen wollen. Nahles schätzte die Zahl auf 2.800 Mitarbeiter bundesweit. Kaum vorstellbar, dass das ausreichen soll. Ein enormer inhaltlicher Pfusch bei Deutsch- und Integrationskursen ist zu erwarten, da die Behörde wohl erst mal jeden rekrutieren wird, der sich Sozialarbeiter oder Pädagoge nennt. Ob es funktionieren wird tatsächlich mit einer großen Kraftanstrengung beispielsweise 580.000 Menschen innerhalb von 1, 2 oder 3 Jahren in Arbeit zu bringen, darf mehr als bezweifelt werden. Denn warum „schlummern“ immer noch mehr als 3 Mio Arbeitslose in den Systemen der Bundesagentur für Arbeit bei so vielen offenen Stellen?


7 Kommentare

7 Comments

  1. Avatar

    leser

    29. Oktober 2015 14:16 at 14:16

    Die „Arbeitsagentur“ ist ein planwirtschaftliches Relikt mit Neusprech-Name. Außer unproduktiven Behördenjobs kann sie keine Arbeit schaffen. Sie ist damit Teil des Problems und nicht der Lösung. Weg damit, auch wenn die Statistik dann leidet…

  2. Avatar

    EuroTanic

    29. Oktober 2015 14:21 at 14:21

    Für mich liegt die Arbeitslosigkeit bei 95%. Denn die Menschen arbeiten nicht. Im günstigsten Fall sind diese „beschäftigt“ (z.B. Konsumgüterindustrie), im schlechtesten Falle vernichten sie Werte (z.B. Beamte), die wenigsten arbeiten noch produktiv und schaffen überhaupt Werte.

  3. Avatar

    Horst Weinrich

    29. Oktober 2015 16:08 at 16:08

    Gehöre selbst zu den offensichtlich nicht mehr zu integrierenden inländischen, deutsch-sprechenden mit gutem Hochschulabschluß und abgeschlossener Berufsausbildung versehenen Mitbürgern. Vermutlich verhindert das sagenhafte „Greisenalter“ von 51 Jahren eine erneute Anstellung als tariflich Beschäftigter im Bankensektor oder anderswo – auch als nachweislich gesuchte Fachkraft!!! Dieses gilt übrigens für eine Reihe gleichaltriger Ex-Kollegen! Dafür kann man die „Bunte Anstalt“ nicht verantwortlich machen. Das ist nun mal der real existierende Arbeitsmarkt. Die Bundesanstalt für Arbeit hat keinerlei Kompetenz für die ihr zugedachten Aufgaben. Ihre Funktion besteht lediglich in der Bereitstellung eines fragwürdigen Zahlenwerks und ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass die gelernte Berufspolitikerin Nahles tatsächlich so naiv ist und an das Funktionieren ihrer Behörde glaubt – oder vielleicht doch?! Erschreckend! ;-)
    Für die aus statistischen Erfordernissen temporär in fragwürdigste Integrationsmaßnahmen verschobenen Kunden dieser Behörde, ist das natürlich alles andere als lustig.

    Übrigens erschöpft sich meine Perspektive nun in einer Hartz4-Karriere, unterbrochen von gelegentl. prekären Zeitarbeitsverhältnissen und anschließender Grundsicherung im Alter. Wie können Politiker und die Bundesanstalt von der zunehmenden Beschäftigung Älterer reden, wenn gleichzeitig wie im Beitrag beschrieben, alle Ü58-jährigen mal eben aus der Statistik geworfen werden?! Können unsere sogenannten Sozialdemokraten aus beiden Regierungsparteien jemals diesen Widerspruch aufklären! Schaffen die das!??

    • Avatar

      joah

      29. Oktober 2015 19:44 at 19:44

      Karma?

  4. Avatar

    Besucher

    30. Oktober 2015 03:21 at 03:21

    Lassen Sie sich nicht verarschen, die Zahl der Obdachlosen und Arbeitsunfähigen hat massiv zugenommen. Toller Erfolg oder?

    • Avatar

      bilbo

      30. Oktober 2015 13:32 at 13:32

      Seit 2 – 3 Jahren beobachte ich das auch! Immer mehr Deutsche (alt oder jung) betätigen sich als Müllsammler, sind obdachlos…oder verarmt…meist Männer.
      Man muss ein Auge dafür entwickeln, die meisten aber wollen nicht hinsehen. Es ist offensichtlich, entgegen der schönschreiberei in den Medien. Auch an den Tafeln wird es immer enger….

  5. Avatar

    Jürgen

    30. Oktober 2015 09:33 at 09:33

    Na, der Herr Weise ist ja nun nicht so „weise“ wie er beschrieben wird. Um festzustellen, dass viele Massnahmen bei der Bundesagentur unnötig sind und Menschen nicht in Arbeit bringt, da reicht einfacher Menschenverstand. Und wenn es vorher niemand gesehen hat, weiss man ja, das dort nicht die hellsten Lichter auf der Torte arbeiten.
    Dazu gab es wohl viel Vetternwirtschaft,manche haben sich wohl an Weiterbildungen und Schulungen bereichert…..

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Autoindustrie: Das Problem ist der Standort Deutschland

Claudio Kummerfeld

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Autoindustrie in Deutschland im Wandel

Steht die deutsche Autoindustrie vor einem Niedergang wie der Standort Detroit, die ehemalige Hochburg der Autoproduktion in den USA? Die Deutsche Bank (DB) hat ein hochinteressantes Research-Dokument dazu veröffentlicht. Darin wird die Branche nicht wirklich schlecht geredet. Aber schaut man genauer hin, geht es vor allem um den Standort Deutschland, der problematisch sein soll. Die deutsche Autoindustrie selbst sei relativ gut aufgestellt, aber eben nicht der Standort Deutschland. Vorab wollen wir aus der Analyse einige Aussagen erwähnen, was denn positiv am Standort Deutschland zu bewerten ist.

Der Automobilstandort Deutschland verfüge über außergewöhnliche Vorteile. Zu nennen sei vor allem die enge technologische und räumliche Verzahnung von Herstellern, industriellen Zulieferern, Ausrüstern (z.B. Maschinenbau), Entwicklungsdienstleistern, Logistikunternehmen sowie von universitären und sonstigen Forschungseinrichtungen. Von dieser vertikal integrierten Wertschöpfungskette sowie dem über Jahrzehnte gewachsenen Know-how der Beschäftigten könne der Standort zehren. Auch der intensive brancheninterne Wettbewerb war und ist ein Motor für stetige Innovationskraft und Produktivitätsfortschritte. Fasst man aber alle in der Analyse der DB skizzierten Faktoren zusammen, dann falle es jedoch schwer, die Zukunftsaussichten für den Automobilstandort optimistisch zu sehen.

Negative Standortfaktoren für die Autoindustrie in Deutschland

Negativ zu erwähnen hat die DB-Studie so einiges. Und dabei geht es überhaupt nicht um den Absturz während der Coronakrise, sondern um strukturelle Faktoren. Zum Beispiel würden strenge CO2-Grenzwerte für neue Pkw in der EU dazu führen, dass die Hersteller mehr Elektroautos auf den Markt bringen müssten. Der resultierende Kostenanstieg verschärfe den Strukturwandel in der Branche. Kaum jemand erwarte, dass die Netto-Bilanz dieses Strukturwandels für die Wertschöpfung und Beschäftigung der Automoindustrie in Deutschland positiv ausfallen wird.

Auch die Unsicherheiten hinsichtlich der Klima- und Energiepolitik hätten dazu beigetragen, dass der Kapitalstock in energieintensiven Branchen wie der Metallerzeugung oder der Chemieindustrie in Deutschland seit vielen Jahren sinke. Diese Sektoren zählen auch zur automobilen Wertschöpfungskette. Durch die Investitionszurückhaltung würden laut der Studie Teile dieser Kette geschwächt. Höhere Kosten kämen auf die Autoindustrie auch durch die geplante Verschärfung der europäischen Abgasnormen zu (Euro 7). Im Volumensegment dürfte der Kostenaufschlag pro Fahrzeug besonders ins Gewicht fallen. Dies setze die Produktion von „Autos für den Durchschnittsbürger“ in Hochlohnländern wie Deutschland, aber auch in Frankreich oder Italien unter Druck.

Bei klassischen Standortfaktoren wie der Steuerbelastung von Kapitalgesellschaften, Lohnhöhe oder der Flexibilität bei Arbeitszeiten habe sich Deutschlands Position laut der Studie der DB im internationalen Vergleich zuletzt eher verschlechtert. Auch die anhaltenden Handelskonflikte würden die Investitionsbereitschaft hemmen. Zudem ist die Pkw-Nachfrage im wichtigen westeuropäischen Absatzmarkt gesättigt. Schließlich bedeute die demografische Entwicklung eine Herausforderung, da sie zu einem sinkenden Erwerbspersonenpotenzial führe und die Nachfrage dämpft.

Angesichts der strukturellen Herausforderungen sei es fraglich, ob die früheren Produktionshöchststände am Standort Deutschland jemals wieder erreicht werden. Die DB befürchtet, dass es immer schwerer wird, eine konkurrenzfähige Produktion von Pkw im Volumensegment in Deutschland aufrechtzuerhalten. Der Anteil Deutschlands an der globalen, aber auch an der europäischen Autoproduktion könnte in den kommenden Jahren sinken. Ähnlich sei es der Autoindustrie im US-Bundesstaat Michigan (Detroit) ergangen, wo heute deutlich weniger Fahrzeuge gefertigt werden als zu Beginn des Jahrhunderts. Die deutsche Autoindustrie sei besser für die elektromobile Zukunft und andere strukturelle Herausforderungen der Branche gerüstet als der Automobilstandort Deutschland.

Autoindustrie wird sich anpassen – Standort mit Problem?

Wir wollen nur kurze und interessante Auszüge der DB-Studie zitieren. Zum Beispiel gehen wir nochmal auf den Detroit-Vergleich ein. Die DB sagt, dass dieser Vergleich vielleicht zunächst schockieren möge. Aber noch immer würden in Michigan viele Light Vehicles (LV) produziert. Allerdings waren es in den letzten Jahren etwa ein Drittel weniger Fahrzeuge als zu Beginn dieses Jahrhunderts. In der Folge ist der Anteil des Bundestaates an der gesamten LV-Produktion der USA von knapp 25 Prozent im Jahr 2000 auf deutlich weniger als 20 Prozent in den letzten Jahren gesunken. Profitiert hätten dagegen einige Südstaaten der USA, in denen auch deutsche Hersteller in neue Autofabriken investiert haben. Hohe Standortkosten in Michigan (z.B. Lohn- und Pensionskosten der angestammten Belegschaft) seien ein wesentlicher Grund für diese Verschiebung innerhalb der USA gewesen. Eine ähnliche Entwicklung sei für den Automobilstandort Deutschland nicht unwahrscheinlich. Auch in Deutschland könnten die Produktionszahlen der Branche dauerhaft unterhalb der früheren Niveaus verharren. Der Anteil Deutschlands nicht nur an der globalen, sondern auch an der europäischen Automobilproduktion drohe zu sinken.

Die DB-Studie geht an das gesamte Thema durchaus differenziert heran. Man schreibt die Branche nicht einfach pauschal ab. Unter dem Strich sei man davon überzeugt, dass die deutsche Autoindustrie besser für die „elektromobile“ Zukunft und andere strukturelle Herausforderungen der Branche gerüstet sei als der Automobilstandort Deutschland. Die Unternehmen könnten Standortentscheidungen frei treffen und sich im Laufe der Zeit anpassen, wenn sich die Rahmenbedingungen an einem Standort verschlechtern. Bei der Beurteilung der Zukunftsperspektiven des Standorts Deutschland würden aus heutiger Sicht jedoch die negativen Faktoren überwiegen. Bedauerlich dabei sei, dass ein Teil dieser Faktoren durch eine klimapolitische Regulierung begünstigt werde, die deutlich weniger effektiv als möglich und teurer als nötig sei.

Der Vorwurf an die deutsche Autoindustrie, technologische Trends zu verschlafen, werde auch beim Übergang zu E-Mobilität stetig wiederholt. Doch auch in diesem Fall sei er laut DB nicht pauschal zutreffend. Richtig sei, dass der Anteil deutscher Hersteller an den verkauften Elektroautos in vielen Märkten unter ihrem Marktanteil bei traditionellen Fahrzeugen liegt. Gleichwohl gleicht der Übergang vom Verbrennungsmotor zur E-Mobilität einem Langstreckenlauf und nicht einem Sprint. Kein Anbieter liege uneinholbar vorne. Zudem sei die Produktpipeline der deutschen Hersteller gut gefüllt. Die Deutschen seien eben lediglich später dran als manche Konkurrenten, aus Sicht der Autoren der Studie jedoch nicht zu spät.

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Biden sei dank: Märkte glauben an die große Rettung – Risiko war gestern

Claudio Kummerfeld

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am

Joe Biden tritt heute sein Amt als US-Präsident an. In Windeseile wird er sich offenkundig daran machen sein 1,9 Billionen US-Dollar schweres Stimulus-Paket durch den US-Kongress zu bekommen. Die dortige Mehrheit ist zwar hauchdünn. Aber die Märkte sind frohen Mutes. Woran man das sieht? Schauen wir auf den folgenden Chart im Tweet. Er zeigt die Rendite für US-Schrottanleihen (Junk Bonds). Dies sind Anleihen, bei denen das Ausfallrisiko besonders hoch ist. Da Anleger für ein hohes Risiko entschädigt werden wollen und müssen, erhalten sie höhere Renditen als Inhaber von (vermeintlich sicheren) Staatsanleihen. Die Rendite fungiert hier also als Risikoprämie.

Die Höhe der Risikoprämie zeigt an, für wie ausfallgefährdet der Markt diese Anleihen hält. Je höher die Rendite, desto höher ist in den Augen des Kapitalmarkts das Risiko, dass die begebende Firma dahinter pleite geht, und somit die Anleihe nicht zurückzahlen kann. Im Chart sehen wir seit dem Jahr 2010 den Verlauf der Rendite bei US-Schrottanleihen. Zum Start der Coronakrise im März 2020 schoss die Rendite von 5 Prozent auf über 11 Prozent in die Höhe. Und danach beruhigte sich die Lage wieder, aktuell auf nur noch 4,13 Prozent – ein Rekordtief! In den letzten Monaten kamen die Impfstoff-Hoffnungen auf. Und jetzt seit einigen Tagen wird der große Stimulus in den USA immer konkreter. Wie gesagt, Joe Biden wird heute vereidigt. Und wie seine neue Finanzministerin Janet Yellen gestern klar machte, wird man die US-Volkswirtschaft kräftig mit Geld fluten.

Und wie sie sagte, sei das kräftige Schuldenmachen im Augenblick wichtiger als der Blick auf eine zu hohe Staatsverschuldung. Die müsse man zwar später mit höheren Unternehmenssteuern wieder abbauen, aber kurzfristig müsse man sich stark neu verschulden und die Konjunktur anfeuern. Und ja, der Kapitalmarkt scheint fest daran zu glauben, dass somit die Schrottunternehmen weiterhin im Spiel bleiben, und ihre Schulden weiterhin bedienen können. Wenn nur genug frisches Geld vom Staat kommt, geht die Party also weiter? Dieser Chart zeigt es jedenfalls an. Die Risikoprämie sinkt immer weiter, auf wie gesagt ein Rekordtief von nur noch 4,13 Prozent.

Hier klicken, um den Inhalt von Twitter anzuzeigen

Blick nach Deutschland

Aber schauen wir auch mal nach Deutschland. Hier sehen wir im folgenden Langfristvergleich seit dem Jahr 2010, wie die Rendite für deutsche Staatsanleihen immer weiter fällt, und der Dax (orange) immer weiter steigt. Das immer weiter sinkende Zinsniveau (in Deutschland dank hoher Bonität deutliche Negativrendite) treibt die Anleger in Aktien, Immobilien etc. Aktuell notieren die Aktienmärkte an ihren Allzeithochs. Heute hat auch der deutsche Staat mal wieder für 30 Jahre laufende Anleihen verkauft, mit einem Bruttovolumen von 1,5 Milliarden Euro. Die Nachfrage lag bei einem Volumen von 1,79 Milliarden Euro.

Und (wie gesagt 30 Jahre Laufzeit) die Emissionsrendite lag bei minus 0,13 Prozent, nach minus 0,06 Prozent im November. Immer weiter sinkende Zinsniveaus, immer mehr Stimulus – da wird die Lücke doch gut aufgefangen oder besser gesagt aufgefüllt, die Corona gerissen hat? Und diese Rettungsorgie wird vor allem in den USA kräftig weiter gehen, davon darf man ausgehen. Und so könnte man glatt sagen, dass „Risiko“ bei Anleihen irgendwas war, dass man mal kannte – aber heute gibt es das nicht mehr?

Chart zeigt Vergleich von Dax gegen Anleiherenditen

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Achtung: Korrektur voraus – Werbung

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Lieber Börsianer,

die Stimmung auf dem digitalen Börsenparkett ist prächtig. Wir haben überhaupt nicht genug Geld, um alle die großartigen Titel des internationalen Kurszettels kaufen zu können, so eine verbreitete Empfindung.

Das sind einige der Zutaten dieser Euphoriewelle, die bereits seit einigen Monaten über die Aktienmärkte hinwegrollt.

Fokussierung auf wenige Trendbranchen: Die Hausse verkürzt sich zunehmend auf einige wenige Titel aus einigen Trendbranchen wie Wasserstoff oder E-Mobilität. Das waren zuletzt etwa die Favoriten auf der Privatanleger-Plattform Tradegate: NEL ASA, Plug Power, Xiaomi, Tesla und Ballard Power.

Es ist ein Warnsignal, wenn eine Hausse nur noch auf den Schultern weniger Aktien liegt. Gesund ist eine Hausse immer dann, wenn sie von möglichst vielen Aktien aus unterschiedlichen Branchen getragen wird.

Kauf zu jedem Preis: Typisch ist dabei, dass die Anleger derzeit bereit sind, für eine „geile“ Aktie jeden Preis zu bezahlen. Die Bewertung interessiert nicht mehr, solange der Titel einer Trendbranche zuzurechnen ist. Typisch ist auch, dass man diese Aktien nicht erst in einer Woche haben will, sondern jetzt sofort. Folglich verzichten immer mehr Anleger auf die Bestimmung eines Kauflimits und fassen stattdessen billigst zu.

In der Folge erleben wir immer öfter prozentual zweistellige Kursanstiege auf Tagesbasis, ohne dass eine Nachricht aus dem Unternehmen vorliegt. Zu Deutsch: Die Kursanstiege sind in der Regel nicht mehr fundamental begründet.

Am Ende entsteht ein gewaltiger Sog, dem wir uns kaum noch entziehen können. Selbst Profis fallen dann um, werfen ihre bewährten Strategien über…..

Wollen Sie meine komplette Analyse lesen?

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