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Aktien

Dax mit einem (oberflächlich) goldenen Oktober

Redaktion

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FMW-Redaktion

Der Dax erlebt gerade einen goldenen Oktober, aber bei näherer Betrachtung einen oberflächlichen goldenen Oktober. Denn die Aktienkurse steigen, obwohl die Konjunktur das nicht hergibt. Eine gefährliche Konstellation.

Xi-Jinping-China-Präsident hilt indirekt auch dem Dax
Chinas Präsident Xi Jinping tut alles dafür negative News mit Geld und Restriktionen zu bekämpfen.
Foto: Foto: Antilong / Wikipedia (CC BY-SA 3.0)

Asien

In Asien wird derzeit alles dafür getan die weltweite Börsenstimmung nicht kippen zu lassen. In China z.B. wurde in den letzten Wochen alles Negative mit Geld und staatlicher Restriktion zugeschüttet. Nach knapp einer Woche Feiertag und geschlossener Börse hat die Börse in Shanghai heute ein gutes Plus von 2,97 hingelegt. Also alles gut, auf den ersten Blick. In Japan dreht die Konjunktur gerade wieder voll Richtung Rezession. Jüngst veröffentlichte Daten zeigen einen 3,5% Rückgang der Aufträge für die japanische Maschinenbau-Industrie im August (annualisiert), obwohl mit einem Anstieg gerechnet wurde. Die Notenbank „Bank of Japan“ sagte erst gestern die Konjunktur sei auf einem Weg der Erholung. Wie passt das zusammen, könnte man da fragen. Alle Welt erwartet eine neue Geldschwemme der „Bank of Japan“. Die blieb zwar erst einmal aus – die Verkündung wird aber für die nächste Sitzung noch am 30. Oktober erwartet. Die Zeichen dafür sind mehr als eindeutig, auch seitens der Regierung. Mann kann und will keine neue Rezession riskieren. Geld muss gedruckt werden, komme was da wolle.

Dax in guter Stimmung

Der Dax ist in guter Grundstimmung. Das zeigt z.B. der am Dienstag geglückte Börsengang der Bayer-Tochter Covestro (wer denkt sich diese Kunstnamen aus?). Es war der größte deutsche Börsengang seit 2007. Ein wichtiger Indikator für die positive Börsenstimmung ist immer, wie groß die Nachfrage nach Neuemissionen ausfällt. Covestro war dreifach überzeichnet. Natürlich wurde vorher nachgeholfen mit einem niedrigeren Emissionspreis und Emissionsvolumen, aber die Befürchtungen eines IPO-Desasters bewahrheiteten sich nicht.

Dax seit Anfang Oktober
Der Dax seit Anfang Oktober.

Der Dax steigt im Oktober bis dato um 3%. Selbst heute, wo er durch das Deutsche Bank-Desaster + desaströse Exportdaten eigentlich kräftig fallen müsste, hält er sich auf dem Vortagesniveau. Die deutschen Exporte fielen um -5,2% im August. Normalerweise wäre das für den Dax ein Grund um dramatisch einzubrechen. Aber wie wir heute früh schon schrieben, rückt diese Zahl völlig in den Hintergrund. Eine globale Konjunkturkrise scheint, wenn man auf die Börsenkurse guckt, nicht zu existieren. Auch treiben tut den Dax die immer größer werdende Euphorie eines ausgeweiteten Anleihekaufprogramms der EZB, das immer wahrscheinlich zu werden scheint. Denn in den letzten Wochen hörte man von EZB-Direktoren mehrfach die Worte „wir werden alles tun, was notwendig ist“, wenn es darum geht die Inflation in der Eurozone nicht absacken zu lassen. Das ist genau das, was ein Aktienmarkt als psychologischen Stimulus braucht – die Aussicht auf noch mehr Extra-Geld im Markt. Über die reale konjunkturelle Lage in Europa redet da niemand. Auch wenn sich die Konjunktur z.B. in Spanien auf dem vorsichtigen Pfad der Besserung befindet, schleicht die Inflationsentwicklung im Euroraum weiter an der Null-Linie herum.

Das Problem der aktuellen Euphorie im Dax sieht man auch gut hier.

Auch die US-Konjunktur lahmt. Das haben die desaströsen US-Arbeitsmarktdaten vom letzten Freitag gezeigt, aber auch das scheint jetzt niemanden mehr zu interessieren. Die amerikanischen Aktien haben diese Nachricht hinter sich gelassen. Es reicht anscheinend aus, dass sich der Ölpreis ein paar Dollar erholt, schon kann sich der Aktienmarkt an diese „Story“ klammern als Zeichen dafür, dass sich die Rohstoffe und damit die Weltwirtschaft wieder erholen. Eine recht dünne Story. Am 27./28. Oktober findet die nächste Fed-Sitzung statt. Es ist aufgrund der Arbeitsmarktdaten extrem unwahrscheinlich, dass dann schon die Zinsen angehoben werden. Die „Fed Fund-Futures“ weisen eindeutig den Weg: Erst in 2016 wird die Fed die Zinsen anheben. Auch das befeuert den Aktienmarkt in den USA erst einmal, und damit auch die Kurse der Dax-Unternehmen.

Das viele Geld treibt die Kurse, nicht die Konjunktur

Was ist der Hauptgrund dafür, dass die Aktienmärkte besser laufen als es die aktuelle Konjunkturlage und auch die Konjunkturaussichten hergeben? Die globale Geldschwemme! Die Fed legt beim Gelddrucken seit gut einem Jahr eine Pause ein, aber dafür sprang ja im März 2015 die EZB ein und flutet aktuell Europa mit zusätzlichen Notenbank-Euros. Die Banken, die sich (wen wundert´s) nicht wirklich um die Realwirtschaft scheren, wissen nicht wohin mit dem Geld und pumpen es in die Kapitalmärkte. Die EZB trocknet den Anleihemarkt aus, bleibt also nur noch der Aktienmarkt, um sein Geld arbeiten zu lassen. Mangels Alternative steigen Aktien, obwohl das die Realwirtschaft nicht hergibt.

Solange die Notenbanken weitermachen mit ihrer Geldschwemme, kann das noch eine ganze Weile so weitergehen. Dass Staaten und Notenbanken in der Tat dauerhaft so weitermachen können, zeigt Japan. Dort ist man in einer Verschuldungs-Sackgasse gelandet und macht nichts anderes mehr als neue Staatsschulden + Gelddrucken.

Das Nullzins-Umfeld sorgt dafür, dass der Privatanleger ebenfalls mangels Anlagealternative in Aktien gehen muss. Wohin sonst mit dem Geld? Lebensversicherungen, Anleihen? Da bleibt in der Tat nur der Aktienmarkt. Eine gefährliche Konstellation, dass private wie institutionelle Investoren Aktien eigentlich nur kaufen, weil es keine Anlagealternative gibt. Nullzinsen bringen eben auch Probleme mit sich! Die Party kann noch eine ganze Weile so weitergehen, wenn die Notenbanken es denn wollen bzw. zulassen!

5 Kommentare

5 Comments

  1. Avatar

    Jörg

    8. Oktober 2015 12:26 at 12:26

    1.) Die Geldschwemme zwingt zur „“Zockerei“. Und diese fährt zumeist Verluste ein. Das ist so wie beim Roulette: „Die Bank gewinnt am Ende immer“. Der Hauptgrund für die Richtigkeit dieser Regel scheint darin zu liegen, daß alle Spieler (auch die Größten) immer nur über begrenzte Mittel verfügen (unlängst laß ich hier die richtige Bemerkung, daß ein „blow off“ immer solange dauert, bis die Shorties kein Geld mehr haben. Anschließend geht’s dann so, wie die Shorties es voraussahen – aber die mußten ihre Positionen längst auflösen).
    Und diese Regel scheint auch auf die Börse zuzutreffen (zumindest auf eine „verzockte“ Börse, wie wir sie in diesen Tagen der Geldschwemmen haben). Denn vor etwa einer Woche war zu lesen: „GROSSE HEDGEFONDS ERLEIDEN REKORDVERLUSTE“ – http://www.dasinvestment.com/investments/alternative-investments/news/datum/2015/10/02/grosse-hedgefonds-erleiden-rekordverluste/ .

    2.) Seit Jahresbeginn müssen viele ‚Investoren‘ auch Verluste abseits der Aktienmärkte eingefahren haben . Nämlich bei Spekulationen mit …
    a) Öl (http://www.ariva.de/wti_rohöl_nymex-kurs/chart?t=year&boerse_id=126)
    b) Gold (http://www.ariva.de/goldpreis-gold-kurs)
    c) Rohstoffe allgemein (Kohle, Metalle etc.)
    d) Auslandsdevisen (ohne $)

    3.) Hinzukommt, daß sich div. Großanlegern ‚flüssig machen‘, d. h. Anlagen verkaufen müssen
    a) Norwegen muß Aktien (viele deutsche)verkaufen
    b) Saudi-Arabien macht sich fortlaufend liquide und verkaufte z. B. im August Anlagen für 5 Mrd. (Reserven SA: 600-650 Milliarden Dollar)

    Gewinne, die man noch im Mitte des Jahres hatte bei US-EU-Japan-China-Aktien, sind wieder vollständig weggeschmolzen

    4.) Investoren aus der 2.+3.-Welt fallen wegen katastrophaler Währungs- und Wirtschaftsentwicklungen in den „emerging markets“ aus bzw. diese müssen auf den Markt werfen, was sie haben

    5.) Bei den meisten großen Spekulanten/Investoren dürften neue Zuflüsse zunächst für die Verlustdeckung verwenden werden – und eben nicht für Aktienkäufe.

    • Avatar

      Chris

      8. Oktober 2015 13:29 at 13:29

      Kompliment Jörg!Du sprichst mir aus dem Herzen!Leider gelingt es nicht deinen Artikel auf die Titelseite des Neuen Deutschland(ehemals Bild) zu hieven.Auch alle anderen Staatsmedien zeigen sich abweisend.So werden die Schlafschafe auch weiterhin vom Endsieg träumen!Ich werde mal probieren in Australien oder Neuseeland einen Asylantrag zu stellen,da ich in meinem Heimatland bald zu einer diskriminierten Minderheit gehören werde.

  2. Avatar

    Michael

    8. Oktober 2015 14:31 at 14:31

    Beim besten Willen. … Die Kursmakelautomaten bewegen den DAX. Im Takt der Wall Street. Das „viele Geld“ wird durch extrem geringe cash-Quoten der Fonds, sinkende Wertpapierkredite und zurueckgehende Aktienrueckkaeufe gekennzeichnet.

    Da versucht jemand eine Bearmarktralleye anzuschubsen. Gute Gelegenheit fuer echte Anleger auszusteigen. Die meisten werden sich ja schon aus dem Staub gemacht haben.

    Die Vorturner interessieren BoJ oder EZB nicht das Schwarze unter dem Fingernagel. Interessanter waere die Entwicklung bei Junk Bonds. Der Trend ist eindeutig.

  3. Avatar

    Jörg

    8. Oktober 2015 16:41 at 16:41

    Auf https://www.stlouisfed.org/ findet man was St. Louis Fed President James Bullard vor ca. 1 Studne gesagt hat – herunterladbar unter https://www.stlouisfed.org/~/media/Files/PDFs/Bullard/remarks/Bullard-SOMC-2-Oct-2015.pdf .

    Ich bin aber zu faul das durchzulesen (15 Seiten!)

  4. Avatar

    Jörg

    8. Oktober 2015 19:56 at 19:56

    „FINANZKRISE IN DEN USA? WELTWEIT VERKAUFEN NOTENBANKEN US-STAATSANLEIHEN“ – http://de.sputniknews.com/wirtschaft/20151008/304798093/finanzkrise-usa-notenbanken.html

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Aktien

Coronakrise: Für die Verlierer folgt wohl der zweite wirtschaftliche Abschwung

Redaktion

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Lufthansa mit massiven Problemen in der Coronakrise

Zum Ausbruch der Coronakrise gab es zunächst massive Staatshilfe über Kurzarbeit, Zuschüsse, Milliardenkredite und sogar Unternehmensbeteiligungen durch den Staat. Die Lage schien sich zu stabilisieren. Mit der deutschen Volkswirtschaft geht es wieder bergauf. Und wenn man sich die Headlinezahlen der Statistiker betrachtet, wirkt die Lage auch gar nicht mehr so schlimm. Aber die Verlierer-Branchen, die ab März fast komplett den Bach runtergingen, die erleben derzeit womöglich den zweiten Abschwung.

Wenn dem wirklich so ist, wäre es für Börsianer ratsam die Finger von Aktien dieser Branchen zu lassen. Denn es ist natürlich zunächst verführerisch. Was im Zuge der Coronakrise stark gefallen ist, scheint jetzt vom reinen Aktienkurs her optisch günstig zu sein. Aber kommt eine weitere kräftige Abwärtswelle bei den Aktienkursen der betroffenen Konzerne, wenn den Börsianern klar wird, dass die Coronakrise auf ganz spezielle Branchen noch viel länger sehr drastische Auswirkungen haben wird?

Lufthansa in der Coronakrise weiter im Abschwung

Da wäre zum Beispiel die Lufthansa als Paradebeispiel in Deutschland zu nennen. Zum Ausbruch der Coronakrise sanken die Passagierzahlen auf Null. Nun denkt man, dass sich die Fluggastzahlen zusammen mit der allgemeinen wirtschaftlichen Erholung auch steigern werden. Aber die Lage ist wohl schwieriger. Erstmal hilft da der gesunde Menschenverstand. Wie viele potenzielle Urlauber bleiben bitte schön solange den Flughäfen fern, bis die Maskenpflicht entfällt? Denn stundenlang als erholungssuchender Tourist im Flieger, am Flughafen, im Hotel, und an der Strandpromenade mit Maske rumzulaufen – darauf haben viele Menschen einfach keine Lust, denn das ist einfach kein richtiger Urlaub!

Nach den bisherigen massiven Einschnitten der letzten Monate sieht es bei der Lufthansa (wie bei anderen Airlines auch) nach einer erneuten Runde von Einschnitten aus. Dies lässt vermuten, dass sich die Flugzahlen eben nicht so erholen, wie man es sich erhofft hatte. Laut aktuellen Berichten soll Anfang nächster Woche bekanntgegeben werden, wie viele zusätzliche Jobs und Maschinen bei der Lufthansa gestrichen werden. Denn die Airlines leider derzeit auch darunter, dass sich die Einreisebeschränkungen einzelner Länder schnell ändern, und der potenzielle Reisende dann fernbleibt. Auch hier kann man denken aus „kaltherziger“ Börsianer-Sicht: Gut, dann warte ich die nächste Kürzungsrunde und weiter fallende Aktienkurse noch ab, und kaufe dann günstig ein.

Aber das sage mal jemand den Aktionären der Telekom, die damals in ein immer weiter fallendes Messer griffen nach dem Motto „jetzt gibts die Aktie aber günstig zu kaufen“. Natürlich ist das alles Ansichtssache. Es kann natürlich auch sein, dass ab einem gewissen Kursniveau wirklich eine Bodenbildung eintritt. Aber man sollte als Börsianer nicht all zu euphorisch agieren, nur weil der Aktienkurs optisch günstig zu sein scheint. Im folgenden Chart sehen wir in den letzten 12 Monaten in blau den Verlauf des Dax gegen die deutlich schlechter laufende Lufthansa-Aktie (beides auf CFD-Basis).

Chart zeigt Kursverlauf von Lufthansa gegen Dax

US-Airlines und Hotels

Auch in den USA geht der Abbau bei den Verlierern weiter. Nachdem die Airlines nach dem Ausbruch der Coronakrise bereits üppig vom US-Steuerzahler bedacht wurden, scheint das Geld wohl auszugehen. Nach ganz aktuellen Berichten sind die Chefs der großen US-Airlines im Weißen Haus vorstellig geworden. Das Motto lautete: Gebt erneut Staatshilfe, oder wir müssen Massenentlassungen durchführen. Auch dies ist ein klares Indiz dafür, dass es Delta, United und Co sehr schlecht geht.

Wie jüngste Berichte zeigen, und was natürlich mehr als verständlich ist: Das Spieler-Paradies Las Vegas wurde von der Coronakrise übel getroffen, aber gleich doppelt und dreifach. Da lohnt es sich einen Blick zu werfen auf die Las Vegas Sands Corp, einen Hotel- und Casino-Betreiber mit Schwerpunkten in Las Vegas, Macau und Singapur. Die Aktie notierte vor dem Beginn der Coronakrise im Februar bei 71 Dollar, jetzt bei 49 Dollar. Im folgenden Chart, der 12 Monate zurückreicht, haben wir die Kursverläufe der Hotelkette und von United Airlines übereinander gelegt. Frage: Greift man hier in ein fallendes Messer, wenn man jetzt kauft? Oder stehen die Aktien vor einem langen, langweiligen Seitwärtstrend?

Chart zeigt United Airlines und Las Vegas Sands

Nicht in das fallende Messer greifen?

Der Spruch ist einer der absoluten Börsianer-Klassiker. Man soll nicht in das fallende Messer greifen. Damit ist gemeint, dass man in einem Absturz, bei dem der Boden noch nicht erkennbar ist, nicht kaufen sollte. Natürlich sollte man auch später nie krampfhaft versuchen den absoluten Tiefpunkt für seine Einstiege an der Börse zu finden. Aber derzeit scheint es bei Aktien von Hotels und Airlines so zu sein, dass die Corona-Misere weitergeht, während sich der größte Teil der sonstigen Volkswirtschaft damit beschäftigt die alten Niveaus zu erreichen. Also, Vorsichti ist geboten bei den Problembranchen. Es sieht nicht nach einer raschen Erholung aus! Gestern berichteten wir bereits über die große Entlassungswelle bei deutschen Autozulieferern (hier finden Sie den Artikel). Auch hier sollte man bei Neueinstiegen in die entsprechenden Aktien überlegen, ob nun das Tief wirklich erreicht wird, oder ob die Misere noch einige Zeit anhalten wird, was auch die Aktienkurse weiter belasten könnte.

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Aktien

Aktuell: Grenke veröffentlicht ausführliche Stellungnahme

Claudio Kummerfeld

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Die Grenke AG (notiert im MDax) ist seit Tagen massiv unter Beschuss nach harten Manipulationsvorwürfen a la Wirecard (wir berichteten). Nachdem man die Vorwürfe bereits zurückwies, erfolgt ganz aktuell eine ausführliche Stellungnahme des Unternehmens. Hier zeigen wir die wichtigsten Passagen im Wortlaut. Vorab noch die Info, dass Grenke heute beschlossen hat, dass man ein Sondergutachten beim Wirtschaftsprüfer KPMG in Auftrag gibt, welches die massiven Vorwürfe entkräften soll. Nun geht es aber los, mit ausgewählten Passagen aus dem aktuellen Text von Grenke (hier in voller Länge).

Headline-Aussage:

Die GRENKE AG, globaler Finanzierungspartner für kleine und mittlere Unternehmen, weist auch nach genauer Prüfung des 64-seitigen Berichts von “Viceroy Research” die darin erhobenen Vorwürfe mit aller Entschiedenheit zurück. Nach einhelliger Auffassung des Vorstandes und des Aufsichtsrates sind sämtliche Anschuldigungen in allen Themenbereichen unbegründet. Antje Leminsky, Vorstandsvorsitzende der GRENKE AG: „Die Behauptungen in dieser sogenannten Analyse entbehren jeder Grundlage. Wir verwehren uns gegen jeglichen Vergleich mit Wirecard. Die Anschuldigungen eines Leerverkäufers, der mit dem von ihm ausgelösten Kursverfall Geld verdient, sind ein Schlag ins Gesicht unserer über 1.700 Mitarbeiter, unserer 40.000 Händler und unserer langfristig orientierten Aktionäre.“

Entscheidend – Vorwurf zu fehlenden Geldern:

Viceroy behauptet ferner, dass ein substanzieller Anteil von den im Halbjahresfinanzbericht 2020 ausgewiesenen 1.078 Mio. Euro liquiden Mitteln nicht existiere. Diese Behauptung – einer der zentralen Vorwürfe von Viceroy – ist frei erfunden. 849 Mio. Euro, also fast 80 Prozent der liquiden Mittel, befanden sich zum 30.06.2020 auf Konten der Deutschen Bundesbank – wie im Halbjahresfinanzbericht veröffentlicht. Am 15.9.2020 betrug das Guthaben bei der Bundesbank, wie bereits mitgeteilt, 761 Mio. Euro. Die Differenz von rund 20 Prozent befindet sich überwiegend auf Konten bei deutschen Großbanken.

Zum Franchise:

Viceroy unterstellt, dass die Franchise-Akquisitionen von GRENKE in der vergangenen Dekade mit nicht offengelegten verbundenen Parteien stattgefunden hätten und diese Beziehungen hätten offengelegt werden müssen. Das ist falsch.

Die GRENKE AG betont zudem, dass unter den Geschäftsführern der Franchise-Unternehmen durchaus ehemalige GRENKE-Mitarbeiter sind, diese aber alle spätestens mit Aufnahme ihrer Tätigkeit als Gesellschafter und Geschäftsführer der Franchise-Unternehmen keine Rolle im GRENKE Konzern mehr innehatten.

Viceroy behauptet zudem, die von Grenke akquirierten Franchise-Unternehmen hätten keinen reellen und tangiblen Wert und seien „underperforming“. Dennoch tauchten sie in den Büchern des Konzerns mit Goodwill auf.

Dazu erläutert GRENKE: Die Franchise-Unternehmen werden gerade deshalb nach vier, fünf oder sechs Jahren akquiriert, weil sie dann schon ein gutes Händlernetz aufgebaut und gleichzeitig viel Potenzial haben. Es ist völlig normal, dass die Franchise-Unternehmen zum Zeitpunkt des Verkaufs als wachsende Start-ups noch Verluste machen.

Geldwäsche:

Viceroy stellt außerdem die Wirksamkeit der Geldwäsche-Prävention bei GRENKE in Frage. Als vermeintlicher Beleg dafür wird angeführt, dass drei GRENKE-Bank-Kunden Geldwäsche über ihre Konten bei der GRENKE Bank hätten betreiben können, obwohl die BaFin bereits rechtlich gegen sie vorging. Auch dieser Vorwurf ist falsch: Die regulatorisch vorgeschriebenen Prozesse für „Know your customer“ (KYC) und Anti-Money-Laundering (AML) werden bei GRENKE vollumfänglich umgesetzt und regelmäßig überprüft. Als KYC-Tool nutzt GRENKE ein leistungsfähiges System, das dem Branchenstandard entspricht und unter anderem von einer dreistelligen Zahl von Volks- und Raiffeisenbanken ebenfalls einsetzt wird.

Zentrale von Grenke
Firmengelände des Unternehmens. Foto: © GRENKE AG

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Aktien

Aktienmärkte: Großer Verfall – Optionen und mögliche Turbulenzen!

Heute, vielleicht aber noch mehr Anfang nächster Woche könnte es für die Aktienmärkte richtig turbulent werden. Der große Verfall und die US-Tech-Aktien

Markus Fugmann

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Für die Aktienmärkte ist heute der große Verfall der wahrscheinlich entscheidende Faktor – es verfallen Optionen und Futures mit Laufzeit September (siehe hierzu den heutigen Videoausblick „Großer Verfall – es steht viel auf dem Spiel“). Zuletzt war in den Finanzmedien vor allem das in den USA von Privatinvestoren gehandelte Volumen an Optionen (vor allem Calls auf die großen US-Tech-Aktien) ein großes Thema – und das zurecht!

Folgende besipielhafte Grafik zeigt, wie dieses hohe Volumen an Calls bei den Borkern/Verkäufern dieser Call-Optionen Käufe des jeweiligen underlyings ausgelöst hat – in der Grafik konkret illustriert anhand der Amazon-Aktie:

Großer Verfall: Der stark gestiegene Effekt der Optionen auf die Aktienmärkte

Grafik: Benn Eifert, https://twitter.com/bennpeifert

Man sieht: der Kauf von Call-Optionen auf die Amazon-Aktie hat letzlich den Verkäufer der Call-Optionen gezwungen, sein Risiko durch den Kauf der Amazon-Aktie abzusichern, nachdem die Amazon-Aktie angestiegen war (was ja bis Anfang September der Fall war). Aus 1500 Dollar, die ein Privakunde in Amazon-Calls investiert hatte, entstanden Käufe im Volumen von 230.000 Dollar der Amazon-Aktie durch den Broker/Verkäufer der Amazon Calls.

Es war offenkundig dieser Mechanismus, der die Aktienmärkte zuletzt stark beeinflußt hatte – und die extreme Rally der US-Tech-Werte vor Anfang September mit erklären kann.

Aktienmärkte und Call-Optionen bei US-Techaktien

Der Bestand von Call-Optionen auf Amazon war vor Anfang September regelrecht explodiert und betrug 48% der Marktkapitalisierung von Amazon:

Aktienmärkte und Amazon Call-Optionen

Noch krasser die Call-Bestände bei Tesla (380% der Marktkapitalisierung) – was den unter Bewertungsgesichtspunkten absurden Anstieg der Tesla-Aktie erklären hilft:

Tesla Call-OptionenCharts: @MacroCharts

Folgende Grafik zeigt, wie extrem die Call-Bestände auf die großen US-Tech-Aktien zuletzt angestiegen waren:

Aktienmärkte: Call-Optionen auf US-Tech-Aktien und großer Verfall

So weit so extrem. Aber was passiert, um das oben aufgeführte Beispiel der Amazon-Aktie zurück zu kommen, wenn die Optionen auf die einzelnen Aktien verfallen? (zu den Uhrzeiten des Verfalls auf einzelne Aktien siehe hier – Optionen auf die US-Indizes dagegen verfallen heute um 15.30Uhr deutscher Zeit)

Dann nämlich werden die Absicherungen des Brokers, der die Amazon-Aktie gekauft hatte um sein Risiko zu hedgen, im Grunde überflüssig (siehe die Grafik oben). Es könnte also eine große Verkaufswelle für die Aktienmärkte drohen – aber wir wissen eben nicht wirklich, wieviel der nun heute auslaufenden Call-Optionen bereits vor dem Verfall verkauft wurden! Möglich ist also, dass die Schwäche der großen US-Techaktien wie Amazon in den letzten Tagen bereits ein Zeichen dafür ist, dass die Broker die underlyings verkauft hatten!

So oder so: heute, vielleicht aber noch mehr Anfang nächster Woche könnte es für die Aktienmärkte richtig turbulent werden! Oder eben auch nicht – vielleicht nämlich ist der größte Teil schon abgewickelt, Schieflagen inzwischen weitgehend bereinigt. Daher zitieren wir hier den Kaiser Beckenbauer: „Schaun mer mal, dann sehn mer scho“!

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