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Hintergrund

Die Schweiz ist aus der Eurozone ausgetreten

Markus Fugmann

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Der völlig überraschende Schritt der SNB am letzten Donnerstag, den Mindestkurs von 1,20 Euro-Franken fallen zu lassen, wirkt wie Fanal, dass die Eurozone wohl nicht überleben wird – zumindest in ihrem derzeitigen Zustand. Noch 10 Tage zuvor hatte die SNB ihr Mantra wiederholt, dass man den Mindestkurs mit allen Mitteln verteidigen werde – und dann diese Kehrtwende. Warum?

Der SNB muss klar gewesen sein, dass sie damit ihre Glaubwürdigkeit auf Jahre ruinieren wird. Es muss ihr weiter klar gewesen sein, welche Schockwirkungen ihr Schritt für die gloablen Märkte haben muss. Und ebenso klar muss ihr gewesen sein, dass sie damit die Schweiz in eine Rezession bringen kann, die ganze Wirtschaftszweige wie den Tourismus vernichten kann. Warum also hat sie dann diesen Schritt gewagt?

Weil sie, das ist die einzige plausible Antwort, nicht mehr an den Euro glaubt. Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende. Faktisch ist die Schweiz damit aus der Eurozone ausgetreten, an die sie mit dem Mindestkurs gekettet war. Damit aber hat sie den zentralen Mythos der Finanzmärkte angekrazt: dass die Notenbanken alles unter Kontrolle haben. Man wird sich in der Rückschau an diesen Tag erinnern und sagen: das war der Auftakt.

Völlig unklar ist doch, was die EZB mit dem Kauf von Staatsanleihen erreichen will. Die Inflation dürfte kaum nach oben gehen. Die Bnaken dürften kaum mehr Kredite vergeben. Und wenn es keine vollständige Haftungsunion gibt, dann steigt das Risiko für Halter von Euro-Peripherieanleihen an, sodass deren Renditen (=Risikoprämien) trotz der Notenbank-Käufe wieder nach oben gehen dürften. Es ist daher davon auszugehen, dass – wenn keine einheitliche Haftung in der Eurozone mehr besteht – deutsche Staatsanleihen, vor allem aber amerikanische Staatsanleihen profitieren werden. Hinzu kommt die Schweiz mit ihrem Franken, der nun vielfach an die Stelle Japans und des Yen zum (vermeintlich) sicheren Hafen werden dürfte (gleichwohl sind die Perspektiven der Eidgenossen düster angesichts einer völlig überdimensionerten Notenbank und zwei viel zu großen Banken).

Im Grunde ist ja schon alles erreicht, was zu erreichen war: der Euro steht tief, die Riskioprämien für Staatsanleihen Spaniens, Italiens etc. haben eine lächerliche Rendite – die Länder können fast geschenkt neues Geld aufnehmen. Was also soll da noch kommen? Diese Frage werden sich in nicht allzu ferner Zukunft auch die Aktienmärkte stellen – und wenn dann klar ist, dass die Notenbanken nicht die Alles-Heiler sind und sein können, wird es richtig ungemütlich..

5 Kommentare

5 Comments

  1. Avatar

    Herbert Novak

    20. Januar 2015 13:34 at 13:34

    was bedeutet
    “ Die Bnaken dürften kaum….“
    mfG
    HN

    • Avatar

      Wolfgang Koch

      20. Januar 2015 15:17 at 15:17

      zu Herbert Novak:Nur weil die Sicherheitsrechnung fast immer Kleinkindniveau hat,muss das nicht zwangsläufig auch für die Kommentare gelten.

  2. Avatar

    westwood

    20. Januar 2015 14:20 at 14:20

    Hallo!
    Ich denke das war jetzt nur die „Initialzündung“. Alleine was in den nächsten Wochen/Monaten aus den ganzen Frankenkrediten wird kann sicher schon spannend werden. Wie viele Kredite werden wohl „faul“? Wie viele Immobilien werden plötzlich verschleudert werden? Wie stark werden die Banken dadurch belastet? Das ist ein heißes Eisen.

    Viele Grüße
    Joachim

  3. Avatar

    Helmut Josef Weber

    20. Januar 2015 16:20 at 16:20

    Ja- so reagieren Demokratien, die Schaden vom Volke abwenden wollen.

    Viele Grüße
    H. J. Weber

  4. Avatar

    ollifred

    20. Januar 2015 21:05 at 21:05

    … ich las die Tage einen Kommentar in dem der zukünftig starke Franken mit der ehemals starken D-Mark der Bundesrepublik bezüglich der wirtschaftlichen Situation verglichen wurde. Es besteht meiner Meinung durchaus die Möglichkeit das die Schweiz so wie einst die Bundesrepublik auch mit einer starken Währung gut leben kann. Die Zukunft wird es zeigen…

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Der Dax kann seine Erholung fortsetzen – aber es fehlt dieser Erholung schlicht an Dynamik! Die Anstiege verlaufen langsam, die Abverkäufe dagegen mit hoher Dynamik, sodass der Index – auf die letzten Handelswochen gesehen – ein Schritt nach vorne macht, um dann zwei Schritte wieder zurück zu machen. Von Entwarnung kann daher noch überhaupt keine Rede sein!

Im Chart wird deutlich, wie vergleichsweise gering die Erholung ausgefallen ist bislang:

(Chart durch anklicken vergrößern)

Das sieht nicht nach Bullen-power aus! Eher ein zaghafter Versuch, das Schlimmste abzuwenden – und das trotz der daueroptimistischen Wall Street, die gestern wieder einmal zulegen konnte, vor allem die schwergewichtigen Tech-Werte wie Apple (in Vorfreude auf die heutige Präsentation der neuen Apple-Produkte) und Amazon. Aber auch in den USA gilt: es erreichen mehr Aktien 52-Wochen-Tiefs als 52-Wochen-Hochs, der Anstieg ist von den wenigen Tech-Schwergewichten getragen, der breite Markt sieht deutlich negativer aus. Mithin sind die großen Tech-Werte die Schminke, die die Falten kaschieren – aber man sollte sich nicht von dem Makeup täuschen lassen!

Andernorts ist die Lage völlig anders: der Shanghai Composite ist heute auf den tiefsten Stand seit zweieinhalb Jahren gefallen, die Märke und Währungen der Schwellenländer bleiben unter Druck, auch die europäischen Indizes sind sämtlich charttechnisch angeschlagen. Es ist diese Schizophrenie, die nachdenklich stimmt: leben die Amerikaner auf einem anderen Planeten? Nun, wer Donald Trump als Präsidenten wählt, muß wohl auf einem anderen Planeten leben..

Die Fakten sind: die Fed verknappt die Liquidität, die Schwellenländer daher besonders unter Druck, und der Handelskrieg ist erst in seinem Anfangsstadium. Die Kombination aus diesen Faktoren bringt die ganze Welt uner Druck, nur eben die Amerikaner nicht. Dort hofft man auf NAFTA, glaubt, dass einem der Handelskrieg nichts anhaben könne, und die Fed werde schon brav bleiben und die Zinsen nicht deutlich anheben. Dort also die optmistischste Interpretation der Dinge, überall sonst auf der Welt sehen die Fakten anders aus! Inzwischen ist die Spanne so groß (etwa zwischen amerikanischen und chinesischen Tech-Werten), dass eine Wieder-Annäherung nur eine Frage der Zeit ist – ewig kann man nicht schizophren bleiben..

Für den Dax gilt: erst über dem Widerstand von 12100 Punkten besteht wieder – charttechnisch gesehen – Hoffnung. Besser noch, der Dax überwände den seit Ende Juli bestehenden Abwärtstrend bei 12220/12250 Punkten. Auf der Unterseite ist nun das Tief bei 11860 Punkten entscheidend: noch läßt sich dieses gestern erreichte Verlaufstief als Fehlausbruch nach unten interpretieren – aber wenn dann die 11860 auch noch fallen sollte, wäre das ein klares Zeichen dafür, dass Dynamik auf der Unterseite aufkommen wird..

 


By Josemanuel. – Own work, CC BY-SA 2.5, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=1284536

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Allgemein

Tribalisierung statt Globalisierung: Eine Generation geht verloren

Die Globalisierung steht am Beginn eines großen Rückschlags – und eine ganze Generation ist gezwungen, ihre eigenen Werte zu verraten..

Markus Fugmann

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Von Markus Fugmann

Ich bin 1969 geboren und entstamme damit einer Generation, die grundsätzlich optimistisch veranlagt ist. Als wir erwachsen wurden, fiel die Mauer, ging die Sojwetunion unter und verschwanden damit gefühlt alle Grenzen, die unseren Drang nach (Bewegungs-)Freiheit begrenzt hatten. Als Jugendliche fürchteten wir die Atomkraft, fürchteten, dass uns Atombomben auf den Kopf fallen – wie einst die Gallier, dass ihnen der Himmel auf den Kopf fiele.

All das ist nicht passiert. Und mit dem Ende der Sojwetunion und damit dem Ende des Kalten Krieges stand uns die Welt offen, schien eine Art ewiger Frieden erreicht, gewissermaßen das Ende der Geschichte (Fukujama). Wir reisten, probierten uns und das andere Geschlecht aus, alles war möglich, die Globalisierung kam, wir nutzten als erste Generation den Computer, lernten in der Schule programmieren, nutzten das Internet – und drängten heraus in die Welt. Diese Welt, so schien es, wächst zusammen – und wir fanden das gut so, weil es das Spektrum unserer Möglichkeiten vergrößerte.

Nun aber, zu einer Zeit, in der normalerweise diese Generation an die entscheidenden Schaltstellen der Gesellschaft in Politik und Wirtschaft gelangt, haben wir das Gefühl, wir sind irgendwie von gestern. Schon die heute Mitte 30-jährigen sind von uns grundsätzlich verschieden: ja, man kann ins Ausland gehen, aber man will dann zurück kommen, heiraten und ein Haus bauen. Das war so ziemlich das Letzte, was noch unserer Generation als Ideal vorschwebte. Diese Sehnsaucht nach Heimeligkeit war uns fremd, sie ist aber wohl die logische Konsequenz für eine Generation, die das Internet mit der Muttermilch aufgesogen hat und die nun ein Bedürfnis nach kuscheliger Wärme hat – und der es reicht, sich auf Google Maps jene Orte anzuschauen, zu denen wir noch gereist sind.

Es gibt bei dieser jüngeren Generation eine Tendenz zur Abschottung – ebenso wie in den großen Strömungen des Zeitgeists, der sich derzeit Bahn bricht. Dass derzeit rechskonservative Strömungen aufkommen, ist kein Zufall. Das Rad der Geschichte dreht sich gewissermaßen zurück, es gibt einen klaren Gegentrend zur Globalisierung, den ich als „Tribalisierung“ (Rückbesinnung auf den eigenen „Stamm“) bezeichne: ob Trump in den USA, die AfD in Deutschland, die FPÖ in Österreich, Le Pen in Frankreich etc. – das Motto lautet: wir schotten uns ab!

Rechtskonservative Bewegungen hat es auch früher gegeben seit dem Ende des Kalten Krieges – aber sie waren irgendwie aus der Zeit gefallen und hatten daher keine Chance. Diesmal ist das anders. Denn eines ist klar: die massenhafte Immigration nach Europa ist kein Thema, das vorbei gehen wird. Im Gegenteil: es wird immer dringender!

Was wir mit syrischen Bürgerkriegsflüchtlingen erlebt haben, ist nur der Auftakt, sie sind nur die Vorhut für weit größere Ströme nach Europa. Flüchtlingsströme aus Syrien oder dem Nahen Osten werden irgendwann abebben – der Nahe Osten ist nicht unser größtes Problem. Dagegen werden sich bald Flüchtlingsströme aus Afrika massiv intensivieren, schon aus demografischen Gründen: Afrikas Bevölkerung wird sich bis 2050, also in nur 35 Jahren, von einer Milliarde auf dann zwei Milliarde verdoppeln – nicht weil Afrikanerinnnen mehr Kinder bekämen als früher – im Gegenteil. Nur die Zahl afrikanischer Frauen im gebährfähigen Alter wird aufgrund der demografischen Struktur in den afrikanischen Ländern bald stark nach oben schießen.

Und weil es faktisch keine Perspektive dafür gibt, diese stetig steigende Bevölkerung ausreichend zu versorgen bzw. Jobs zu schaffen, wird ein nicht geringer Teil dieser Menschen nach Europa drängen als einzig logisches underreichbares Ziel. Es geht hier um viele Millionen Menschen, vor allem junge Männer, die in ihren Heimatländern faktisch keine Chance haben, Jobs zu bekommen und Familien zu gründen. Und wir werden uns nicht anders zu helfen wissen, als eine Festung Europa zu errichten, weil diese Einwanderungsströme selbst beim besten politischen Willen nicht zu handhaben sind.

Und vermutlich wird es exakt meine Generation sein, deren Vertreter dann an der Macht sind, die diesen Festungsbau anordnen und ausführen wird. Weil es nicht anders geht, ob man will oder nicht. Und genau deswegen haben die rechskonservativen Strömungen, die genau das jetzt schon fordern, Zukunft. Sie thematisieren das, was auf uns zukommen wird, wollen Homogenität, Sicherheit, etablierte, vor-globalisierte Strukturen zurück – also all das, was meine weltoffene Generation überwiegend eigentlich nicht will. Und trotzdem wird es meine Generation sein, die faktisch die Voraussetzungen dafür schaffen wird.

Darin besteht eine gewisse Tragik: man ist gezwungen, die eigenen Werte zu verraten. Und insofern geht eine Generation verloren, die mit ihrer Humanität und ihrer Offenheit aus der Zeit zu fallen beginnt. Die Zeiten, in denen die Welt noch offen stand, sind jedoch offenkundig vorbei, die Globalisierung weicht der Tribalisierung. Vielleicht wächst dann wenigstens das Verständnis dafür, dass wir in Europa alle in einem, demselben Boot sitzen – und es gar keine Alternative zu einer wie auch immer definierten europäischen Gemeinschaft gibt..

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