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Giovannie Cicivelli Tradingchancen

Anleihen

EZB, TLTRO, Konjunktureinbruch: Italien, Deutschland und Griechenland im Schulden-Paradies

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Wie schafft man es, dass die Staaten in der Eurozone sich in kurzer Zeit deutlich günstiger verschulden können? Ein Konjunktureinbruch ist in Gange, und so ziemlich alle Ökonomen und Regierungen reden auch über deutlich reduzierte Wachtumsprognosen. Oben drauf garniert die EZB dieses Szenario noch mit einer neuen Geldflut für die Geschäftsbanken in Europa, damit sie gegen die Konjunkturabkühlung arbeiten können (noch mehr Kredite vergeben). So geschah es dann auch letzte Woche. Die EZB verkündete, dass man am September neue Kredite (TLTRO) für zwei Jahre an Banken ausgeben wird.

Griechenland

Durch dieses Gesamtszenario weiß der Markt, dass man als Anleger also doch noch länger auf steigende Zinsen in Euroland warten muss. Von dieser Gemengelage profitierte jüngst Griechenland, wo der Staat zum ersten Mal seit zehn Jahren Anleihen mit 10 Jahren Laufzeit begeben hatte. Das Angebot aus Athen wurde letzte Woche von den institutionellen Anlegern de facto gestürmt mit einer Nachfrage, die fünffach über dem Angebot lag. So konnte Griechenland auch eine Rendite von 3,9% statt angedachten 4,125% durchsetzen.

Italien

Der italienische Staat hat heute Anleihen mit 3, 7 und 20 Jahren Laufzeit verkauft. Auch hier freut man sich ganz sicher über das tolle Zinsumfeld, in dem man vor allem dank EZB noch günstiger Geld aufnehmen kann. Und die Nachfrage liegt auch für italienische Schulden höher als das Angebot, was beim Reduzieren der Emissionsrendite natürlich weiterhilft. Angst vor der populistischen Regierung in Rom? Staatsbankrott? Überschuldung? Ach Quatsch. Das war gestern. Hauptsache in Ländern wie Griechenland oder Italien gibt´s noch erkennbare Renditen, im Gegensatz zu Nordeuropa. Italien hat heute für eine siebenjährige Laufzeit Schulden verkauft mit 2,05% Rendite. Bei der vorigen Emission im Februar musste Italien noch 2,26% Rendite hinblättern für sieben Jahre Laufzeit. Das Angebot von 2,5 Milliarden Euro war heute mit 3,49 Milliarden Euro kräftig überzeichnet.

Auch hat Italien heute eine zwanzig Jahre laufende Anleihe emittiert. Hier lag die Rendite bei 3,35% nach vormals 3,9% im November 2018. Die heutige Emission war mit 1,7 Milliarden Euro Nachfrage ebenfalls deutlich überzeichnet bei 1,25 Milliarden Euro Angebot.

Deutschland

Aber selbst im Niedrig-Rendite-Land Deutschland ist die Nachfrage der Institutionellen nach neuen Schulden weiterhin höher als das Angebot. Heute hat die Finanzagentur Deutschland GmbH für Olaf Scholz 30 Jahre laufende Anleihen emittiert mit einer Emissionsrendite von nur noch 0,74%. Das ist ein ganz schöner Absturz von 1,04% noch im November letzten Jahres. Und wie gesagt, auch die Nachfrage für deutsche Anleihen bleibt deutlich über dem Angebot. Heute wurde ein Volumen von 1,22 Milliarden Euro nachgefragt bei 1 Milliarden Euro Angebot. Bei den kürzer laufenden Anleihen macht Deutschland regelmäßig sogar satte Gewinne. Zuletzt mussten Anleger 0,54% Rendite an Deutschland zahlen, um für zwei Jahre Geld an Deutschland verleihen zu dürfen!

EZB-Zentrale
EZB-Zentrale in Frankfurt. Foto: Kiefer CC BY-SA 2.0

Ein Kommentar

Ein Kommentar

  1. Steven

    15. März 2019 13:45 at 13:45

    Hm

    0,2 mrd , 0,45mrd , 1 mrd mehr Nachrfrage als Angebot.

    Ist das nicht eigentlich ein hauchdünner Fliegenschiss, bei den Summen die sonst so zirkulieren?!

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Anleihen

Griechenland-Anleihen: Laut EuGH Enteignung zum Wohle des Finanzsystems

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Der Europäische Gerichtshof (EuGH) hat gestern ein in der medialen Öffentlichkeit wenig beachtetes Urteil gesprochen. Es geht um die Griechenland-Krise. Auf den zweiten und dritten Blick fördert der offiziell vom Gericht veröffentlichte Urteilstext Interessantes zu Tage. Aber nun erstmal zum ersten Blick auf das Urteil.

EZB gibt Meinung ab

Es geht um die schon Jahre zurückliegende Umschuldung von Anleihen des griechischen Staates. Mit dem überwiegenden Teil der privaten Gläubiger einigte sich Griechenland bestehende Anleihen quasi wertlos zu machen und den Gläubigern dafür neue Anleihen zu geben. Dabei kam es unter dem Strich zu Verlusten für die Gläubiger. Aber diejenigen Gläubiger, mit denen sich Griechenland nicht auf diese Art der Umschuldung einigte, sprachen von Enteignung. Und da Athen die EZB um Rat fragte, ob man für diesen Zweck extra ein Gesetz verabschieden könne, gab die EZB ihren Ratschlag, dass das in ihren Augen kein Problem sei.

Daher klagten diejenigen Gläubiger, die einer Umschuldung nicht zustimmen, gegen die EZB. Von ihr wollten sie Schadenersatz. Aber der EuGH lehnte einen Anspruch gegen die EZB ab. Vereinfacht ausgedrückt: Die EZB hat ja nur ihre Meinung kund getan, nach der sie gefragt wurde. Ansprechpartner für Ansprüche wäre hier wohl der griechische Staat. Tja, dass das EuGH der EZB eine Zahlungspflicht aufdrücken würde für die reine Preisgabe einer Meinung, das war eh unwahrscheinlich. Interessant aber ist wie gesagt der weiterführende Text des EuGH zur Gesamtthematik dieser Enteignung.

Griechenland hat enteignet, aber zum Wohle des Finanzsystems

Denn der EuGH stellt fest, dass es sich in der Tat um eine Enteignung durch Griechenland gehandelt habe! Aber dies sei geschehen zum Wohle des Finanzsystems, so darf man es vereinfacht ausdrücken. Da dieses hohe Gut (das Finanzsystem und Staatsgebilde) über dem Wohl der Investoren stehe, sei eine Enteignung halt in Ordnung gewesen. Der Eingriff in das Eigentumsrecht der Gläubiger sei nicht unverhältnismäßig gewesen, so der EuGH. Gut, sagen wir da. Es mag ok sein, dass sich vor allem auch Banken mal an den Kosten so einer Staatenrettung beteiligen. Doch bei so einer Argumentation könnten ja auch Privatpersonen mal eben so enteignet werden, wenn es der Schutz des Finanzsystems gebietet? Hier der EuGH im Wortlaut:

Insoweit stellt das Gericht fest, dass die in den Verträgen, die den fraglichen Schuldtiteln zugrunde lagen, nicht vorgesehene Ausweitung der Wirkung der mit bestimmten Gläubigern geschlossenen Vereinbarung über die Herabsetzung des Nominalwerts dieser Titel auf Gläubiger, die der Vereinbarung nicht zugestimmt hatten, zu einem Eingriff in das Eigentumsrecht der Gläubiger geführt hat. Jedoch entspricht eine solche Ausweitung der dem Gemeinwohl dienenden Zielsetzung, die Stabilität des Bankensystems des EuroWährungsgebiets in seiner Gesamtheit sicherzustellen, und stellt keinen unverhältnismäßigen und untragbaren Eingriff in das Eigentumsrecht dar.

Explizit weist der EuGH in seinem Text auch auf das Eigentumsrecht hin, welches in Artikel 17 Abs. 1 der Charta der Grundrechte der Europäischen Union niedergeschrieben ist. Die Ausübung dieses Rechts (also auf den Schutz des Eigentums bestehen) könne beschränkt werden um dem Gemeinwohl dienende Ziele zu erreichen. Nochmal. Es mag ja gut sein, dass Banken hierdurch auch zur Kasse gebeten werden. Doch mit so einer Argumentation könnten auch einfache Privatpersonen enteignet oder teil-enteignet werden, wenn sie Forderungen gegen staatliche Schuldner haben.

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Anleihen

Türkei: Warum der Druck auf Lira, Aktien und Anleihen bald enorm steigen könnte

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Aktuell schwächelt der türkische Kapitalmarkt bereits. Nach den jüngsten Vorgängen (Präsident Erdogan lässt die Wahl in Istanbul wiederholen) war das Vertrauen ausländischer Investoren in die Rechtsstaatlichkeit in der Türkei erneut geschwächt worden.

Die türkische Lira befindet sich seit Monaten in einem langsamen schleichenden Abwärtstrend. Die Aktienkurse in der Türkei befinden sich im Absturz. Heute notiert der türkische Leitindex BIST100 mit -1,5%, und ist nun seit sechs Tagen hintereinander am Fallen. Mit einem Tiefststand seit Anfang 2017 hat er aktuell auch den Zustand eines Bärenmarktes erreicht. Die Rendite für zehnjährige türkische Staatsanleihen steigt alleine heute um fast einen ganzen Prozentpunkt (Wahnsinn) auf aktuell 19,26%. Im Februar waren es noch 14%.

Und jetzt Achtung! In den nächsten Tagen könnte sich die Lage dramatisch verschärfen. Denn die Türkei will von Russland Raketensysteme kaufen. Laut einem offenbar auf Insiderquellen in US-Militärkreisen beruhenden Bericht von CNBC habe die Türkei noch zwei Wochen Zeit diesen Deal mit Russland zu stornieren. Die US-Regierung übt also massiven Druck aus. Man solle doch lieber Patriot-Raketen vom US-Hersteller Raytheon kaufen. Würde die Türkei ihre Bestellung nicht „umbuchen“, würden die USA der Türkei die Lieferung von F35-Flugzeugen aus US-Produktion verweigern, und womöglich würden die USA Sanktionen gegen die Türkei einführen. Man bedenke abseits von Donald Trumps „launigem“ Gemüt: Die Türkei ist NATO-Mitglied, und die Mitgliedsstaaten sollen Waffensysteme kaufen, die innerhalb der Gruppe kompatibel sind. Und das wird auf russische Raketen wohl kaum zutreffen.

Geht man davon aus, dass die Reporterin von CNBC richtig recherchiert hat (der Bericht klingt doch recht glaubwürdig), könnte es bald hoch her gehen zwischen der Türkei und den USA. Es ist kaum vorstellbar, dass Präsident Erdogan den Russen-Deal jetzt noch absagt. Dies wäre ein Gesichtsverlust in der Öffentlichkeit, weil er sich von den USA hätte diktieren lassen, wo er seine Waffen einkaufen darf.

Man bedenke, welche Turbulenzen die winzigen US-Sanktionen am Kapitalmarkt verursachten, als die Türkei einen US-Pastor freilassen sollte. Was wäre erst los bei dieser Verweigerung der Türken in Sachen Raketen-Einkauf? Es dürfte die US-Rüstungshersteller verdammt hart treffen solch große Aufträge nicht zu erhalten, also Raketen und 100 Kampfjets. Die Reaktion aus dem Weißen Haus könnte also heftig ausfallen, und damit auch die Turbulenzen am türkischen Kapitalmarkt.

Noch sind wir in dieser Sache im „Wenn-Modus“. Wenn dies passiert, könnte danach dies und jenes passieren. Aber wer in türkischen Aktien, der Lira oder in Anleihen unterwegs ist, sollte dieses Szenario für die nächsten Tage im Hinterkopf behalten!

Türkei Istanbul
Die Hagia Sophia in Instanbul. Foto: Julian Nitzsche CC BY-SA 4.0

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Anleihen

Das BBB-Anleiherisiko in den USA – es ist nicht vom Tisch

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Auch wenn man derzeit sein Augenmerk an den Märkten hauptsächlich auf den US-Handelsstreit mit China richtet und seine möglichen Auswirkungen auf die weltweite Konjunktur, so ist ein anderes Risiko ebenso virulent, das BBB-Risiko. Gemeint ist der unglaublich gestiegene Anteil an US-Unternehmensanleihen, die nur eine Stufe über Junk-Status notieren. Und damit wird der unmittelbare Zusammenhang zwischen dem Anleiherisiko und der Konjunktur deutlich.

 

Die Warnungen von Jeff Gundlach

Auch wenn ich bereits mehrere Kommentare über das Risiko von US-Anleihen auf diesem Niveau geschrieben habe, brachte mir ein Video mit dem Bondkönig Jeff Gundlach das große Gefahrenpotenzial dieser Schuldenproblematik wieder ins Bewusstsein. Seine Kernaussagen:

„Die Fed achtet derzeit mehr auf die Kreditmärkte als auf die Aktienmärkte. Die Verschuldung weltweit beträgt 243 Billionen Dollar und wir haben so viele Anleihen mit BBB-Rating, nur eine Stufe von Junk entfernt. Fed-Chef Powell achtet nicht so sehr auf Verluste an den Aktienmärkten, sondern auf die Bewertung der High Yield Bonds, die sich im letzten Jahrzehnt im Volumen verdreifacht haben.“

Das Problem ist, dass bei einer Rezession diese Problembonds ausfallen können, denn: Wenn sie in den Junk Bond-Status fallen, verlieren sie den Investmentgrade-Status und müssen von den großen Kapitalsammelstellen abgestoßen werden. Davor fürchtet sich die Fed. Da sind wir wieder bei dem großen Zusammenhang. Die Konjunktur muss von der Fed am Laufen gehalten werden und es darf aus Sicht der Anleihemärkte zu keinem größeren Zinsanstieg kommen.

Deshalb sollte es sich lohnen, den Chart der High Yield Bonds ständig im Auge zu haben.

 

Hier ein paar Fakten zu den Dimensionen

im Jahr 2008 gab es in der USA zahlreiche Unternehmen, die von den Ratingagenturen mit Triple A bewertet wurden. Heute gibt es nur noch acht Unternehmen, die von Standard&Poors mit dreimal A, von allen drei Agenturen zusammen, wird nur noch eine einzige Firma mit dem Toplabel versehen, der Pharmakonzern Johnson&Johnson. Den größten Absturz verzeichnete General Electric (GE), die über ein halbes Jahrhundert das Toprating besaßen und jetzt bei BBB+ gelandet sind, unweit des Junkstatus.

Die OECD warnt in einer Studie, dass in den Industriestaaten der Unternehmensanleihemarkt von 2009 um 70 Prozent auf 10,2 Billionen Dollar gestiegen ist. Für die USA bedeutet dies eine Steigerung auf 45 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt, dem zweithöchsten Wert seit dem zweiten Weltkrieg. Mit den steigenden Schulden sank das Rating, so dass bereits 54 Prozent aller US-Papiere mit Investmentgrade im schwachen BBB -Bereich angesiedelt sind. Eigentlich hätten sich das Rating in einem Wirtschaftsaufschwung verbessern müssen und nicht umgekehrt.

Nach Ansicht von Dr. Daniel Stelter (Beyond the Obvious) könnten Anleihen im Wert von 1000 Milliarden Dollar bei einer Rezession in den Junk-Bond -Bereich rutschen. Hinzu kommt, dass in den kommenden drei Jahren weltweit Anleihen in Höhe von vier Billionen Dollar zurückgezahlt oder neu finanziert werden müssen.

 

Schlussfolgerung

Der entscheidende Punkt sind die Anlagerichtlinien der großen Kapitalanlagestellen. Diese dürfen in ihrem Portfolio keine Anleihen halten, die den Investmentgrade-Status verloren haben. Das wird aber in großem Stile passieren, bei einer Eintrübung der Konjunktur. Dann müssen diese Papiere auf den Markt geworfen werden, die Zinsen für Käufer steigen und die zu ersetzenden Papiere können nicht mehr zu niedrigen Konditionen erworben werden – ein massives Ausfallrisiko. Vielleicht eine Finanzkrise 2.0 und da schlösse sich der Kausalzusammenhang zwischen Konjunktur und Asset-Märkten. Wie sagte Jeff Gundlach sinngemäß: das System ist bankrott, man will diesen nur möglichst lange hinauszögern.

Deshalb fürchten Geldpolitiker eine Rezession so wie der Teufel das Weihwasser.

 

Von Hundsgemeini – Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=15697318

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