Gold/Silber

Goldpreis – kurzer Rückzug vor der nächsten Tsunami-Welle

Gold Barren

Hurra, der Schnupfen ist geheilt und alles ist wieder gut. Dumm nur, dass der Patient eigentlich Leukämie hat. Was das mit der Bewegung im Goldpreis zu tun hat?

Der Goldpreis zieht sich kurz zurück, nur um dann noch heftiger anzusteigen

Als Zivildienstleistender auf der hämatologischen Station prägte mich ein Ereignis besonders intensiv: Ein Mädchen, etwas jünger als ich, wurde wegen eines Schwächeanfalls in die Notaufnahme des Klinikums eingeliefert. Das Mädchen dachte, sie hätte eine Grippe. Sie war von ihrem Fahrrad gestürzt. Die Ärzte konnte jedoch keine Grippeerkrankung feststellen. Die Blutuntersuchungen ergaben eine viel dramatischere Diagnose. Ihr Schicksal und der Schock ihrer Eltern haben mich damals sehr bewegt.

Schaut man sich den Gesundheitszustand der Weltwirtschaft heute an, dann hört man von den Analysten und Finanzmedien hauptsächlich etwas über eine temporäre Erkältung, ausgelöst durch Brexit-Ohnmacht und Handelsverspannungen. Ja, beides beeinträchtigt den Organismus der Wirtschaft – besonders die Bereiche Handel und Investitionen. Ein Abklingen beider Belastungsfaktoren würde zweifellos zur Erholung des Patienten führen. Es ist insofern absolut verständlich, dass, sobald die akuten Erkältungssymptome abklingen, sich Erleichterung breitmacht und es zunächst Grund zur Freude gibt. Schließlich signalisiert auch das Fieberthermometer Goldpreis gesundheitliche Fortschritte.

Was ich nicht sehe, das existiert auch nicht

Tragisch hingegen ist, dass besonders in den angelsächsischen Medien der eigentlichen Krankheit des Patienten wenig bis gar keine Aufmerksamkeit geschenkt wird. Gleiches gilt für die überwiegende Mehrheit der Marktteilnehmer – ein Déjà-vu aus dem Jahr 2007. Ein rückläufiger Goldpreis wird gar als Beleg für das Auspreisen von Risiken gewertet – eine fatale Fehlinterpretation. Im Gegenteil sind die heute größer denn je. Sie heißen nicht Brexit, nicht Handelskrieg und auch nicht zyklischer Abschwung. Es war, ist und bleibt die globale Überschuldung.

Wobei der Hauptteil der mehr oder weniger zinsbringenden Forderungen sich auf wenige Halter konzentriert, die die Zinsen nicht verkonsumieren, sondern horten und deren Vermögen dadurch weiter anwächst. Wohingegen die Schulden von der Masse getragen werden, die diese Zinsen täglich hart erarbeiten müssen und die deren frei verfügbare Einkommen schmälern. Um dennoch ihre Bedürfnisse zu befriedigen oder den Schuldendienst leisten zu können, gehen die Schuldner neue Verbindlichkeiten ein – eine Abwärtsspirale ohne schmerzfreies Entkommen.

Das System leidet bereits weltweit unter struktureller Überschuldung und liegt genau deshalb seit über elf Jahren nahezu ununterbrochen auf der geldpolitischen Intensivstation. Diese Tatsache kann man leugnen oder sich von der permanenten Wiederholung gelangweilt abwenden, aber sie erklärt im großen Bild die ökonomische Entwicklung und ist daher permanent beachtenswert. Schaut man längerfristiger auf den Goldpreis, dann zeigt das Fieberthermometer der Gesundheit der Weltwirtschaft auch genau das an.

Goldpreis verschiedene Währungen

Es ist wie mit dem Spiel „Reise nach Jerusalem“. Alle wissen, wie es endet, aber solange noch Stühle übrig sind, geht die Party eben weiter. Das muss man akzeptieren

Gold im Depot ist sinnvoller denn je

Gold im Depot zu besitzen, bedeutet für die Reise nach Jerusalem einen eigenen Klappstuhl dabei zu haben oder im Falle der Tsunami-Metapher ein eigenes kleines Rettungsboot. Niemand würde auf die Idee kommen, sein Rettungsboot billig wegzugeben, nur weil sich gerade das Wasser wider die Gezeiten vom Ufer zurückzieht. Doch genau das passiert gerade am Goldmarkt. Man stelle sich vor, es kommt zur Entspannung im Handelskrieg inklusive Erleichterungsrallye, nur um dann festzustellen, dass die Weltwirtschaft viel größere Problem hat, als gedacht. Das ist der Stoff, aus dem Crashs gemacht sind.

Daher sollte man den aktuell günstigeren Goldpreis nutzen, um bei Bedarf das eigene Vermögen oder zumindest die liquiden Bestandteile abzusichern. Wer jedoch die jetzige euphorische Aktienrallye im Blow-Off-Modus nicht kritisch hinterfragt, der hat an den Finanzmärkten eigentlich nichts verloren. Wie ich in meinem Artikel „Anlagestrategie – negative Korrelationen sind gut fürs Depot“ schrieb, machen im aktuellen Umfeld in einem mittelfristig ausgerichteten Portfolio beide Anlagen Sinn: Aktien und Gold.

Fazit und Handlungsmöglichkeit

Zwei Handlungsszenarien machen aktuell Sinn: sofern man noch kein oder unzureichende Bestände an Gold oder Minenaktien im Gesamtportfolio hält, ergeben sich mir den aktuellen Preisen adäquate Einstiegsgelegenheit. Wer bereits eine Mischstrategie fährt, kann im Rahmen eines Portfolio-Rebalancings Teilgewinne bei Aktien realisieren und mit dieser Liquidität den Portfolioanteil des Goldes wieder auf den Initialen Wert aufbauen. Wer mit Gold aus welchen Gründen auch immer nichts anfangen kann, der sollte sich alternativ mit der Portfolioabsicherung mittels Volatilitätsinstrumenten vertraut machen.



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11 Kommentare

  1. Gemäss SNB und seinem Präsidenten wird es keine grosse Rezession mehr geben, da die virtuelle Gelddruckstrategie nicht einmal mehr Papierkosten zu berücksichtigen habe und es für diese Schulden schlicht keine Gläubiger gebe, die Guthaben zurückfordern könnten. Ein Perpeetuummobile der Finanzindustrie ist durch Draghi und Co. endlich gefunden worden.

    1. …. dann kann ja endlich der Goldpreis auf seinen fairen Wert von max. 50 Dollar fallen.
      Wer will denn ernsthaft glauben / behaupten, dass eine offizielle Banknote der USA in Höhe von 50 Dollar weniger Wert sein sollte, als dieses seltene Metall.
      Wir alle sind bekloppt!
      Wie eine Heerde von Schaafen folgen wir dem Leithammel (JP Citi und all die anderen …..).

      1. Moin,Heinz-Rudolph!Tipp von mir:Kein Bier vor vier,dann lässt sich so etwas vermeiden.

        1. …wie?
          Sollte Gold doch wertvoller sein als der Fetzen Papier?
          Ich habe den Glauben an das Finanzsystem verloren!

          Es gibt viele mächtige Finanzakteure, die auf keinen Fall zulassen werden, dass die Allgemeinheit erkennt, wie korrupt und marode die Finanzpolitik ist.

          Meine These: Würde der Goldpreis signifikant ( weiter ) steigen, würde dies praktisch den Bankrott der etablierten Währungen bedeuten. Da dies nicht sein d a r f wird hiergegen bis zum Ende interveniert.

  2. Herr Zipfel noch Nichts von MMT gehört? Sind sie altmodisch ?Schulden in eigener Währung sind kein Problem , darum muss der Dollar Weltwährung bleiben, dass die Amis weiterhin auf Kosten der Restwelt konsumieren u.abwerten können.
    War nur Spass, ich schätze ihre Meinung sehr. Zudem können sie den ganzen Börsenzauber einfach erklären. Wenn einmal 51% der Profis u.Gelehrten u.der Mainstream kapiert was in der Börsen u.Finanzwelt abgeht, knallt es wie noch nie!

  3. Auszug aus dem Bericht: Wer die jetzige euphorische Aktienrallye nicht kritisch hinterfragt, hat an den Finanzmärkten nichts verloren. Wenn die Betroffenen den Rat befolgen, werden 80% der Finanzmarktteilnehmer ausscheiden.Der Permabulle der Baader Bank u.der geschätzte Brexit Spezialist werden uns fehlen ?

  4. Die Höhe der Schulden ist eine Sache, die Qualität eine andere. Am meisten gewachsen sind die faulen Schulden. Die grössten Ratingagenturen, die gemäss eines Berichts abhängig sind u.vom gleichen Besitzer kontrolliert werden, sind auch wieder wie schon 2008 die grossen „SCHÖNRATER“ der Unternehmensanleihen , der sogenannten BBB Zeitbomben.
    Wäre interessant wenn FMW einen Bericht über die Abhängigkeiten,Besitzverhältnisse u.die Machenschaften der bekanntesten Ratingagenturen machen würde.Ich habe in kurzen Teilberichten sehr Negatives gelesen.Auch bei der Griechenland- Verschuldung sollen sie eine miese Rolle gespielt haben.

    1. Größer Anteilseigner von Moodys ist Berkshire Hataway mit 13%, gefolgt von Vanguard (über diveese Fonds/ETFs) mit 8%, Blackrock mit 5%, Capital Group und State Street mit je 4%… (also auch die und die nachfolgenden indirekt über Fonds/ETFs).

      Bei S&P ist die Vanguard Group mit 8.6% vorne, dann Blackrock mit 7%, Statestreet mit 5%…

      DIe Eigentümerstruktur ist damit recht ähnlich wie bei den deutschen DAX-Konzernen, was einfach daran liegt, dass diese Unternehmen die weltweit führenden Fonds-/ETF-Anbieter sind.

  5. Nachtrag: googeln. Die drei Riesen, wer sind die Ratingagenturen.

  6. Danke @ TM, Wäre anzunehmen, dass Grossaktionäre wie Warren auch gute Kontakte zu den Raterbossen hat, die bei der Aktienwahl nicht nachteilig ist . ( Von Insider u.Forwardgeschäften habe ich Nichts gesagt ) Ein Milliardär hat das nicht nötig, die sind meistens genügsam !

  7. Die Sache hat gewisse Parallelen mit der Boeing Geschichte. Die US Flugaufsichtsbehörde liess gewisse Boeing Kontrollen bei Boeing machen.
    Die DICKFISCHE der Börsenwelt sind grosse Anteilseigner der Ratingagenturen u.beaufsichtigen u.raten die Finanzmärkte.
    In den schlimmsten Gefängnissen gewisser Länder bestimmen auch einige Insassen die Regeln.
    DIE GROSSE MASSE WIRD NUR NOCH ALS MANIPULIERMASSE GEBRAUCHT, U.ENTEIGNET BIS DER KLAPF KOMMT .

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