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Grexit: Bundesbank-Chef Weidmann sieht Euro nicht gefährdet

Redaktion

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Von Claudio Kummerfeld

Bundesbank-Präsident Jens Weidmann hat gestern in einem ausführlichen Interview Klartext geredet in Sachen Grexit, Eurozone und EZB-Geldschwemme.

Jens Weidmann-Bundesbankchef Klartext zum Grexit
Jens Weidmann, Chef der Deutschen Bundesbank, redet Klartext in Sachen Grexit.
Foto: Chatham House / Wikipedia (CC BY 2.0)

Gegenüber den drei Zeitungen „El Mundo“, „Les Echos“ und „La Stampa“ gab Bundesbank-Chef Jens Weidmann gestern ein Interview rund um das Hauptthema Grexit. Er betonte, dass eindeutig die griechische Regierung am Zug sei sich zu bewegen, da die Zeit für eine Einigung langsam knapp werde. Auf die intelligente Frage, ob nach einem Scheitern der aktuellen Verhandlungen nicht die Aufgabe der Staatsfinanzierung wieder der EZB zufalle, antwortete er wie schon früher, dass es nicht die Aufgabe der EZB sei Staaten zu finanzieren – und es sei ihr sogar verboten! Hiermit bezieht er sich eindeutig auf die schon laufende griechische Staatsfinanzierung durch die Notkredite der EZB.

Diese Thema hatten wir bereits ausführlich thematisiert.

Grexit

Durch das Handeln der neuen griechischen Regierung meint er „sind die Perspektiven für die griechische Schuldenquote düsterer geworden„. Zum Thema „Grexit„, also dem Austritt Griechenlands aus der Eurozone, sagte Weidmann die Verantwortung für den Verbleib Griechenlands in der Eurozone liege bei der griechischen Regierung. Den Hinweis von Alexis Tsipras, Spanien und Italien könnten dem Grexit folgen und auch den Euro verlassen, hält Weidmann für eine befremdliche Drohung.

Durch einen möglichen Grexit gebe es Ansteckungseffekte, aber „der Bestand des Euro sei nicht an die Entwicklung in Griechenland geknüpft“. Weiter sagte er „Der Charakter der Währungsunion verändert sich aber auch, wenn einzelne Länder ihrer Verantwortung für eine stabile Währung nicht gerecht werden und sich die Währungsunion letztlich in eine Transferunion verwandeln würde, über die die Bevölkerungen nie abstimmen konnten. Auch das ist ein Ansteckungseffekt, dessen negative Folgen nicht unterschätzt werden sollten.“

Deutschland

Zu Deutschland gefragt sagte Weidmann man sei hierzulande besser durch die Krise gekommen, weil es keine Übertreibung der der Überschuldung der Haushalte gegeben hätte, und weil man Sozialsysteme und Arbeitsmarkt reformiert hat. Bei öffentlichen Investitionen im Inland auf Pump ist Weidmann voll auf der Linie der Kanzlerin, dass das keine gute Idee ist. Zur Kritik am deutschen Leistungsbilanzüberschuss sagte er Zitat „Ein Leistungsbilanzüberschuss ist für ein Land wie Deutschland mit einer alternden Bevölkerung nichts Besonderes, denn die Bevölkerung muss durch Sparen für das Alter vorsorgen. Es stimmt aber, der aktuelle Saldo ist sehr hoch. Ich erwarte allerdings, dass er perspektivisch sinken wird, weil die deutsche Binnennachfrage an Stärke gewinnt.“

QE und Eurozone

Jens Weidmann sagte zur Gefahr der Deflation, dass er selbst nie Befürchtungen in dieser Richtung hatte. Deshalb sah er auch nie die Notwendigkeit des „Quantitative Easing“ (Geldschwemme) der EZB um die Inflation anzuheizen. Zur Entwicklung der Eurozone sagte er „Solange die Regierungen und die Wähler in den Euroländern keine politische Union anstreben, in der gemeinsam entschieden wird und gemeinsam gehaftet werden kann, müssen wir uns am Prinzip der Eigenverantwortung orientieren, wie es der Maastricht-Rahmen vorsieht. Entscheidungsbefugnis und Haftung liegen damit auf nationaler Ebene.“

Da könnte er Recht haben. Entweder oder! Bei voller europäischer Integration haftet jeder für jeden und alles wird zentral entschieden. So geschieht es ja auch in den USA. Droht einer Kommune Ärger, steht immer der große Bruder in Washington zur Verfügung. Keine Unklarheiten mehr, sondern nur noch eine große Kasse in Brüssel. Aber ob wir alle das noch erleben werden? Eine richtige politische Vereinigung Europas würde vieles einfacher machen. Aber wie Jens Weidmann sagt: solange diese Union nicht hergestellt ist, genießt jedes EU-Mitglied seine Souveränität – und die bringt eben auch die Eigenverantwortung für Schulden mit sich.

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US-Wahl egal für die US-Märkte? Experte Andre Stagge mit ausführlicher Erklärung

Redaktion

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Ande Stagge über die aktuelle Lage im S&P 500 und zur US-Wahl

Ist der Ausgang der US-Wahl letztlich egal für die US-Aktienmärkte? Das denken manche Beobachter. Der Börsenexperte Andre Stagge (hier mehr zu seiner Person) bespricht dieses Thema im folgenden aktuellen Video im Detail. Ausführlich geht er auf die einzelnen Standpunkte von Joe Biden und Donald Trump ein. Zum Beispiel seien die Steuerideen von Joe Biden eindeutig schlecht für die Wirtschaft. Natürlich muss man fair sein und erwähnen, dass die US-Unternehmen durch die große Steuersenkung von Donald Trump im Jahr 2017 massiv profitiert hatten. Andre Stagge glaubt an einen Wahlsieg von Joe Biden, und dass dies letztlich nicht gut für die Märkte wäre – auch wegen der Idee von Joe Biden den Mindestlohn in den USA drastisch anzuheben. Wichtig werde auch die Phase direkt nach der Wahl, und ob Donald Trump bei einer möglichen knappen Wahlniederlage Probleme machen wird.



Ist die US Wahl egal by Andre_Stagge on TradingView.com

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Covid-19: Würgt die 2.Welle den Aufschwung und die Aktienmärkte ab?

Momentan befinden sich die Börsen in einem kleinen Wechselbad der Gefühle. Die Pandemie ist der größte aktuelle Unsicherheitsfaktor!

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Täglich ist es das Hauptthema in den Medien: Der fast global feststellbare Anstieg der Infektionszahlen wegen Covid-19, insbesondere auch in Ländern in Europa, die vorher die Pandemie gut im Griff hatten. Auch wenn man den unbedingten Willen der Staaten erkennt, einen Lockdown wie im April an Intensität und Dauer zu verhindern, sind auch die Vorstufen alles andere als förderlich für die Volkswirtschaften. Die Frühindikatoren haben schon reagiert: Wird in manchen Ländern aus dem Erholungs-V dann doch ein „W“?

Itˋ s Covid-19!

Könnte man formulieren, in Anlehnung an das bekannte Bonmot von Bill Clinton im Zusammenhang mit der Bedeutung der Wirtschaft für sein Land. Deshalb rücken selbst die US-Wahlen in den Hintergrund – oder auch das Gezerre um die Hilfspakete in den USA. Diese müssen angesichts der Situation der Arbeitslosen in den USA kommen, egal unter welcher Partei. Es stellt sich nur die Frage nach dem Zeitpunkt.

Es geht um die zweite Welle an Infektionszahlen wegen Covid-19. Betrachtet man die Situation in Frankreich, so sind die Zahlen bis auf das Vierfache der täglichen Infektionen im Vergleich zum Frühjahr gestiegen, auch in Italien, Spanien und Deutschland liegen die Zahlen höher als in der ersten Welle. Von Ländern wie Holland oder Tschechien erst gar nicht zu reden.

Die COVID-19 Zahlen in Deutschland

 

Die Infektionszahlen sind auch in Deutschland in die Höhe geschossen, nicht aber die Zahl der schweren Fälle oder gar der Toten. Dies ist auch in Summa in anderen Ländern feststellbar.

Spannend wird sein, ob die drastischen Warnungen und die Beängstigung der Bevölkerung zu einer Wende führen. Denn die aktuellen Infektionen mit Covid-19 sind zumeist von jüngeren Menschen verursacht – und diese sind zu weit über 90 Prozent bereits nach zwei Wochen wieder aus der Infiziertenliste zu streichen.

Was bedeutet das für die Wirtschaftserholung?

Zunächst einmal werden die Zahlen zum dritten Quartal mit positiven Rekorden verblüffen: Nachdem die Wirtschaft in der Eurozone im zweiten Quartal um gewaltige zwölf Prozent gefallen war, rechnen die Volkswirte laut Bloomberg jetzt mit einem Wachstum von neun Prozent. Wahrscheinlich eine sehr viel verlässlichere Prognose als in Schätzungen im Voraus, schließlich gibt es dazu bereits viele Kennziffern. Deutschland soll in Q3 um 6,9 Prozent gewachsen sein, nach einer Schrumpfung von 9,7 Prozent in Q2.

Für das vierte Quartal waren die Prognosen natürlich deutlich niedriger, weil man sich dann auf das vorherige gute Quartal bezieht. Jetzt kommt aber das Problem: denn gerade mit dem Herbstbeginn hat die zweite Welle der Pandemie mit großer Intensität und teilweise schon mit exponentiellen Wachstumsraten bei Covid-19 eingesetzt.

Die Folge: Eine Revision der Wachstumserwartung für Q4 in der Eurozone von plus drei auf zwei Prozent, für Deutschland senkt man die Erwartungen von plus 2,5 auf 1,5 Prozent. Dabei ist noch nicht einmal ein Monat des Schlussquartals vergangen und die vielen kleinen regionalen Lockdown-Maßnahmen für Tourismus, Hotellerie, Gastronomie u.w. sind gerade erst beschlossen worden. In manchen Staaten (Niederland, Irland) haben diese bereits eine ganz andere wirtschaftsfeindliche Dimension.

Aber auch speziell die Frühindikatoren zeigen schon seit Längerem einen leichten Abschwung an. Die Einkaufsmanagerindizes für Frankreich (48,5 Punkte) und Spanien (44,3 Punkte) sind bereits unter die Wachstumsschwelle von 50 Punkten gefallen. In Italien und Deutschland liegt der Wert dagegen noch über der kritischen Marke, hierzulande noch bei komfortablen 54,7 Punkten. Auffällig ist weltweit, dass sich die Industriekomponente sehr gesteigert hat – China lässt grüßen, aber auch, dass der Dienstleistungssektor zur Schwöche neigt. Eine Folge der vielen kleinen Coronaeinschränkungen.

Insgesamt kommt dieses Anschwellen der Zahlen von Covid-19 zur Unzeit. Mancher Analyst redet nicht nur bereits von einer möglichen W-förmigen Wirtschaftserholung – sogar das Wort einer Double-Dip-Recession macht schon die Runde.

Betrachtet man dies aus dem optimistischen Blickwinkel der Bullen, so könnte man diese die spürbare Angst als „Wall of Worry“ bezeichnen, die entgegen der Stimmungslage sogar die Basis für eine Jahresendrally bilden könnte.

Fazit

Momentan befinden sich die Börsen in einem kleinen Wechselbad der Gefühle: Die steigenden Zahlen von Covid-19, der Ausgang der US-Wahlen mit all seinen Unsicherheitskomponenten, aber auch die Hoffnung auf weitere Stimuli: Vonseiten der Regierungen (Konjunkturpakete), von den Notenbanken Anleihekäufe und von den Anlegern selbst, die in Zeiten von Nullrenditen an den Kapitalmärkten immer wieder in die Dividendentitel „getrieben“ werden.

Dennoch ist die Pandemie der größte aktuelle Unsicherheitsfaktor. Allein die hypothetische Möglichkeit eines größeren Lockdowns sorgt für gewisse Ängste, denn einen weiteren Wirtschaftsschock können auch Rettungspakete nicht ohne gravierende Folgen ausgleichen. Aber es existieren auch Hoffnungen, denn neben der Impfstoffgeschichte gibt es auch die Möglichkeit eines baldigen Abebbens der zweiten Welle – die Menschen haben es in der Hand.

 

Das Wiederaufflammen von Covid-19 und die Folgen

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Europäisches Arbeitsmarktbarometer: Aussichten gut? Dazu zwei Anmerkungen

Claudio Kummerfeld

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Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), eine Tochter der Bundesagentur für Arbeit, hat heute das neue europäische Arbeitsmarktbarometer veröffentlicht. So will man zusammen mit anderen europäischen Arbeitsmarkt-Institutionen einen besseren Ausblick geben, wie die Lage am Arbeitsmarkt in ganz Europa wohl in den nächsten Monaten aussehen wird. Denn das IAB sagt selbst, dass das seit Jahren einmal im Monat veröffentlichte deutsche Arbeitsmarktbarometer diese Funktion gut erfülle.

Die Skala für dieses neue europäische Arbeitsmarktbarometer reicht von 90 bis 110 Indexpunkten. Bei 100 ist die Aussicht neutral. Darüber verbessert sich der Arbeitsmarkt in Europa, darunter verschlechtert er sich. Das als solches offiziell bezeichnete „European Labour Market Barometer“ lag im September bei 98,7 Punkten. Gegenüber dem Vormonat ist es damit um 0,8 Punkte gestiegen. Nach dem tiefen Absturz des Arbeitsmarktindikators im April um 6,9 auf 93,5 Punkte wurde mittlerweile ein erheblicher Teil des Rückgangs wieder ausgeglichen, so die IAB heute. Beim Klick an dieser Stelle können Sie sich die ausführliche Meldung auf 4 Seiten durchlesen.

Zwei Anmerkungen zum europäischen Arbeitsmarktbarometer

Wir haben da nur zwei Anmerkungen zu diesem neuen Arbeitsmarktbarometer für Europa. Als erstes wäre da die Erkenntnis, dass es sich gar nicht um ein richtiges flächendeckendes Barometer handelt. Daten für diese Erhebung kommen nämlich nur aus Belgien, Bulgarien, Dänemark, Deutschland, Island, Liechtenstein, Litauen, Luxemburg, Malta, Österreich, Portugal, Tschechien, Zypern und Polen. Wie soll bitteschön ein ernsthaftes Lagebild über den europäischen Arbeitsmarkt erstellt werden, wenn für die EU die zwei, dritt- und viertgrößte Volkswirtschaft fehlt, nämlich, Frankreich, Italien und Spanien?

Aber gut, sei es drum. Was noch auffällt bei diesem neuen europäischen Arbeitsmarktbarometer: Man schaue auf dem Chart aus der IAB-Veröffentlichung. Er zeigt die Entwicklung des neuen Index seit dem Jahr 2018. Man sieht die aktuelle Erholung vom Corona-Crash, und dass der Index fast wieder die 100 Punkte-Schwelle erreicht hat. Viel interessanter finde ich aber den Verlauf dieses Index in den Jahren 2018 und 2019. Da sieht man einen kontinuierlichen Abwärtstrend, der den Index ab Mitte 2019 sogar schon in den Negativbereich brachte. Schon deutlich vor der Coronakrise gab es eine Rezession in der europäischen Industrie, die vom Dienstleistungssektor und vom Bauboom überdeckt wurde. Diese Rezession sieht man hier in Form eines ständigen Rückgangs im Arbeitsmarktbarometer. Jetzt wird alles zugeschüttet, mit mehr Notenbankgeld und Staatsschulden als jemals zuvor, damit wir ja eine V-förmige Erholung bekommen, in möglichst allen Bereichen der Volkswirtschaft.

Chart zeigt neues europäisches Arbeitsmarktbarometer seit 2018

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