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Japan, seine Staatsschulden, Negativzinsen + eine erschreckende Erkenntnis

FMW-Redaktion

Es ist ein atemberaubendes Szenario für jeden Finanzminister, was sich da in Japan abspielt. Gestern wurde durch den japanischen Staat eine Anleihe mit realer negativer Verzinsung emittiert. Das Volumen der Emission belief sich umgerechnet auf gut 18 Milliarden Euro, die Verzinsung liegt bei -0,024%. Das bedeutet einen Zinsgewinn für den japanischen Finanzminister von knapp 4,3 Millionen Euro.

Japans Staatsverschuldung hat inzwischen 244% des Bruttoinlandsprodukts (BIP) erreicht, damit hat man Griechenland, Italien und die USA weit hinter sich gelassen mit Niveaus von 194, 132 und 100%. Aber das spielt schon längst keine Rolle mehr – in Japan beachtet das niemand mehr. Es wird hemmungslos verschuldet und Geld gedruckt.

Die erschreckende Botschaft hinter der gestrigen Emission lautet: Anleger kaufen diese Anleihen tatsächlich! Notenbank und Staat in Japan fahren diese Politik ja nicht um sich am Zinsgewinn zu ergötzen. Nein, sie möchten die Milch so sauer machen wie nur möglich. Anleger sollen dazu ermuntert, fast schon gezwungen werden ihr Cash endlich als Kredit oder Investition in die japanische Realwirtschaft zu pumpen, damit die Wirtschaft wächst und die Inflation anspringt. Aber egal was man tut, das passiert nicht.

Und jetzt kaufen die Anleger doch tatsächlich lieber japanische Staatsschulden und sind bereit dafür auch noch Zinsen zu zahlen. Besser so als das Geld in Maschinen zu investieren, in neue Fabriken, neue Arbeitsplätze oder in Kredite an Unternehmen. Das ist die erschreckende Erkenntnis. Die Investoren trauen der Realwirtschaft anscheinend so wenig, dass sie lieber ganz offiziell ein schrumpfendes Vermögen akzeptieren. Sämtliche Anleihe-Investoren hätte sich auch weigern können an der Emission teilzunehmen, aber das geschah nicht.

Marktbeobachter rechnen damit, dass Wolfgang Schäuble demnächst bei Neuemissionen auch reale Negativzinsen am Markt durchsetzen kann, denn genau wie in Japan hat die EZB ja bereits Negativzinsen für Bankeinlagen eingeführt. Und wie wir schon gestern berichteten, handeln bereits sämtliche deutsche Staatsanleihen mit einer Laufzeit bis zu 9 Jahren mit negativen Renditen. Die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass der deutsche Staat keine Probleme haben wird eine Tranche von 10jährigen Papieren mit Minusverzinsung loszuwerden.

Was lernt man daraus? Die Politik der EZB kann so nicht weitergehen. Die Anleger wollen die von der EZB stammende Geldschwemme (QE) einfach nicht in die Realwirtschaft pumpen und vielerorts gibt es in der Eurozone einfach nicht genug Kreditnachfrage für so viel Cash. Die Wirtschaftspolitik muss endlich wieder weg von den Notenbanken, und hin zu den Regierungen. Die müssen sich intelligente Konzepte für die Wirtschaftsförderung ausdenken, jenseits von Zinssätzen und Gelddrucken.



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3 Kommentare

  1. Der Vorschlag im letzten Satz ist bestimmt nicht die Lösung. Was soll denn da intelligentes kommen? Etwa eine neue Abwrackprämie?

    Nein, die Lösung kann man bei Hayek und der Österreichischen Schule nachlesen.

  2. Ich hasse zwar alles,was nur im Entferntesten,mit der Deutschen Bank zu tun hat,hoffe aber,. dass John Cryan nicht nur brüllt,sondern auch beisst.Seine Aussage:Die Negativzinspolitik der EZB,kann so nicht weitergehen ist nur eine Seite der Medaille.Die Androhung diese Negativzinsen überall gnadenlos(eigentlich DB-Spezialität)weiterzugeben,würde Ihm den „berühmten Arsch in der Hose“attestieren!Auf geht’s!

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