Folgen Sie uns

Anleihen

Zinssenkung voraus – Anleihemarkt in den USA sendet klares Signal

Avatar

Veröffentlicht

am

Federal Reserve in Washington DC - Zinssenkung voraus?

Die flache und in Teilen bereits inverse Zinsstrukturkurve in den USA sowie drohende Kreditausfälle dezimieren die Kreditmargen der US-Banken. Nur durch eine weitere Zinssenkung kann die Situation verbessert werden.

Die Banken und der Kapitalmarkt werden eine Zinssenkung erzwingen

Bedingt durch die Eigentümerstruktur bei der Fed of New York haben die Großbanken einen nicht zu unterschätzenden Einfluss auf die Geldpolitik der US-Notenbank (Buch: Die Kreatur von Jekyll Island: Die US-Notenbank Federal Reserve – Das schrecklichste Ungeheuer, das die internationale Hochfinanz je schuf). Die sich weiterhin stark gen Süden bewegenden Zinsen am amerikanischen Kapitalmarkt führen zu der gefürchteten Invertierung der Zinsstrukturkurve. Um die Kreditvergabefreudigkeit der Banken nicht zu belasten, muss die Fed, auch im Interesse ihres offiziellen dualen Mandats, kurzfristig mindestens eine Zinssenkung vornehmen. Nur durch eine Absenkung des Leitzinses kann die für das Kreditgeschäft der Banken wichtige Versteilerung der Zinsstrukturkurve wieder erreicht werden. Die dritte und bislang letzte Zinssenkung im aktuellen Zyklus erfolgte am 30. Oktober letzten Jahres um 25 Basispunkte (0,25 Prozent) aus genau diesem Grund. Der effektive Leitzins liegt seitdem in den USA bei 1,55 Prozent. Die rote Linie in der unteren Grafik zeigt die erneut flache bzw. zu Teilen bereits invertierte Zinsstrukturkurve in den USA.

Zinssenkung? Hier die Zinsstrukturkurve als Chart

Die US-Notenbank kommt um eine weitere Zinssenkung nicht herum

Noch erwartet die Mehrheit der Marktteilnehmer in den USA erst für Ende Juli die erste von zwei Zinssenkungen in diesem Jahr. Doch diese Erwartungshaltung wird sich im Zuge der in den nächsten Wochen zur Veröffentlichung anstehenden Konjunkturdaten auf der Zeitebene nach vorn verlagern und auch die Anzahl der Zinsschritte wird sich weiter erhöhen. Sehr wahrscheinlich wird die Fed bereits am 18. März oder spätestens am 29. April eine weitere Zinssenkung vornehmen. Bereits jetzt deuten erste Daten auf einen signifikanten Einbruch des Welthandels und des Weltwirtschaftswachstums hin. Die jüngste Umsatzwarnung des Börsen-Highflyers Apple ist ein Indiz dafür, dass sich auch die US-Wirtschaft diesem Einbruch nicht wird entziehen können.

Das gilt zum Beispiel auch für die US-Autobauer von General Motors bis Tesla, für die China der zweitwichtigste Absatzmarkt ist. Mit einem Wirtschaftswachstum von 2,1 Prozent im Schlussquartal 2019 und einer erwarteten Expansionsrate von nur noch 1,5 Prozent für das Auftaktquartal 2020 schreitet die Konjunkturabkühlung auch in den USA voran. Verstärkt wird dieser Trend nun durch die noch nicht quantifizierbaren Schäden durch die Coronavirus-Epidemie. Eines kann man aber schon seriös prognostizieren: Die negativen Wachstumseinflüsse sind signifikant.

Die bereits zu Jahresbeginn gedämpften Aussichten für die US-Konjunktur, also noch vor dem Covid-19 Ausbruch, hatten mehrere Gründe:

1) Der Produktionsstopp bei Boeing
2) Die erneut massiv gestiegenen Beiträge für Krankenversicherte
3) Auslaufende Effekte aus der Steuerreform von 2018
4) Die Rekordverschuldung bei den Unternehmen und Verbrauchern
5) Der starke US-Dollar mit wieder aufflammender Schwellenländer-Dollar-Krise
6) Die flache bis inverse US-Zinsstrukturkurve

Für die Banken bedeutet dieses Umfeld einerseits drohende Anstiege bei den Kreditausfällen und anderseits sinkende Margen im Kreditgeschäft. Bekanntermaßen leihen sich die großen Geschäftsbanken (Primary Dealer) bei der US-Notenbank Fed kurzfristig Geld und verleihen es langfristig an Staaten, Unternehmen und Verbraucher weiter (Fristentransformation). Die Kapitalmarktzinsen sind dabei die Benchmark für die Zinsen der kurz-, mittel- und langfristigen Ausleihungen.

Die heute veröffentlichten Zahlen der auch in den USA, speziell an er Ostküste, vertretenden Großbank HSBC, zeigen exemplarisch, wie stark die Margen bereits unter Druck kommen. Die Bank will nach eigenen Angaben das in den USA eingesetzte Kapital bis 2022 um 45 Prozent reduzieren, über 30 Prozent der US-Filialen sollen geschlossen werden und die Aktivitäten des in New York angesiedelten Investmentbankings sollen deutlich zurückgefahren werden. Die Bank erwartet auch wegen der Folgen des Covid-19 steigende Kreditausfälle und ein bereits jetzt spürbar rückläufiges Kreditgeschäft, speziell in Asien. Die angestrebte zweistellige Eigenkapitalrendite rückt damit weiter in die Ferne.

Fazit und Ausblick

Lange kann die Fed auf ihrer aktuellen Position des Nichtstuns und Abwartens nicht mehr verharren. Zu stark wird sich auch in den USA die konjunkturelle Dynamik abkühlen – mit negativen Effekten auch auf die Preisstabilität und den Arbeitsmarkt. Womit dann auch das offizielle duale Mandat der Fed tangiert wäre. Die Geschäftsbanken werden zusätzlichen Druck auf die Fed ausüben, da sie eine Verschlechterung ihrer Kreditportfolios fürchten und bereits jetzt unter schwindsüchtigen Margen im Kreditgeschäft leiden (abgesehen vom Kreditkarten-Geschäft). Perspektivisch kommt die Fed auch um den erneuten Ankauf von gebündelten Kredit- und Hypothekenpapieren nicht herum, da die Banken, wie z. B. die HSBC, ihre Bilanzen reduzieren als weiter aufblähen wollen. Daher muss die Fed ihre Bilanz umso stärker ausweiten, um das für die US-Wirtschaft essenzielle Kreditrad in Schwung zu halten.

3 Kommentare

3 Comments

  1. Avatar

    Kritisch on fire

    18. Februar 2020 16:53 at 16:53

    Wow, auch die OECD hat wenig Freude mit den Entwicklungen auf Grund der Niedrig-Nullzinspolitik der ZB´s. Ein, wie ich meine durchaus interessanter Bericht. Wenn die schon warnen, sollte man vielleich doch ein wenig skeptisch den Kursentwicklungen gegenüber sein.
    https://www.msn.com/de-at/finanzen/top-stories/an-den-börsen-tickt-die-124-billionen-euro-schuldenbombe/ar-BB107gad?ocid=spartandhp#page=2

  2. Avatar

    Columbo

    18. Februar 2020 17:54 at 17:54

    Robert Halver kontra Mark Friedrich
    Sehenswert!

    https://www.youtube.com/watch?v=dgimSIfPwLo

  3. Avatar

    Blasenbär

    18. Februar 2020 19:44 at 19:44

    @ KRITISCH ON FIRE, diese Thematik wurde auf FMW schon mehrmals erwähnt.Die Notenbanken spielen die unrühmliche Rolle der Feuerwehr u.des Brandstifters gleichzeitig.Sie drucken viel Geld, drücken die Zinsen u. zwingen Anleger in riskante Anlagen.Sie produzieren so Aktien- Immobilienblase u.Anleihenblase gleichzeitig.Jeder mit minimalen Wirtschaftskenntnissen weiss, dass das einen riesigen Knall geben muss.
    Um es zu verhindern, müssten die Notenbanken dann Aktien,Anleihen u.Immobilien aufkaufen.
    MAN KANN DIE REALITÄT IGNORIEREN ABER MAN NICHT DIE KONSEQUENZEN DER IGNORIERTEN REALITÄT IGNORIEREN.
    In der Zwischenzeit haben die Brandstifter Powell u.Lagarde schon bestätigt, dass sie das Problem kennen.
    Sie spielen auf Zeit u.warten auf den Erlöser. Zum Glück preist die anscheinend unfehlbare Börse die goldene Zukunft ein ? ?

Hinterlassen Sie eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

ACHTUNG: Wenn Sie den Kommentar abschicken stimmen Sie der Speicherung Ihrer Daten zur Verwendung der Kommentarfunktion zu.
Weitere Information finden Sie in unserer Zur Datenschutzerklärung

Anleihen

EZB-Rettungsprogramm: Anleihe-Kauflimits gestrichen – das wird problematisch!

Avatar

Veröffentlicht

am

Von

Die EZB-Zentrale in Frankfurt

Die EZB hat mit ihrem neuen 750 Milliarden Euro schweren Anleihekaufprogramm namens „PEPP“ (Pandemic Emergency Purchase Programme) einiges an zusätzlichem Geld, was in den Markt gepumpt werden muss. Zur Nothilfe in der Coronavirus-Krise wird man also noch deutlich mehr am Anleihemarkt aufkaufen. Aber wie geht das? Denn die EZB hatte sich bislang selbst die Regel verpasst, dass man bei neuen Anleihe-Tranchen, die an den Markt kommen, maximal 33 Prozent selbst aufkauft. Und in manchen Fällen war man an die Nähe dieser Grenze gekommen. Mit dieser 33 Prozent-Grenze wollte man vermeiden, dass der Eindruck einer Staatsfinanzierung durch die EZB entsteht. Es sollte also pro Anleihe immer noch mehrheitlich private Besitzer geben, abseits der Notenbank. Aber nun hat die EZB laut aktuellen Berichten diese Begrenzung für das PEPP aufgehoben. Sie kann nun also deutlich mehr als 33 Prozent einer ausgegebenen Anleihe aufkaufen. Klar, irgendwie muss man ja das Geld unterbringen.

Also alles Eitel Sonnenschein? Nein, da entsteht ein ernsthaftes Problem! Denn es gibt ja vor allem in Deutschland massive Kritik an diesen Käufen der EZB. Hierzu gab es sogar Gerichtsverfahren am EuGH und beim Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe. Es ging um eine mutmaßliche Kompetenzüberschreitung der Notenbank. Der EuGH wies auf die Wichtigkeit der Kaufobergrenzen hin, und Karlsruhe wird noch ein Urteil fällen, ob die Käufe der EZB rechtens sind. Indem die EZB nun ihre eigenen Regeln aufweicht, sendet sie zwar ein erneutes „whatever it takes“-Signal an die Märkte. Aber den Kritikern der EZB schüttet man jetzt viel frisches Wasser auf die Mühlen. Handelt sie unkontrolliert, zügellos? Handelt es sich nun umso mehr um eine klare Staatsfinanzierung durch die Notenbank, was keinesfalls erlaubt ist? Aber hey, wen interessiert das derzeit schon? Werden auch die Gerichte alle drei Augen zudrücken, weil außer der EZB niemand den Laden am Laufen halten kann?

weiterlesen

Anleihen

Offiziell: Deutsche Anleihen-Agentur verkündet massive Schuldenausweitung

Avatar

Veröffentlicht

am

Die Finanzagentur Deutschland GmbH ist das Vehikel, über welches der deutsche Staat die Ausgabe von Staatsanleihen aller Art abwickelt. Vor wenigen Minuten hat diese Agentur verkündet, dass die Schuldenaufnahme um 87 Milliarden Euro ausgeweitet wird. Aus heutiger Sicht werde sich das Emissionsvolumen der nominalverzinslichen Kapitalmarktinstrumente sowie der unverzinslichen Schatzanweisungen des Bundes im zweiten Halbjahr um ca. 87 Milliaden Euro erhöhen. In diesem Volumen seien Mittel enthalten, die der KfW (Kreditanstalt für Wiederaufbau) zur Finanzierung ihres Sonderprogramms im Rahmen des Maßnahmenpakets des Bundes zur Bewältigung der Coronavirus-Pandemie zur Verfügung gestellt werden können. Hier weitere Ausführungen im Wortlaut von der Agentur:

Der Finanzierungsbedarf des Bundes wird sich im Jahr 2020 gegenüber der im Dezember 2019 veröffentlichten Jahresvorausschau erhöhen. Grund hierfür ist das weitreichende Maßnahmenpaket, das die Bundesregierung zur Bewältigung der Coronavirus-Pandemie heute auf den Weg gebracht hat. Der Bund passt daher seine Emissionsplanung für das Jahr 2020 an. Zudem werden ausstehende Bundesanleihen in den Eigenbestand des Bundes aufgestockt. Dies dient insbesondere der kurzfristigen Refinanzierung des Bundes über Repo-Geschäfte.

Die im zweiten Quartal beginnenden monatlichen Emissionen von Unverzinslichen Schatzanweisungen des Bundes (Bubills) mit 12-monatiger Laufzeit sollen im zweiten Halbjahr fortgesetzt werden.

Zudem sind weitere Aufstockungen in den Eigenbestand des Bundes zwecks kurzfristiger und flexibler Kapitalaufnahme insbesondere über Repo-Geschäfte möglich.

weiterlesen

Anleihen

EZB-Bazooka zeigt massive Auswirkungen in Griechenland, Italien Spanien

Avatar

Veröffentlicht

am

Die Akropolis in Athen - die EZB rettet sie alle

Nennen wir es einfach mal die EZB-Bazooka, was da heute Nacht verkündet wurde. Die EZB kauft zusätzlich zu den bestehenden Programmen bis Jahresende für 750 Milliarden Euro Staatsanleihen und Unternehmensanleihen in der Eurozone auf. Dazu noch der dezente Hinweis der EZB, dass es bei Käufen der Zentralbank im Rahmen dieses neuen „PEPP-Programms“ einen Verzicht auf die Zulassungsvoraussetzungen für von der griechischen Regierung ausgegebene Anleihen geben wird. Im Klartext: Vor allem Griechenland wird die EZB so richtig anständig unter die Arme greifen, in dem man dort zuschlägt. Bislang galten griechische Papiere als problematisch, weil sie noch kein „höherwertiges“ Rating als „Investment-Grade“ haben. Aber sowas muss nun zurückstehen – es wird nun kräftig gekauft!

EZB bringt die Rendite nach unten

Das Resultat kann man heute besichtigen. Drohende Staatspleiten in Euroland? Eine neue Griechenland-Krise, Italien am Ende? Nein, ganz im Gegenteil. Wenn die EZB jetzt um so mehr kräftig zulangt bei diesen Anleihen, sinkt natürlich das Ausfallrisiko. Und zack, der Risikoaufschlag für diese Papiere sinkt dramatisch. Schauen wir uns zunächst Griechenland an. Die Rendite für zehnjährige griechische Staatsanleihen lag gestern noch bei 3,97 Prozent, heute sind es bei schnellen Bewegungen nur noch um die 2,40 Prozent. Was für ein Rückgang. Man sieht es im folgenden Chart gut, der bis zum 19. Februar zurückreicht. Ab dem 12. März schoss die Rendite hoch. Die Aktienmärkte crashten, alles crashte (vereinfacht gesagt) – und die Angst vor Staatspleiten nahm  zu. Und zack, die EZB als „der große Aufkäufer“ bringt das „Vertrauen“ zurück, die Rendite geht in den Keller. Denn wo soll das Risiko sein, wenn die EZB nach und nach alles aufkauft? (ja, leicht übertrieben formuliert)

Griechenland Rendite fällt dank EZB

Bei spanischen Staatsanleihen mit zehn Jahren Laufzeit ist die Rendite heute um 27 Prozent gesunken. Der Verlauf ist ähnlich wie bei Griechenland, nur nicht ganz so krass ausgeprägt. Lag die Rendite gestern noch im Hoch bei 1,36 Prozent, so sind es jetzt 0,89 Prozent. Und das Sorgenkind Italien? Ähnlicher Verlauf. Die Rendite sinkt heute um 20 Prozent ab. Gestern noch im Hoch bei 2,95 Prozent, so sind es jetzt noch 1,82 Prozent.

Spanien Rendite

weiterlesen

Anmeldestatus

Meist gelesen 30 Tage