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Arbeitslosenquote Juni: Gute Entwicklung „im Rahmen der frisierten Statistik“

Redaktion

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Von Claudio Kummerfeld

Wie die Bundesagentur für Arbeit heute verkündete, lag die Arbeitslosenquote in Deutschland im Juni bei „nur noch“ 6,2 statt 6,3% im Mai – im Juni 2014 lag sie noch bei 6,5%. Auch andere Kennzahlen entwickeln sich positiv. Eine gute Entwicklung „im Rahmen der frisierten Statistik“, wie wir betonen möchten…

Frank Weise zuständig für frisierte Arbeitslosenquote
Frank Weise, Chef der Bundesagentur für Arbeit und somit verantwortlich für die frisierte Arbeitslosenquote.
Foto: Bundesagentur für Arbeit

Was wir gut finden

In der Tat steigt die Anzahl der sozialversicherungspflichten Arbeitsplätze kontinuierlich an. Das ist gut. Und die Arbeitslosigkeit an sich geht auch zurück, das finden wir ebenfalls gut. Wie diese heute veröffentlichte Grafik zeigt, ist dies ein konstanter Trend in die richtige Richtung. Wobei wir hier und jetzt natürlich nicht beurteilen möchten, dass das alles gut bezahlte Vollzeitarbeitsplätze sind. Das ist eine andere Baustelle. Die Arbeitslosenquote liegt aktuell bei 6,2% gegenüber 6,3% im Mai und 6,5% im Juni 2014.

Arbeitslosenquote Juni 2015
Grafik: Bundesagentur für Arbeit

Frisierte Arbeitslosenquote

Was wir schon mehrmals thematisiert hatten, können wir nicht oft genug wiederholen: Es ist skandalös, dass diese positiven Entwicklungen mit frisierten Zahlen auf einem viel zu tiefen Niveau angesetzt werden. Die Arbeitslosigkeit geht zwar zurück, aber sie ist strukturell deutlich höher als von der Bundesagentur für Arbeit dargestellt. Es ist nämlich immer die Frage, welche Personengruppen man in die Schubladen „Arbeitslos“ und „Unterbeschäftigt“ hineinsteckt, und welche man einfach weglässt.

Das erdrückendste Beispiel sind Arbeitslose im Alter von 58-65 Jahren, die einfach nicht in die Arbeitslosenquote eingerechnet werden, weil die Arbeitsagentur der Meinung ist diese Altersgruppe wäre schwer vermittelbar. Da mag sie recht haben, aber dennoch sind diese Personen noch nicht im Rentenalter und haben keine Arbeit, daher sind sie arbeitslos. Die offizielle Definition des Gesetzgebers lautet so:

„Erwerbsfähige Leistungsberechtigte, die nach Vollendung des 58. Lebensjahres mindestens für die Dauer von zwölf Monaten Leistungen der Grundsicherung für Arbeitsuchende bezogen haben, gelten nach § 53a Abs. 2 SGB II dann nicht als arbeitslos, wenn ihnen in diesem Zeitraum keine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung angeboten werden konnte.“

Wenn man so argumentiert, könnte man eigentlich fast alle Arbeitslosen aus der Statistik rausrechnen, weil sie z.B. keinen Schulabschluss haben und daher auch schwer vermittelbar sind uvm.

So heißt es im heute veröffentlichten Arbeitsmarktbericht der Bundesagentur für Arbeit über Arbeitslose in Maßnahmen:

„Schließlich hat jeder Sechste der nicht-arbeitslosen erwerbsfähigen Leistungsberechtigten an einer arbeitsmarktpolitischen Maßnahme teilgenommen (418.000) und galt allein deswegen nicht als arbeitslos.“

Da kann man nur sagen „Sensationell“ diese bestechende Logik! (ja das war Sarkasmus).

Auch aus dem heutigen Bericht:

„Im Juni 2015 haben nach vorläufigen Daten 832.000 Personen an einer vom Bund oder der Bundesagentur für Arbeit geförderten arbeitsmarktpolitischen Maßnahme teilgenommen. Das war 1 Prozent weniger als im Vorjahresmonat. Die Förderung durch Instrumente der aktiven Arbeitsmarktpolitik lag damit bezo-gen auf die Summe der aktivierbaren Personen wiederholt über dem Vorjahreswert (+0,7 Prozentpunkte). Die geförderten Personen verteilen sich fast hälftig auf beide Rechtskreise. 415.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer wurden aus Mitteln der Arbeitslosenversicherung gefördert, 416.000 haben an Maßnahmen teilgenommen, die aus Mitteln der Grundsicherung für Arbeitsuchende finanziert wurden. Mit 180.000 Geförderten und einem Anteil von 22 Prozent an allen Teilnehmenden waren Maßnahmen zur Berufs-wahl und Berufsausbildung die größte Maßnahmengruppe.“

Warum das interessant ist? Wer in einer „Maßnahme“ versteckt wird, gilt offiziell als Person, die dem regulären Arbeitsmarkt nicht zur Verfügung steht, und kann damit auch nicht als offiziell arbeitslos gezählt werden.

Schatten-Arbeitslosenquote

Hierzu sehen Sie bitte auch unseren Artikel vom 2. Juni.

Basierend auf unserem Berechnungsmodell vom 2. Juni rechnen wir heute die aktuellen 6,2% hoch und kommen auf eine reale Arbeitslosigkeit (Schatten-Arbeitslosenquote) von aktuell 9,23%.

Im europäischen Vergleich stehen wir natürlich glänzend da. Nicht verwechseln sollte man die im EU-Vergleich angewandte Berechnung der „Erwerbslosenquote“ gegenüber der Arbeitslosenquote in Deutschland. Bei der Erwerbslosenquote werden noch mehr Arbeitslose rausgerechnet – wenn sie sich z.B. nicht in den letzten Tagen extrem aktiv nachweislich um Arbeit bemüht haben (so kann man immer jede Menge Menschen wegzaubern aus der Statistik). Aber lassen wir uns von dieser EU-Sichtweise nicht täuschen. Am Anfang steht immer die Arbeitslosenquote, die unsere Bundesagentur für Arbeit veröffentlicht. Auf Basis unserer nachvollziehbaren Berechnungsmethode kann man hierauf derzeit pauschal 49% oben drauf rechnen, um auf eine relativ realistische Arbeitslosenquote für Deutschland zu kommen!

Erwerbslosenquote statt Arbeitslosenquote EU

Schade finden wir, dass quasi die gesamte Medienlandschaft über „Copy and paste“ einfach die offizielle Arbeitslosenquote der Bundesagentur für Arbeit übernimmt und veröffentlicht ohne diese zu kommentieren oder zu hinterfragen, obwohl man anhand des umfangreich vorhandenen und öffentlich zugänglichen Datenmaterials mit dem gesunden Menschenverstand errechnen kann, wo wir in Deutschland wirklich im Bereich Arbeitslosigkeit stehen. Schade! Aber natürlich ist es positiv, dass sich die Arbeitslosenzahlen von der Grundtendenz her in die richtige Richtung bewegen!

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Börse: Chancen und Risiken – welche Anlageklassen werden boomen?

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Die Börse hat den Corona-Crash scheinbar überwunden – die Aktienmärkte handeln an Allzeithochs, den Notenbanken sei Dank! Wie aber geht es nun weiter, mittel- bis langfristig?

„Die Börse ist gut drau und geht davon aus, dass alles gut wird“, sagt der ehemalige Hedgefundmanager Florian Homm. Dieses Mantra aber sei gefährlich und risikoreich, so Homm. Angesichts der Bewertungen an der Börse seien die Perspektiven eher mau: selbst wenn die Aktienmärkte im besten Fall 4% pro Jahr weiter steigen würden, bestünde die Gefahr, dass diese Zugewinne durch eine steigende Inflation zunehmend aufgefressen würden.

Homm analysiert in folgendem Video verschiedene Anlageklassen: Edelmetalle, Rohstoffe, Nahrungsmittel, Kryptowährungen, Anleihen und Aktien. Was dürfte in den nächsten Jahren am besten funktionieren? So oder so: „Wir befinden uns in einer spannenden, hochriskanten Dekade“, sagt Florian Homm. Aber angesichts der finanziellen Repression gehe aber eben kein Weg an der Börse vorbei, so Homm. Dabei zeigt er fünf Szenarien auf:

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Aktiensplit bei Tesla – folgen andere bald nach?

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Es ist Thema in vielen Wirtschaftsteilen der Medien – der Aktiensplit von Tesla und die extreme Kursreaktion eines Automobilherstellers, der schon zuvor fast so viel wert war wie alle Autoproduzenten Europas. Passt natürlich auch ins Schema von Elon Musk, der einen gigantischen Optionsvertrag besitzt, der ihm beim Erreichen hoher Werte in punkto Marktkapitalisierung Zuteilungsrechte eröffnet, die es so noch nicht gegeben hat. Zig-Millionen an Aktien in Stufen bis zu einem Unternehmenswert von 650 Milliarden Dollar, wie im Artikel vom 24. Juli dargelegt.

Der Aktiensplit zum Monatsende

Durch den exponentiellen Anstieg der Aktie von Tesla von 400 Dollar zu Jahresanfang bis auf fast 1800 Dollar, Mitte Juli und in sechseinhalb Monaten, war nicht nur ein Fahnenstangen-Chart entstanden, der nach Korrektur schreit, sondern auch ein psychologisches wie auch praktisches Problem entstanden. Für Millionen Kleinanleger, vor allem die vielen Neuen des Jahres 2020, war das Papier einfach zu teuer. Claudio Kummerfeld hat gestern die Wirkung der Fünftelung des Aktienpreises in einem Artikel beschrieben. Und es hat funktioniert. Am Tag nach der Ankündigung, einen Aktiensplit zu machen, erreichte die Aktie im New Yorker Handel 1585 Dollar und schloss bei 1554 Dollar, sagenhafte 13 Prozent im Plus, obwohl sich fundamental deshalb schon rein gar nichts geändert hat. Bei Beurteilung der Börsenreaktion von Tesla muss man aber die besondere Situation bei diesem Highflyer berücksichtigen. Einer der „meistgeshorteten“ großen Titel, bei dem die Leerverkaufsquote schon einmal 25 Prozent des Free Floats ausmachte. Zuletzt waren es immer noch über 10 Prozent oder 14 Millionen und da kann jede positive Meldung einen Pain Trade auslösen, in Form der berüchtigten Short Squeezes.

Nichtsdestotrotz gibt es Anleger, die keine Aktien mögen, weil sie optisch sehr teuer wirken. Als ob eine Deutsche Bank mit 8 Euro attraktiver wäre als eine Allianz mit 180 Euro.

So hatte kürzlich erst die Ankündigung von Apple, einen Aktiensplit von 4 zu 1 zu planen, Furore gemacht.

Ende August gibt es dann viermal so viele Papiere des wertvollsten Unternehmens der Welt. Statt etwa 455 Dollar wie am gestrigen Tag würde das Papier dann nur noch etwas mehr als 110 Dollar kosten. Die angekündigte Aktiensplit hatte selbst bei einem Wert mit einer Marktkapitalisierung von über 1,9 Billionen Dollar große Wirkung und ließ den Kurs nachbörslich um sechs Prozent in die Höhe schnellen. Diese Reaktion macht Anleger neugierig und man hält Ausschau nach Titeln, die optisch teuer sind und wo sich das Management zu so einem Schritt entscheiden könnte. Nach Ansicht von Experten sollten Aktien, die für einen Aktiensplit in Frage kommen, zwei Bedingungen erfüllen: Sie müssten in der letzten Zeit stark nach oben gegangen sein und die Aktien sollten über 400 Dollar kosten.

Welche Werte könnten dem Beispiel folgen?

Angesichts der „Anomalie“ einer folgenden Kurssteigerung infolge von optischen Psychotricks könnte es nicht verkehrt sein, nach Titeln Ausschau zu halten, die extrem gestiegen und extrem hohe Kurswerte aufweisen. Da fällt einem natürlich sofort Amazon ins Auge, die Online-Aktie, die es bereits zum Schnäppchenpreis von 3100 Dollar gibt. Wann wird sich Jeff Bezos zu diesem Schritt entscheiden, schließlich wurde die Aktie in diesem Jahrhundert auch noch nicht gesplittet? Immer wieder unglaublich anzusehen, die Entwicklung dieses Wertes, der im Crash des Jahres 2001 auf unter 10 Dollar gefallen war. Dann gibt es natürlich noch weitere FAANG-Aktien, die die großen Renner des Jahres waren: Alphabet mit über 1500 Dollar, Netflix mit über 450 Dollar, aber auch andere bekannte Titel wie BlackRock (580 Dollar), Adobe (450 Dollar), Nvidia (460 Dollar) oder der sehr teure und auch in Deutschland bekannte Online-Reisekonzern Booking.com mit über 1800 Dollar. An Auswahl mangelt es nicht.

Wie ist es in Deutschland?

Natürlich kennen wir hierzulande auch den Aktiensplit, vor einem Jahr war es der Sportartikelhersteller Puma, der seine Aktien gezehntelt hatte. Vor Kurzem war es die Medizintechnikfirma Eckert und Ziegler. Aber auch die großen Werte aus dem DAX wie BASF, Beiersdorf, Eon, Fresenius, SAP oder Siemens haben ihre Anteilsscheine schon geteilt, aber das ist schon viele Jahre her. Optisch richtig teure Werte gibt es derzeit nicht im Dax, aus dem MDax ragt der Küchenhersteller Rational mit seinem 600 Euro Kurswert hervor. Aber wer weiß, deutsche Unternehmen ahmen nicht selten angelsächsischen Gepfogenheiten nach und schließlich befindet sich unser Leitindex auch in seiner Mehrheit in ausländischen Händen.

Fazit

Tesla hat strategisch nachgemacht, was Apple bereits vor Monatsfrist erfolgreich vorgemacht hat: Die teuerste Firma der Welt hat bereits vier Mal einen Aktiensplit durchgeführt, der fünfte ist für Ende August angekündigt und hat zu den gewohnten (positiven) Kursreaktionen geführt. Ohne die Splits würde die Aktie des Börsengiganten Apple heute bereits 24.000 Dollar kosten. Für viele Kleinanleger unhandelbar. Dass es dennoch anders geht, zeigt die Aktie von Warren Buffett, Berkshire Hathaway.

Diese kostete bei seiner Übernahme der Firma im Jahre 1965 unter 20 Dollar und heute in der Ur-Form als A-Aktie ungesplittet etwa 318.000 Dollar, eine Performance von über 2 Millionen Prozent, allerdings in einem für Normalanleger unvorstellbar langem Zeitraum. Geschadet hat es der Performance der Aktie auf lange Sicht nicht, weil zu guter Letzt die Fundamentaldaten zählen.

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