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Finanz-Methadon: „QE-Engel“ gesichtet über Toyko, Frankfurt und Washington

Von Claudio Kummerfeld

Der QE-Engel, der frisch gedrucktes Geld vom Himmel rieseln lässt, wird aktuell über Tokyo, Frankfurt und Washington gesichtet. Dass es nichts bringt nur mit Bitten, aber ohne Auflagen frisches Geld ins Finanzsystem, also in Banken zu pumpen, ist bei den Notenbankern Land auf Land ab noch nicht angekommen, daher soll es wohl jetzt ein „QE Re-Re-loaded“ geben, so hört man es immer öfter. Aus Gerüchten werden Formulierungen wie „vielleicht“, und schon bald könnte daraus eine Tatsache werden.

EZB-Rat evtl bald noch mehr QE
Der EZB-Rat um Mario Draghi.
Foto: Europäische Zentralbank

Neues QE in Japan zuerst?

Tokyo könnte den Anfang machen. Der japanische Notenbankchef verkündete heute früh er würde nicht zögern seine „Politik anzupassen“. Es ginge darum das Inflationsziel so rasch wie möglich zu erreichen. Erst seit Kurzem deuten die Verbraucherpreise in Japan wieder Richtung Deflation. Diesem Risiko wolle man „mit aller Kraft entgegenwirken“. Das heißt eindeutig: In Kürze dürfte es neues frisch gedrucktes Notenbankgeld für den japanischen Kapitalmarkt regnen. Das dürfte dem kompletten asiatischen Finanzsektor kurzfristig ein wenig Auftrieb geben. In Japan wurde die Dauerverschuldung von Staat + Dauer-Gelddruckerei der Notenbank schon längst zur offiziellen Staatsdoktrin erklärt, in der Börsenwelt bekannt als „Abenomics“, benannt nach Japans Ministerpräsidenten Abe. Wirtschaftspolitik, strukturelle Reformen, Technologieprogramme, so was hat man in Japan schon lange aufgegeben, es wird nur verschuldet und gedruckt, bis zum Weltuntergang.

Eurozone

Nicht ganz so offensiv, aber mit der selben Grundproblematik beschäftigend hörte man verschiedene EZB-Banker in den letzten Wochen. Man werde „alles tun was in der Macht der EZB stehe“, wenn es nötig wird. Auch das ist eine mehr als klare Aussage. Hierbei ging es ebenfalls um die Inflation, die in der Eurozone einfach nicht so anspringen will wie gewünscht. Als Desaster für die EZB-Inflationserwartungen wirkt derzeit der Ölpreis, der einfach nicht steigen will. In diesem Zusammenhang erlangt diese Woche die von der europäischen Statistikbehörde Eurostat monatlich veröffentlichte Eurozonen-Inflation eine bisher nie da gewesene Wichtigkeit. An diesem Mittwoch um 11:00 Uhr verkündet Eurostat die Eurozonen-Inflation für September. Da haben schon jetzt einige Bankhändler einen gelben Zettel neben den Kaufbutton für europäische Aktien geklebt. Mittwoch 11 Uhr! Noch läuft das QE in der Eurozone 12 Monate lang bis September 2016, also lange genug. Denkbar wäre eine monatliche Aufstockung von 60 Milliarden auf eine höhere Summe durch die EZB, und/oder die Ausweitung des QE auf alle Anleihen, die am Markt so zu haben sind, also alle von Unternehmen begebenen Anleihen. Das würde dem Kapitalmarkt gefallen, für ein paar Monate.

USA

Bei der Federal Reserve in Washington wäre es nicht QE 2 wie in Frankfurt, sondern schon das QE 4 nach dem letzten ausgelaufenen Anleihekaufprogramm Ende 2014. Komisch, dass sich gerade Anfang 2015 die Konjunkturindikatoren anfingen zu verfinstern. Wie bei einem Junkie war die Droge weg – er schreit nach mehr Drogen oder Methadon. Es muss weiter gehen! Ob die Fed die Zinsen im Dezember jetzt um 0,1 oder 0,2% erhöht oder nicht – einige Marktteilnehmer hoffen schon auf das QE 4 der Fed. Und wenn nur genug Banken danach schreien, wird die Fed dem Druck irgendwann nachgeben.

Ein bißchen Zinsanhebung verknappt die Kreditzufuhr zum Kapitalmarkt – der aktuelle Nullzins andererseits würde nur den Status Quo bewahren. Beides hilft dem flehenden Kapitalmarkt nicht wirklich weiter. Auch die US-Börsianer brauchen einen neuen, einen richtigen Impuls, in Form von ein paar hundert Milliarden Fed-Dollars, die in den US-Anleihemarkt gepumpt werden. Ganze 8 FOMC-Mitglieder werden diese Woche zu aktuellen Konjunkturlage in den USA sprechen. Die Fed-Chefin Yellen hatte ja bereits kurz nach ihrer Nicht-Zinsanhebung am 17. September verkündet so schlimm stehe es um die Konjunktur gar nicht. Der Arbeitsmarkt entwickle sich robust.

Es ist ein Wunder, dass die Marktteilnehmer den Arbeitslosenzahlen in den USA überhaupt noch Beachtung schenken, da sie derart manipuliert sind, dass sie fern jeder Realität veröffentlicht werden. Statt 5,1 sind mind. 10% oder noch mehr realistisch. Gäbe es in den USA eine Vollbeschäftigung (5% ist es beinahe schon, wirklich!), wie einige Fed-Mitglieder es behaupten, würden gleichzeitig nicht so viele andere Indikatoren in den USA so schlecht aussehen (z.B. die Industrieproduktion). Trübt sich die Wirtschaft in den nächsten Wochen weiter dramatatisch ein, kann Janet Yellen eigentlich nur den Zins auf 0 lassen. Das große Zinssenkungspotenzial hat man nicht mehr, wenn man 5 Jahre lang vergessen hatte sie von 0 aus wieder anzuheben. Da bleibt als neuer Stimulus nur ein QE 4, wieder den Markt mit Notenbank-Geld fluten!



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3 Kommentare

  1. Wann stürmen die Toten (EZB)Bankster die Hitparaden mit ihrem Gassenhauer:10 kleine QE-Programme….!

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