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Aktien

Ist die Schweizer Nationalbank der größte Hedgefonds der Welt?

Redaktion

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Von Claudio Kummerfeld

Bei einigen Aktienhändlern und Fondsmanagern jenseits des Atlantiks wird die Schweizer Nationalbank als „der größte Hedgefonds der Welt“ bezeichnet. Wir haben uns das mal näher angeschaut…

Schweizer Nationalbank
Die Schweizer Nationalbank in Bern
Foto: Dodo von den Bergen/Wikipedia (CC BY-SA 3.0)

Geld drucken für einen schwachen Schweizer Franken

Seit dem 15.01.2015 existiert das Einfrieren des Schweizer Franken gegenüber dem Euro nicht mehr, d.h. die Schweizer Nationalbank (SNB) hält den Franken nicht mehr strikt davon ab aufzuwerten. In den Jahren davor aber hat sie virtuell Franken gedruckt, um damit Euros zu kaufen. So wuchsen ihre Devisenreserven auf derzeit umgerechnet mehr als 500 Milliarden Franken. Aufgeteilt sind diese Devisenreserven nach aktuellster Statistik der SNB auf 177 Milliarden US-Dollar, 213 Milliarden Euro sowie Reste in Yen, Pfund und kanadischem Dollar. Jetzt hat die SNB diese künstlich erschaffene halbe Billion Franken, kann sie aber nicht in Franken zurücktauschen, sonst würde der Franken brutal aufwerten – genau das, was man ja verhindern wollte. Nur was tun mit diesem Berg an Geld?

Mit Aktien zocken

Aber nicht nur am Devisenmarkt ist die SNB ein aktiver Player. Auch am Aktienmarkt mischt man kräftig mit. Die SNB besitzt derzeit Aktien im Wert von ca. 100 Milliarden Schweizer Franken!

Laut bei der US-Börsenaufsicht SEC kürzlich eingereichtem Formular sind davon in Höhe von 37,5 Milliarden Dollar US-Aktien; 3 Monate vorher waren es noch 26 Milliarden Dollar. Neben Werten wie Exxon scheint man bei der Schweizer Nationalbank besonders angetan zu sein von Investments in die Apple-Aktie. Man hat seinen Anteil binnen 3 Monaten um mehr als 50% aufgestockt auf 8,9 Millionen Aktien.

Es gab von vielen Seiten Kritik die SNB würde ihre Devisenreserven zu einseitig halten und sie solle endlich den Aktienanteil erhöhen. Dies tut sie jetzt. Vergleiche gab es mit Staatsfonds anderer Länder, die auch mehr in Aktien investieren. Aber unsere Anmerkung hierzu: ist die SNB ein Staatsfonds, der das Vermögen der Schweiz verwaltet? Nein, ist sie gerade nicht. Sie hat als Notenbank eine Sonderstellung wie jede Notenbank in einem Staatengebilde. Sie ist kein Verwalter von Staatsvermögen, sondern Hüter von Währung und Preisstabilität. Als öffentliche Sonderinstitution steht sie außerhalb der Staatsfinanzen, sonst könnte sie gleich die 500 Milliarden an Devisenreserven rüberbuchen ins Staatsvermögen. Aber dann könnten ja einfach alle Notenbanken weltweit Geld drucken, es rüberbuchen in die Staatshaushalte, und alle Länder wären ihre Schulden los…

Schweizer Nationalbank börsennotiert

Die Schweizer Nationalbank ist, obwohl eine öffentliche Institution, die die Schweizer Währung „druckt“ und für sie und die Preisstabilität zuständig ist, gleichzeitig selbst als Aktiengesellschaft an der Schweizer Börse notiert und zu 40% in Privatbesitz von diversen Einzelaktionären. Die anderen 60% entfallen auf diverse Schweizer Kantone sowie sonstige öffentliche Einrichtungen in der Schweiz. Also nicht nur dass die SNB in Aktien investiert, sie ist selbst auch dem Aktionärswohl verpflichtet. Eigentlich unglaublich als Notenbank eines Landes. Man stelle sich vor die Europäische Zentralbank wäre als Aktie in Frankfurt oder Paris handelbar und jeder Mensch könnte einfach so Anteile erwerben. Man stelle sich vor US-Hedgefonds würden sich einkaufen und Vertreter in den Aufsichtsrate entsenden – mehr als merkwürdig! Es wird eine Aura geschaffen, die der einer öffentlichen unabhängigen Institution nicht mehr gleichkommt. Oder würden Sie das Bauamt oder das Ordnungsamt an die Börse bringen?

Was hat das noch mit „Notenbank“ zu tun?

Handelt es sich bei der Schweizer Nationalbank um eine Art Zweckentfremdung der Idee „Notenbank“? Die grundlegende Frage ist: Ist die SNB überhaupt noch eine Notenbank so wie die EZB oder die Deutsche Bundesbank früher? Oder ist sie vielmehr wirklich zum größten Hedgefonds der Welt geworden? Worin besteht die Aufgabe einer Notenbank? Preisstabilität ist die Kernaufgabe, wie SNB-Chef Thomas Jordan es immer wieder betont hat, also genau wie bei EZB und Bundesbank. Aber was hat das Kaufen von Apple-Aktienpaketen damit noch zu tun? Wird das „Unterbringen“ von hunderten Milliarden von Franken auf den globalen Kapitalmärkten nicht vielmehr zu einer Art Selbstzweck? Hat sich die SNB verselbstständigt und arbeitet für sich selbst, losgelöst von ihrer eigentlichen Existenzberechtigung? Wenn die SNB z.B. einfach ihre Dollar-Reserven in US-Staatsanleihen halten würde, wäre das „normal“ (was ist heute noch normal?). Aber das Geld in Aktien zu stecken – damit macht man die selbst erschaffenen Devisenreserven zu Spekulationskapital, man wird zum Großzocker, zum Player in einer Liga mit Hedgefonds, Aktienfonds und „Gurus“. Was ist die Integrität von Notenbanken noch wert, wenn sie wie die Schweizer Nationalbank hunderte Milliarden virtuell erschaffen und zu „echtem“ Geld werden lassen, in dem sie es in Unternehmen zwecks Gewinnmaximierung“ stecken? Mit der hoheitlichen Aufgabe die Preisstabilität einer Nation zu gewährleisten, hat das nicht mehr viel zu tun. Aber darüber sollten am Ende des Tages wohl besser Philosophen urteilen, denn wie heißt es in der Satzung der Schweizer Nationalbank, ähnlich wie bei allen anderen wichtigen Notenbanken: man ist unabhängig in seinen Entscheidungen!

2 Kommentare

2 Comments

  1. Avatar

    joah

    18. Mai 2015 16:10 at 16:10

    Bauamt und Ordnungsamt an die Börse? Gar nicht mal so abwägig: Firmen, die unter das Handelsrecht fallen (UStID), sind dies ja schon – warum keine AG draus machen? ;-)

  2. Avatar

    Don Martin

    19. Mai 2015 13:19 at 13:19

    Ich verstehe den Sinn dieses Artikels nicht: Er enthüllt keinerlei neue Informationen. Ein Vergleich mit der EZB, FED, BoE, BoJ wäre nützlich, sowohl betreffend Eigentumsverhälnisse als auch betreffend Wertpapierstrategie.

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Aktien

Netflix-Quartalszahlen: Erwartungen verfehlt, Aktie fällt

Claudio Kummerfeld

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Netflix auf TV

Die Netflix-Quartalszahlen wurden soeben veröffentlicht. Hier die wichtigsten Kennzahlen.

Der Umsatz liegt bei 6,44 Milliarden Dollar (Vorjahresquartal 5,24/letztes Quartal 6,15/für heute erwartet 6,4).

Der Gewinn liegt bei 1,74 Dollar pro Aktie (Vorjahresquartal 1,47/letztes Quartal 1,59/für heute erwartet 2,13).

Die Nutzerzahl ist im dritten Quartal um 2,20 Millionen gewachsen. Die Erwartungen lagen bei 2,5 Mio durch Netflix selbst – der Markt erwartete 2,5-3,2 Mio.

Wie man aktuell verkündet, erwartet man 6,0 Millionen neue Nutzer im laufenden 4. Quartal.

Free Cash Flow +1,14 Milliarden Dollar (Vorquartal +899). Operative Marge 20,4 Prozent nach 22,1 Prozent im Vorquartal.

Die Netflix-Aktie reagiert nachbörslich mit -4,7 Prozent.

Kurz-Fazit: Gewinn pro Aktie und die Zahl neuer Abos verfehlen die Erwartungen. Das wird nun nachbörslich abgestraft.

Datenblatt mit aktuellen Quartalszahlen von Netflix

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Aktien

Markus Koch LIVE vor dem Handelsstart in New York – die Stimulus-Hoffnung stirbt zuletzt

Redaktion

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Markus Koch meldet sich im folgenden Video LIVE vor dem Handelsstart in New York. Heute soll angeblich der entscheidende Tag sein. Kommt noch auf den letzten Drücker eine Einigung zwischen Demokraten und Donald Trump über einen neuen Stimulus? Das dürfte kurzfristig die Kurse bewegen.

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Aktien

Kaufverbot für die Nikola-Aktie – Werbung

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Lieber Börsianer,

am Firmensitz der Nikola in Phoenix (Arizona) glühen schon seit Wochen die Telefonleitungen. Das junge Unternehmen kämpft hart um seine Reputation. Man kämpft um die letzten Investoren, die noch nicht gegangen sind. Und vor allem, man kämpft um seine Partner wie General Motors, Bosch oder Iveco. Denn wenn die abspringen, wird die Nikola-Zentrale in Phoenix zugesperrt.

Aber der Reihe nach! Was ist zuletzt passiert bei Nikola?

Der charismatische Firmengründer Trevor Milton wurde aufs Abstellgleis geschoben und seitdem geben trockene Technikertypen den Ton bei Nikola an. So trat der Technik-Chef Jesse Schneider zuletzt vor die Presse und referierte betont sachlich über Patente, Chassis-Zeichnungen und andere Dokumente. Er legte haarklein auseinander, welcher Bestandteil des Nikola-Trucks fremd eingekauft, welcher extern entwickelt wurde.

Die Veranstaltung war langweilig, aber wichtig. Wenn Nikola überleben will, muss es das Vertrauen des Marktes und der Industrie wiederherstellen. Dafür wollen die Investoren jetzt keine Visionen hören, sondern Fakten und Details sehen.

Diese Fakten und Details entscheiden in den kommenden Wochen über den Kursverlauf der Aktie. Denn am 30. November läuft die Sperrfrist (lock-up-period) für die vorbörslichen Investoren der Nikola ab. Wenn diese Investoren bis dahin nicht von der Zukunftsfähigkeit des Geschäftsmodells überzeugt werden können, werden sie an diesem Tag mit großem Volumen aus der Aktie aussteigen und ein erneutes Kursmassaker herbeiführen.

Aber denken wir positiv! Unterstellen wir einmal, Jesse Schneider und CEO Mark Russell können die Investoren überzeugen, dann dürfte auch General Motors an Bord bleiben. Das ist aktuell der wichtigste Nikola-Partner. Mehr noch: Der US-Autobauer entscheidet wahrscheinlich über die Zukunft des Lkw-Bauers Nikola.

Nur zur Erinnerung: General Motors (GM) hat zugesagt, für Nikola die Werkbank zu machen und insgesamt Produktionsleistungen im Wert von 2 Milliarden USD für das Startup zur Verfügung zu stellen. Konkret war oder ist geplant, dass GM den…..

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