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Hintergrund

Dax: Bullenpower sieht anders aus..

Über das radikale Auseinanderdriften der globalen Aktienmärkte..

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am

Der Dax kann seine Erholung fortsetzen – aber es fehlt dieser Erholung schlicht an Dynamik! Die Anstiege verlaufen langsam, die Abverk√§ufe dagegen mit hoher Dynamik, sodass der Index – auf die letzten Handelswochen gesehen – ein Schritt nach vorne macht, um dann zwei Schritte wieder zur√ľck zu machen. Von Entwarnung kann daher noch √ľberhaupt keine Rede sein!

Im Chart wird deutlich, wie vergleichsweise gering die Erholung ausgefallen ist bislang:

(Chart durch anklicken vergrößern)

Das sieht nicht nach Bullen-power aus! Eher ein zaghafter Versuch, das Schlimmste abzuwenden Рund das trotz der daueroptimistischen Wall Street, die gestern wieder einmal zulegen konnte, vor allem die schwergewichtigen Tech-Werte wie Apple (in Vorfreude auf die heutige Präsentation der neuen Apple-Produkte) und Amazon. Aber auch in den USA gilt: es erreichen mehr Aktien 52-Wochen-Tiefs als 52-Wochen-Hochs, der Anstieg ist von den wenigen Tech-Schwergewichten getragen, der breite Markt sieht deutlich negativer aus. Mithin sind die großen Tech-Werte die Schminke, die die Falten kaschieren Рaber man sollte sich nicht von dem Makeup täuschen lassen!

Andernorts ist die Lage völlig anders: der Shanghai Composite ist heute auf den tiefsten Stand seit zweieinhalb Jahren gefallen, die Märke und Währungen der Schwellenländer bleiben unter Druck, auch die europäischen Indizes sind sämtlich charttechnisch angeschlagen. Es ist diese Schizophrenie, die nachdenklich stimmt: leben die Amerikaner auf einem anderen Planeten? Nun, wer Donald Trump als Präsidenten wählt, muß wohl auf einem anderen Planeten leben..

Die Fakten sind: die Fed verknappt die Liquidit√§t, die Schwellenl√§nder daher besonders unter Druck, und der Handelskrieg ist erst in seinem Anfangsstadium. Die Kombination aus diesen Faktoren bringt die ganze Welt uner Druck, nur eben die Amerikaner nicht. Dort hofft man auf NAFTA, glaubt, dass einem der Handelskrieg nichts anhaben k√∂nne, und die Fed werde schon brav bleiben und die Zinsen nicht deutlich anheben. Dort also die optmistischste Interpretation der Dinge, √ľberall sonst auf der Welt sehen die Fakten anders aus! Inzwischen ist die Spanne so gro√ü (etwa zwischen amerikanischen und chinesischen Tech-Werten), dass eine Wieder-Ann√§herung nur eine Frage der Zeit ist – ewig kann man nicht schizophren bleiben..

F√ľr den Dax gilt: erst √ľber dem Widerstand von 12100 Punkten besteht wieder – charttechnisch gesehen – Hoffnung. Besser noch, der Dax √ľberw√§nde den seit Ende Juli bestehenden Abw√§rtstrend bei 12220/12250 Punkten. Auf der Unterseite ist nun das Tief bei 11860 Punkten entscheidend: noch l√§√üt sich dieses gestern erreichte Verlaufstief als Fehlausbruch nach unten interpretieren – aber wenn dann die 11860 auch noch fallen sollte, w√§re das ein klares Zeichen daf√ľr, dass Dynamik auf der Unterseite aufkommen wird..

 


By Josemanuel. ‚Äď Own work, CC BY-SA 2.5, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=1284536

2 Kommentare

2 Comments

  1. Wolfgang M.

    12. September 2018 09:37 at 09:37

    Ich habe den Eindruck, dass die Dax-Investoren derzeit mehr auf die China-B√∂rsen schielen, als auf die US-Indizes. China ist in das Stadium eines B√§renmarktes eingetreten, war aber jahrelang f√ľr die Zuw√§chse im Welthandel verantwortlich. Verkauft Vw in dem Riesenreich nicht 4 Mio. Autos j√§hrlich? Dagegen ist das US-Gesch√§ft nur die zweite oder dritte Ebene. Man achtet anscheinend darauf, ob die Chinesen nochmals die Kurve kriegen. Sind wir im Jahr 2015 nicht auch schon mal 3000 Punkte abgest√ľrzt, weil man einen chinesischen Wachstumseinbruch bef√ľrchtete?

  2. Wolfgang M.

    12. September 2018 17:20 at 17:20

    Ich wei√ü nicht, ob die Charttechniker registriert haben, wie viele Einzelwerte im Dax schon √ľber 20% unter ihren Jahreshochs (also im B√§renmarkt-Territorium) notieren. Bayer, BASF, BMW, Co-Bank, Covestro, Daimler, Dt. Bank, Dt. Post und weitere …..bis Vw, und andere stehen nicht weit entfernt. Von Marktbreite keine Spur. Viele 200-Tageslinien knicken nach Jahren Aufw√§rtstrend nach unten ab. Wenn jetzt keine Shortsqueeze (Entspannung USA – China?) kommt …….?
    Sentimenttechnisch stehen die Zeichen nicht danach, da viele mit dem Septembereinbruch gerechnet und sich abgesichert haben. Wie viele Chartanaysen habe ich in den letzten Wochen/Monaten gesehen, wo 11700/800 oder sogar 11000 als Herbsttief ausgegeben wurden!
    Aber wie gesagt, wenn jetzt keine Wende beim Dax eintritt, werden die Signale nach unten (charttechnisch, fundamental) immer m√§chtiger. China spielt dabei als Wirtschaftsmotor f√ľr die Exportnation Deutschland aus meiner Sicht eine entscheidende Rolle.

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Allgemein

Tribalisierung statt Globalisierung: Eine Generation geht verloren

Die Globalisierung steht am Beginn eines gro√üen R√ľckschlags – und eine ganze Generation ist gezwungen, ihre eigenen Werte zu verraten..

Veröffentlicht

am

Von Markus Fugmann

Ich bin 1969 geboren und entstamme damit einer Generation, die grunds√§tzlich optimistisch veranlagt ist. Als wir erwachsen wurden, fiel die Mauer, ging die Sojwetunion unter und verschwanden damit gef√ľhlt alle Grenzen, die unseren Drang nach (Bewegungs-)Freiheit begrenzt hatten. Als Jugendliche f√ľrchteten wir die Atomkraft, f√ľrchteten, dass uns Atombomben auf den Kopf fallen – wie einst die Gallier, dass ihnen der Himmel auf den Kopf fiele.

All das ist nicht passiert. Und mit dem Ende der Sojwetunion und damit dem Ende des Kalten Krieges stand uns die Welt offen, schien eine Art ewiger Frieden erreicht, gewissermaßen das Ende der Geschichte (Fukujama). Wir reisten, probierten uns und das andere Geschlecht aus, alles war möglich, die Globalisierung kam, wir nutzten als erste Generation den Computer, lernten in der Schule programmieren, nutzten das Internet Рund drängten heraus in die Welt. Diese Welt, so schien es, wächst zusammen Рund wir fanden das gut so, weil es das Spektrum unserer Möglichkeiten vergrößerte.

Nun aber, zu einer Zeit, in der normalerweise diese Generation an die entscheidenden Schaltstellen der Gesellschaft in Politik und Wirtschaft gelangt, haben wir das Gef√ľhl, wir sind irgendwie von gestern. Schon die heute Mitte 30-j√§hrigen sind von uns grunds√§tzlich verschieden: ja, man kann ins Ausland gehen, aber man will dann zur√ľck kommen, heiraten und ein Haus bauen. Das war so ziemlich das Letzte, was noch unserer Generation als Ideal vorschwebte. Diese Sehnsaucht nach Heimeligkeit war uns fremd, sie ist aber wohl die logische Konsequenz f√ľr eine Generation, die das Internet mit der Muttermilch aufgesogen hat und die nun ein Bed√ľrfnis nach kuscheliger W√§rme hat – und der es reicht, sich auf Google Maps jene Orte anzuschauen, zu denen wir noch gereist sind.

Es gibt bei dieser j√ľngeren Generation eine Tendenz zur Abschottung – ebenso wie in den gro√üen Str√∂mungen des Zeitgeists, der sich derzeit Bahn bricht. Dass derzeit rechskonservative Str√∂mungen aufkommen, ist kein Zufall. Das Rad der Geschichte dreht sich gewisserma√üen zur√ľck, es gibt einen klaren Gegentrend zur Globalisierung, den ich als „Tribalisierung“ (R√ľckbesinnung auf den eigenen „Stamm“) bezeichne: ob Trump in den USA, die AfD in Deutschland, die FP√Ė in √Ėsterreich, Le Pen in Frankreich etc. – das Motto lautet: wir schotten uns ab!

Rechtskonservative Bewegungen hat es auch fr√ľher gegeben seit dem Ende des Kalten Krieges – aber sie waren irgendwie aus der Zeit gefallen und hatten daher keine Chance. Diesmal ist das anders. Denn eines ist klar: die massenhafte Immigration nach Europa ist kein Thema, das vorbei gehen wird. Im Gegenteil: es wird immer dringender!

Was wir mit syrischen B√ľrgerkriegsfl√ľchtlingen erlebt haben, ist nur der Auftakt, sie sind nur die Vorhut f√ľr weit gr√∂√üere Str√∂me nach Europa. Fl√ľchtlingsstr√∂me aus Syrien oder dem Nahen Osten werden irgendwann abebben – der Nahe Osten ist nicht unser gr√∂√ütes Problem. Dagegen werden sich bald Fl√ľchtlingsstr√∂me aus Afrika massiv intensivieren, schon aus demografischen Gr√ľnden: Afrikas Bev√∂lkerung wird sich bis 2050, also in nur 35 Jahren, von einer Milliarde auf dann zwei Milliarde verdoppeln – nicht weil Afrikanerinnnen mehr Kinder bek√§men als fr√ľher – im Gegenteil. Nur die Zahl afrikanischer Frauen im geb√§hrf√§higen Alter wird aufgrund der demografischen Struktur in den afrikanischen L√§ndern bald stark nach oben schie√üen.

Und weil es faktisch keine Perspektive daf√ľr gibt, diese stetig steigende Bev√∂lkerung ausreichend zu versorgen bzw. Jobs zu schaffen, wird ein nicht geringer Teil dieser Menschen nach Europa dr√§ngen als einzig logisches underreichbares Ziel. Es geht hier um viele Millionen Menschen, vor allem junge M√§nner, die in ihren Heimatl√§ndern faktisch keine Chance haben, Jobs zu bekommen und Familien zu gr√ľnden. Und wir werden uns nicht anders zu helfen wissen, als eine Festung Europa zu errichten, weil diese Einwanderungsstr√∂me selbst beim besten politischen Willen nicht zu handhaben sind.

Und vermutlich wird es exakt meine Generation sein, deren Vertreter dann an der Macht sind, die diesen Festungsbau anordnen und ausf√ľhren wird. Weil es nicht anders geht, ob man will oder nicht. Und genau deswegen haben die rechskonservativen Str√∂mungen, die genau das jetzt schon fordern, Zukunft. Sie thematisieren das, was auf uns zukommen wird, wollen Homogenit√§t, Sicherheit, etablierte, vor-globalisierte Strukturen zur√ľck – also all das, was meine weltoffene Generation √ľberwiegend eigentlich nicht will. Und trotzdem wird es meine Generation sein, die faktisch die Voraussetzungen daf√ľr schaffen wird.

Darin besteht eine gewisse Tragik: man ist gezwungen, die eigenen Werte zu verraten. Und insofern geht eine Generation verloren, die mit ihrer Humanit√§t und ihrer Offenheit aus der Zeit zu fallen beginnt. Die Zeiten, in denen die Welt noch offen stand, sind jedoch offenkundig vorbei, die Globalisierung weicht der Tribalisierung. Vielleicht w√§chst dann wenigstens das Verst√§ndnis daf√ľr, dass wir in Europa alle in einem, demselben Boot sitzen – und es gar keine Alternative zu einer wie auch immer definierten europ√§ischen Gemeinschaft gibt..

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Europa

Tsch√ľ√ü deutsche Immobilienblase! Wohnimmobilienkreditrichtlinie: weniger Kredite, fallende Preise!

Veröffentlicht

am

Von Markus Fugmann

Die Preise f√ľr Wohnimmobilien in deutschen Gro√üst√§dten steigen und steigen – in den letzten f√ľnf Jahren alleine um 45%! Aber damit k√∂nnte, damit wird wohl eher bald Schlu√ü sein. Der Grund: die Wohnimmobilienkreditrichtlinie (WKR), die am 4. Februar 2014 von der EU beschlossen wurde und binnen zwei Jahren, sprich jetzt, in die nationale Gesetzgebungen umzusetzen ist (f√ľr Deutschland siehe die Texte hier). In dieser Woche werden erste Banken in Deutschland beginnen, diese Richtlinie umzusetzen – mit vermutlich dramatischen Konsequenzen f√ľr den deutschen Immobilienmarkt.

Dabei wird die Umsetzung dieser Richtlinie von den Banken nicht an die gro√üe Glocke geh√§ngt – mit gutem Grund. Denn diese Richtlinie wird dazu f√ľhren, dass deutsche Banken deutlich weniger Kredite f√ľr Wohnimmobilien vergeben werden als zuvor. Denn mit dieser Richtlinie sind die Banken in der Haftung, wenn sie √ľber die Risiken des Immobilienerwerbs nicht ausreichend aufgekl√§rt haaben. Und: mit dieser Richtlinie gilt, die R√ľckzahlung des Kredits durch den Kreditnehmer muss √ľber die gesamte Laufzeit wahrscheinlich sein – in einigen L√§ndern wie UK oder Schweden zahlen die Kreditnehmer meist nur die Zinsen, tilgen aber nicht die Schulden an sich, da man von immer weiter steigenden Immobilienpreisen ausgeht.

In Deutschland ist das anders, aber dennoch sind viele Kredite auf „Kante gen√§ht“, also sehr knapp kalkuliert. Kommt etwas dazwischen (Krankheit, Scheidung, Berufsunf√§higkeit) schaut es schlecht aus – bislang haben Banken diese Risiken in Kauf genommen, nun wird der Fokus ver√§ndert: der Kunde mu√ü unterschreiben, dass er sich solcher Risiken bewu√üt ist. Da Banken ab jetzt in der Haftung sind, k√∂nnte etwa ein Kunde, der n√§chsten Monat einen Immobilienkredit mit einer Bank abschlie√üt, gegen die Bank klagen, wenn etwa klar wird, dass der Kunde gar keine ausreichende Rente erzielen wird um dann den Kredit bedienen zu k√∂nnen.

Also werden die Banken vorsichtiger und darauf dr√§ngen, dass der Kunde etwa eine Berufsunf√§higkeitsversicherung abschlie√üt, deren Aussch√ľttung so hoch ist, dass er selbst im Falle einer Berufsunf√§higkeit die Kredite bedienen kann. Aber das wird teuer f√ľr die Kunden, das Geld, das so in die Berufsunf√§higkeitsversicherung flie√üt, fehlt wiederum als disponibles Cash f√ľr einen Kredit. Gleichzeitig deutet sich an, dass die Banken bei der Berechnung dessen, wieviel etwa eine 4-k√∂pfige Familie monatlich zum Leben braucht, die S√§tze steil nach oben gehen werden: bislang liegt dieser Wert ca. bei 600 Euro pro Erwachsenem, inklusive zwei Kindern wird dann meist ein Wert von 1500 Euro veranschlagt.

Nach unseren Informationen aus Bankenkreisen wird dieser Wert deutlich nach oben gehen auf ca. 1800 Euro – damit haben die Kreditnehmer deutlich weniger „Luft“ f√ľr den Kredit. Und gleichzeitig werden die Banken auf eine erh√∂hte Tilgungsrate dr√§ngen – eben weil es wahrscheinlich sein mu√ü, dass der Kredit zu Lebzeiten auch voll zur√ľck gezahlt werden kann. Das bedeutet im Klartext: die monatlichen Tilgungsraten werden deutlich steigen. Sch√§tzungen gehen von einem Anstieg von 50% aus – das w√ľrde bedeuten, dass wer bislang 1400 Euro pro Monat zahlte, nun ca. 2100 Euro monatlich berappen mu√ü zur Tilgung des Kredits. Und das ist ein KO-Kriterium f√ľr viele Kreditwillige!

Nach Angaben von informierten Bankenkreisen geht man innerhalb der deutschen Banken davon aus, dass sich die Zahl der vergebenen Immobilien-Kredite so um 50% reduzieren d√ľrfte, also faktisch nur noch jeder Zweite einen Kredit bekommen wird, der zuvor kreditw√ľrdig war! Was das f√ľr die Preisentwicklung von Immobilien bedeuten wird, kann man sich ausrechnen!

Aber das eigentliche Problem wird dann noch auf viele Kreditnehmer zukommen, die in ihren Vertr√§gen mit der Bank keine „Prolongierung“ vereinbart haben – das gilt vor allem f√ľr viele Privatbanken wie etwa die ING Diba, Sparkassen dagagen haben meist eine Kreditanschlu√ügarantie gew√§hrt, was das Problem wesentlich entsch√§rft, da die Vertr√§ge dann nach alter Rechtslage behandelt werden.

Ohne Prolongierung bedeutet: der Kreditvertrag wurde etwa f√ľr 10 Jahre ausgehandelt und mu√ü dann neu verl√§ngert werden. Bei dieser Verl√§ngerung mu√ü der Kunde dann gem√§√ü der neuen Richtlinie nicht nur seine Kostenstruktur l√ľckenlos nachweisen (was bei Privatbanken meist bislang nicht erforderlich war). Die Wohnimmoblienkreditrichtlinie wird auch daf√ľr sorgen, dass sowohl die Tilgungsrate nach oben geht als auch die Anforderungen an die Kreditw√ľrdigkeit deutlich steigen werden, eben damit die R√ľckzahlung des Kredits „wahrscheinlich“ ist. Wessen Kredit bislang „knapp auf Kante gen√§ht“ war, d√ľrfte also kaum mehr einen Anschlu√ükredit bekommen, wenn sich seine Einkommenssituation in der Zwischenzeit nicht deutlich verbessert haben wird. Und das bedeutet: viele werden dann mit leeren H√§nden dastehen, ihre Immoblie wird zwangsversteigert, da die Anschlu√üfinanzierung nicht gelingt. Mit der Zunahme von Zwangsversteigerungen wiederum werden die Preise f√ľr Wohnimmobilien vor allem in Gro√üst√§dten unter Druck geraten.

Daher: es ist Zeit, der Immobilienblase in deutschen Grost√§dten „tsch√ľ√ü“ zu sagen. Die Flucht in Betongold ist meist mit dem Eingehen von Klumpenrisiken verbunden, die den Sicherheitssuchenden nicht einmal bewu√üt sind. Jede Wette, dass viele Kreditnehmer, die keine Prolongierung in ihren Vertr√§gen vereinbart haben, sich der neuen Gesetzeslage und der damit verbundenen √Ąnderung der Praxis bei der Kreditvergabe nicht einmal bewu√üt sind. Da wird es f√ľr Tausende ein b√∂ses Erwachen geben..

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Aktien

Exklusiv-Interview mit Florian Homm: „Unser Finanzsystem – Tod auf Raten oder Implosion“

Veröffentlicht

am

Von Markus Fugmann

Florian Homm war eine Gr√∂√üe in der Hochfinanz: extrem erfolgreich vor allem durch Short-Spekulationen, spielte er in der Champions League der Finanzm√§rkte. Dann der Absturz – die Vorw√ľrfe gegen ihn d√ľrften bekannt sein und m√ľssen hier nicht noch einmal thematisiert werden. Nach dem Motto „Ist der Ruf erst runiert, lebt es sich g√§nzlich ungeniert“ hat Homm ein Buch geschrieben mit dem Titel „“Endspiel. Wie Sie die Kernschmelze des Finanzsystems sicher √ľberstehen“. Es z√§hlt zum Besten, was ich bisher gelesen habe. Kurz, knackig, Meinungs-freudig, allgemein-verst√§ndlich ohne zu banalisieren. F√ľr Homm ist eines klar: unser Finanzsystem wird implodieren – oder einen langsamen Tod sterben.

Florian Homm 1
(F√ľr das Foto danken wir Michael Uhlemann)
Im Gegensatz zu anderen „Crash-Autoren“ bietet Homm auch L√∂sungen an – originelle L√∂sungen. Was die Aussagen Homms so wertvoll macht, ist, dass ein absoluter Insider, der im Zentrum des „Geldadels“ war, nun als Au√üenseiter schreibt, der nichts mehr zu verlieren hat. Wenn Wahrheit entstehen kann, dann aus einer solchen Konstellation!

 

1. Finanzmarktwelt.de: Herr Homm, in Ihrem Buch „Endspiel. Wie Sie die Kernschmelze des Finanzsystems sicher √ľberstehen“ antizipieren Sie den baldigen Crash eben dieses Finanzsystems. Nun haben die Finanzm√§rkte seit Jahresbeginn eine crashartige Bruchlandung erlebt. Ist das bereits der Beginn des“Endspiels“? Warum wird es zwangsl√§ufig zu diesem Endspiel kommen m√ľssen?

Florian Homm: Es gibt nur zwei m√∂gliche Szenarien. Ein relativ abrupter Crash oder die Japanische Konstellation. Das Letztere bedeutet null Wachstum, null Zinsen verbunden mit einem konstanten Anstieg der Staatsverschuldung und einer schwachen W√§hrung: also ein langsamer Tod auf Raten. Ich tendiere momentan eher zum Implosions Szenario, da die Gefahrenherde an Frequenz, Dimension und Vehemenz deutlich erkennbar zunehmen. Damit meine ich, unter anderem, Problem-Banken, Emerging Market Debt, Insolvenz- und Bankrottrisiken und so weiter. Es gibt keine Alternative zu diesen beiden Szenarien. In der gesamten Weltwirtschaftsgeschichte – bei derartig hohen Schulden verbunden mit wertlosem ‚ÄěPapiergeld‚Äú –¬† gab es noch nie eine andere L√∂sung als massive Repression, Geldentwertung und sehr oft radikale W√§hrungsreform.¬†

2. Finanzmarktwelt.de: Sie sprechen in Ihrem Buch vom Irrtum der Notenbanker, die durch Gelddrucken die Deflation nicht aufhalten k√∂nnen, weil sie das zur√ľckhaltende Konsumverhalten der alternden Babyboomer nicht einkalkulieren. Noch wesentlicher aber scheint uns der deflation√§re Druck der globalisierten Internet√∂konomie, durch die zahlreiche Branchen dem Untergang geweiht sind und globaler Abw√§rtsdruck auf L√∂hne entsteht. Sind die Notenbanker schlicht ideologisch zu verbohrt, um sich einzugestehen, dass Negativzinsen oder QE die Probleme gar nicht beheben k√∂nnen?

Florian Homm: Ich m√∂chte jetzt nicht die diversen Kausalit√§ten der Deflation gewichten, aber Ihr Argument, dass das Internet ein Inflationskiller ist, hat selbstverst√§ndlich Hand und Fuss. Die ‚ÄěNotenbankster‚Äú leiden unter diversen St√∂rungen:

Einerseits sehen sie sich als allm√§chtige Weltretter. Nur durch ihr Einschreiten konnte das System 2008 / 2009 vor dem Kollaps gerettet werden. Das ist grober Unfug. Gelegentlich muss ein faules und infiziertes System bereinigt werden. Diese systemischen Fehler nicht zu beheben oder zu behandeln, vergr√∂√üert nur das zuk√ľnftige Debakel. St√∂rung Nummer 1: Gr√∂√üenwahnsinn und Selbst√ľbersch√§tzung.

Andererseits sind die meisten Notenbanker ehemalige Banker und dienen prim√§r Ihren ehemaligen Kollegen und Arbeitgebern. ‚ÄěMan weiss ja nie‚Äú, denken die sich. Es kommt sehr h√§ufig vor, dass ehemalige Notenbanker wieder im Investment Banking Fuss fassen wollen. Die FED, die amerikanische Notenbank, ist im Privatbesitz diverser Banken. Die EZB und FED werden von ex Goldman Leuten gef√ľhrt. Diese Damen und Herren orientieren sich doch nicht an den Bed√ľrfnissen der breiten Masse. St√∂rung Nummer 2: Nepotismus und erhebliche Interessenkonflikte.

Die Zukunft der Menschheit wird aktuell auf Basis von theoretischen √∂konomischem Modellen a la John Maynard Keynes durch analytisch, emotional und wissenschaftlich¬† √ľberforderte Theoretiker determiniert. Zudem werden Massnahmen ergriffen, die seit √ľber 2 Jahrzehnten in Japan nichts gebracht haben und zur eklatanten, destruktiven √úberschuldung gef√ľhrt haben. 2 Jahre NIRP (negative interest rate policy) in Europa, und 8 Jahre ZIRP (zero interest rate policy) in den USA zeigen deutlich, dass diese Massnahmen gescheitert sind. Wer das nicht glaubt, sollte sich mal etwas genauer die lockere Geldpolitik der Bank of Japan seit dem grossen Nikkei Crash vor mehr als 20 Jahren anschauen. St√∂rung Nummer 3:

Stupides, blindes, rechthaberisches Festhalten an rein theoretischen, eindeutig gescheiterten Konzepten. Das kann man auch Verbohrtheit nennen.

3. Finanzmarktwelt.de: Sie schreiben, dass der „Geldadel“ der faktische Machthaber sei, Politiker nur die Marionetten. Sie waren einst sehr reich und Teil dieses Geldadels – k√∂nnen Sie diese These illustrieren, etwa durch pers√∂nliche Erfahrungen, die Sie gemacht haben?

Florian Homm: Diese Netzwerke laufen auf nationaler, regionaler und globaler Basis. Bekannte globale Gremien f√ľr die Politik und den Geldadel sind die Bilderberg Stiftung und zum Teil auch das World Economic Forum. Man muss auch unterscheiden zwischen dem hochsituierten Management und den sehr gro√üen Aktion√§rsgruppierungen und globalen Unternehmern. Die Letzteren haben viel mehr Macht. Einige Financiers, Hedge Fund Manager geh√∂ren auch zum Geldadel.¬†

Schauen Sie sich einfach die Namen der 2000 reichsten Weltb√ľrger an oder die wesentlichen Eigent√ľmer der 2000 gr√∂√üten b√∂rsennotierten Unternehmen. Diese ‚ÄěPlayer‚Äú kommunizieren exzellent untereinander, um das Spielfeld so vorteilhaft zu gestalten wie m√∂glich. Dazu geh√∂ren massive Lobby-Ausgaben. Es gibt eine bemerkenswerte Analyse, die zeigt, dass die 30 amerikanischen Unternehmen, die am meisten in den Lobbyismus investieren, in der Summe √ľberhaupt keine Steuern zahlen. In den USA sind die Republikaner und Demokraten von verschieden Unternehmensgruppierungen mehr oder weniger legal gekauft. Die Wahlen sind somit reine Illusionen der Demokratie. Der W√§hler kann nur entscheiden welche Lobby- Gruppe er w√§hlt. Bei uns ist das leider auch zunehmend so.¬†

In diesem Umfeld bewegte ich mich als relativ kleiner, aufstrebender Hai, eher projektspezifisch als Investment Banker, Wagniskapital Financier oder Hedge Fonds Manager. Zugang zu sehr wichtigen Playern hatte ich schon, auch privat. Einige der Spielwiesen um diese Kontakte zu hegen und pflegen sind Porto Cervo, St. Tropez, Sankt Moritz, den Hamptons, London, New York, Moskau, St. Bartholomew und so weiter. √úber die Namen meiner aktuellen und ehemaligen Kunden rede ich seit drei Jahrzehnten nicht. Politisch habe ich die Pr√§sidentschaftswahl der Staatspr√§sidentin von Liberia und Nobelpreistr√§gerin Ellen Sirleaf Johnson unterst√ľtzt. In Deutschland habe ich einen Beitrag zur Sanierung der sehr maroden Finanzlage der FDP geleistet.¬†

4. Finanzmarktwelt.de: Wir erleben derzeit einen regelrechten Kontrollverlust der Notenbanken und anderer zentraler Akteure des Finanzsystems: so f√ľhrte etwa die Bank of Japan Negativzinsen ein, und dennoch erlebt der Yen eine Art „Aufw√§rts-Crash“. Big Player wie Goldman Sachs machen riesige Trading Verluste, weil ihre Trades auf dem Glauben an die Allwirksamkeit der Notenbanken aufgebaut waren. Sie haben immer noch Kontakt zu Mitgliedern des Geldadels – herrscht in diesen Kreisen bereits Panik?

Florian Homm: Nicht alle Mitglieder des Geldadels sind bornierte, seelenlose, raffgierige Vollidioten. Mittlerweile verstehen recht viele Player, dass dieser endlose Raubzug des Kapitals wenig Gl√ľck und Erf√ľllung bringt. Viele lateral denkende und smarte Mega-Reiche sehen das Debakel und die Geldschmelze als Chance, und sind mit ihren Milliardenverm√∂gen zunehmend marktneutral oder tendenziell short positioniert. Leverage wurde reduziert und¬† minderwertige Assets abgestossen. Panik gibt es nat√ľrlich auch, prinzipiell bei den Akteuren, die an die Notenbank-Allmacht geglaubt haben oder an Ihre Investment-Banker.

5. Finanzmarktwelt.de: Sie schreiben: „Das Pulver ist bereits verschossen. Das System mu√ü sich endlich auskotzen und dann von Grund auf wieder rekonstruieren(..). Griechische Zut√§nde sind dann, selbst bei uns in Deutschland, unvermeidbar“. Dagegen glaubt die √ľberw√§ltigende Mehrheit der Deutschen noch, sie lebten auf einer Insel der Gl√ľckseligen und f√ľhlen sich nur durch ein paar Fl√ľchtlinge gest√∂rt. Wie wird in Deutschland die Bev√∂lkerung reagieren, wenn sie dann schlie√ülich ahnt, was auf siezukommen wird? Teilen, Verzicht, Demut – all das scheint f√ľr 99% unserer Gesellschaft doch noch sehr weit weg zu sein..

Florian Homm: Schauen wir uns doch mal unsere Exporte an. √úber die H√§lfte geht nach China, in Entwicklungsl√§nder und Problemstaaten in der EU. Die Wirtschaft in den USA wird seit fast 8 Jahren mit der gr√∂√üten Marktmanipulation der Weltgeschichte k√ľnstlich aufgep√§ppelt. Das funktioniert nicht ewig, wie bereits deutlich zu erkennen ist.

Bei einer wirtschaftlichen globalen Capex (Capital Expenditure) Rezession oder Depression, wer soll denn dann noch Engineering made in Germany kaufen? 

Deutschland profitiert derzeit von niedrigen Zinsen, niedrigen √Ėl/Rohstoff (Input) Preisen und einem recht schwachen Euro. Besser kann es nicht laufen. Noch l√§uft die Binnenkonjunktur noch gut, aber viele Mikrozahlen indizieren bereits eine dramatische Verlangsamung im Export. Glauben Sie der Baltic Freight Index oder der Bloomberg Commodity Index l√ľgt? Es riecht f√∂rmlich nach einer globalen Rezession. Seit dem Sommer 2016 empfehlen wir unseren Kunden: Sell on the good news, go away and do not come back for a very, very long time. Uns steht ein Paradigmen-Wechsel bevor, und die Epoche des ungedeckten Papier Geldes geht nach 44 Jahren seinem Ende zu. Und vor diesen bedrohlichen Megatrends soll Deutschland isoliert sein? Please!!

 

6. Finanzmarktwelt.de: Sie sagen, Sie seien nun viel gl√ľcklicher als zu den Zeiten, als Sie reich, aber als workaholic extrem gestre√üt waren. Damals, so sagen Sie, dienten Sie nur dem Mammon, nun dem Menschen. Hatten Sie eine Art „Saulus zum Paulus-Erlebnis“? Brauchte es eine Art „pers√∂nlichen Crash“, wie Sie ihn erlebt haben, um zu dieser Einsicht zu gelangen?

Florian Homm: Meine Bekehrung war graduell, aber es gab auch einige Schl√ľsselergebnisse. Irgendwann habe ich Jesus und Maria gebeten mich zu Ihnen zu nehmen oder mir die M√∂glichkeit zu geben Ihnen zu dienen. Meine Gebete wurden erh√∂rt. Ich war der erste Auslieferungsh√§ftling, der seit 3 Jahrzehnten nicht von Italien in die USA ausgeliefert wurde. Ich empfehle Ihnen 225 Jahre Knast oder das Testimonial auf meiner pers√∂nlichen Webseite (www.florianhomm.org) zu lesen.¬†

7. Finanzmarktwelt.de: Eine Fernsehdokumentation √ľber Sie hatte den Titel „Der Kapitalist Gottes“, unter Anspielung auf Ihre Hinwendung zum Christentum. In Ihrem Buch aber schreiben Sie, dass Sie „Die Linke“ w√§hlen werden. Warum? Schlie√ülich d√ľrfte das f√ľr die mittelst√§ndischen Unternehmer, die Sie als Garanten des Wohlstands in Deutschland beschreiben, das Leben deutlich erschweren..

Florian Homm: Die Frage macht Sinn, denn die nahezu totale Erbschaftssteuer, die die Linke propagiert, f√∂rdert die amorphen, globalen, √ľberm√§chtigen, steueroptimierten Konglomerate. Auch beim Thema Wagniskapital ist die Linke d√ľnn besetzt. Aber was Banken-Regulierung, W√§hrungspolitik, TTIP, die gesunde Streuung von Verm√∂genswerten und Wirtschaftsprognosen betrifft, sind Gysi und Wagenknecht weitaus kompetenter als CDU, CSU und SPD B√ľrokraten. Nur die Linke weist zur Zeit effektiv auf gravierende fundamentale Fehler in unserer Finanz und Wirtschaftspolitik hin. Eine st√§rkere Linke ist dringend notwendig, damit die B√ľrger ein fundiertes, analytisches Pendant zur Propaganda der Regierenden und des Geldadels haben.¬†

Endspiel

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