Folgen Sie uns

Allgemein

Wie die globale Wirtschaftskrise „weg-regiert“ und „weg-gedruckt“ wird

Claudio Kummerfeld

Veröffentlicht

am

Wirtschaftskrise bekämpfen mit Geld drucken und staatlichen Aktionen

Wirtschaftskrise? War da was? Unausgesprochen gilt seit der Finanzkrise 2008 die weltweite Grundhaltung bei den Regierungen: Es darf keine neue Krise geben. Man will kein Abdriften der Wähler hin zu extrem Parteien. Da muss alles glücklich und rosa rot weiterlaufen wie bisher. So eine Krise wie 2008 durfte sich niemals wiederholen. Deswegen hat die EZB nach der Finanzkrise auch die Zinsen auf Null gesenkt, und nie wieder angehoben. Natürlich, so darf man es annehmen, gab es dafür keine geheime Absprache in einem Hinterzimmer mit Frau Merkel oder Herrn Macron.

Das bedurfte es auch gar nicht. Die Notenbanker um Herrn Draghi wussten auch so, was zu tun war. So hatte Mario Draghi als EZB-Chef immer wieder die Regierungen ermahnt, sie müssten ihren Job machen und ihre Volkswirtschaften reformieren. Die EZB können ihnen nur Zeit erkaufen. Tja, getan hat sich strukturell nichts. Die Volkswirtschaften in Europa schwammen jahrelang auf einer Liquiditätswelle aus quasi Gratis-Geld, für das keine Zinskosten erwirtschaftet werden musste. Eine Wirtschaftskrise sollte es nie wieder geben.

Trotz schlimmer Wirtschaftskrise weniger Insolvenzen

Und auch jetzt in der Coronakrise, wo die Wirtschaftskrise in Form eines dramatischen Einbruchs im Bruttoinlandsprodukt (minus 12 Prozent in der Eurozone im 2. Quartal) nicht zu leugnen ist, da soll die Krise unter allen Umständen weg-regiert und weg-gedruckt werden. Und das natürlich nicht nur in Europa. Ganz aktuell zeigen Meldungen aus Japan, dass im Juli die Insolvenzen im Vergleich zum Vorjahr rückläufig sind. Die Zahl lag bei 789 Fällen, das sind 1,6 Prozent weniger als im Vorjahr. Während der Coronakrise gab es bei den Firmenpleiten in Japan noch keinen Anstieg. Man geht davon aus, dass dies an den umfangreichen Rettungsmaßnahmen der Regierung in Tokyo liegt. In Japan ist es seit geraumer Zeit Staatsraison alle Probleme mit der Druckerpresse zu lösen. Aber gelöst werden Probleme damit nicht, sondern nur in die Zukunft verschoben.

Zurück nach Europa. Natürlich wird auch in Euroland gerettet, was das Zeug hält. Die KfW vergibt zum Überstehen der aktuellen Wirtschaftskrise Kredite mit 100 Prozent Staatshaftung, welche die Geschäftsbanken problemlos durchreichen können (eine gute Sache für Unternehmen, die eigentlich gesund sind). Doch wie viele eigentlich kaputte Unternehmen werden damit weiterhin durchgefüttert, die schon vor Corona kaputt waren, und nur dank Nullzinsen überlebten? Jetzt geht die Party weiter. Und oben drauf kommt noch, dass in Deutschland seit März die Pflicht zur Insolvenzanmeldung bis Ende September ausgesetzt ist. Deswegen ist es nur logisch, dass wie in Japan auch in Deutschland die Zahl der Insolvenzen spürbar rückläufig ist. So kann man die Krise auch bekämpfen – in dem man sie durch Verordnungen einfach in die Zukunft verschiebt. Und ganz aktuell diese Woche wird bekannt, dass die zuständige Justizministerin (SPD) diese Aussetzung der Insolvenzpflicht bis Ende März 2021 verlängern will.

Bankenaufsicht gibt Banken die Chance die Bücher „sauber zu halten“

Über den Fall Italien berichteten wir bereits gestern. Dort schrumpft der Berg notleidender Kredite um satte 3 Milliarden Euro, von 71 auf 68 Milliarden Euro. Und das in nur einem Monat, mitten in der Krise. Eine höchst wundersame Gesundung der italienischen Volkswirtschaft mitten in der schlimmsten Wirtschaftskrise seit Jahrzehnten? Selbst wenn italienische Banken jüngst große Pakete an Schrottkrediten gegen Abschlag verkauft haben sollten, so müsste bei so einer drastischen Wirtschaftskrise der Berg an Schrottkrediten stark ansteigen. Banken in Italien nutzen wohl die selbe „geniale“ Sonderregel der europäischen Bankenaufseher wie wohl auch die deutschen Banken. Seit März müssen sie wegen Corona gestundete Kredite nämlich nicht als Kreditausfall in ihren Büchern abschreiben.

So kann man mitten in der Wirtschaftskrise wunderschöne Zahlen präsentieren! Das geht aber natürlich nur so lange, wie diese Ausnahmeregel in Kraft ist. Noch gilt sie bis Ende September. Man darf vermuten, dass diese Frist bis Jahresende oder noch darüber hinaus verlängert wird? Denn die Wirtschaftskrise, die muss ja irgendwie weg-regiert und weg-gedruckt werden. Ach ja… die immer weiter fallenden Zinsen hatten wir bereits erwähnt. Auch die USA haben sich letztlich dem globalen Sog angeschlossen und ihre Zinsen kräftig gesenkt. Zusammen mit den Billionen-Hilfsprogrammen flutet man alles und jeden mit Gratis-Geld. Kapitalkosten müssen nicht mehr verdient werden.

Schrottanleihen in USA mit immer geringerer Ausfallwahrscheinlichkeit?

Die Folge dieser Politik in den USA, in Kombination mit Billionen-Rettungen und Flutung am Interbankenmarkt: Selbst die Emissionen von Schrottanleihen, also Anleihen mit besonders hohem Ausfallrisiko, zeigen zuletzt dramatisch fallende Renditen. Mehr als 40 Prozent der jüngst verkauften Schrottanleihen hatten eine Rendite von weniger als 4 Prozent. Der Chart zeigt die Durschnittsrendite mit einem Hoch von über 11 Prozent zum Start der Coronakrise. Und jetzt ist man bei unter 5 Prozent angekommen. Der Markt sieht also eine immer weiter fallende Ausfallwahrscheinlichkeit für diese Anleihen. Wenn sowieso alles geflutet und gerettet wird, dann wird auch der Schrott mit durchgeschleppt durch diese Wirtschaftskrise? Oder anders gesagt: Die Anleger kaufen alles. Und wenn hier noch ein paar Prozent Rendite anfallen, warum nicht Schrottanleihen kaufen? Die Kurse steigen durch zunehmenden Kaufdruck, die Rendite sinkt.

Schaut man auf das Gesamtbild, dann kann man sagen: Es geht nach dem Prinzip „Hoffnung“. Die Politik will Zeit erkaufen, damit sich die Probleme (hoffentlich) von alleine lösen. Die Firmen gesunden (irgendwann) wieder, neue Jobs werden geschaffen, und alles geht weiter wie vor der Coronakrise. Und bis es soweit ist, wird gerettet und die Wirtschaftskrise optisch versteckt, wo es nur geht. Aber die Krise, die kann man eben nur verstecken, aber nicht per Dekret oder Gesetz verschwinden lassen.

7 Kommentare

7 Comments

  1. Avatar

    Chris

    11. August 2020 12:04 at 12:04

    Welche 15 Großunternehmen fragen nach Staatshilfe an?
    Ist BMW dabei?

  2. Avatar

    Johann Steinhaus

    11. August 2020 12:27 at 12:27

    Hallo Herr Kummerfeld, Situation perfekt beschrieben 👌

  3. Avatar

    asisi1

    11. August 2020 14:51 at 14:51

    Das größte Problem hier ist, das die Verbrecher die das Alles anrichten, nicht von der Justiz verfolgt werden! Außerdem ist ihnen egal was das Volk macht, da sie ihr leistungsloses Einkommen und ihre dicken Pensionen , ohne Einschränkungen aufs Kono bekommen!
    Selbst wenn der Corona Mist x Jahre weiter geht, schadet es den Pensionen nicht!

  4. Pingback: das-bewegt-die-welt.de

  5. Avatar

    thinkSelf

    11. August 2020 21:57 at 21:57

    Ich teile die Einschätzung von Herrn Kummerfeld weitgehend. Insbesondere auch die Einschätzung, dass es keiner „Absprachen“ zwischen den Regierungen und Wirtschaftsgruppen bedurfte. Das synchrone Verhalten erklärt sich alleine durch gleich gerichtete Interessen.

    Da die politische Ansage war, den Euro zu halten, gab es gar keine andere Möglichkeit als die Druckerpresse heiß laufen zu lassen (egal wer der EZB Präsident ist). Beides bedingt einander.

    Eine weitere Angst treibt das Establishment um. Da sie die EU insgesamt an die Wand gefahren haben, sind viele nur noch Mitglied solange sie Honig saugen können. Geht das nicht mehr, fällt das Gebilde in seiner heutigen Form auseinander. Und was sollen dann die ganzen Typen machen, deren Existenz und wahrgenommene Wichtigkeit ausschließlich daran hängt?

    „Es darf keine Krise geben“ würde ich allerdings umformulieren. Die korrekte Aussage ist „Der Durchschnittsdepp darf nicht merken das es eine Krise gibt.“ Zumindest nicht bis diejenigen die uns das eingebrockt haben das Zeitliche gesegnet haben.

    „Man will kein Abdriften der Wähler hin zu extrem Parteien.“ Der ist auch echt gut. Sitzen die Extremisten doch weitgehend den Regierungen.

    Einmal gemachte Fehler kann man oft nicht ungeschehen machen. Aber anstatt diese zuzugeben und dann den Schaden zu minieren werden die Fehler versteckt und der Schaden maximiert. Da kommt doch so eine kleine Hgienediktatur gerade recht. 2008 war der finale Beweis, dass der Point of no return überschritten war. Daher geht es jetzt wie auf Schienen bis zum Knall.

    Wie Herr Kummerfeld hier schön beschreibt, wurden nun alle Regeln, die für das Funktionieren einer Wirtschaft und einer Gesellschaft erforderlich sind, geschleift. Schulden werden per se nicht zurückgezahlt. Geld und damit offene Tauschtransaktionen werden ins unendliche vergrößert. Was übrigens nichts anderes bedeutet als den Produzenten von Gütern damit zu sagen, dass sie NIEMALS für ihre Arbeit bezahlt werden.
    Verträge sind nur noch „unverbindliche Absichtserklärungen“.

    Nach einer aktuellen Umfrage unter Unternehmen wären übrigens 44% ohne Staatshilfe inzwischen Pleite. Das dürfte in den anderen wichtigen EU Staaten nicht viel anders aussehen. Man lasse sich das mal auf der Zunge zergehen.

    Spanien bastelt auch schon wieder an einem Lockdown. Den Regierungen muss inzwischen so unglaublich die Düse gehen, das demnächst rauskommt was sie angerichtet haben, das sie Selbstmord aus Angst vor dem Tod begehen.

    • Avatar

      Michael

      12. August 2020 11:41 at 11:41

      @thinkSelf, Ihre Aussage zu den Pleiten ist so nicht richtig. Korrekt ist dagegen, dass 44% der Unternehmen, die eine staatliche Hilfe beantragt haben, der Meinung sind, ohne diese Hilfe wären sie bereits pleite. Das finde ich jetzt nicht so wahnsinnig verwunderlich. Erstaunlich ist, dass 56% auch ohne diese Hilfen bisher überlebt hätten.

      Aus dem Corona-„Soforthilfe“-Paket für KMU in Höhe von 50 Milliarden wurde z. B. nur knapp ein Drittel ausbezahlt. Derzeit wird schon wieder fleißig zurück gefordert und bezahlt, sodass man davon ausgehen kann, dass am Ende lediglich etwa 20 bis 25% überhaupt Hilfen erhalten haben. Und davon wären 44% ohne diese Hilfen pleite, also insgesamt rund 10%.

      Berücksichtigt man die Tatsache, dass gewisse Branchen (Gastronomie, Tourismus, Messe und Event, Automobilzulieferer) für einen Zeitraum von mindestens drei Monaten Umsatzeinbußen von 80 bis 100% verkraften mussten, zeigt sich, dass zumindest die KMU erstaunlich robust aufgestellt sind. Nur 10%, man lasse sich das mal auf der Zunge zergehen.

      • Avatar

        Michael

        12. August 2020 12:29 at 12:29

        @thinkSelf, Ergänzung: 99,5% aller Unternehmen in Deutschland sind KMU, der größte Teil sind Kleinstunternehmen (80% aller Unternehmen). Klein- und Kleinstunternehmen (0 bis 49 Mitarbeiter) haben einen Anteil von knapp 98%.

        Alleine ein einziges Großunternehmen erhält staatliche Hilfen in Höhe von 9 Milliarden EUR. Das ist fast so viel, wie alle Klein- und Kleinstunternehmen letztendlich zusammen abgerufen haben werden. In der Summe hat vermutlich eine Handvoll Großkonzerne ein Vielfaches von dem an Staatshilfen abgeräumt, was 98% aller Unternehmen (Anzahl: etwa 3,5 Millionen) zusammen erhalten.

        Und das trotz einer Dekade ständig steigender Rekordgewinne in unvorstellbaren Dimensionen. Wo sind deren Rücklagen?

Hinterlassen Sie eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

ACHTUNG: Wenn Sie den Kommentar abschicken stimmen Sie der Speicherung Ihrer Daten zur Verwendung der Kommentarfunktion zu.
Weitere Information finden Sie in unserer Zur Datenschutzerklärung

Allgemein

US-Wahl: Was passieren muß, damit Trump gewinnt!

Markus Fugmann

Veröffentlicht

am

Die US-Wahl rückt immer näher, laut Umfragen liegt Donald Trump derzeit recht deutlich hinter Joe Biden. Eines scheint klar: wenn Trump die US-Wahl gewinnen will, muß er zwingend den Bundeststaat Florida gewinnen – gewönne Biden in Florida, wäre ein Wechsel im US-Präsidentenamt praktisch sicher. Die Zwischenstände aus Florida werden also extrem wichtig – es gibt sogar einen kleinen Wahlbezirk in diesem Bundeststaat, der schon früh die Richtung anzeigen dürfte.

US-Wahl – das sind die Szenarien

Die US-Seite https://fivethirtyeight.com/ zählt zu den führenden Prognose-Quellen in den USA. Sie bietet ein interaktives Tool an, mit dem man Szenarien durchspielen kann: gewinnt etwa Biden den swing state Pennsylvania, dann hat das einen positiven Einfluß auch auf seine Sieges-Chancen auch in Nachbar-Bundestsaaten. Sehen Sie hier, was passieren muß, damit Trump gewinnen kann:

 

Und so ist die Lage in den USA unmittelbar vor der US-Wahl – es ist ein gespaltenes, zerrissenes Land, wie folgende ARTE-Dokumentation zeigt:

 

Was muß passieren, damit Trump die US-Wahl gewinnt?

weiterlesen

Aktien

Banken: Es hagelt sensationell gute Quartalsergebnisse!

Claudio Kummerfeld

Veröffentlicht

am

Hochhäuser von Banken im Londoner Viertel Canary Wharf

Was ist das los? Gerade in der schlimmsten Rezession seit Jahrzehnten sollten sich die Banken doch in einer dramatischen Schieflage befinden? Denn Kreditausfälle müssten aus Quartalsgewinnen eigentlich Verluste machen und damit folglich das Eigenkapital der Banken angreifen? Dieses Szenario steht womöglich bevor, wenn die anstehende Pleitewelle Löcher in die Bücher der Banken reißt.

Aber noch ist es nicht soweit. Derzeit hagelt es sensationell gute Quartalszahlen von Banken weltweit. Vor allem fällt auf, dass gerade die Banken tolle Zahlen melden, die stark im Kapitalmarktgeschäft tätig sind, und eher weniger im Privat- und Firmenkundengeschäft mit Krediten, wo Probleme mit Kreditausfällen drohen, und wo die Banken sich derzeit mehr denn je mühen neue Kundeneinlagen abzuweisen – weil sie selbst sonst Strafzinsen zum Beispiel bei der EZB entrichten müssten.

Banken mit starkem Kapitalmarktgeschäft im Vorteil

Wie gesagt. Wer stark im Kapitalmarktsegment engagiert ist, der feiert die Krise. Zum Beispiel lässt sich derzeit viel Geld machen mit den globalen Schuldenorgien. Wo die Banken zum Beispiel in Europa in den Erstauktionen der staatlichen Schuldenagenturen Staatsanleihen aufkaufen, können sie mutmaßlich schön und entspannt Gewinn machen mit dem Weiterverkauf der Anleihen an die EZB am Sekundärmarkt. Auch in vielen anderen Bereichen des Kapitalmarkts war die letzten Quartale viel los. Man beachte in diesem Zusammenhang die sensationell guten Quartalszahlen von Goldman Sachs vom 14. Oktober. Der Quartalsgewinn konnte gegenüber dem Vorjahresquartal verdoppelt werden (hier die Details). Bei den anderen großen US-Banken gab es keine Katastrophen-Meldungen. Und dann am Dienstag dieser Woche meldete die Schweizer Großbank UBS ebenfalls eine Gewinn-Verdoppelung (hier die Details).

Barclays

Heute nun hat die britische Großbank Barclays ihre Quartalszahlen veröffentlicht. Der Gewinn liegt mit 611 Millionen Pfund gut drei Mal so hoch wie erwartet, und auch dramatisch besser als im Vorjahr. Da war es noch ein Verlust von 292 Millionen Pfund – auch wenn man hier berücksichtigen muss, dass der Verlust aufgrund von Schadenersatzzahlungen an geschädigte Kreditnehmer zustande kam. Dennoch ist heute ein Gewinn, der drei Mal so hoch reinkommt wie erwartet, beachtlich. Außerdem hat Barclays wie viele andere Banken auch im dritten Quartal die Risikovorsorge für mögliche Kreditausfälle deutlich reduziert, nämlich auf 608 Millionen Pfund nach 3,7 Milliarden Pfund in den ersten sechs Monaten des Jahres.

Nordea

Bei der größten skandinavischen Bank Nordea könnte man glatt meinen, dass die Krise zeitlich auf den Kopf gestellt wurde. Auch hier gab es heute Quartalszahlen. Der operative Gewinn steigt binnen Jahresfrist von 875 Millionen auf 1,09 Milliarden Euro. Die Gründe für die guten Zahlen: Einerseits mehr Kreditvergabe-Volumen in der Krise – andererseits nicht mehr vorhandene Belastungen durch Schrottkredite (331 Millionen Euro Belastung im Vorjahresquartal). Dennoch erwartet Nordea für das Gesamtjahr Kreditausfälle von gut einer Milliarde Euro. Es klingt wie ein Witz, dass jetzt Belastungen durch Kreditausfälle weggefallen sind. Aber aktuell wirkt es noch schlüssig. Es werden weltweit auch mit Staatshilfen viele neue Kredite vergeben, wo die Kreditnehmer natürlich erstmal wieder liquide sind und auch die monatlichen Raten einige Zeit lang zahlen können.

Noch sieht es gut aus

Wenn die große Pleitewelle bei Unternehmen denn kommen sollte, dürfte sich die Lage für die Banken verdunkeln. Banken wie Goldman Sachs mit fast null klassischem Privatkundengeschäft könnten auch in einer Pleitewelle gut da stehen, weil man ja keine Kreditausfälle verkraften müsste. Und die deutschen Banken? Die Commerzbank meldet ihre Quartalszahlen am 5. November, die Deutsche Bank am 28. Oktober. Es ist möglich, dass sie schon vorab als Ad Hoc-Meldung ihre Finanzdaten berichten, wenn sie zu stark von den Erwartungen abweichen. Es könnte sein, dass auch die beiden deutschen Großbanken jetzt halbwegs akzeptable Zahlen melden, und dass die bitteren Verluste der Kreditausfälle erst noch anstehen, wenn die Pleitewelle wie von vielen Experten erwartet demnächst einsetzt. Aber es kann vielleicht noch einige Zeit dauern, bis eine Pleitewelle wirklich auf die Quartalszahlen der Banken durchschlägt. Denn bis die Bank wirklich einen Kredit als Verlust abschreibt, muss erstmal der Schuldner den Bach runtergehen, dann gibt es Verhandlungen über Umschuldungen usw. Also, kurzfristig könnten auch Deutsche Bank und Commerzbank noch akzeptable Quartalszahlen melden.

weiterlesen

Allgemein

Sahra Wagenknecht über die große Krise, und wie man sie lösen kann

Redaktion

Veröffentlicht

am

Von

Sahra Wagenknecht hat den Ruf wirklichen wirtschaftlichem Sachverstand zu besitzen. Bei ihr kann man erkennen: Es wird nicht stumpf das sozialistische Lied abgespielt. Bei ihren Aussagen merkt man, dass sie das Gesamtbild im Blick hat und auch versteht. Natürlich kann und darf man über ihren Lösungsansatz für das große Gesamtproblem streiten. Aber auch ihren Lösungsansatz begründet sie inhaltlich nachvollziehbar.

Sahra Wagenknecht mit Bestandsaufnahme der Krise

In ihrem aktuellsten Video (am Ende dieses Artikels) wirft Sahra Wagenknecht die Frage auf, ob eine große Finanzkrise bevorsteht. Dafür arbeitet sie sich an vielen Ungleichgewichten und wirtschaftlichen Schieflagen ab, die in dieser Form in der Tat auch bestehen. So bespricht sie die gigantische Geldschwemme der Notenbanken, in der Europa verursacht durch die EZB. Diese sorge für einen riesigen Push bei den Aktienkursen. Profitieren würden vor allem die Reichen, die in großem Umfang Aktien besitzen. Der Kleinsparer, der sein Geld nur auf dem Sparkonto parkt, würde durch Nullzinsen (neuerdings immer öfters auch Negativzinsen) und Inflation laut Sahra Wagenknecht real jedes Jahr Geld verlieren.

Die Großkonzerne würden in der Coronakrise mit billigem Geld überschwemmt, so dass sie gar keine Probleme hätten durch diese Krise zu kommen (ja, dafür gibt es zahlreiche Beispiele). Gleichzeitig haben es laut Sahra Wagenknecht kleine Unternehmen und Unternehmer derzeit sehr schwer überhaupt an Geld zu kommen, um die Krise überleben zu können. Demnach seien die großen Konzerne die Krisengewinner, die kleinen Betriebe die Verlierer. Sahra Wagenknecht nennt in diesem Zusammenhang auch die Anleihekäufe der EZB, wo auch in großem Stil Unternehmensanleihen gekauft werden. Und hier geht es eben um Anleihen großer Unternehmen, und nicht um Schulden kleiner Betriebe, die eh keine Anleihen ausgeben.

Als weiteres Ungleichgewicht benennt Sahra Wagenknecht auch die Immobilienblase. Bei den niedrigen Zinsen lohne sich die große Spekulation, welche die Preise immer weiter nach oben treibe. Und letztlich beleuchtet sie die (von uns bei FMW oft angesprochene) steigende Bedrohung für das Bankensystem in Europa. Schon vor der Krise habe es laut Sahra Wagenknecht 600 Milliarden Euro Volumen an faulen Krediten bei Banken in Europa gegeben – jetzt drohe diese Summe auf 1,4 Billionen Euro zu steigen.

Problemlösung

Was sei nun die Lösung des Problems? Laut Sahra Wagenknecht seien immer neue Schulden und immer tiefere Zinsen nicht die Lösung des Problems. Die Wirtschaft könne auch nicht so kräftig ansteigen, dass Volkswirtschaft und Staat aus dem gigantischen Schuldenberg „herauswachsen“ könnten, wie sie es formuliert. Inflation sei auch keine Lösung, da hierbei die kleinen Leute mit ihren Sparguthaben enteignet würden. Die reichen Leute würden mit ihren Immobilien und Betriebsvermögen ihren Wohlstand behalten, während die kleinen Leute bei einer spürbaren Inflation den Preis bezahlen müssten.

Für Sahra Wagenknecht gibt es nur eine Lösung des Problems. Und da kommt natürlich die linke Politik wieder zum Vorschein. Man müsse die enorme angehäufte Schuldenlast restrukturieren, und zwar zu Lasten der wirklich Vermögenden. Dazu kann man anmerken: Das ist eine politische Frage, was man will. Diese Lösung kann man befürworten, oder eben auch nicht. Ansichtssache. Aber abgesehen davon: Die anderen Alternativen sind auch nicht berauschend. Man darf vermuten: So wie die aktuelle Merkel-Regierung wird wohl auch ein Nachfolger wie Herr Laschet keinen großen Wurf machen, sondern stillschweigend zusammen mit der EZB auf die Lösung setzen, die auch die Amerikaner seit Jahrzehnten praktizieren, wenn es um Problemlösungen geht. „Kick the can down the road“ – die Dose die Straße weiter runter kicken. Das Problem also in die Zukunft verschieben. Also jetzt immer neue Rettungsprogramme auflegen (letztlich finanziert durch die EZB, das neue EU-Schuldenprogramm uvm), – und diese Probleme darf irgendwer in ferner Zukunft abzahlen.

Sahra Wagenknecht
Sahra Wagenknecht. Foto: Ferran Cornellà CC BY-SA 4.0

weiterlesen

Anmeldestatus

Meist gelesen 7 Tage

Wenn Sie diese Webseite weiter verwenden, stimmen Sie automatisch der Verwendung von Cookies zu. Zur Datenschutzerklärung

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um Ihnen das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn Sie diese Website ohne Änderung Ihrer Cookie-Einstellungen verwenden oder auf "Akzeptieren" klicken, erklären Sie sich damit einverstanden.

Schließen